10 Fachkräfte, Zukunftskompetenzen und Zukunft der Arbeit

Fachkräfte und Talente zu gewinnen, zu qualifizieren und langfristig zu fördern, ist essenziell für den Innovations- und Technologiestandort Deutschland. Nur so kann auf höchstem Niveau geforscht, können innovative Lösungen entwickelt und diese in die praktische Anwendung überführt werden – im Sinne der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und des gesellschaftlichen Wohlstands sowie zur Bewältigung aktueller und künftiger Herausforderungen. Diese Rolle von Fachkräften betont die Bundesregierung auch mit der Hightech Agenda Deutschland (HTAD).

Die Bundesregierung stellt sich diesen bildungspolitischen Herausforderungen und arbeitet stetig daran, Strukturen, Inhalte und Formate der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie Bildungsfinanzierungsinstrumente wie das BAföG und die Begabtenförderung bedarfsgerecht weiterzuentwickeln, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase zu fördern und dabei Chancengerechtigkeit, Gleichstellung und Vielfalt zu stärken.

Zugleich verändern die Digitalisierung, die KI und der gesellschaftliche Wandel die Arbeitswelt. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und die regionalen Kompetenzzentren der Arbeitsforschung helfen Unternehmen und Beschäftigten, neue Arbeitsformen umzusetzen und Arbeitsplätze resilienter und inklusiver zu gestalten. So soll der Wandel sozialverträglich und zukunftsorientiert gelingen.

Zukunftskompetenzen sind dabei entscheidend, um notwendige Transformationsprozesse aktiv mitzugestalten. Das gilt insbesondere für die Herausforderungen, die sich aus digital geprägten Arbeitswelten mit ihren veränderten Anforderungen an berufliche Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, aus dem Umgang mit sich wandelnden ökologischen Rahmenbedingungen sowie aus dem demografischen Wandel ergeben.

Digitale Technologien eröffnen neue Wege für das Lernen – individuell, flexibel und ortsunabhängig. Damit Bildung ihr volles Potenzial entfalten kann, wird jedoch mehr benötigt als Technik: Didaktische Qualität und digitale Kompetenzen der Lehrenden müssen ineinandergreifen. Insbesondere die berufliche Bildung spielt eine Schlüsselrolle, um Menschen aller Altersgruppen durch praxisnahe und durchlässige Qualifizierungswege zu erreichen.

Auch die Hochschulen spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung und Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Ausbildung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Mit den Vereinbarungen über den Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“ sowie über „Innovation in der Hochschullehre“ unterstützen Bund und Länder dauerhaft eine qualitativ hochwertige und wettbewerbsfähige Lehre an deutschen Hochschulen.

Der Fachkräftebedarf lässt sich jedoch nicht allein national decken. Die Bundesregierung setzt daher auch auf die Gewinnung internationaler Talente und stärkt globale Bildungskooperationen. Nur im Zusammenspiel von Zuwanderung, internationaler Zusammenarbeit und evidenzbasierten bildungspolitischen Maßnahmen lassen sich Rahmenbedingungen schaffen, die Fachkräfte befähigen, auf höchstem Niveau zu forschen, innovative Lösungen zu entwickeln und den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis aktiv zu gestalten.

10.1 Zukunftskompetenzen

Bildung ist zentral, um globale Herausforderungen zu bewältigen, Innovationen sowie wirtschaftliches Wachstum zu fördern und nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Hierbei nehmen Kenntnisse in Naturwissenschaften, Technik und Informatik an Bedeutung zu. Darüber hinaus beruht der Erfolg von Lernenden und Lehrenden in einer komplexen, dynamischen Welt – zusätzlich zu digitalen Kompetenzen – auf den Fähigkeiten zum kritischen Denken, zu Kreativität, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie sozial-emotionaler Stärke. Diese Zukunftskompetenzen ermöglichen kulturelles, demokratisches, soziales und nachhaltiges Handeln und werden daher in zahlreichen Programmen der Bundesregierung aufgegriffen.

10.1.1 Schlüsseltechnologie-, Digital- und Datenkompetenzen

Im Zuge des digitalen Wandels verändern sich Anforderungen an Bildung und Arbeitswelt grundlegend. Deutschland braucht mehr qualifizierte Fachkräfte, insbesondere in digitalen Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI), Quantentechnologie, Mikroelektronik, IT-Sicherheit und Robotik. Zugleich sollen alle Menschen digitale Chancen nutzen und mit Risiken wie Desinformation oder Datenmissbrauch sicher umgehen können. Um das zu ermöglichen, fördert die Bundesregierung gezielt digitale Kompetenzen – und macht Menschen fit für eine Arbeitswelt, in der digitale Fähigkeiten selbstverständlich sind.

Lernplattform KI-Campus des Stifterverbandes mit offen lizenzierten, kostenlosen Onlinekursen zum Thema Künstliche Intelligenz

Die MINT-Maßnahmen der Bundesregierung zielen zusätzlich auf die Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – von der Kita bis zur Hochschule. Angebote wie der „MINT-Campus“, Lehrerfortbildungen, der Wettbewerb „INVENT a CHIP“ und die „DLR_School_Labs“ wecken bei jungen Menschen frühzeitig Neugier und ermöglichen praxisnahe Erfahrungen. Die BMBFSFJ-geförderte MINT-Vernetzungsplattform „MINTvernetzt“ ist inzwischen die zentrale Service- und Anlaufstelle für die MINT-Akteurslandschaft in Deutschland.

Für den sicheren und souveränen Umgang mit Informationen in der digitalen Welt sind Digital-, Daten- und Medienkompetenzen Grundvoraussetzung. Daher fördert die Bundesregierung u. a. im Rahmen des Forschungsrahmenprogramms „Digital. Sicher. Souverän“ die digitale Resilienz der Bevölkerung durch Modellprojekte zu Themen wie Social Media, Algorithmen und Faktenprüfung – sowohl in Schulen als auch in der außerschulischen Bildung; beides Bereiche, in denen bereits DigitalPakt Schule, Digitalpakt 2.0 und die OER-Strategie die Kompetenzentwicklung unterstützen. Ergänzend wird Medienkompetenz – inklusive KI-Kompetenzprojekte – in der nachberuflichen Bildung bis ins hohe Alter gefördert, da das Gelingen der digitalen Transformation in einer alternden Gesellschaft maßgeblich von der Einbeziehung der rund 20 Millionen Menschen über 65 Jahre abhängt.

Ein weiterer MINT-Schwerpunkt liegt auf der gezielten Förderung von Frauen. Obwohl der Anteil von Studentinnen in MINT-Fächern gestiegen ist, sind Frauen insbesondere in Führungspositionen und bei Patenten weiterhin unterrepräsentiert. Mit „MissionMINT – Frauen gestalten Zukunft“ setzt das BMFTR deshalb an den Übergangsphasen von Schule zu Studium zu Beruf an.

Auf der europäischen Ebene setzt die „Deep Tech Talent Initiative“ des European Institute of Innovation and Technology (EIT) bei der Förderung von Technologiekompetenzen an und hat bis 2025 mehr als eine Million Menschen – insbesondere junge Menschen und Frauen – geschult.

10.1.2 Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) vermittelt zentrale Zukunftskompetenzen, die Menschen befähigen, sich aktiv an gesellschaftlichem Wandel zu beteiligen. Das BMBFSFJ treibt in einem breit aufgestellten Prozess die Umsetzung des UNESCO-Programms „BNE 2030“ in Deutschland voran und fördert die internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Agenda 2030.

Personen auf einer Veranstaltung
Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Biophysik im Rahmen der Night of Science

Die Nationale Plattform BNE, ein mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Jugendorganisationen besetztes Gremium, verabschiedete 2017 den Nationalen Aktionsplan BNE (NAP BNE). Die Bundesregierung entwickelt ihn fortlaufend weiter und passt ihn an das Programm „BNE 2030“ an. Grundlage ist ein Impulspapier der Plattform, das zentrale Handlungsfelder definiert und Synergien in den Bereichen Digitalisierung, politische Bildung und ökonomische Bildung benennt. 2025 hat die Nationale Plattform das Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt und BNE als ein Schwerpunktthema beschlossen. In diesem Rahmen werden unter Einbindung externer Expertinnen und Experten Handlungsempfehlungen zur Stärkung und Weiterentwicklung wesentlicher Demokratiekompetenzen im Rahmen von BNE erarbeitet.

Eine besondere Rolle kommt der Fort- und Weiterbildung zu. Die Nationale Plattform BNE gründete 2024 die Arbeitsgruppe „Weiterbildung“, um Empfehlungen zur Stärkung von BNE-Weiterbildungen zu erarbeiten. Ein Beispiel ist die Online-Weiterbildung „BNEhoch3“, bei der Teilnehmende zwölf Module absolvieren und ein Zertifikat erhalten. Des Weiteren stehen Qualifizierung von Ausbildungspersonal und Lernumgebungen sowie Berufsorientierungsmöglichkeiten mit Nachhaltigkeits- und Klimabezug im Fokus der Bundesförderung.

Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) fördert das BMUKN Bildungsmaßnahmen zu Klimaschutz und Ökosystemschutz – vom frühkindlichen bis ins Erwachsenenalter. Der BNE-orientierte digitale Lernraum „Klima Campus“ unterstützt diese Maßnahmen zusätzlich.

