Gesundheit ist ein maßgeblicher Faktor für unser Wohlbefinden. In kaum einem anderen Forschungsbereich profitieren Bürgerinnen und Bürger so unmittelbar von neuen Erkenntnissen und Innovationen wie in der Gesundheitsforschung. Mit dem Rahmenprogramm Gesundheitsforschung gibt die Bundesregierung dafür die strategischen und inhaltlichen Impulse.
Volkskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, psychische und neurodegenerative Erkrankungen, aber auch Langzeitfolgen der COVID-19-Pandemie, stellen große Herausforderungen dar. Der demografische Wandel verschärft die Situation: Im Alter erkranken mehr Menschen und benötigen häufiger Pflege. Deshalb ist die Forschung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung – von Prävention und Früherkennung über Diagnostik und Therapie bis hin zu Nachsorge und Pflege – ein wichtiges Ziel der Bundesregierung. Einen weiteren Schwerpunkt legt die Bundesregierung auf das Thema Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin, um bestehenden Forschungsbedarf zu adressieren.
Eine tragende Säule der Gesundheitsforschung in Deutschland ist die international anerkannte Hochschulmedizin, deren einzigartige Stärke die Verknüpfung von klinischer Forschung und hochleistungsfähiger Patientenversorgung ist. Sie verfügt über enge fächer- und standortübergreifende Vernetzung und Kooperationen. Beispielhaft dafür sind die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) und das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), über deren Arbeit neue Erkenntnisse aus der Forschung zügig in die medizinische Praxis gelangen. In den DZG arbeitet die Hochschulmedizin gemeinsam mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen an den großen Herausforderungen zur Bekämpfung von Volkskrankheiten. Auch die datengetriebene und KI-basierte Medizin wird durch die Datenvernetzung und den Auf- und Ausbau von Dateninfrastrukturen unterstützt. Diese ermöglichen die rechtssichere Nutzung von Versorgungsdaten für die Wissenschaft. Dadurch stärkt die Bundesregierung die Gesundheitsforschung.
Die Gesundheit von Menschen, Tieren und ihrer Umwelt ist eng verknüpft: Der One-Health-Ansatz betont die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtungsweise. Er macht deutlich, dass Lösungen für gesundheitliche Fragen stärker interdisziplinärer Forschungsansätze auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene bedürfen und nicht mehr nur in isolierten Fachbereichen entwickelt werden können. One Health bietet zudem wichtige Ansatzpunkte für die Forschung zu globaler Gesundheit: Neben besonders drängenden Herausforderungen wie möglichen Pandemien, Infektionskrankheiten und zunehmenden antimikrobiellen Resistenzen (AMR) rücken Umweltfaktoren wie Klimawandel oder Schadstoffbelastung in den Fokus, weil sie die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten maßgeblich beeinflussen.
Auch die Public-Health-Forschung nimmt übertragbare und nichtübertragbare Krankheiten in den Blick. Sie analysiert Krankheitsursachen, bewertet Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Prävention und Verbesserung der Gesundheitsversorgung und berücksichtigt dabei soziale und umweltbedingte Faktoren wie die Lebenssituation, das Wohnumfeld oder den sozioökonomischen Status.
5.1 Forschung für ein gesundes Leben
Die Zahl der Menschen, die an Volkskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, psychischen sowie neurodegenerativen Erkrankungen wie z. B. Depressionen oder Demenz leiden, nimmt weltweit zu. Die Zunahme der Fallzahlen einzudämmen, die Krankheiten zu verhindern oder zu heilen, ist ein wichtiges Ziel der Bundesregierung. Zugleich gilt es, Betroffenen das Leben mit ihrer Erkrankung zu erleichtern. Im Fokus steht deshalb die Forschung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung – von der Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung über die Diagnostik und Therapie bis hin zu Rehabilitation, Nachsorge und Pflege und Betreuung.
Das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung setzt darauf, Forschungsbereiche enger zu verzahnen, um medizinische Fortschritte rascher zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. Forschende sollen vermehrt interdisziplinär und institutionsübergreifend zusammenarbeiten – an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in der Wirtschaft. Führend bei der Bekämpfung von Volkskrankheiten sind die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), in denen Hochschulen, Universitätskliniken und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten (5.2 Hochschulmedizin und Gesundheitsforschung).

Um Chancen und Risiken von Innovationen, neuen Technologien und Methoden im Gesundheitssektor einschätzen zu können, werden wissenschaftlich belastbare Grundlagen und ein fachlicher und gesellschaftlicher Diskurs benötigt. Hier setzt der interdisziplinäre Förderschwerpunkt zu den ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten (ELSA-Forschung) an (8.1 Gesellschaftsbezogene Forschung).
Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft
Das Format der Wissenschaftsjahre macht Forschung für alle sichtbar und erlebbar. Es informiert, begeistert und lädt dazu ein, mitzudiskutieren und sich einzubringen – durch vielfältige partizipative Formate sowohl in digitaler als auch in analoger Form. Das Wissenschaftsjahr 2026 widmet sich der Medizin der Zukunft. Dabei stehen vier Themenfelder im Fokus: Die Medizin der Zukunft ist präventiv, personalisiert, digital und partizipativ. Ein wichtiges Schwerpunktthema ist die Frauengesundheit. Insgesamt soll das Wissenschaftsjahr 2026 verdeutlichen: Die Gesundheitsforschung von heute legt die Grundlage für die Medizin der Zukunft.
5.1.1 Krebsforschung
Die Bundesregierung koordiniert ihre Aktivitäten in der Krebsforschung in der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) und vereint patientenzentriert Betroffene, Krebsforschung, Forschungsförderung, Gesundheitswesen, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in einem Bündnis. Das BMFTR unterstützt dies durch gezielte Forschungsförderung. Im Mittelpunkt stehen Vorhaben, die innovative Ansätze in den Bereichen Prävention, Früherkennung, Diagnose und Therapie entwickeln und damit den Patientennutzen stärken. Gefördert werden u. a. Projekte zur personalisierten Medizin, zur Erforschung von Tumorheterogenität und Therapieresistenz sowie zur besseren Nutzung onkologischer Daten. Außerdem unterstützt das BMFTR interdisziplinäre Initiativen, etwa zur Darmkrebsforschung oder zur KI-gestützten Onko-Chirurgie und im Bereich Cancer-Survivorship, um Früherkennung und Versorgung nachhaltig zu verbessern.
Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) treibt – in Form langfristig angelegter Kooperationen zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) als Stiftungsträger und Partnern in der Universitätsmedizin – an inzwischen sechs Standorten in Deutschland die präklinische Krebsforschung voran. Ziel ist es, Ergebnisse effizient in klinische Anwendungen zu übertragen und klinische Studien zu stärken. Das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) wurde als Teil der DZG gegründet, wobei das DKFZ Stiftungsträger ist und mit 20 akademischen Forschungseinrichtungen sowie Universitätskliniken an acht Partnerstandorten in Translationszentren zusammenarbeitet. Ziel ist es, die Expertise zu bündeln und in die klinische Praxis umzusetzen, damit die aus der Grundlagenforschung kommenden Erkenntnisse schneller nutzbar gemacht werden.
