Wissenschaft und Forschung sind essenziell, um die langfristige Wachstumsgrundlage, den Wohlstand, die Zukunftsfähigkeit und die Resilienz einer Volkswirtschaft zu erhalten. Sie ermöglichen Anpassungs- und Weiterentwicklungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft und tragen auf diese Weise dazu bei, die großen gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen unserer Zeit im ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und sicherheitspolitischen Bereich zu bewältigen. Daten und Fakten bilden die Grundlage für eine evidenzbasierte Politik, die diese Herausforderungen adressiert.
Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem (FuI-System) zeichnet sich durch eine forschungsstarke Wirtschaft, eine ausdifferenzierte Hochschullandschaft und vielfältige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen aus. Insgesamt haben Wirtschaft, Hochschulen, Staat und private Institutionen ohne Erwerbszweck 2024 nach vorläufigen Berechnungen 137,1 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert. Damit erreichen die nominalen FuE-Ausgaben einen Höchststand. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausgaben um 5,1 Mrd. Euro bzw. um 3,8 %.
Wichtigster durchführender Sektor für Forschung und Entwicklung ist die Wirtschaft, die 2024 nach vorläufigen Angaben 92,5 Mrd. Euro in FuE investierte. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies nominal ein Zuwachs um 2,3 %. Allerdings stehen die FuE-Aktivitäten in zentralen Branchen wie der Automobilindustrie, der chemischen und pharmazeutischen Industrie und der metallerzeugenden Industrie unter Druck und waren zuletzt stagnierend bzw. rückläufig. Die Hochschulen und die öffentlichen und öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen steigerten ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung im gleichen Zeitraum vergleichsweise stärker: um 7,1 % bzw. um 2,9 Mrd. Euro auf 44,5 Mrd. Euro.
Die vorläufige FuE-Quote für das Jahr 2024 liegt bei 3,17 % und damit so hoch wie nie zuvor. Allerdings ist der Anteil der internen FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Wirtschaft (2,14 %) gegenüber dem Vorjahr unverändert und entspricht ungefähr dem Niveau von 2019. Die FuE-Intensität im Staats- und Hochschulsektor ist leicht von 0,99 % im Jahr 2023 auf 1,03 % im Jahr 2024 gestiegen.
Bund und Länder sind bestrebt, die in FuE tätigen Akteure bestmöglich zu unterstützen und den Innovationsstandort Deutschland zu stärken und zukunftsfähig zu machen. Hierfür ist die Erfassung von FuE-Aktivitäten und FuE-Ergebnissen mit einer tragfähigen Indikatorik unabdingbar. Sie ermöglicht es, einen Überblick über FuE-Aktivitäten zu einem bestimmten Zeitpunkt und für einen ausgewählten regionalen Zuschnitt zu gewinnen, Entwicklungen im Zeitverlauf abzubilden und diese zu vergleichen. Dadurch lassen sich Entwicklungspotenziale und Schwachstellen identifizieren. Politische Maßnahmen können zielgerichtet daran ausgerichtet werden.
Der vorliegende Datenband stellt anhand ausgewählter Indikatoren zum deutschen FuI-System Daten und Fakten dar und ordnet sie im internationalen Vergleich ein. Der erste Teil des Datenbands widmet sich den finanziellen und personellen Ressourcen, die zur Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten eingesetzt werden (FuE-Input). Diese Art der Betrachtung erfasst alle FuE-Aktivitäten unabhängig von deren Ergebnissen. Abgebildet wird, in welchem Umfang in Forschung und Entwicklung investiert wird. Vorteile der Inputbetrachtung liegen u. a. in den vielfältigen Aggregationsmöglichkeiten, die sektorale und regionale Vergleiche erlauben, sowie in der Kompatibilität mit anderen Statistiken wie den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Bundes und der Länder. Auch ist das Erbringen des Inputs einem klaren Zeitraum zuordenbar. Zur Messung der Aktivitäten ist das Frascati-Handbuch der OECD essenziell.[1] Es legt grundlegende Konzepte und Richtlinien für die Erhebung von quantitativen Daten und Klassifikationen für Statistiken fest, was ein international einheitliches Vorgehen sicherstellt und somit valide internationale Vergleiche ermöglicht. Die Kernindikatoren auf der Input-Seite sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (1.1 FuE-Ausgaben) und das Personal für Forschung und Entwicklung (1.2 FuE-Personal).
Der zweite Teil des Datenbands richtet den Blick auf die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung (FuE-Output). Publikationen, Patente und die Ausfuhr von forschungsintensiven Waren sind Beispiele für FuE-Ergebnisse. Die Messung von FuE-Ergebnissen und die Interpretation der Indikatoren sind komplexer als die der Inputs, denn die statistisch erfassten Outputs können in der Regel nur schwer den zugrunde liegenden FuE-Inputs unmittelbar zugeordnet werden. Gleichzeitig sind Forschungsaktivitäten immer ergebnisoffene Prozesse, sodass eine Zunahme an FuE-Investitionen nicht zwangsläufig in quantitativ messbaren Ergebnissen münden muss. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass zwischen Forschungsgebieten und Sektoren die Relevanz eines Indikators erheblich abweichen kann. So sind beispielsweise Publikationen ein wesentlicher Outputindikator für die Wissenschaft, weniger aber für die Wirtschaft. Um ein möglichst vollständiges Bild zu zeichnen, führt der Datenband daher eine breite Palette von Outputindikatoren zusammen. Betrachtet werden zunächst Einzelindikatoren, beispielsweise zu Publikationen, Patenten und zur wirtschaftlichen Verwertung von FuE. Dabei orientiert der Datenband sich an der typischen zeitlichen Reihenfolge von FuE-Ergebnissen und spiegelt zugleich deren wachsende volkswirtschaftliche Bedeutung (2.1 Ausgewählte Outputindikatoren). Abschließend wird auf Basis ausgewählter Innovationsindizes eine Einordnung der Leistungsfähigkeit des deutschen FuI-Systems im internationalen Vergleich vorgenommen (2.2 Internationale Indikatorensysteme).
OECD (2018): Frascati-Handbuch 2015: Leitlinien für die Erhebung und Meldung von Daten über Forschung und experimentelle Entwicklung, OECD Publishing, Paris.