Das BMBFSFJ fördert die Verankerung von BNE entlang der Bildungskette im Rahmenprogramm Empirische Bildungsforschung. Unterstützt werden zudem Programme zur Qualifizierung von Hochschullehrenden, Schülerfirmen mit Nachhaltigkeitsfokus sowie kommunale Modellvorhaben. Zudem fördert das BMFTR die strukturelle Verankerung von BNE an Hochschulen und in der Forschung.

Bildungsberichtsübergreifende strategische Impulse liefert das vom BMBFSFJ geförderte Nationale BNE-Monitoring. Es analysiert regelmäßig den Stand der Umsetzung von BNE in allen Bildungsbereichen und macht Fortschritte und Handlungsbedarfe einer BNE-orientierten Kompetenzentwicklung im Bildungssystem sichtbar. Zudem hat das BNE-Monitoring den neuen Bildungsindikator „Schulen mit BNE-Label“ mitentwickelt, der 2025 in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen wurde.

Zur Verbreitung von BNE trägt die Öffentlichkeitsarbeit bei, wie im Rahmen der bundesweiten BNE-Wochen oder durch den gemeinsam von BMBFSFJ und der Deutschen UNESCO-Kommission vergebenen „Nationalen Preis – Bildung für nachhaltige Entwicklung“, der seit 2023 herausragende Projekte würdigt.

Auch das vom BMBFSFJ geförderte Programm „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden (NIB)“ adressiert Ausbildungspersonal und zielt auf eine strukturelle Verankerung von Kompetenzentwicklung etwa bei Lehrenden/Ausbildenden und Lernenden/Auszubildenden. Die Förderansätze von NIB nehmen zudem die Bedarfe von Betrieben hinsichtlich der Herausforderungen der ökologischen Transformation in den Blick.

10.1.3 Kulturelle Bildung

Kulturelle Bildung fördert gesellschaftliche Teilhabe, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung und trägt zur Entwicklung von Zukunftskompetenzen bei. Das Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ fördert seit 2013 außerschulische Projekte für Kinder und Jugendliche, die in einer der Risikolagen für Bildungserfolg aufwachsen, mit jährlich bis zu 50 Mio. Euro. Schwerpunkte der laufenden Förderphase sind vermehrte Angebote im Ganztag und in ländlichen Räumen sowie kommunale Verankerung der Bündnisakteure und Digitalität der Angebote. Im Rahmenprogramm empirische Bildungsforschung wird transferorientierte Forschung zu Innovationen und qualitätssteigernden Maßnahmen in der kulturellen Bildung gefördert. Die Wissensplattform „kubi-online“ unterstützt den Transfer von Forschung in die Praxis.

Das BMBFSFJ stärkt die Trägerstruktur der kulturellen Bildung u. a. durch bundesweite Preise wie den Deutschen Jugendliteraturpreis und Wettbewerbe für Kinder, Jugendliche und Studierende.

10.1.4 Finanzielle Bildung

Finanzielle Bildung ist ein lebensbegleitendes Thema, das Teilhabe, Risikoabwägung und wirtschaftliche Selbstbestimmung stärkt. 2023 haben BMF und BMBFSFJ deshalb gemeinsam die Initiative „Finanzielle Bildung“ ins Leben gerufen, um das Thema bundesweit zu stärken. Bis Frühjahr 2025 wurden 73 Forschungsprojekte bewilligt, um die Datenlage zur finanziellen Bildung zu verbessern und neue Ansätze zu entwickeln. Parallel finden unter Federführung von BMBFSFJ und BMF Workshops und Stakeholder-Dialoge zu Themen der finanziellen und ökonomischen Bildung statt. Darüber hinaus betreut das BMF die Finanzbildungsplattform „Mit Geld und Verstand“, die öffentliche Finanzbildungsangebote bündelt und adressatengerecht zugänglich macht. Finanzielle Bildung ist auch ein Forschungsschwerpunkt des Rahmenprogramms Empirische Bildungsforschung.

FuI-Maßnahmen

Forschung zu finanzieller Bildung

Das BMBFSFJ fördert FuE-Projekte, die Erkenntnisse zur Stärkung einer evidenzbasierten finanziellen Bildung generieren, um die Forschungs- und Datengrundlage zu finanzieller Bildung in Deutschland zu verbessern und bessere Chancen für Gerechtigkeit, Wachstum und Wohlstand zu bieten.

Forschungsprojekte zur kulturellen Bildung in gesellschaftlichen Transformationen

Das BMBFSFJ unterstützt FuE Vorhaben im Bereich der kulturellen Bildung vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Transformationsprozesse.

INVENT a CHIP

Das BMFTR unterstützt einen bundesweiten Schülerwettbewerb, um Innovationen im Bereich der Mikroelektronik zu fördern.

Kompetenz Klima – Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Beruf

Das BMWE fördert die Sensibilisierung junger Personen für Aspekte des Klima- und Umweltschutzes sowie den Erwerb von Grundkompetenzen zum Klima- und Umweltschutz in der Berufsausübung, um sowohl Nachhaltigkeit als auch die Fachkräftegewinnung zu unterstützen.

Kompetenzen für eine digital geprägte Welt (Digitalisierung III)

Das BMBFSFJ unterstützt Forschungsvorhaben zur Entwicklung von pädagogisch und (fach)didaktisch begründeten sowie empirisch erforschten Konzepten für die Vermittlung von Kompetenzen für eine digital geprägte Welt.

Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen

Das BMBFSFJ unterstützt FuE-Vorhaben, die empirisch den Gegenstand der kulturellen Bildung im ländlichen Raum untersuchen.

MissionMINT – Frauen gestalten Zukunft

Das BMFTR unterstützt Vorhaben zur Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Forschungs- und -Innovationsbereich.

Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden

Das BMBFSFJ fördert die sozial-ökologische Transformation innerhalb von Betrieben hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise mit Fokus auf Energiewende und Kreislaufwirtschaft, um den Betrieben zu ermöglichen, eine aktive Rolle in diesen Prozessen einzunehmen und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Quantum Futur Education – Netzwerk interdisziplinärer Aus- und Weiterbildungskonzepte in den Quantentechnologien

Das BMFTR unterstützt interdisziplinäre Aus- und Weiterbildungskonzepte im Bereich der Quantentechnologien, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase (WiKa) und industrielle Fachkräfte zu qualifizieren und so die Technologiesouveränität in Deutschland langfristig zu sichern.

Quantum Future Professionals

Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die im Feld der Quantentechnologien Ansätze, dem Fachkräftemangel entgegenwirken, um das Anwendungspotenzial dieses Fachgebiets vollständig auszuschöpfen.

Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen

Das BMFTR unterstützt FuE-Projekte an Hochschulen, die konkrete, praxistaugliche Transformationspfade in Richtung Nachhaltigkeit in den verschiedenen Bereichen der Hochschule entwickeln und erproben.

10.2 Zukunft der Arbeit

Digitalisierung und der Einsatz von KI, demografischer Wandel und gesellschaftliche Vielfalt verändern Arbeitswelt und Tätigkeiten grundlegend. Neue Formen der Arbeitsorganisation eröffnen Chancen für nachhaltige, inklusive und resiliente Arbeitsstrukturen und schaffen kreative und innovative Arbeitsprozesse. Entscheidend ist, diesen Wandel aktiv zu gestalten, damit Betriebe wettbewerbsfähig bleiben und Beschäftigte von besseren Arbeitsbedingungen, mehr Flexibilität und langfristiger Sicherheit profitieren.

Frau mit VR-Brille

Die Bundesregierung fördert daher ressortübergreifend die Forschung zur Zukunft der Arbeit im Rahmen des ESF-Plus-Bundesprogramms mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Über zielgerichtete Förderprogramme werden Akteurinnen und Akteure dabei unterstützt, die Arbeitswelten von morgen mitzugestalten. Das ESF-Plus-Programm „Zukunft der Arbeit“ ist z. B. Teil des Forschungsprogramms „Zukunft der Wertschöpfung – Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“ und fördert FuI-Projekte, die Arbeitswelten nachhaltig an gesellschaftliche und technologische Veränderungen anpassen. Im Mittelpunkt stehen neue Modelle der Arbeitsorganisation, die Chancen und Risiken digitalisierter Arbeit beleuchten und soziale wie technologische Innovationen vorantreiben. Unterstützt werden Vorhaben, die neue Technologien einführen, deren Auswirkungen auf Beschäftigte untersuchen und praxisnahe Konzepte, Methoden und Werkzeuge für resilienzfördernde, vernetzte und nachhaltige Arbeitsbedingungen entwickeln. Im Rahmen von „Zukunft der Arbeit“ werden aktuell u. a. arbeitswissenschaftliche Forschung, regionale Kompetenz-, Vernetzungs- und Beratungszentren und die europäische Zusammenarbeit von BMAS und BMFTR gefördert.

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des BMAS begleitet Unternehmen, vor allem KMU, und ihre Beschäftigten bei der Gestaltung des Wandels der Arbeitswelt. Bund, Länder, Kommunen, Arbeitgeberverbände, Kammern, Gewerkschaften, die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie die Bundesagentur für Arbeit (BA) setzen sich gemeinsam für eine zukunftsfähige Unternehmenskultur und Personalpolitik ein, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Als Plattform bietet INQA praxisnahes Wissen in den Bereichen Führung, Vielfalt, Gesundheit und Kompetenz sowie konkrete Unterstützung – etwa durch Beratung, Selbstchecks, Vernetzungsangebote und Projektförderung zur betrieblichen Umsetzung.