Der vom BMG koordinierte Nationale Krebsplan zielt auf die Weiterentwicklung der Krebsprävention und der onkologischen Versorgung in Deutschland. Zentrale Schwerpunkte sind die Stärkung der Krebsprävention, die Verbesserung der Versorgungsqualität sowie die Förderung der Interoperabilität und Nutzung onkologischer Daten für Forschung und Versorgung. Aktuelle Handlungsfelder umfassen zudem die Versorgung von Langzeitüberlebenden nach Krebs, die Weiterentwicklung klinischer Krebsregister, die Stärkung zertifizierter Zentren sowie die Leitlinienentwicklung. Mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) werden die Möglichkeiten zur Verknüpfung von Krebsregisterdaten mit Daten des Forschungsdatenzentrums (FDZ) für Gesundheit verbessert.
Analog hat die Europäische Kommission mit „Europas Plan gegen den Krebs“ und der auf Forschung und Entwicklung abzielenden Krebsmission Ressourcen für die Krebsbekämpfung bereitgestellt und klare Prioritäten gesetzt. Der Plan zielt auf bessere Prävention, Früherkennung und Versorgung, etwa durch verbesserten Zugang zu innovativer Diagnostik und Therapie, ein EU-weites Netz von Krebszentren sowie spezielle Initiativen für krebskranke Kinder. Die Krebsmission stärkt Forschung zu Verständnis, Prävention, Diagnose, Therapie und Lebensqualität. Die Nationale Dekade gegen Krebs fungiert dabei als deutsche Expertenstelle im europäischen Netzwerk und baut ihre Aktivitäten weiter aus. Zudem beteiligt sich das BMFTR am ERA-NET on Translational Cancer Research (TRANSCAN), um gemeinsame Förderinitiativen voranzutreiben und Forschungsergebnisse schneller in neue Strategien gegen Krebs zu überführen. Zudem leistet das vom BMAS gesteuerte Aktionsbündnis „Roadmap on Carcinogens“ (2020–2027) einen wichtigen Beitrag zur Prävention berufsbedingter Krebserkrankungen im Arbeitskontext.
5.1.2 Long/Post COVID und ME/CFS
Nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 können langfristige Folgebeschwerden auftreten, die als Long COVID oder Post-COVID-Syndrom bezeichnet werden. Die schwerwiegendste Form ist die Myalgische Enzephalomyelitis bzw. das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Viele Fragen rund um diese Krankheitsbilder sind ungeklärt – intensive Forschung bleibt nötig, um Diagnose, Behandlung und Versorgung zu verbessern. Das BMFTR unterstützt dies über eine Reihe von Maßnahmen mit rund 64 Mio. Euro, u. a. zur Erforschung der Spätsymptome von COVID-19, mit der Nationalen Klinischen Studiengruppe zu Post COVID und ME/CFS sowie Projekten zur Erforschung der Pathomechanismen von ME/CFS, zu neuen Ansätzen der Datenanalyse und zu digitalen Methoden zur Erforschung postakuter Infektionssyndrome.
Eine gezielte Erweiterung der Forschungsförderung zu postinfektiösen Erkrankungen ist im Rahmen einer „Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“ geplant. Diese wurde 2026 von BMFTR und seinen Partnern in der Gesundheitsforschung gestartet und soll mit jährlichen Mitteln in Höhe von bis zu 50 Mio. Euro ausgestattet werden. Inhaltliche Schwerpunkte sollen neben der Schaffung und Erweiterung einer geeigneten Datenbasis inklusive Genomdaten klinische Studien, zusätzliche Projektförderung und der Ausbau der relevanten fachlichen Kapazität in der Forschung sein.
Auch das BMG engagiert sich im Themenbereich Long COVID: Ende 2024 starteten 30 Projekte zur Erforschung und Stärkung einer bedarfsgerechten Versorgung, wofür 73 Mio. Euro bereitgestellt werden. Zusätzlich werden 45 Mio. Euro für vier Modellprojekte für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long COVID zur Verfügung gestellt. Hierbei steht der Auf- und Ausbau eines bundesweiten pädiatrischen Netzwerks zur Versorgung und Erforschung der langfristigen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion im Fokus. In beiden Förderschwerpunkten werden ME/CFS und Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung berücksichtigt.
Mit einer Auftaktveranstaltung wurde im November 2025 die „Allianz postinfektiöse Erkrankungen: Long COVID und ME/CFS“ gestartet. Mit der Initiative stärken das BMG und das BMFTR ihre ressortübergreifende Zusammenarbeit bei diesen Krankheitsbildern – auch im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen.
5.1.3 Neurologische, neurodegenerative und psychische Erkrankungen
Neurologische, neurodegenerative und psychische Erkrankungen zählen zu den großen medizinischen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Dazu zählen neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Migräne, Epilepsie, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, psychische Störungen wie Depressionen, ADHS oder Schizophrenie sowie Erkrankungen der Sinnessysteme.
Die Zunahme des Anteils von Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen mit Diagnose einer psychischen Erkrankung unterstreicht den Bedarf an wirksamer Prävention, Therapie und Versorgung. Die Forschung hierzu soll das in der Ausbauphase befindliche künftige Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) voranbringen. Zur Entstigmatisierung fördert das BMG Projekte, die stigmatisierende Einstellungen reduzieren und die Akzeptanz psychischer Erkrankungen verbessern helfen. Mit der 2024 vorgelegten Nationalen Suizidpräventionsstrategie setzt sich die Bundesregierung für eine Weiterentwicklung und Verbesserung der Hilfekette für Menschen in Krisensituationen und für eine stärkere Vernetzung der Akteure der Suizidprävention ein. Das BMG fördert Projekte, die einer entsprechenden Umsetzung dienen.
Etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz, Tendenz steigend. Mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Nationalen Demenzstrategie zielt die Bundesregierung auf eine Stärkung der Forschung zu Ursachen und Entstehung sowie verbesserte Versorgung und Lebensqualität der Betroffenen ab. Die mit der Umsetzung der Strategie betraute, am Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) angesiedelte Geschäftsstelle erfährt zudem leistungsfähige Unterstützung durch das Netzwerk Nationale Demenzstrategie.
Auf europäischer Ebene wird seit 2024 in Zusammenarbeit von EU und EU-Mitgliedstaaten, assoziierten Ländern und globalen Organisationen unter der Federführung Deutschlands (BMFTR) die Europäische Partnerschaft BrainHealth zur Gehirngesundheit aufgebaut. Sie bündelt Forschung zu neurologischen, neurodegenerativen und psychischen Erkrankungen und fördert einen ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung von Prävention, Diagnose, Therapie und Pflege. Erste Fördermaßnahmen begannen mit dem Start der Partnerschaft im Jahr 2026.
5.1.4 Seltene Erkrankungen
In Deutschland leben mehr als vier Millionen Menschen mit einer Seltenen Erkrankung, viele davon Kinder und Heranwachsende. Oft handelt es sich um sehr schwere Krankheiten, die eine aufwändige Behandlung und Betreuung erfordern. Wegen der geringen Fallzahlen ergeben sich große Herausforderungen in der Forschung und Patientenversorgung. Um ihnen zu begegnen, engagieren sich BMFTR und BMG in verschiedenen Maßnahmen zu Seltenen Erkrankungen. Im Mittelpunkt der Förderung des BMFTR steht dabei neben deren Untersuchung an einschlägigen Forschungszentren die Unterstützung interdisziplinärer Forschungsverbünde, die Kapazitäten in Forschung und Versorgung für verschiedene Erkrankungsgruppen bündeln und damit Voraussetzungen für schnellere Diagnosen, systematische Forschung, einen optimalen Wissenstransfer und eine bestmögliche Patientenversorgung schaffen. Zudem ist die Forschung zu Seltenen Erkrankungen auch ein Schwerpunkt im künftigen Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ).
