Niedersachsen – FuI-Schwerpunkte

Die Lebenswissenschaften in Niedersachsen erhalten breite Unterstützung in datenintensiver Forschung und personalisierter Medizin. Mit den Universitätsmedizinen Göttingen, Hannover und Oldenburg-Groningen verfügt das Land über bedeutende Standorte. Zusammen mit außeruniversitären Einrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und überregionalen Netzwerken (z. B. Netzwerk Universitätsmedizin, Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung) steht dies beispielhaft für zunehmend trans- und interdisziplinäre Grundlagen- und Anwendungsforschung.

Das Projekt „Transformation des Energiesystems Niedersachsen (TEN.efzn)“ treibt die strategische Weiterentwicklung der Energieforschungslandschaft voran. Es verbindet technische und sozialwissenschaftliche Forschung in den Bereichen Offshore-Windenergie, Wasserstoff/Ammoniak, Digitalisierung, Geoenergiesysteme, Wärme und soziale Dynamiken, um innovative Lösungen für eine klimaneutrale Energieversorgung zu entwickeln.

Mobilität ist ein zentrales Forschungsfeld. Mit dem Forschungszentrum Fahrzeugtechnik besitzt Niedersachsen eine exzellente Basis für Fahrzeuginnovationen. Am Forschungscampus Open Hybrid LabFactory arbeiten Wissenschaft und Industrie gemeinsam an Technologien für die industrielle Fahrzeugproduktion – von der Grundlagenforschung bis zur Umsetzung in Fertigungsverfahren.

Die Battery LabFactory Braunschweig (BLB) untersucht Produktionseinflüsse, neuartige Materialien und alternative Fertigungsmethoden für Batterien. Ergänzend setzen das Fraunhofer-Projektzentrum Energiespeicher und -systeme (ZESS) sowie das Center for Circular Production of Next Batteries and Fuel Cells (CPC) Maßstäbe in der Entwicklung nachhaltiger Energiespeicher.

Auch im Bereich der erneuerbaren Energien ist Niedersachsen stark: Am Institut für Solarenergieforschung in Hameln (ISFH) werden Fertigungstechnologien für Silizium-Solarzellen entwickelt und eine wettbewerbsfähige Photovoltaik-Produktion aufgebaut.

Mit dem Forschungszentrum Luftfahrt am Forschungsflughafen Braunschweig besitzt Niedersachsen zudem ein Alleinstellungsmerkmal in der Luftfahrtforschung.

Das Land spielt eine Schlüsselrolle im europäischen Streben nach einer nachhaltigen Circular Economy. Hochschulen sind wichtige Akteure bei der Erforschung effizienter Ressourcennutzung und nachhaltiger Rohstoffversorgung.

Die Agrar- und Ernährungsforschung ist ein wichtiges Transformationsfeld. Projekte wie ZERN („Zukunft der Ernährung in Niedersachsen“), KI Reallabor Agrar“ und „agri-change“ (2025–2030) setzen Impulse für anwendungsorientierte, interdisziplinäre Forschung und eine nachhaltig gestaltete Agrarwende.

In der Meeres-, Küsten- und Klimaforschung sind das Institut für Chemie und Biologie des Meeres, das Forschungsinstitut Senckenberg am Meer, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie das Forschungszentrum Küste (FZK) zentrale Akteure. Sie arbeiten an den Herausforderungen modernen Küstenschutzes, unterstützt von der Deutschen Allianz für Meeresforschung. Das Zentrum Klimaforschung Niedersachsen ergänzt mit fünf Klima.Zukunftslaboren das Portfolio zur Klima- und Klimafolgenforschung.

Forschung und Anwendung zur Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz sind im Land fest verankert. Zentrale Akteure sind das Deutsche Forschungszentrum für KI in Osnabrück und Oldenburg, die Universität Osnabrück mit dem KI-Campus, das Forschungszentrum L3S (Hannover/Braunschweig), die Universität Oldenburg mit OFFIS sowie die Universität Göttingen mit dem Campus-Institut Data Science. Eine aktuelle Ausschreibung für KI-Forschungsgruppen verbindet Personenförderung mit Methodenentwicklung und deren Anwendung auf vorhandene Datenbestände.

Durch eine trans- und interdisziplinäre Erweiterung, die sowohl Aspekte der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften als auch der Datenwissenschaften umfasst, wird der Entwicklung der lebenswissenschaftlichen Forschung u. a. auf dem Feld der personalisierten Medizin (inkl. stärkerer Berücksichtigung von Gender- und Diversity-Aspekten) Rechnung getragen.

Die niedersächsische regionale Innovationsstrategie für intelligente Spezialisierung (RIS3) für 2021 bis 2027 fokussiert auf acht Stärkefelder: Mobilität, Lebenswissenschaften, Energietechnologien und -systeme, Land- und Ernährungswirtschaft, Neue Materialien, Produktionstechnik, Maritime Wirtschaft sowie das Querschnittsfeld Digitale Wirtschaft. Zur Weiterentwicklung der Innovationspolitik hat das Land 2025 einen Innovationsrat einberufen, der bis Herbst 2026 konkrete Empfehlungen erarbeiten wird.

Aufgrund der veränderten Sicherheitslage im Zuge der Zeitenwende wird Niedersachsen zukünftig einen starken Fokus auf die anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungstechnologien richten. Hierbei sollen insbesondere die wissenschaftlichen Expertisen in den Bereichen Quantenforschung, Cybersicherheit, Luftfahrt und Mobilität gezielt in die Verbundforschung eingebracht werden.

Nach oben