Zentrale Angebote von INQA sind das INQA-Coaching, das als bundesweites Beratungsprogramm KMU dabei unterstützt, gemeinsam mit ihren Beschäftigten passgenaue Lösungen für personalpolitische und arbeitsorganisatorische Veränderungsbedarfe im Zuge der digitalen Transformation zu erarbeiten, um sich zukunftsfähig aufzustellen und eigenständig auf Veränderungsprozesse reagieren zu können. Mit den INQA-Experimentierräumen erproben Akteurinnen und Akteure aus der betrieblichen Praxis und der Wissenschaft gemeinsam innovative Arbeitsansätze, entwickeln diese weiter und sichern den Praxistransfer der Ergebnisse in andere Unternehmen.

Durch die „Zukunftszentren“ unterstützt das BMAS bundesweit Unternehmen, insbesondere KMU, sowie ihre Beschäftigten bei der Transformation der Arbeitswelt. Im Mittelpunkt steht dabei, die Betriebe und Mitarbeitenden zu befähigen, den digitalen, ökologischen und demografischen Wandel, auch im Hinblick auf die Einführung von KI-Lösungen, zu bewältigen und vor allem sozial und mitarbeitendenorientiert zu gestalten. Ziel ist es, die Selbstlern- und Gestaltungskompetenz der Unternehmen zu stärken und so ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Durch die „Regionalen Zukunftszentren“ wird regionale Expertise mit übergreifendem Wissenstransfer verbunden, um so praxisnahe Lösungen für die Arbeitswelt von morgen zu entwickeln.

Mit der „Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft“ hat das BMAS zudem bereits 2018 eine interdisziplinär und agil arbeitende Abteilung geschaffen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt, um Arbeit neu zu denken und arbeits- und sozialpolitische Herausforderungen durch technologische Entwicklungen wie KI – auch mithilfe Strategischer Vorausschau – frühzeitig zu erkennen und menschenzentriert zu gestalten. Dazu wurde u. a. das „Observatorium Künstliche Intelligenz in Arbeit und Gesellschaft“ eingerichtet, das gemeinsam mit Partnern aus Unternehmen, Wissenschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft praxisnahe Lösungen für den KI-Einsatz in Unternehmen entwickelt.

Im Rahmen des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ des BMBFSFJ wird der Wissenstransfer in Unternehmen zum Thema familienbewusste Arbeitswelt vorangetrieben. Das BMAS fördert Projekte zur Stärkung der Demokratiekompetenz gegen Rechtsextremismus und Rassismus am Arbeitsplatz. Über das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) werden im Auftrag des BMWE gezielt KMU rund um die Themen Fachkräftesicherung und Personalarbeit unterstützt.

Darüber hinaus leistet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der BA, umfangreiche und vielfältige Forschung zum Thema Arbeit in der digitalisierten Welt. Insbesondere die Arbeitsgruppe „Digitale und ökologische Transformation“ beschäftigt sich mit den Arbeitsmarkteffekten der doppelten Herausforderung von Digitalisierung und Defossilisierung. Mit der Förderung von Projekten, Nachwuchsgruppen und Professuren zielt das BMAS in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf die Stärkung von Strukturen im Bereich der Forschung zu Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) widmet sich der Fragen, wie dem abnehmenden Erwerbspersonenpotenzial entgegengewirkt werden kann – insbesondere durch Anreize zur Ausdehnung des Erwerbsvolumens von Frauen, Älteren oder auch Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund.

FuI-Maßnahmen

Arbeitshandeln für Kreativität, Innovation und resiliente Wertschöpfung

Das BMFTR fördert anwendungsorientierte FuE-Projekte, die arbeitswissenschaftliche Konzepte, Methoden und Werkzeuge erarbeiten, um den Wandel hin zu resilienzförderlichen Arbeitsbedingungen und -formen zu ermöglichen und Unternehmen in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken.

Civic Innovation – Förderung von gemeinwohlorientierten KI-Projekten im Spektrum der Arbeitswelt

Das BMAS fördert gemeinwohlorientierte KI-Projekte, die direkt durch vulnerable Gruppen genutzt werden, menschenorientierte Angebote und Leistungen erweitern, interne Prozesse von Arbeitsorganisation, Weiterbildung oder Arbeits- und Gesundheitsschutz im betrieblichen Kontext optimieren oder zur Vernetzung von relevanten Akteurinnen und Akteuren beitragen.

Förderung der Forschung und Lehre zur Gesundheit in der Arbeitswelt

Das BMAS fördert FuE-Projekte zur Generierung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie gesellschaftlich und politisch bedeutsamen Wissens zur Stärkung der Gesundheit in der Arbeitswelt, um Strukturen des Arbeitsschutzes durch umfassendere Gesundheitsprävention zu stärken.

Gestaltung der Arbeit in europäischen Kollaborationsnetzwerken

Das BMFTR fördert FuE-Maßnahmen, die an die Herausforderungen einer dynamischen Arbeitswelt angepasste Lösungsansätze entwickeln, um die Arbeitsbedingungen in der Europäischen Union zu verbessern, Arbeitsplätze zu sichern bzw. zu generieren und einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit zu leisten.

INQA-Coaching – Förderung von KMU und ihren Beschäftigten in Zeiten der digitalen Transformation

Das BMAS fördert die Sicherstellung eines flächendeckenden Zugangs von KMU zu Unterstützungsleistungen in personalpolitischen und arbeitsorganisatorischen Handlungsfeldern, um die Unternehmen unter Einbeziehung ihrer Beschäftigten auf vielfältige betriebliche Herausforderungen des demografischen, digitalen und ökologischen Wandels vorzubereiten.

INQA-Experimentierräume – Erprobung neuer innovativer Arbeitsansätze

Das BMAS fördert in Zusammenarbeit mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit themenzentrierte Vorhaben zur Erarbeitung von Fachwissen zu Arbeitsqualität und Organisationskultur, um eine innovative und partizipative Ausgestaltung der Arbeitswelt in Zeiten tiefgreifender Veränderungen zu gewährleisten.

Regionale Kompetenzzentren der Arbeitsforschung

Das BMFTR fördert regionale Netzwerke aus Forschung, Wissenschaft, Transfer- und Sozialpartnern, um Lösungsansätze zur Gestaltung der Arbeit in Transformationsprozessen zu entwickeln und Forschungsergebnisse in die betriebliche Praxis zu transferieren, u. a. zu den Themen KI, Prävention, Führungskulturen und Kreislaufwirtschaft.

Zukunftszentren – Unterstützung insbesondere von KMU und Beschäftigten bei der Transformation der Arbeitswelt

Das BMAS fördert Zukunftszentren als Kompetenz-, Vernetzungs- und Beratungszentren zur Bewältigung des digital, ökologisch und demografisch getriebenen Wandels der Arbeitswelt. Ziel ist es, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen (insbesondere KMU), Beschäftigten und Selbstständigen zu stärken.

10.3 Digital gestützte Bildung und Bildungsinnovationen

Die digitale Transformation verändert Arbeitswelt und Gesellschaft tiefgreifend – und stellt neue Anforderungen an Bildung. Um Menschen auf diese Veränderungen vorzubereiten, fördert die Bundesregierung digitale Kompetenzen entlang des gesamten Bildungsweges. Ziel ist es, Lernende jeden Alters zu befähigen, souverän mit digitalen Technologien umzugehen. Dafür werden berufliche Aus- und Weiterbildungen modernisiert, digitale Lernangebote ausgebaut und digitale Bildungsplattformen vernetzt. So entsteht eine zukunftsfähige Bildungslandschaft, die Teilhabe und Qualifikation im digitalen Wandel sichert.

10.3.1 Digitale Bildungsangebote

Gemeinsam mit den Ländern treibt die Bundesregierung den Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen voran: Im Rahmen des seit 2019 laufenden DigitalPakts Schule haben Bund und Länder dafür bis Ende 2025 rund 7 Mrd. Euro an Investitionen bereitgestellt. Ende 2025 haben sich beide Seiten auf einen Digitalpakt 2.0 geeinigt, um bis 2030 mit insgesamt 5 Mrd. Euro die Digitalisierung an Schulen zu verbessern, die digitalisierungsbezogene Schul- und Unterrichtsentwicklung voranzutreiben und die digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte zu stärken.

Bild einer Veranstaltung

Ausgehend vom Umfeld der beiden Digitalpakte für die Schulen fördert die Bundesregierung offene Bildungsformate (engl. Open Educational Ressources; OER) entlang der gesamten Bildungskette. Die „OER-Strategie – Freie Bildungsmaterialien für die Entwicklung digitaler Bildung“ des BMBFSFJ unterstützt Strukturen und Prozesse für die Schaffung freier Materialien, die offene gemeinsame Lernprozesse und Zukunftskompetenzen stärken. Innovation und qualitätssichernde Strukturen sind das Ziel. Die Informationsstelle Open Educational Resources bietet dazu eine umfangreiche Wissenssammlung. OER-Gemeinschaften unterschiedlicher Bildungsakteure vernetzen sich über vielfältige Veranstaltungsformate und digitale Plattformen. Ergänzend bietet die Plattform „open-access.network“ freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen.