Um die gesundheitliche Situation Betroffener zu verbessern, engagieren sich BMG und BMFTR zusammen mit mehr als 25 weiteren Partnerorganisationen seit dem Jahr 2010 im Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE). Das BMG fördert auch in den Jahren 2025 und 2026 die hierfür eingerichtete Geschäftsstelle.
Die Bundesregierung unterstützt ebenso die internationale Zusammenarbeit zur Erforschung und Versorgung Seltener Erkrankungen. Seit Januar 2023 beteiligen sich das BMG und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zusammen mit weiteren nationalen Akteuren an der Gemeinsamen Maßnahme zur Integration der europäischen Referenznetzwerke in die nationalen Gesundheitssysteme (engl. Joint Action on Integration of European Reference Networks into National Healthcare Systems; JARDIN). Seit September 2024 beteiligen sich das BMFTR, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und ausgewählte nationale Forschungsakteure an der Europäischen Forschungsallianz für Seltene Erkrankungen (engl. European Rare Diseases Research Alliance; ERDERA), die internationale Forschungsprojekte, klinische Studien sowie Initiativen zum Wissensaustausch und zur Vernetzung unterstützt.
Einen wichtigen Fortschritt stellt das 2024 gestartete Modellvorhaben Genomsequenzierung dar. Es untersucht Menschen mit Seltenen Erkrankungen oder Krebs auf genetische Veränderungen, die diese Krankheiten verursachen könnten. So werden frühzeitige und präzisere Diagnosen sowie personalisierte Therapien möglich. Nicht zuletzt sollen die dort erhobenen Daten auch für die genomische Forschung genutzt werden, um z. B. Zusammenhänge zwischen Erbgutveränderungen und Krankheitsentstehung aufzudecken.
5.1.5 Geschlechtersensible Medizin, reproduktive Gesundheit, Frauengesundheit und Gender-Data-Gap
Für viele Krankheiten fehlen trotz des Wissens über geschlechtsspezifische Unterschiede – wie etwa physiologische Unterschiede, Lebenserwartung, Erkrankungshäufigkeit, Risikowahrnehmung oder Versorgungsnutzung – noch immer ausreichende Informationsgrundlagen und entsprechende geschlechterspezifische Daten. Diese Lücke – als Gender-Data-Gap bezeichnet – kann die gesundheitliche Versorgung, insbesondere von Frauen, beeinträchtigen. Eine geschlechtersensible klinische Forschung trägt dazu bei, Diagnostik und Therapie präziser zu gestalten und für alle Geschlechter zu verbessern. Daher fördert das BMFTR seit April 2025 Vorhaben, die die Reduzierung des Gender-Data-Gap in der klinischen Forschung in den Blick nehmen. Weitere Aktivitäten zur Stärkung der geschlechtersensiblen Medizin sind geplant.
Das Präventionsgesetz lenkt mit dem Paragraphen 2b im Sozialgesetzbuch V den Blick auf geschlechtsspezifische Besonderheiten in der Gesundheitsversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung – und zieht entsprechenden Forschungsbedarf nach sich. Das BMG fördert daher Forschungen, die gesundheitliche Ungleichheiten abbauen und die Versorgungsqualität verbessern.
Großer Forschungsbedarf besteht auch hinsichtlich der Frauengesundheit. Hier fördert das BMFTR Forschung zu Endometriose und neuen Verhütungsmitteln für alle Geschlechter. Frauengesundheit findet sich auch in Aspekten der reproduktiven Gesundheit. Diese umfasst Fragen zur Fruchtbarkeit, Fortpflanzung und zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden in Bezug auf die eigene Sexualität. Die Forschung reicht von der Keimzellbildung über die embryonale Entwicklung bis hin zu sexueller Selbstbestimmung und Erwachsenengesundheit. In diesem Feld fördert das BMFTR insbesondere interdisziplinäre Nachwuchszentren, um eine international wettbewerbsfähige Forschungslandschaft aufzubauen.
Im Themenfeld der Frauengesundheit nimmt das BMG im Rahmen seiner Forschungsförderung die Verbesserung der Versorgung von Patientinnen in den Blick. Zudem sollen Nachwuchsgruppen an (Fach-)Hochschulen sowie außeruniversitären Einrichtungen im Themenfeld Frauengesundheit aufgebaut werden, um institutionelle Kapazitäten in der Versorgungsforschung zu stärken.
Die BMBFSFJ-Ressortforschung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) im Bereich der Frauen- sowie der sexuellen und reproduktiven Gesundheit leistet wichtige Beiträge, um Prävention, Gesundheitsförderung und die Stärkung von Gesundheitskompetenzen evidenzbasiert auszurichten. Auf Grundlage des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (SchKG) nimmt die Forschung insbesondere die Wirksamkeit, Reichweite und Qualität von Maßnahmen der Gesundheitskommunikation und Prävention in diesem Themenfeld in den Blick.
FuI-Maßnahmen
Computational Life Sciences – Digitale Methoden zur Erforschung postakuter Infektionssyndrome (PAIS)
Das BMFTR fördert FuE-Projekte zu innovativen Methoden und Softwarewerkzeugen zur Analyse von lebenswissenschaftlichen Daten, um die Erforschung von PAIS (wie z.B. ME/CFS) voranzubringen.
DataXperiment – Erprobung innovativer Machbarkeits- und Anwendungsszenarien in der Onkologie
Das BMFTR fördert die Erprobung alternativer Nutzungsansätze bereits bestehender und operabler Datensätze sowie Tools mit Bezug zur Onkologie, um einen Mehrwert für die Krebsforschung oder -versorgung zu schaffen.
Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen
Das BMG unterstützt FuE-Maßnahmen, die die gesellschaftliche Akzeptanz von psychischer Erkrankungen betreffen, mit dem Ziel, die gesellschaftliche Inklusion zu stärken und Barrieren im konstruktiven Austausch zu verringern.
Entwicklung und Erprobung von neuen Ansätzen der Datenanalyse und des Datenteilens in der Krebsforschung
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die neue Ansätze der Datenanalyse und des Datenteilens entwickeln, um onkologische Daten besser für die Forschung zu nutzen und den Zugang zu bestehenden hochqualitativen Daten aus der translationalen, biomedizinischen Krebsforschung und der onkologischen Routineversorgung niederschwelliger zu gestalten.
Entwicklung und Erprobung von neuen Ansätzen der Datenanalyse und des Datenteilens in der Long / Post COVID-19-Forschung
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die durch die Entwicklung und Erprobung innovativer Verfahren der Datenanalyse und des Datenteilens einen Beitrag zur forschungsrelevanten Verwertung von Daten in Bezug auf das Krankheitsbild Long / Post COVID leisten, um vorhandene Datensätze besser zu filtern und zu verwenden sowie einen niederschwelligen Zugang zu bestehenden Daten aus der Forschung zu ermöglichen.