Zudem fördert die Bundesregierung die Digitalisierung von Bildungsnachweisen, etwa in Form der digitalen Ausfertigung und Siegelung des Abiturzeugnisses sowie dessen Annahme und Verifikation durch Hochschulen. Ziel ist, dass Bildungsnachweise künftig über die EUDI-Wallet (digitale Brieftasche) zur Verfügung gestellt werden können.

Impulse im Bereich digitaler Bildungsangebote setzt auch das BMBFSFJ im Rahmen seiner „Agenda für smarte Gesellschaftspolitik“. Programme wie der „DigitalPakt Alter“ fördern digitale Teilhabe. Der „DigitalPakt Alter“ zeigt konkrete Chancen der Digitalisierung für ältere Menschen in verschiedenen Lebensbereichen auf und vermittelt grundlegende Digitalkompetenzen in bundesweit über 300 Erfahrungsorten. Die Bundesregierung verankert digitale Bildung damit als zentralen Baustein einer inklusiven, chancengerechten und innovationsfähigen Gesellschaft. Digitale Medien sollen in der Gestaltung von Bildungsprozessen Berücksichtigung finden, sie sollen digitale Kompetenzen stärken, Teilhabe ermöglichen und demokratische Resilienz fördern.

10.3.2 Lehrkräftebildung und digitaler Unterricht

Das Forschungs-, Innovations- und Transferprogramm „Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und Weiterbildung“ des BMBFSFJ nimmt die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften in den Fokus. In Kooperation mit den Ländern werden dazu bis 2025/2026 unter dem Dach „Kompetenzverbund „lernen:digital“ vier Kompetenzzentren und eine wissenschaftsgeleitete Vernetzungs- und Transferstelle gefördert, um Kompetenzen aktiver und angehende Lehrkräfte im digitalen Unterrichten zu stärken.

Ergänzend verfolgt die Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS)“ das Ziel, wissenschaftlich fundierte Maßnahmen zur Sprachbildung sowie Schreib- und Leseförderung in Bildungseinrichtungen zu verankern. Die Initiative bietet Blended-Learning-Kurse für pädagogische Fach- und Lehrkräfte, eine Online-Tooldatenbank sowie praxisorientierte Handreichungen. Begleitende Transferforschung liefert kontinuierlich Erkenntnisse zum erfolgreichen Transfer in die Praxis, um sprachliche Bildung nachhaltig zu verbessern.

FuI-Maßnahmen

DigitalPakt Alter – gemeinsam für digitale Teilhabe im Alter, mit starken Partnern und Kommunen vor Ort

Das BMBFSFJ fördert mit dem DigitalPakt Alter die digitale Teilhabe Älterer, indem u. a. bundesweit niederschwellige Anlaufstellen zum Erwerb digitaler Kompetenzen für Ältere ausgebaut werden. Dabei werden Qualitätsstandards für die Vermittlung von digitalen Kompetenzen speziell an ältere Lernende gesetzt und Wissensvermittelnde qualifiziert.

Gestaltung von Bildungsprozessen unter den Bedingungen des digitalen Wandels (Digitalisierung II)

Das BMBFSFJ unterstützt FuE-Vorhaben im Bildungsbereich mit dem Ziel, Konzepte für die Gestaltung von Bildungsprozessen zu erarbeiten, die die Potenziale digitaler Medien für den Bildungserfolg berücksichtigen.

Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und Weiterbildung

Das BMBFSFJ fördert Forschung und Entwicklung zur digitalisierungsbezogenen Lehrkräftebildung, die in vier Kompetenzzentren und einer wissenschaftsgeleiteten Vernetzungs- und Transferstelle unter dem Dach „Kompetenzverbund lernen:digital“ stattfindet.

10.4 Berufliche Aus- und Weiterbildung

Die Bundesregierung stärkt moderne und attraktive Ausbildungsangebote und baut die Berufsorientierung für alle Schülerinnen und Schüler aus. Mit der Fortsetzung der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) unter gemeinsamer Federführung von BMAS und BMBFSFJ setzen die 17 Partner ein klares Signal für die Fortentwicklung der Weiterbildung in Deutschland mit dem Ziel, lebensbegleitendes Lernen als selbstverständlichen Bestandteil der Arbeits- und Lebenswelt zu verankern. Um mehr öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Weiterbildung zu erlangen und einen breiten gesellschaftlichen Diskurs anzuregen, finden Nationale Weiterbildungskonferenzen auf Spitzenebene statt – zuletzt im November 2025.

Wichtige Hebel, um die Weiterbildungsbeteiligung zu steigern, sind gute Beratung und Transparenz auf dem Weiterbildungsmarkt. Deshalb unterstützt das BMAS den flächendeckenden Auf- und Ausbau regionaler Weiterbildungsagenturen, die sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen passgenaue Beratung anbieten, durch eine übergreifende Servicestelle.

Personen im Unterricht

Darüber hinaus unterstützt das Onlineportal für berufliche Weiterbildung „mein NOW“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) Weiterbildungsinteressierte mit Informationen rund um Weiterbildung und berufliche Entwicklung – etwa mit Online-Tests, Weiterbildungsangeboten und Förder- und Beratungsmöglichkeiten auf Bundes- sowie Landesebene. Diese Dienste basieren auf Daten der BA, der Bundesländer und weiterer Partner. Ziel ist es, zum einen Bürgerinnen und Bürger bei der Erschließung ihrer beruflichen Entwicklungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten zu unterstützen und zum anderen Unternehmen – insbesondere KMU – darin zu stärken, Qualifizierungsbedarfe ihrer Beschäftigten zu decken und sich so zukunftssicher aufzustellen.

Die Sicherung der Fachkräftebasis ist außerdem Aufgabe der Allianz für Aus- und Weiterbildung unter Federführung des BMWE. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften engagieren sich hier gemeinsam, um die Qualität und Attraktivität der Ausbildung zu erhöhen, den Übergang von der Schule in die duale Ausbildung zu verbessern und junge Menschen für diese zu qualifizieren. Begleitet wird die Allianz durch die Kampagne „Sommer der Berufsausbildung“.

Das Bundesprogramm „Aufbau von Weiterbildungsverbünden“ förderte bis Ende 2024 regionale Koordinierungsstellen, die Unternehmen, Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie Arbeitsmarktakteure vernetzen. Die von BMBFSFJ, BMAS, BA und den Ländern getragene Initiative „Bildungsketten“ wird weiterentwickelt und soll auch über das Jahr 2026 hinaus fortgeführt werden. Ziel ist, den Übergang junger Menschen von der Schule in die Berufswelt zu verbessern und ein abgestimmtes System zur Berufsorientierung und einen Übergangsbereich mit klaren, vernetzten Angeboten in Schule und beruflicher Bildung zu schaffen.

Das BMBFSFJ hat Ende Februar 2026 die Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung (QBB) gestartet, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Ausbildung entlang der gesamten Bildungskette zu stärken. Im Rahmen der QBB entwickelt das BMBFSFJ bewährte berufsbildungspolitische Maßnahmen systematisch weiter und verknüpft sie mit neuen Vorhaben zur Stärkung der beruflichen Bildung. Ziel ist eine attraktive und moderne berufliche Bildung.

Um die Berufsbildung in Deutschland weiter zu modernisieren und Innovationen voranzutreiben, wurden die Innovationswettbewerbe „InnoVET“ (2020–2024) und „InnoVET PLUS“ (2024–2027) des BMBFSFJ gestartet, um in Bereichen wie KI, Systemvernetzung, Mikro-/Nanotechnologie oder erneuerbare Energien innovative Qualifizierungsangebote zu entwickeln und zu erproben. Dazu zählen Ansätze zur Integration von lernschwächeren Jugendlichen und Menschen mit Migrationshintergrund, innovative Konzepte für das Berufsbildungspersonal oder neue Qualifizierungsformate wie Microcredentials – kompakte Lerneinheiten – und Fortbildungen bis zum DQR-Niveau 8, das der höchsten Qualifikationsstufe mit Promotionsniveau entspricht.

Die überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS), als dritter Lernort neben Betrieb und Berufsschule, bieten Ausbildungsinhalte an, die kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oft nicht vollständig abdecken können. Aktuell soll die Weiterentwicklung der ÜBS zu Kompetenzzentren vorangetrieben werden, die sowohl den Technologietransfer in die Praxis als auch die betrieblichen Qualifizierungsbedürfnisse der KMU stärker berücksichtigen. Im Rahmen der Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung (INex-ÜBA) werden beispielsweise seit Anfang 2025 innovative Konzepte erprobt, die insbesondere zukunftsorientierte Technologien und Methoden wie KI, selbstgesteuertes Lernen und adaptive Lernsysteme in die überbetriebliche Ausbildung einbinden.

Zur Stärkung der berufsbezogenen Weiterbildung fördert das BMBFSFJ seit November 2024 die Qualifizierung und Etablierung von Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM). Sie sollen insbesondere geringqualifizierte Beschäftigte für das Thema Weiterbildung sensibilisieren und gewinnen – auch und gerade in KMU. Die Förderung knüpft an Vorgängerprojekte an, mit denen bundesweit bereits über 450 WBM qualifiziert wurden.

Qualifiziertes Berufsbildungspersonal ist der Schlüssel für eine attraktive und erfolgreiche Berufsausbildung. Das beim Bundesinstitut für Berufsbildung geförderte Portal „Leando“ dient als zentrale Informations- und Lernplattform für Ausbildungs- und Prüfungspersonal, um dessen berufliche Handlungskompetenz zu stärken. Ergänzend fördert das BMBFSFJ mit Programmen wie dem Netzwerk Q 4.0 und Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal (MIKA) die Entwicklung neuer Qualifizierungsformate für das Berufsbildungspersonal mit Fokus sowohl auf Medien- und IT-Kompetenzen im digitalen Wandel als auch auf Fach- und Sozialkompetenzen. Übergeordnete Zielsetzung ist zudem, die Wertschätzung für das Ausbildungs- und Prüfungspersonal zu steigern sowie Rahmenbedingungen und Attraktivität der Tätigkeit zu verbessern.

Frau bearbeitet Holz

Das BMBFSFJ-Programm „AusbildungWeltweit“ sowie das BMWE-Netzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ fördern Auslandsaufenthalte für Auszubildende und junge Fachkräfte. Auf europäischer Ebene ist Erasmus+ das wichtigste Programm zur Unterstützung internationaler Bildungsaufenthalte.

Ausbildungs- und Fortbildungsordnungen sowie Meisterprüfungsverordnungen werden laufend an aktuelle Anforderungen angepasst. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Handwerksordnung bilden dabei den rechtlichen Rahmen. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung wurden arbeitsmarktpolitische Förderinstrumente erweitert: Die 2024 in Kraft getretene Ausbildungsgarantie, die Teil des Aus- und Weiterbildungsgesetzes ist, öffnet allen Jugendlichen den Zugang zu einer vollqualifizierenden Berufsausbildung. Die Ausbildungsgarantie umfasst im Einzelnen die Einführung eines geförderten Berufsorientierungspraktikums und eines Mobilitätszuschusses, Erleichterungen für die Teilnahme an Einstiegsqualifizierungsmaßnahmen sowie einen Rechtsanspruch auf außerbetriebliche Berufsausbildungen als „Ultima Ratio“.

Die Beschäftigtenförderung wurde für alle Beschäftigten und Betriebe geöffnet und insbesondere für KMU verbessert. Das im April 2024 eingeführte Qualifizierungsgeld unterstützt Betriebe im Transformationsprozess, ihre Beschäftigten durch Weiterbildung zu halten. Mit der Einführung des Bürgergelds wurden auch die Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitslose und Beschäftigte, die Bürgergeld beziehen, ausgebaut und finanzielle Anreize verstärkt. Eingeführt wurde für diesen Personenkreis ein monatliches Weiterbildungsgeld während einer abschlussorientierten Weiterbildung. Darüber hinaus wurde die bereits etablierte Weiterbildungsprämie für erfolgreiche Zwischen- und Abschlussprüfungen bei abschlussorientierten Weiterbildungen entfristet.

Mit dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), dem „Aufstiegs-BAföG“, unterstützt die Bundesregierung berufliche Aufstiegsfortbildungen durch Beiträge zu Maßnahmenkosten und Lebensunterhalt. Ziel ist es, die Höherqualifizierung zu fördern und Aufstiegschancen zu verbessern. Grundsätzlich steht Auszubildenden bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen ein Anspruch auf individuelle Ausbildungsförderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) zu. Gefördert wird in der Regel die erste Ausbildung an berufsbildenden Schulen, Kollegs, Akademien und Hochschulen. Auch Auslandsausbildungen können unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden. Auszubildende in einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Berufsausbildung, denen während ihrer Ausbildung die erforderlichen Mittel – insbesondere zur Deckung des Lebensunterhalts – nicht anderweitig zur Verfügung stehen, haben bei Vorliegen der Fördervoraussetzungen Anspruch auf eine Berufsausbildungsbeihilfe, die in Anlehnung an das BAföG konzipiert ist.

Die Stipendienprogramme Weiterbildungs- und Aufstiegsstipendium des BMFTR fördern gezielt Begabte mit einer Ausbildung oder Berufserfahrung. Seit 2024 werden in einem Pilotprojekt erstmals auch Stipendien für Auszubildende angeboten.

FuI-Maßnahmen

Auf- und Ausbau von Weiterbildungsagenturen

Das BMAS fördert den flächendeckenden Auf- und Ausbau von Weiterbildungsagenturen als regionale Netzwerke und zentrale Anlaufstellen der Weiterbildungsberatung durch die Servicestelle Weiterbildungsagenturen.

Begabtenförderung berufliche Bildung für (junge) Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung

Das BMFTR fördert junge Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung, die ihre Leistungsfähigkeit und Begabung durch besondere Leistungen in Ausbildung und Beruf nachgewiesen haben, um sie durch berufsbegleitende Weiterbildungen oder ein berufsbegleitendes Studium besonders zu unterstützen.

Förderung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten (ÜBS) und ihrer Weiterentwicklung zu Kompetenzzentren

Das BMBFSFJ zielt gemeinsam mit dem BMWE darauf ab, die Ausbildungsfähigkeit vor allem von KMU herzustellen, zu erhalten und zu verbessern sowie die erforderliche Qualität einer modernen beruflichen Aus- und Fortbildung im Rahmen des lebenslangen Lernens zu gewährleisten.

Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung (INex-ÜBA)

Das BMBFSFJ fördert FuE-Projekte zur innovativen Weiterentwicklung der überbetrieblichen Ausbildung mit dem Ziel, eine exzellente Bildungsarbeit in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten zu gewährleisten.

Innovationswettbewerb InnoVET PLUS

Das BMBFSFJ fördert die Entwicklung und Erprobung von Konzepten für eine exzellente Berufsausbildung, um deren Attraktivität und Qualität zu steigern und somit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten.

Internationale Mobilität von Auszubildenden sowie Ausbilderinnen und Ausbildern (AusbildungWeltweit)

Das BMBFSFJ fördert Auslandsaufenthalte von Auszubildenden sowie Ausbilderinnen und Ausbildern mit dem Ziel, ihre internationale Berufskompetenz und beruflichen Entwicklungschancen zu erhöhen. Außerdem soll so die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen gesteigert werden.

Steigerung und Stärkung der berufsbezogenen Weiterbildung durch Qualifizierung und Etablierung von Weiterbildungsmentorinnen und Weiterbildungsmentoren

Das BMBFSFJ fördert Vorhaben, die bestehende Konzepte zum Weiterbildungsmentoring strukturell weiterentwickeln sowie bisherige Ansätze verstetigen, um die betriebliche Weiterbildungskultur zu verbessern.

10.5 Studium und Hochschullehre

Hochschulen bilden akademische Fachkräfte aus und tragen damit entscheidend zu wissenschaftlichem, gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Fortschritt bei. Gute Studienbedingungen und eine hohe Qualität von Studium und Lehre sind dafür zentrale Voraussetzungen. Gleichzeitig eröffnen der digitale Wandel sowie der zunehmende Einsatz von KI-Anwendungen in der Hochschulbildung innovative Möglichkeiten, bringen aber auch neue Kompetenzanforderungen für Studierende und Lehrende mit sich. Bund und Länder arbeiten deshalb bei der Förderung von Studium und Hochschullehre eng zusammen.

2019 wurde von Bund und Ländern der Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“ beschlossen, der beginnend im Jahr 2021 nahtlos an den Hochschulpakt 2020 anknüpfte. Der Zukunftsvertrag stellt den staatlichen Hochschulen zusätzlich zur Grundfinanzierung jährlich rund 4 Mrd. Euro zur Verfügung, um die Studienkapazitäten zu erhalten, die durch den Hochschulpakt geschaffen wurden, und die Qualität von Studium und Lehre in der Breite der deutschen Hochschullandschaft zu verbessern. Die einzelnen Länder legen in für sieben Jahre geltenden Verpflichtungserklärungen länderspezifisch strategische Ansätze, Schwerpunkte und Maßnahmen zur Umsetzung des Zukunftsvertrags fest. Erkenntnisse aus einer Evaluierung des Zukunftsvertrags durch den Wissenschaftsrat fließen in das Verfahren zur Neuerstellung der Verpflichtungserklärungen ein.

Unterrichtssituation

Die Länder setzen in der Umsetzung des Zukunftsvertrags verschiedene Schwerpunkte, u. a. beim Ausbau dauerhafter Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Hochschulpersonals, bei der Verstetigung von Strukturen zur Qualitätssicherung und zur Verbesserung der Studienbedingungen, bei der Internationalisierung und Digitalisierung an den Hochschulen sowie der Steigerung der Durchlässigkeit.

Mit der Vereinbarung über Innovation in der Hochschullehre von 2019 stellen Bund und Länder jährlich bis zu 150 Mio. Euro für eine qualitativ hochwertige und international wettbewerbsfähige Lehre an den Hochschulen bereit. Die dazu initiierte Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert Projekte, die Strukturen in Studium und Lehre strategisch stärken, aktuelle, themenbezogene Herausforderungen adressieren und themenoffen neue Ideen erproben bzw. erprobte Ansätze transferieren. Darüber hinaus dient die Stiftung dem fachbezogenen sowie themen- und länderübergreifenden Austausch, der Vernetzung und dem Wissenstransfer.