Erforschung der Pathomechanismen von Myalgischer Enzephalomyelitis/ Chronischem Fatigue Syndrom (ME/CFS)
Das BMFTR fördert interdisziplinäre FuE-Projekte zu Pathomechanismen von postinfektiöser Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) mit dem Ziel, Erkenntnisse zur Prävention, Diagnose und Therapie dieser Erkrankung zu gewinnen.
Forschungsverbünde zu großen ungelösten Fragen der Krebsforschung
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die zum Verständnis der Entstehung und Ausbreitung von Krebserkrankungen beitragen und deren Erkenntnisse einen spürbaren Fortschritt für an Krebs erkrankte Menschen bedeuten würden.
Interaktive Technologien für die kardio-onkologische Nachsorge
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die im Bereich der Kardio-Onkologie interaktive Technologien hervorbringen, um Nachsorgeprozesse der Patientinnen und Patienten zu verbessern und Langzeitfolgen der Erkrankung und Behandlung präventiv zu erkennen und zu minimieren.
Interaktive Technologien für eine geschlechtsspezifische Gesundheit
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben, die Geschlechteraspekte mithilfe interaktiver digitaler Technologien in der medizinischen Forschung und Versorgung verankern, um geschlechtsspezifische Daten- und Wissenslücken in der Medizin zu schließen.
Interdisziplinäre Nachwuchszentren für reproduktive Gesundheit
Das BMFTR fördert die Einrichtung von Nachwuchszentren zur Erforschung reproduktiver Gesundheit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Ziel ist es, den Forschungsbereich der reproduktiven Gesundheit in der Universitätsmedizin zur Profilbildung strukturell zu stärken und mehr Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler nach der Promotion in diesem Forschungsbereich zu halten.
Interdisziplinäre Verbünde zur Erforschung von Pathomechanismen der Endometriose
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die Erkenntnisse zu den bisher ungeklärten Pathomechanismen der Endometriose erarbeiten, die für eine Verbesserung der Prävention, Diagnose und Behandlung von Endometriose von hoher Relevanz sind, um ein besseres Verständnis der Entstehung und unterschiedlichen Ausprägung der Erkrankung zu erreichen.
KI-gestützte Präzisionschirurgie in der Onkologie
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die auf Künstlicher Intelligenz basierende Technologien zur Verbesserung der onkologischen Präzisionschirurgie entwickeln, um klinische Probleme der Krebsbehandlung zu lösen und operative Behandlungsmethoden zu optimieren.
Nachwuchsgruppen Versorgungsforschung Frauengesundheit
Das BMG fördert FuE-Vorhaben von selbstständigen Forschungsgruppen, die von Nachwuchswissenschaftlerinnen oder -wissenschaftlern geleitet werden und Fragestellungen zum Thema Frauengesundheitsversorgung bearbeiten.
Patientinnenzentrierte Versorgung von Frauen
Das BMG fördert FuE-Projekte, die Frauengesundheit adressieren, um wissenschaftliche Evidenz für eine Verbesserung der patientinnenzentrierten Versorgung von Frauen in Deutschland zu generieren.
Reduzierung des Gender Data Gap in der klinischen Forschung
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben zur stärkeren Berücksichtigung von geschlechtersensiblen Aspekten in der klinischen Forschung mit dem Ziel die wissenschaftliche Informationsgrundlage für eine passgenaue medizinische Versorgung aller Geschlechter zu verbessern.
Stärkung einer bedarfsgerechten Versorgung rund um die Langzeitfolgen von COVID-19 (Long COVID)
Das BMG fördert FuE-Projekte sowie Modellprojekte zur Versorgung von Long COVID-Betroffenen, um an dieser Stelle verbesserte Strukturen zu gewährleisten und die Folgen der COVID-19-Pandemie einzudämmen.
Suizidprävention stärken
Das BMG fördert FuE-Projekte, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, die wesentlich zur evidenzbasierten Verbesserung der Suizidprävention beitragen.
Translationale Forschung für neue Kombinationstherapien gegen Krebserkrankungen (ERA-NET TRANSCAN-3)
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die sich mit Kombinationstherapien zur Verbesserung von Krebstherapien auseinandersetzen, um die Behandlung effektiver zu machen, die Nebenwirkungen zu reduzieren und das Risiko der Entstehung von Arzneimittelresistenzen zu verringern.
Translationsorientierte Verbundvorhaben im Bereich der Seltenen Erkrankungen
Das BMFTR unterstützt FuE-Vorhaben im Bereich der Seltenen Erkrankungen mit dem Ziel, die Situation der Betroffenen mittelfristig entscheidend zu verbessern.
Verbundforschungsprojekte zu risikoadaptierter Krebsfrüherkennung
Das BMFTR fördert FuE-Projekte im Bereich der individualisierten Krebsfrüherkennung, um neue risikoadaptierte Instrumente für die Krebsfrüherkennung bereitzustellen.
Verhütungsmittelforschung für alle Geschlechter
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben zu neuen oder verbesserten Verhütungsmethoden, um eine gleichberechtigte Verhütung für alle Geschlechter in jedem Lebensabschnitt zu ermöglichen.
Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long COVID und Erkrankungen, die eine ähnliche Ursache oder Krankheitsausprägung aufweisen
Das BMG fördert FuE-Projekte sowie Modellprojekte zu altersgerechten Informations- und Versorgungsangeboten für Kinder und Jugendliche mit einer Long COVID-Erkrankung, um eine verbesserte und bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten.
Wissensgenerierende Vernetzung von Forschung und Versorgung in Modellregionen – Nationale Dekade gegen Krebs
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben in der Gesundheitsforschung, mit dem Ziel, einen Nutzen für Patientinnen und Patienten zu generieren sowie die dauerhafte Weiterentwicklung der personalisierten Medizin voranzutreiben.
5.2 Hochschulmedizin und Gesundheitsforschung
Die deutsche Gesundheitsforschung ist in vielen Bereichen – auch im internationalen Vergleich – sehr gut aufgestellt. Zu ihren wichtigsten Säulen zählt neben der außeruniversitären Forschung die Hochschulmedizin, welche die medizinischen Fakultäten und ihre Universitätskliniken vereint. Forschung, Lehre und Gesundheitsversorgung sind in der Hochschulmedizin eng miteinander verbunden. Dieser integrative Ansatz bietet optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Überführung von Forschungsergebnissen in die Versorgung (Translation) und für die Rückkopplung klinischer Erfahrungen und konkreter Forschungsbedarfe in die Forschung. Die Grundfinanzierung der Universitätsmedizin erfolgt durch die Länder. Ergänzend nutzt das BMFTR seine Fördermöglichkeiten, um Impulse zu setzen, Infrastrukturen aufzubauen und besondere Entwicklungen voranzubringen.

5.2.1 Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
Praxisrelevante Erkenntnisse zu schaffen, die zügig in die Versorgung von Patientinnen und Patienten einfließen – das ist das erklärte Ziel des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM), in dem sich die deutschen Universitätskliniken zusammengeschlossen haben. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der schnellen und einheitlichen Erfassung und Zusammenführung medizinischer Daten aus der Forschung und der Versorgung. Im Jahr 2020 zur besseren Koordination der COVID-19-Forschung gegründet, hat das NUM seither bundesweite multizentrische Forschungsinfrastrukturen für die klinische Forschung aufgebaut. Diese nationalen Plattformen ermöglichen, klinische Forschung schneller und umfassender zu betreiben, als dies zuvor möglich war.