Die Digitalisierung und der zunehmende Einsatz von KI-Anwendungen haben die Hochschullehre und die Wege akademischer Wissensvermittlung verändert. Das BMFTR-geförderte Hochschulforum Digitalisierung (HFD) unterstützt und berät die Hochschulen bei ihrer digitalen Transformation im Bereich Studium und Lehre und wird ab 2026 weiterentwickelt. Mit seinem Förderschwerpunkt „Digitale Hochschulbildung“ hat das BMFTR bis Ende 2024 zudem die Hochschulen dabei unterstützt, entsprechendes Handlungswissen zu entwickeln und optimale Rahmenbedingungen zu erforschen.

Eine Gruppe von Studenten arbeitet daran, eine Maschine mit Drohnenteilen zu bauen, sie lernen und arbeiten zusammen in einer Universitätsklasse.

Mit der Initiative „Künstliche Intelligenz in der Hochschulbildung“ haben Bund und Länder bis Ende 2025 die Etablierung und Anwendung von KI in der Lehre mit rund 130 Mio. Euro vorangebracht. Überdies hat das BMFTR bis Ende 2024 den Aufbau der Lernplattform „KI-Campus“ gefördert, der Lernangebote im Bereich KI frei zugänglich zur Verfügung stellt und darüber hinaus bei der Vernetzung relevanter Akteure aus Lehre, Forschung, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik mitwirkt.

Außerdem hat das BMFTR im Januar 2026 ein Maßnahmenportfolio zur Stärkung von KI-Kompetenzen und digitaler Souveränität an Hochschulen aufgelegt. Dieses umfasst den Ausbau des Hochschulforums Digitalisierung, die Leitstelle für Orientierung, Technologie, Service und Expertise zu Künstlicher Intelligenz an Hochschulen (KI-LOTSE) bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sowie das Verbundprojekt „KI-Kompetenzen an Hochschulen stärken“ mit Beteiligung des Stifterverbands, des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und sieben weiterer Hochschulpartner.

FuI-Maßnahmen

Verwaltungsvereinbarung Innovation in der Hochschullehre

Mit der Stiftung Innovation in der Hochschullehre unterstützen die Bundesregierung und die Länder Hochschulen im Bereich der Lehre bei Projekten mit zukunftsweisendem Charakter, bei Austausch und Vernetzung relevanter Akteure sowie beim Wissenstransfer.

10.6 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen

Gut qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind entscheidend, um Forschungskompetenz, Innovationsfähigkeit und die Ausbildung von Akademikerinnen und Akademikern in Deutschland langfristig zu sichern. Wesentlich dafür sind gute und wettbewerbsfähige Beschäftigungs- und Karrierebedingungen, insbesondere in der Promotions- und Postdoc-Phase. Diese schaffen die Grundlage für den Erhalt und Ausbau der internationalen Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands. Zudem geht es darum, die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in der Wissenschaft weiter zu stärken.

Die Bundesregierung fördert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen (WiKa) in enger Zusammenarbeit mit den Ländern sowohl direkt als auch indirekt. Wichtige Förderinstrumente sind dabei die institutionelle Förderung von Wissenschafts- und Mittlerorganisationen sowie große Initiativen wie das Tenure-Track-Programm (TTP), im Rahmen dessen mehr als 970 TTP-Professuren besetzt werden konnten. Weitere Initiativen der WiKa-Förderung sind die Gewinnung und Entwicklung von professoralem Personal an Fachhochschulen, die Exzellenzstrategie und der Pakt für Forschung und Innovation (PFI). Diese Maßnahmen zielen darauf ab, exzellente Arbeitsbedingungen und attraktive Karriereperspektiven zu schaffen sowie Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt zu fördern. Zudem unterstützen sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Mobilität. Die WiKa-Förderung ist zudem ein wichtiger Bestandteil zahlreicher Fachprogramme des BMFTR, insbesondere zu digitalen Technologien und Schlüsseltechnologien wie z. B. KI, Quantentechnologie, Batterie- und Materialforschung, Stadt- und Regionalforschung und transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung.

Unterrichtssituation

Zur Verbesserung der Teilhabe von Frauen in Wissenschaft und Forschung unterstützt das BMFTR Ansätze, die dazu beitragen, Leistungen und Potenziale von Frauen besser sichtbar zu machen – etwa mit der Maßnahme „Innovative Frauen im Fokus“. Zudem berät die Kontaktstelle „Frauen in die EU-Forschung (FiF)“ im EU-Büro des BMFTR Forscherinnen zu Fragen der europäischen Forschungsförderung und unterstützt alle Forschenden bei der Berücksichtigung von Gender-Aspekten in EU-Projekten. Das zentrale Instrument zur Erhöhung des Anteils von Wissenschaftlerinnen in Spitzenpositionen und zur Stärkung der Gleichstellungsstrukturen an den Hochschulen ist das Professorinnenprogramm von Bund und Ländern, mit dem seit 2008 bereits mehr als 1.000 Professorinnen gefördert wurden. Das Prädikat „Gleichstellungsstarke Hochschule“ zeichnet besonders überzeugende Gleichstellungskonzepte aus und fördert zusätzlich Nachwuchswissenschaftlerinnen. Für die vierte Förderphase stellen Bund und Länder bis 2030 insgesamt 320 Mio. Euro bereit.

Das BMFTR unterstützt durch Stipendien der 13 Begabtenförderungswerke sowohl besonders begabte und leistungsfähige Studierende als auch Promovierende bei ihrem Studium bzw. ihren wissenschaftlichen Vorhaben. Die Regelförderungsdauer der Promotionsstipendien beträgt drei Jahre. Auch mit dem Deutschlandstipendium fördert das BMFTR gemeinsam mit privaten Fördernden, wie Unternehmen, Vereinen, Stiftungen oder Privatpersonen, leistungsstarke Studierende.

Um den Besonderheiten der wissenschaftlichen Arbeitswelt Rechnung zu tragen, regelt das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG), wie Arbeitsverträge für das wissenschaftliche und künstlerische Personal an staatlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zeitlich befristet werden können. Eine geplante Novelle soll mehr Verlässlichkeit und Transparenz für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen schaffen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern.

FuI-Maßnahmen

Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Tenure-Track-Programm)

Das BMFTR unterstützt Tenure-Track-Professuren mit dem Ziel, die Karrierewege von WiKa an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen besser planbar und transparenter zu gestalten und somit die Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems im internationalen Wettbewerb zu steigern.

Gewinnung und Entwicklung von professoralem Personal an Fachhochschulen (FH-Personal)

Das BMFTR unterstützt Hochschulen für Angewandte Wissenschaften / Fachhochschulen bei der Gewinnung von Professorinnen und Professoren durch die Einführung oder den Ausbau strukturwirksamer Instrumente zur Personalrekrutierung und -qualifizierung, um zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit des deutschen Hochschulsystems beizutragen.

Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen (Professorinnenprogramm 2030)

Das BMFTR fördert die Gleichberechtigung im Hochschulwesen mit dem Ziel, die Beteiligung von Frauen im Wissenschaftssystem zu erhöhen und so die Gleichstellung von Frauen und Männern noch stärker zu verankern.

Innovative Frauen im Fokus

Das BMFTR fördert Forschungsprojekte und Umsetzungsmaßnahmen, die zur Erhöhung der Sichtbarkeit und Repräsentanz von in Wissenschaft, Forschung und Innovation beschäftigten Frauen beitragen, um die Chancen und Möglichkeiten zur Teilhabe von Frauen in diesen Bereichen zu stärken.

10.7 Internationale Fachkräfte

Der weltweite Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte nimmt stetig zu. Der technologische Wandel, die demografische Entwicklung und globale Herausforderungen wie der Klimawandel erfordern neue Antworten in der Bildung, am Arbeitsmarkt und in der Migrationspolitik. Internationale Fachkräfte spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie sichern Innovationskraft, stärken die Wirtschaft und fördern den interkulturellen Austausch. Deutschland setzt daher sowohl auf die gezielte Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland als auch auf die enge Zusammenarbeit mit Partnerländern zur Stärkung beruflicher Bildung und Qualifizierung weltweit.

10.7.1 Fachkräftegewinnung

Um international konkurrenzfähig zu bleiben und hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland dauerhaft zu gewinnen, sind verbesserte Rahmenbedingungen in Wissenschaft und Wirtschaft sowie eine erleichterte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte erforderlich.

Das vom BMFTR im Juli 2025 gestartete „1.000-Köpfe-Plus-Programm“ (engl. Global Minds Initiative Germany) zielt darauf ab, internationale Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu gewinnen, und soll zudem ein Zeichen für die Wissenschaftsfreiheit und Karriereperspektiven in Deutschland setzen. „1.000-Köpfe-Plus“ baut dabei auf etablierte Programme der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf und adressiert – von frühen Postdocs, etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bis hin zur Spitzenprofessur – entscheidende Karrierestufen. Die themenoffenen Förderentscheidungen basieren auf wissenschaftlichen Exzellenzkriterien. Flankierend werden über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Maßnahmen gezielten Marketings und individueller Begleitung internationaler Studierender und Promovierender umgesetzt, um die Attraktivität des Studienstandorts Deutschland zu stärken. Dafür stellt das BMFTR für 2025 bis 2029 602 Mio. Euro bereit.

Für die Fachkräftegewinnung ist die Zuwanderung von internationalen Studierenden und Auszubildenden – den Fachkräften von morgen – zentral. Seit November 2023 können Fachkräfte aus Drittstaaten mit in Deutschland erworbenem Abschluss, mit einem dem deutschen Abschluss vergleichbaren ausländischen Abschluss oder mit einem anerkannten ausländischen Abschluss in Deutschland jede qualifizierte Beschäftigung aufnehmen.

Forschende im Labor

Die Blaue Karte EU wurde durch niedrigere Gehaltsschwellen sowie Erleichterungen bei EU-Mobilität und Familiennachzug attraktiver. Fachkräfte mit Berufserfahrung und einem im Herkunftsstaat anerkannten Berufs- oder Studienabschluss dürfen im Rahmen einer Anerkennungspartnerschaft ohne eine Anerkennung ihres Abschlusses durch deutsche Behörden nach Deutschland einreisen. Seit Juni 2024 ermöglicht die „Chancenkarte“ Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürgern, nach Deutschland einzureisen, um eine geeignete Arbeitsstelle oder Maßnahmen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen zu suchen. Details sind im Informationsportal „Make it in Germany“ verfügbar. Zudem werben auch die Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und das Portal „Research in Germany“ gezielt um ausländische Fachkräfte. Die BMWE-Pilotprojekte „Hand in Hand for International Talents“ und „FIT for German Climate Businesses“ testen zudem neue Wege zur Fachkräftegewinnung in Kooperation mit DIHK, ZDH und BA.

Die Anerkennung der Berufsqualifikation internationaler Fachkräfte wird mit einer Reihe sich ergänzender Maßnahmen adressiert. So informiert das Portal „Anerkennung in Deutschland“ über die Verfahren zur Anerkennung internationaler Berufsqualifikationen. Das BAMF berät als Erst- und Verweisberatung niederschwellig über die Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“ zum Thema Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) bei der BA berät internationale Fachkräfte zur Anerkennung und begleitet das Verfahren. Das vom BMBFSFJ finanzierte Projekt „Unternehmen Berufsanerkennung“ unterstützt Arbeitgeber mit der Plattform „UBAconnect“ und seit Juni 2025 mit dem Unternehmensnetzwerk für Fachkräfteeinwanderung und Anerkennung – inklusive Tutorials, Sprechstunden und Vernetzung. Das durch das BMAS und den ESF finanzierte ESF-Plus-Programm „IQ – Integration durch Qualifizierung“ unterstützt erwachsene Menschen ausländischer Herkunft dabei, einer bildungsadäquaten Erwerbstätigkeit nachzugehen, und fördert mit dem IQ-Programm die Weiterentwicklung von Qualifizierungs- und Anerkennungsangeboten. Das BMWE stellt mit dem „BQ-Portal“ umfangreiche Informationen zu ausländischen Berufsqualifikationen bereit, um die Bewertung zu erleichtern. Zudem fördert das BMWE seit 2024 im Rahmen des Programms „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ Beraterinnen und Berater in Kammern und Wirtschaftsorganisationen zur Besetzung von Ausbildungsstellen.

Mit Blick auf internationale Studierende und akademisch qualifizierte internationale Fachkräfte fördert das BMFTR die „Campus-Initiative Internationale Fachkräfte“ des DAAD. Damit werden die Unterstützungsstrukturen für internationale Studierende und Graduierte an deutschen Hochschulen erweitert, um sie beim erfolgreichen Studienabschluss und/oder Karriereeinstieg in Deutschland zu unterstützen.

10.7.2 Internationale Kooperation in Bildung und Qualifizierung

Internationale Kooperation in der Berufsbildung stärkt die Qualität und Zukunftsfähigkeit beruflicher Qualifizierung weltweit. Gut ausgebildete Fachkräfte sichern nicht nur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit sowie Wohlstand in Deutschland, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung weltweit. Daher arbeitet die Bundesregierung ressortübergreifend in Deutschland und in Partnerländern weltweit mit staatlichen Einrichtungen, Wirtschafts- und Sozialpartnern, Bildungsdienstleistern und der Zivilgesellschaft zusammen, um die berufliche Bildung zu stärken.

Die Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit bündelt die deutschen Aktivitäten und Interessen und stellt eine kohärente Außenwirkung der deutschen Akteure im Ausland sicher. Ihre koordinierte Umsetzung erfolgt durch die Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation GOVET im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). GOVET ist die Geschäftsstelle des Runden Tisches für internationale Berufsbildungszusammenarbeit sowie die erste Anlaufstelle in Deutschland für Partner aus dem In- und Ausland. Mit „iMOVE: Training – Made in Germany“ wurde im BIBB zudem eine Vernetzungsplattform für Berufsbildungsangebote deutscher Anbieter auf internationalen Märkten eingerichtet.

Das duale System der Berufsausbildung in Deutschland ermöglicht eine schnelle Reaktion auf die technologischen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Die Bundesregierung kooperiert derzeit bilateral mit 14 Partnerländern. In einem nachfrageorientierten Ansatz werden diese beim Aus- und Aufbau ihrer Berufsbildungssysteme hin zu mehr Praxisrelevanz unterstützt – u. a. durch die Rahmenbekanntmachung CooperationVET des BMFTR. Die Förderaufrufe werden mit den Ministerien und Partnerorganisationen der Partnerländer abgestimmt, sodass die Förderprojekte zielgenau zu den Berufsbildungsreformen der Partnerländer beitragen und maßgeschneiderte, am Bedarf der Partnerländer orientierte Lösungen bieten.

Berufliche Bildung sowie Aufbau und Stärkung von Berufsbildungssystemen sind auch ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ setzt sich mit Maßnahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung insbesondere für einen gleichberechtigten Zugang zu beruflicher Bildung sowie für inklusive, hochwertige und arbeitsmarktorientierte Berufsbildung in seinen Partnerländern ein. Wichtige Schwerpunkte liegen hierbei auf der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, einer engeren Verzahnung von beruflicher Bildung und regulärer Migration sowie der Qualifizierung im Kontext von Flucht und Fragilität und in der informellen Wirtschaft. Zudem fördert das BMZ die Gleichstellung der Geschlechter und Qualifizierungen für einen gerechten Übergang zu einer grünen Wirtschaft. Auch Digitalisierung und Berufsbildungspersonal spielen eine wichtige Rolle. Regionale Schwerpunkte sind Afrika, die gesamte MENA-Region und Asien.

Im Rahmen der Sonderinitiative „Gute Beschäftigung für sozial gerechten Wandel“ kooperiert das BMZ mit verschiedenen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und des Bildungsaustausches. Mit dem Förderprogramm „develoPPP“ unter der Dachmarke „Partners in Transformation“ richtet sich das BMZ an Unternehmen, die in Entwicklungs- oder Schwellenländern nachhaltig investieren und z. B. durch betriebliche Weiterbildung vor Ort aktiv werden wollen.

Mit Blick auf die europäische Wettbewerbsfähigkeit hat die EU-Kommission 2025 ihre Strategie für eine Union der Kompetenzen (engl. Union of Skills Strategy) vorgelegt. Im Mittelpunkt stehen Instrumente zur Stärkung von Grundfertigkeiten und MINT-Kompetenzen, lebenslange Qualifizierung, EU-weite Übertragbarkeit von Qualifikationen sowie weltweite Talentanwerbung.

Die Weiterentwicklung und Verbesserung der Berufsbildungssysteme der UN-Mitgliedstaaten ist die Aufgabe des Internationalen Zentrums für Berufsbildung UNESCO-UNEVOC, dessen Initiative „BILT – Bridging Innovation and Learning in TVET“ von der Bundesregierung unterstützt wird.

FuI-Maßnahmen

develoPPP Classic

Das BMZ fördert nachhaltige Investitionen und den Aufbau nachhaltiger Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Entwicklung und Implementierung von Ausbildungsclustern International – ClusterVET

Das BMFTR fördert die Entwicklung und Implementierung von Modellen zur Qualifizierung von Fachkräften deutscher Unternehmen im Ausland mit dem Ziel, den Transfer von Know-how und die nachhaltige Implementierung von innovativen Aus- und Weiterbildungskonzepten voranzutreiben.

ESF-Plus-Programm „IQ − Integration durch Qualifizierung“

Das BMAS fördert bundesweit Projekte, die modellhaft Qualifizierungs- und Anerkennungsangeboten weiterentwickeln, um mehr Menschen ausländischer Herkunft qualifikationsadäquate Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.

Förderung von Personen mit im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen

Das BMFTR unterstützt Personen mit im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen bei der Durchführung eines Berufsanerkennungsverfahrens, um ihnen bei der nachhaltigen Arbeitsmarktintegration zu helfen und qualifizierte Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen.

Projekte der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit – CooperationVET

Das BMFTR fördert Vorhaben zur Sondierung von Kooperationsprojekten sowie zur Ausgestaltung von Berufsbildungskooperation mit dem Ziel der Fachkräftegewinnung und -sicherung in und mit Partnerländern.

Unterstützung von Unternehmen bei der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen mit Jugendlichen

Das BMWE fördert die Erschließung neuer Gruppen von Bewerberinnen und Bewerbern für Ausbildungsplätze, um zur Sicherung des Fachkräftebedarfs beizutragen und die Integration Geflüchteter und ausländischer Jugendlicher zu unterstützen.