Mit seinen technischen und organisatorischen Lösungen im Feld der klinischen Forschung leistet das NUM einen entscheidenden Beitrag zur dauerhaften Verbesserung der bundesweiten Kooperation und Vernetzung der gesamten Universitätsmedizin. Dies steigert die wissenschaftliche Exzellenz, verbessert die Vorsorge bei künftigen Gesundheitskrisen und stärkt die Leistungsfähigkeit Deutschlands bei klinischen Studien.
Das NUM arbeitet dabei eng mit der Medizininformatik-Initiative (MII) und den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) zusammen. Mit der Integration des German Biobank Network (GBN) und der Verzahnung von Daten, Biobanken und klinischer Forschung auf nationaler Ebene eröffnen sich neue Potenziale für grenzüberschreitende Kooperationen zur Nutzung von Bioproben und Daten, auch im Hinblick auf den zukünftigen Europäischen Gesundheitsdatenraum (engl. European Health Data Space; EHDS) (5.3 Digitale Gesundheitsforschung und Medizin). Das seit April 2020 mit insgesamt 390 Mio. Euro geförderte Netzwerk wird seit Juli 2025 in einer dritten, auf bis zu fünf Jahre angelegten Förderperiode weitergeführt. Die Verstetigung des NUM wird im Jahr 2026 umgesetzt.
5.2.2 Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung
Krebs, Demenz, Infektionskrankheiten, Diabetes sowie Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen betreffen immer mehr Menschen. Die Mechanismen dieser Krankheiten sind komplex, die Zusammenhänge bei Mehrfacherkrankungen vielschichtig. Deshalb hat das BMFTR seit 2009 gemeinsam mit den Ländern die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung aufgebaut, um neue Präventions- und Therapieansätze für Volkskrankheiten zu erforschen.

An den Deutschen Zentren für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Diabetesforschung (DZD), Infektionsforschung (DZIF), Lungenforschung (DZL) sowie am Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) arbeiten Hochschulen, Universitätskliniken und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen bundesweit fächerübergreifend zusammen. Seit 2023 fördert das BMFTR zudem den Auf- und Ausbau der künftigen Deutschen Zentren für Psychische Gesundheit (DZPG) und Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ), um die wachsende Krankheitslast in beiden Bereichen zu adressieren. Gemeinsames Ziel der Zentren ist es, Forschungsergebnisse zügig in die medizinische Anwendung zu bringen und so für die Betroffenen nutzbar zu machen.
5.2.3 NAKO Gesundheitsstudie
Empirische Daten zur Entstehung von Volkskrankheiten soll auch eine besonders groß angelegte Langzeit-Bevölkerungsstudie liefern: die NAKO Gesundheitsstudie. Bereits seit 2013 werden in Deutschland über 200.000 Frauen und Männer in ihrem Erwachsenenalter umfassend medizinisch untersucht und befragt. Die Studie liefert Erkenntnisse dazu, wie häufige Krankheiten entstehen, welche Faktoren sie begünstigen oder verhindern und wie man ihnen vorbeugen kann. Sie wird auf Basis einer Bund-Länder-Vereinbarung vom Bund, den beteiligten Ländern und der Helmholtz-Gemeinschaft mit insgesamt bis zu 383 Mio. Euro über 15 Jahre finanziert.
5.3 Digitale Gesundheitsforschung und Medizin
5.3.1 E-Health: Digitalisierung in Gesundheitsforschung und -versorgung
Die Digitalisierung verändert Gesundheitsforschung und -versorgung grundlegend. Digitale Technologien verbessern Diagnostik, Therapie, Prävention und Pflege und eröffnen neue Chancen für Forschung und Gesundheitswirtschaft. Die sichere Speicherung, Nutzung und der sichere Austausch von Gesundheitsdaten ermöglichen immer detailliertere Einblicke in die Entstehung, Verbreitung und Heilung von Krankheiten. Die Bundesregierung unterstützt dies durch gezielte Forschungsförderung – auch im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) – und hat die Digitalisierung als zentrale Leitlinie im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung, als Handlungsfeld in der Ressortforschung sowie in der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege (BMG) verankert. Zudem verfolgt das BMFTR das Ziel, KI-gestützt Prozesse in der Wirkstoffforschung zu beschleunigen und damit die Arzneimittelentwicklung zu unterstützen.

Um das Forschungspotenzial von Gesundheitsdaten zu erschließen, werden im Rahmen des Forschungs- und Förderkonzepts „e2Health – Medizinischer Fortschritt durch In-silico-Forschung“, der Förderung von Datennutzungsprojekten und des speziell an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierestadien gerichteten Förderschwerpunkts „Zukunft eHealth“ des BMFTR innovative datengetriebene Forschungsvorhaben gefördert und computerbasierte sowie KI-gestützte Methoden für die Gesundheitsforschung entwickelt.
Eine zentrale Rolle in der digitalen und datenbasierten Gesundheitsforschung spielen die Universitätskliniken: Sie verbinden exzellente Forschung mit hochwertiger Versorgung und schaffen ein Umfeld, in dem Wissenschaft und Praxis voneinander profitieren – eine entscheidende Grundlage für Fortschritte in der Forschung und qualitative Verbesserungen in der Versorgung.
5.3.2 Forschung mit Gesundheitsdaten
Das Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten erleichtert den Zugang zu Gesundheitsdaten für die Forschung. Es bereitet zugleich die nationale Umsetzung des Europäischen Gesundheitsdatenraums (engl. European Health Data Space; EHDS) vor, der die europäische Vernetzung vorantreibt und die Primär- und Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten erleichtert.
Das beim BfArM angesiedelte Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ Gesundheit) ermöglicht die Auswertung von Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung und künftig auch von Daten aus den elektronischen Patientenakten (ePA). Sie stehen berechtigten Nutzerinnen und Nutzern insbesondere für die wissenschaftliche Forschung und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zur Verfügung.
Mit dem Medizinregistergesetz soll u. a. die Nutzung von Medizinregisterdaten für die versorgungsnahe Forschung erleichtert werden. Dafür wird ein übergreifender Rechtsrahmen für nicht spezial-gesetzlich geregelte Medizinregister geschaffen, um strukturierte Versorgungsdaten systematisch für Forschung und Versorgung nutzbar zu machen. Das beim BMG angesiedelte Implantateregister Deutschland (IRD) erfasst verpflichtend Langzeitdaten zu Implantaten, macht Produkt- und Versorgungsqualität transparent und trägt so zur Verbesserung der medizinischen Versorgung bei Implantationen bei.
Als ein wesentlicher Treiber der digitalen Transformation im Gesundheitswesen fungiert die Medizininformatik-Initiative (MII), an der alle deutschen Universitätskliniken beteiligt sind. Das BMFTR fördert die MII mit mehr als 500 Mio. Euro. In Zusammenarbeit mit dem NUM wurden im Rahmen der MII dezentrale, eng verknüpfte Dateninfrastrukturen an den Universitätskliniken aufgebaut. Diese werden kontinuierlich weiterentwickelt, um sowohl die datenbasierte Forschung als auch die Patientenversorgung zu stärken. So entstehen etwa digitale Anwendungen, die vor potenziell gefährlichen Wechselwirkungen mehrerer Medikamente warnen oder Daten aus verschiedenen Quellen für gemeinsame Therapieentscheidungen nutzbar machen.