10.8 Bildungs-, Wissenschafts- und Hochschulforschung

Gute Bildung ist der Schlüssel zu individueller und gesellschaftlicher Entwicklung. Sie ermöglicht eine selbstbestimmte Lebensgestaltung und fördert Persönlichkeitsentwicklung sowie gesellschaftliche Teilhabe. Bildung stärkt Fortschritt, Demokratie und Wohlstand und ist unverzichtbar, um auf den gesellschaftlichen Wandel sowie aktuelle und künftige Herausforderungen wie digitale und sozial-ökologische Transformationen kreativ und konstruktiv zu reagieren. Beste Bildung für alle gelingt nur, wenn Stärken und Schwächen des Bildungssystems erkannt und kritisch hinterfragt werden. Bildungsforschung deckt Wirkmechanismen auf und trägt so zur faktenbasierten Weiterentwicklung bei. Wissenschaftliche Erkenntnisse liefern wichtiges Erklärungs- und Gestaltungswissen und wirken sich unmittelbar positiv auf die pädagogische Praxis aus.

10.8.1 Empirische Bildungsforschung

Bestmögliche Bildung und Teilhabe für alle in Deutschland lebenden Menschen ist ein zentrales Ziel der Bundesregierung. Empirische Bildungsforschung liefert die nötige Wissensgrundlage, um dieses Ziel zu erreichen. Mit dem im Herbst 2024 veröffentlichten dritten Rahmenprogramm zur empirischen Bildungsforschung „Gemeinsam für bessere Bildung“ liegt der Fokus für die nächsten sieben Jahre darauf, Forschungserkenntnisse für zentrale Herausforderungen im Bildungsbereich bereitzustellen und die Wirkungsorientierung der geförderten Forschung weiter zu stärken. Die Förderung wird gebündelt und so ausgerichtet, dass innovatives, reproduzierbares und handlungsleitendes Wissen entsteht. Dieses stärkt die Evidenzbasis bildungspolitischer Entscheidungen und trägt zu einer nachhaltigen Qualitätsverbesserung der Bildungspraxis bei.

Das Rahmenprogramm orientiert sich an gesellschaftlichen Herausforderungen, die das Bildungssystem beeinflussen. Gefördert werden Forschungsprojekte in vier Handlungsfeldern: Kooperationen für qualitativ hochwertige Bildung, Schlüssel- und Zukunftskompetenzen, Leben und Lernen in einer digitalen Welt, Vielfalt in der Bildung sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Das BMBFSFJ verfolgt mit dem Rahmenprogramm auch strukturelle Ziele, darunter die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Internationalisierung, um die Exzellenz in der Bildungsforschung zu stärken. Digitale Kommunikationsformate und eine umfangreiche Ergebnisdatenbank machen Forschungsergebnisse für die Bildungspraxis zugänglich und fördern deren Wirkung.

Forschung zu Bildung in der frühen Kindheit und zur Qualität pädagogischer Praxis ist essenziell, um allen Kindern individuelle Bildungschancen zu bieten. Die „Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF)“ stärkt die Elementarpädagogik als Basis des Bildungssystems. Mit der 2023 gestarteten Aktionslinie WiFF Transfer wird der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis intensiviert. Seit 2014 dokumentiert das „Fachkräftebarometer Frühe Bildung“ alle zwei Jahre umfassend die Entwicklung von Personal, Arbeitsmarkt, Erwerbssituation sowie Ausbildung und Qualifizierung in der Frühpädagogik.

Die Forschung am BiB widmet sich der Fragen, wie Bildungspotenziale von Anfang an gefördert werden können. Dabei liegt ein Fokus auf Programmen, die den Bildungsort Familie stärken oder für alle Kinder einen frühen Zugang zu Kindertageseinrichtungen ermöglichen.

Bund und Länder arbeiten im Bildungsmonitoring im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens im internationalen Vergleich zusammen. Die nationale Bildungsberichterstattung und die Teilnahme an internationalen Studien wie PISA, IGLU, TIMSS, ICILS, ICCS und PIAAC schaffen eine breite Datenbasis, um Entwicklungen in den Kompetenzen von Schülerinnen, Schülern und Erwachsenen zu erfassen und Handlungsbedarfe abzuleiten. Das Bildungsmonitoring liefert valide Informationen zur Sicherung und Verbesserung der Bildungsqualität. Mit dem Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB), das die PISA-Studie und Forschung zu PISA sowie Wissenschaftskommunikation durchführt, fördern Bund und Länder eine wissenschaftliche Einrichtung für international vergleichendes Bildungsmonitoring.

Der Nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“ bietet eine fokussierte Darstellung wesentlicher Entwicklungslinien, Leistungen und Aufgaben des Bildungswesens in Deutschland von der frühkindlichen bis zur hochschulischen Bildung und Weiterbildung. Eine Gruppe unabhängiger Autorinnen und Autoren unter Leitung des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) erarbeitet den Bericht, dessen Erstellung von Bund und Ländern unterstützt wird.

10.8.2 Wissenschafts- und Hochschulforschung

Wie leistungsfähig ist das deutsche Wissenschafts- und Hochschulsystem? Welche Organisations- und Förderansätze erweisen sich als erfolgreich? Wo besteht Veränderungsbedarf? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die Wissenschafts- und Hochschulforschung. Sie liefert valide Informationen und Analysen, die als Grundlage für Wissenschaftspolitik und -management dienen. Für die Weiterentwicklung von Forschung und Lehre ist eine solche evidenzbasierte Politikberatung – ebenso wie die Ausbildung von Fachkräften für die Wissenschaftspraxis sowie für das Wissenschafts- und Hochschulmanagement – unerlässlich.

Vortrag vor Personen
Vortrag zum National Academics Panel Study am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)

Das BMFTR hat den Förderschwerpunkt Wissenschafts- und Hochschulforschung (FSP WiHo) etabliert, um dieses Forschungsfeld systematisch qualitativ zu stärken und quantitativ auszubauen. Im Rahmen von einzelnen Aufrufen werden Vorhaben zu aktuellen wissenschafts- und hochschulpolitischen Themen wie der psychischen Gesundheit von Studierenden, studentischer Partizipation im Hochschulsystem oder standardisierten Forschungsinformationen gefördert, um neue Wege aufzuzeigen, den Wissenschaftsstandort Deutschland noch besser und wettbewerbsfähiger zu machen und Wissenschaft und Forschungspolitik bei ihrem Gestaltungsauftrag durch eine Stärkung der Datenbasis zu unterstützen. Bis 2026 erweitert die Forschungsförderung zu nichtstaatlichen Hochschulen empirisch fundiertes Wissen über Lehre und Forschung an nichtstaatlichen Hochschulen sowie deren Rolle im Hochschul- und Wissenschaftssystem.

Der Bundesbericht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase (BuWiK) – vormals Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) – legt einmal pro Legislaturperiode aktuelle Daten und Forschungsergebnisse zu Qualifikations- und Karrierewegen sowie beruflichen Perspektiven Promovierender und Promovierter in Deutschland vor. Gefördert vom BMFTR wird der Bericht von einem unabhängigen wissenschaftlichen Konsortium aus den führenden Einrichtungen der Wissenschafts- und Hochschulforschung in Deutschland erarbeitet.

Erhebungen zur Wissenschafts- und Hochschulforschung

Das gemeinsam von Bund und Ländern geförderte Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) führt Langzeiterhebungen zu Studienberechtigten, Studierenden, Absolventinnen und Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Karrierestufen durch und stellt die gewonnenen Forschungsdaten der Wissenschaftsgemeinschaft über das Forschungsdatenzentrum zur Verfügung.

Mit der „Studierendenbefragung in Deutschland“ werden zentrale Kennzahlen zu den Bedarfen von Studierenden in Deutschland erhoben. Die Daten fließen zudem in die europäische Vergleichsuntersuchung „EUROSTUDENT“ ein. Das „Student Life Cycle Panel“ (SLC) macht typische Studienverläufe und den Übergang von Absolventinnen und Absolventen in den Arbeitsmarkt nachvollziehbar. Aus diesen Daten speist sich auch die deutsche Teilnahme an dem durch die EU-Kommission initiierten „European Graduate Survey“.

Darüber hinaus zeichnet die National Academics Panel Study (Nacaps) die Karriereverläufe von Promovierenden und Promovierten inner- und außerhalb des Wissenschaftssystems nach. Die „Wissenschaftsbefragung“ und das „prof*panel“ widmen sich den individuellen Bildungswegen sowie den Arbeits- und Forschungsbedingungen an deutschen Hochschulen. Mit diesen Erhebungen entsteht für die Bildungspolitik, die Bildungsberichterstattung und für die Forschung eine umfassende und repräsentative Datengrundlage.

Mit dem Kompetenznetzwerk Bibliometrie (KB) fördert das BMFTR eine zentrale Forschungsinfrastruktur für bibliometrische Forschungs- und Berichtstätigkeiten. Bibliometrische Forschung liefert wichtige Indikatoren zu Forschungstrends und Leistungsmessung in der Wissenschaft. Sie ist damit ein zentraler Baustein zur Stärkung evidenzbasierten Handelns in Wissenschaft und Forschungspolitik. Das BMFTR nimmt von 2026 an die Nutzung offener Bibliometriedaten in den Blick und fördert die bibliometrische Forschung zu den Herausforderungen offener Daten in Bezug auf Qualität, Vollständigkeit und Zuverlässigkeit.

FuI-Maßnahmen

Wissenschafts- und Hochschulforschung (WiHo)

Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben zur Generierung wissenschaftlich abgesicherten Wissens über Hochschulen und das Wissenschaftssystem, um das Forschungsfeld weiter zu stärken und mehr Flexibilität zu ermöglichen.

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