Das nationale Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG), entwickelt im Rahmen der MII, bietet Forschenden einen zentralen Zugang zu den an Universitätskliniken erhobenen Patientendaten. Gleichzeitig richtet sich das Portal auch an Bürgerinnen und Bürger, indem es Forschungsvorhaben und deren Ergebnisse transparent macht. In den Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit der MII arbeiten die Datenintegrationszentren der Universitätskliniken mit regionalen Akteuren wie Krankenhäusern, Arztpraxen, Reha- und Pflegeeinrichtungen sowie Rettungsdiensten zusammen, um die Machbarkeit der sektorübergreifenden Vernetzung von Gesundheitsdaten für die medizinische Forschung zu demonstrieren.
5.3.3 Personalisierte Medizin und Translationsforschung
Die personalisierte Medizin berücksichtigt verschiedene gesundheitsrelevante Faktoren, wie Geschlecht, Alter und genetische Veranlagung, sowie deren Wechselwirkungen. Sie eröffnet neue Möglichkeiten der maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie und treibt Innovationen sowohl in der Gesundheitsforschung und -versorgung als auch in der Gesundheitswirtschaft voran. Das BMFTR fördert personalisierte Ansätze in allen wichtigen Krankheitsgebieten, um individuelle Therapieansätze schneller in die klinische Anwendung zu bringen bzw. die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren zu beschleunigen. In der fünften Periode der programmorientierten Förderung (PoF V) setzt das BMFTR hier mit dem Forschungsbereich Gesundheit der Helmholtz-Gemeinschaft strategische Schwerpunkte der institutionellen Förderung.
Die Translationsforschung schlägt eine wichtige Brücke von der biomedizinischen Grundlagenforschung in die klinische Praxis. Dabei muss sie die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit neuer Verfahren in klinischen Prüfungen wissenschaftlich belegen. Neben wissenschaftsinitiierten klinischen Studien und präklinischer Forschung unterstützt das BMFTR die medizinische Translationsforschung im Rahmen der institutionellen Förderung. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützt das BMFTR dabei im Rahmen von Einzelvorhaben zur klinischen Validierung von innovativen medizintechnischen Lösungen.
Ein Beispiel ist das Berlin Institute of Health (BIH), das den Translationsforschungsbereich der Charité Universitätsmedizin Berlin darstellt. Das BIH hat in einem sektorenübergreifenden Dialog im Jahr 2024 eine nationale Strategie für Gen- und Zelltherapie entwickelt, die im Juni 2024 veröffentlicht und ans BMFTR überreicht wurde. Die Strategie wird seitdem schrittweise umgesetzt. Wichtige Bausteine sind die Einrichtung eines nationalen Netzwerkbüros am BIH und eine nationale Projektförderung im Bereich Gen- und Zelltherapie. Der Bund unterstützt zudem den Aufbau eines nationalen Translationszentrums für Gen- und Zelltherapie in Berlin. Im September 2025 wurde der Spatenstich für das Gebäude gefeiert.
Deutschland spielt international eine Schlüsselrolle in der personalisierten Medizin. Gemeinsam mit der Europäischen Kommission wurde 2023 eine Europäische Partnerschaft für Personalisierte Medizin (EP PerMed) etabliert. Dem von Deutschland koordinierten Zusammenschluss von derzeit 61 internationalen Partnerorganisationen steht über einen Zeitraum von zehn Jahren ein Gesamtbudget von mehr als 370 Mio. Euro zur Verfügung. Ziel ist es, die europäischen und nationalen Forschungs- und Förderstrategien aufeinander abzustimmen, exzellente transnationale Forschungskonsortien zu fördern, die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken sowie die Zusammenarbeit mit Nicht-EU-Ländern zu unterstützen.
5.3.4 Medizintechnik und digitale Gesundheitsanwendungen
Angefangen bei der Diagnose und Therapie bis hin zur Überwachung und Nachsorge eröffnen sich mit der Digitalisierung der Medizintechnik neue Möglichkeiten bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Im Rahmen des Fachprogramms „Medizintechnik“ und des Programms „Miteinander durch Innovation – Interaktive Technologien für Gesundheit und Lebensqualität“ unterstützt das BMFTR daher vielfältige FuE-Vorhaben, die KI, digitale und interaktive Gesundheitstechnologien sowie medizintechnische Lösungen einsetzen – von Assistenzsystemen in Klinikprozessen über Präzisionschirurgie und Kardio-Onkologie bis hin zu hybriden Interaktionssystemen und innovativen Medizinprodukten. Ziel ist es, für die Patientinnen und Patienten die Versorgung, Nachsorge und Lebensqualität zu verbessern sowie die Entwicklung innovativer, marktfähiger digitaler Medizintechniklösungen voranzutreiben.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) unterstützen bereits bei Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes, Depression oder Panikstörungen. Sie können als Webanwendung oder App-Lösung konzipiert sein und werden durch das BfArM mit Blick auf Sicherheit, Qualität, Datenschutz, Datensicherheit und einen nachzuweisenden positiven Versorgungseffekt geprüft. Mit dem Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (Digital-Gesetz; DigiG) werden DiGA besser in die Versorgung integriert und auf weitere Versorgungsszenarien wie telemedizinisches Monitoring oder hybride Versorgungsansätze ausgeweitet.
Auch der BMG-Forschungsschwerpunkt „Digitale Innovationen für eine patientenzentrierte Versorgung“ stellt den konkreten Nutzen von KI-gestützten Verfahren und Methoden für eine bessere Patientenversorgung in den Vordergrund. Ein wichtiger Aspekt der geförderten Projekte ist es, große Mengen unterschiedlicher Daten sowie Datenbestände und verteilt vorliegendes Wissen zusammenzuführen und nutzbar zu machen. Die entsprechenden KI-Anwendungen werden in der Praxis erprobt und getestet. So werden Erkenntnisse gewonnen, die Ärztinnen und Ärzte bei ihren Entscheidungen unterstützen. Das Handlungsfeld „Digitalisierung“ im Rahmen der BMG-Ressortforschung ergänzt diese Aktivitäten.
FuI-Maßnahmen
Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Wirkstoffforschung
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die vorhandene Methoden Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Wirkstoffforschung anwenden, um den Prozess der Wirkstoffforschung entlang der gesamten Entwicklungskette zu beschleunigen und zu verbessern sowie die deutsche Forschungslandschaft in der Nutzung von KI nachhaltig zu stärken.
Aufbau von Industrie-in-Klinik-Plattformen zur Entwicklung innovativer Medizinprodukte
Das BMFTR fördert Ansätze für den Aufbau von Industrie-in-Klinik-Plattformen im Bereich der Medizintechnologien mit dem Ziel, die Kooperationsbasis zwischen Unternehmen der Medizintechnik und Kliniken zu stärken.
Datennutzungsprojekte im Bereich eHealth
Das BMFTR fördert Pilotprojekte zur Analyse vorhandener multizentrischer Datensätze aus öffentlich geförderten Gesundheitsforschungsdateninfrastrukturen, um gesundheitsrelevante Fragestellungen zu beantworten.
Digitale Innovationen für die Verbesserung der patientenzentrierten Versorgung im Gesundheitswesen
Das BMG unterstützt FuE-Vorhaben, die unter Anwendung anerkannter wissenschaftlicher Methoden wissenschaftliche Erkenntnisse zum Nutzen digitaler Innovationen generieren und einen Beitrag zur Verbesserung der patientenzentrierten Versorgung leisten.
Förderung der Medizininformatik-Initiative: Ausbau- und Erweiterungsphase
Das BMFTR unterstützt Maßnahmen zur standortübergreifenden Erschließung und Nutzung digitalisierter Gesundheitsdaten mit dem Ziel, die Gesundheitsforschung und -versorgung weiter zu optimieren.
Frühe klinische Studien
Das BMFTR unterstützt frühe klinische Studien, um bestehende Barrieren in der Translationskette zwischen präklinischer und klinischer Forschung zu überwinden und die Erfahrung und Expertise in diesem Forschungsbereich auszubauen.
Identifizierung oder Validierung von Targets für Ansätze der personalisierten Medizin
Das BMFTR und das BMG fördern multidisziplinäre FuE-Projekte im Rahmen der Europäischen Partnerschaft für Personalisierte Medizin (EP PerMed) mit dem Ziel, den Nutzen von Ansätzen der personalisierten Medizin durch verbesserte internationale Zusammenarbeit zu vergrößern.
Interaktive und Gamification-basierte Technologien zur Förderung der psychischen Gesundheit im Kindesalter
Das BMFTR fördert Forschung zu digitalen Technologien in der Psychotherapie. Damit sind alltagsnahe Interventionen durchführbar, und Symptome können auch zwischen Therapiesitzungen unmittelbar erhoben werden. Interaktive Elemente, z. B. aus dem Bereich Gamification, können die Motivation zur Nutzung gerade auch bei Jüngeren steigern.
Juniorverbünde im Förderschwerpunkt „Zukunft eHealth“
Das BMFTR fördert FuE-Verbünde von promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (Postdocs) im Bereich eHealth, um deren interdisziplinäre Vernetzung zu stärken, den Erkenntnisgewinn in der Biomedizin voranzutreiben und die Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten zu verbessern.
KI-basierte Assistenzsysteme für prozessbegleitende Gesundheitsanwendungen
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben zu intelligenten Assistenzsystemen, die administrative und organisatorische Prozesse in der klinischen Gesundheitsversorgung mit Methoden der Künstlichen Intelligenz unterstützen, um medizinisches Personal zu entlasten.
Klinische Validierung innovativer medizintechnischer Lösungen
Das BMFTR fördert Einzelvorhaben von KMU zur klinischen Validierung innovativer medizintechnischer Lösungen, um deren zügige Überführung in die Gesundheitsversorgung zu unterstützen.
KMU-innovativ: Medizintechnik
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben von KMU in den Bereichen Medizintechnik und digitaler Gesundheitstechnologien. Im Fokus stehen Medizinprodukte, In-vitro-Diagnostika und digitale Anwendungen mit dem Ziel, Innovationen in die Versorgung zu überführen, die Innovationsbasis zu stärken und die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern.
Mehr Therapieerfolg durch innovative medizintechnische Lösungen für Menschen mit Funktionseinschränkungen
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben im Bereich verbesserter Therapielösungen mit Medizinprodukten für Menschen mit körperlichen Funktionseinschränkungen und verfolgt im Rahmen von Verbundprojekten mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft, Klinik und Versorgung das Ziel, Expertise zu bündeln, den Transfer in die Gesundheitsversorgung zu beschleunigen und die Patientenversorgung zu verbessern.
Multidisziplinäre transnationale Forschungsvorhaben zur Prävention in der Personalisierten Medizin (ERA PerMed)
Das BMG und das BMFTR unterstützen translationale und transnationale FuE-Vorhaben im Bereich der personalisierten Medizin mit dem Ziel, maßgeschneiderte Strategien zur Prävention von Krankheiten und zur Vermeidung ihres Fortschreitens zu entwickeln.
Optimale Therapien durch datengetriebene Entscheidungs- und Unterstützungssysteme
Das BMFTR fördert FuE-Projekte zur datengetriebenen Identifizierung optimaler Therapiestrategien mit dem Ziel, die Patientenversorgung zu verbessern und innovative Medizintechnik bereitzustellen.
Postdoc Starting Grants im Förderschwerpunkt „Zukunft eHealth“
Das BMFTR fördert erste eigenständige FuE-Projekte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nach ihrer Promotion, um vielversprechende Talente aus den quantitativen, rechnergestützten Wissenschaften für die datengetriebene Gesundheitsforschung oder computergestützte biomedizinische Forschung (eHealth) zu gewinnen.
Selbständige Forschungsgruppen im Förderschwerpunkt „Zukunft eHealth“
Das BMFTR fördert selbstständige, von Wissenschaftlerinnen geleitete Forschungsgruppen im Bereich eHealth, um die Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten zu verbessern sowie die Sichtbarkeit von Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen zu erhöhen.
Veranstaltungsreihen im Förderschwerpunkt „Zukunft eHealth“
Das BMFTR fördert Veranstaltungsreihen, um insbesondere Studierende und Promovierende aus den nicht-medizinischen MINT-Fächern frühzeitig für das interdisziplinäre Forschungsfeld eHealth zu interessieren.
Weiterentwicklung und Vernetzung der Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit
Das BMFTR fördert die Fortsetzung von FuE-Vorhaben zur digitalen Vernetzung von Gesundheitsforschung und -versorgung, um die Qualität der Behandlungsergebnisse und die Patientensicherheit zu erhöhen.
5.4 One Health und globale Gesundheit
Die Gesundheit von Menschen, Tieren und ihrer Umwelt ist eng verknüpft. Bekannte und neue Infektionskrankheiten rühren weltweit aus dem engen Kontakt von Menschen mit Nutz- und Wildtieren her. Die wachsende Ausdehnung von menschlichen Siedlungsräumen in naturnahe Ökosysteme erleichtert die Entstehung neuer Zoonosen. Der One-Health-Ansatz greift u. a. diese Zusammenhänge auf und betrachtet sie gesamtheitlich und interdisziplinär, um Risiken für Mensch, Tier und Umwelt besser zu verstehen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Zoonosen, antimikrobielle Resistenzen (AMR) und neuartige oder wiederkehrende Infektionskrankheiten stellen besonders drängende Herausforderungen dar und werden durch Umweltfaktoren wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Schadstoffbelastungen maßgeblich beeinflusst. Dies hat auch Auswirkungen auf die globale Gesundheit und zeigt, dass Gesundheitsfragen heute nicht nur grenzüberschreitend, sondern auch interdisziplinär gedacht und bearbeitet werden müssen.
5.4.1 One Health, Infektionsforschung, antimikrobielle Resistenzen
Um der interdisziplinären Natur des One-Health-Ansatzes gerecht zu werden und die Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen – wie Human- und Veterinärmedizin, Umwelt- und Agrarwissenschaften, Lebensmitteltechnik und Sozialwissenschaften – voranzutreiben, fördert die Bundesregierung bis 2028 die One Health Platform (OHP) ressortübergreifend auf der Grundlage einer gemeinsamen Forschungsvereinbarung. Ziel ist es, durch interdisziplinäre Forschung ein besseres Verständnis für übertragbare und nichtübertragbare Erkrankungen, antimikrobielle Resistenzen (AMR) sowie deren Zusammenhänge mit Klimawandel, Umweltanpassungsmaßnahmen, Biodiversität und menschlichem Verhalten zu gewinnen und so evidenzbasierte Grundlagen für Pandemievorsorge und Prävention zu schaffen.
Das BMFTR fördert interventionelle Studien zur evidenzbasierten Primärprävention, interdisziplinäre Forschung zu Biodiversität und Gesundheit sowie Nachwuchsgruppen, die insbesondere zu infektiologischen Fragen und antimikrobiellen Resistenzen arbeiten. Um die Modellierungskompetenz mit Bezug auf Infektionsgeschehen zu stärken und zu vernetzen, fördert das BMFTR ein interdisziplinäres Modellierungsnetz zur Ausbreitung schwerer Infektionskrankheiten (MONID). Mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030 unterstützt die Bundesregierung die Bekämpfung von AMR gemäß dem One-Health-Ansatz. Der erste Aktionsplan zur DART 2030 wurde 2024 veröffentlicht. Eine Aktualisierung des Aktionsplans ist für 2026 vorgesehen.
Die deutsche Forschungslandschaft zu One Health, AMR und Infektionskrankheiten ist eng vernetzt: Unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) arbeiten 35 universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen zu Infektionskrankheiten, AMR und neuen Antibiotika, HIV/AIDS, Hepatitis, Tuberkulose, Malaria und wenig erforschten (sogenannten vernachlässigten) Tropenkrankheiten. Neben dem DZIF gehören das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und das Helmholtz-Institut für One Health (HIOH) zu den führenden Adressen in diesem Feld.
Auch Ressortforschungseinrichtungen des Bundes, insbesondere des BMLEH, BMUKN und BMG, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Umweltbundesamt (UBA), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Robert Koch-Institut (RKI), sind auch im One-Health-Bereich in nationale und internationale Forschungsverbünde eingebunden, um Prävention, Erkennung und Bekämpfung zu verbessern sowie Expertise zu teilen und den interdisziplinären Austausch zu fördern.
Auf europäischer Ebene arbeitet das DZIF mit anderen Forschungseinrichtungen in der öffentlich-privaten Partnerschaft UNITE4TB an der Entwicklung neuer Therapien gegen Tuberkulose. Zudem koordinieren sich mehr als 50 Organisationen aus 30 Nationen in der Europäischen Partnerschaft One Health Antimicrobial Resistance (OHAMR) im Sinne einer abgestimmten FuI-Förderung zur AMR-Bekämpfung. Im Rahmen der europäischen „Joint Action on Antimicrobial Resistance and Healthcare-Associated Infections (JAMRAI II)“ beteiligt sich Deutschland an dem gemeinsamen Projekt der Mitgliedstaaten zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Sinne des One-Health-Ansatzes.
Der Global AMR R&D Hub erfasst Förderinitiativen von Staaten und Nichtregierungsorganisationen auf globaler Ebene und verbessert die Evidenzlage zur Stärkung von FuI-Aktivitäten. Das BMFTR fördert das in Berlin angesiedelte Sekretariat des Hubs bis Ende 2028. Zudem unterstützt das BMFTR internationale Initiativen wie den Combating Antibiotic-Resistant Bacteria Biopharmaceutical Accelerator (CARB-X) und die Global Antibiotic Research & Development Partnership (GARDP) zur Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika und alternativer Arzneimittel bzw. Behandlungsansätze.

5.4.2 Umwelt und Gesundheit
Menschen sind tagtäglich gesundheitsrelevanten Umwelteinflüssen ausgesetzt, die sie nur begrenzt beeinflussen können. Für einen wirksamen umweltbezogenen Gesundheitsschutz sind daher belastbare Daten zur umweltbedingten Schadstoffexposition der Bevölkerung unerlässlich. Ein zentrales Instrument hierfür ist das Human-Biomonitoring (HBM), mit dem Chemikalien in menschlichen Proben gemessen und die internen Belastungen genau erfasst werden können. In den Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit (GerES) werden repräsentative Daten über die Schadstoffbelastung der Bevölkerung erhoben. Ergänzend werden Proben aus den Wohnungen, etwa von Trinkwasser, Innenraumluft oder Hausstaub, analysiert und Informationen zu Lebens- und Wohnverhältnissen der Studienteilnehmenden erfasst, um Zusammenhänge zwischen Umweltquellen und innerer Exposition zu identifizieren. Zudem ermöglichen Zeitverlaufsanalysen unter Verwendung von Humanproben aus der Umweltprobenbank des Bundes (UPB), im Rahmen derer jährlich Humanproben erhoben werden, Aussagen über zeitliche Trends. Die Ergebnisse der vom BMUKN geförderten HBM-Studien liefern konkrete Hinweise auf die Wirksamkeit nationaler und europäischer Regelungen zu Chemikalien.
5.4.3 Globale Gesundheit
Um die aktuellen Herausforderungen für die globale Gesundheit erfolgreich angehen zu können, hat sich die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation für Krankheitsbekämpfung und Versorgung, aber auch zur Vorsorge und Prävention, wiederholt als von zentraler Bedeutung erwiesen. Aufbauend auf ihrer Strategie zur globalen Gesundheit, stärkt die Bundesregierung mit gezielter Forschungsförderung – insbesondere durch das BMFTR und das BMG – internationale Kooperationen, baut wissenschaftliche Netzwerke auf und unterstützt interdisziplinäre Projekte. Unter Federführung des BMG wurden die fünf strategischen Prioritäten im Rahmen eines ressortübergreifenden Review-Prozesses zur Halbzeit ihrer Geltungsdauer durch acht Schwerpunkte – darunter die weltweite Förderung von Forschung und Innovation für Gesundheit – bis 2030 konkretisiert. So wird die deutsche Forschung enger in globale Strategien wie die Global Health Strategy der EU eingebunden und trägt zu einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung im internationalen Maßstab bei. Auch das BMZ unterstützt die globale Gesundheitsforschung im Rahmen multilateraler Initiativen, u. a. durch das Spezialprogramm der Weltgesundheitsorganisation (engl. World Health Organization; WHO) zu vernachlässigten Tropenkrankheiten sowie den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (engl. Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria; GFATM).
Um internationale Gesundheitssysteme nachhaltig zu stärken, Kapazitäten aufzubauen und weltweit koordiniert auf Gesundheitsnotfälle reagieren zu können, arbeitet das RKI durch sein Zentrum für Internationalen Gesundheitsschutz (ZIG) mit Partnerländern sowie internationalen Public-Health-Akteuren zusammen.
Die German Alliance for Global Health Research (GLOHRA) vernetzt Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen, um globale Gesundheitsfragen gemeinsam zu bearbeiten. Sie stärkt den Austausch, fördert interdisziplinäre Projekte und unterstützt so evidenzbasierte Lösungen für internationale Gesundheitsherausforderungen.
Im Rahmen seiner Ressortforschung nimmt das BMG globale Ansätze zur Prävention übertragbarer und nichtübertragbarer Krankheiten, Gesundheitssicherheit und die Stärkung von Gesundheitssystemen in den Blick. Zudem fördert das BMG den internationalen Aufbau von Kapazitäten für die Prävention und Bewältigung von Pandemien, Epidemien und Infektionskrankheiten über das Global Health Protection Programme (GHPP), insbesondere in den Schwerpunktregionen Subsahara-Afrika und Osteuropa. Darüber hinaus engagiert sich das BMG in der Weiterentwicklung multilateraler Strukturen der globalen Gesundheit, insbesondere im Rahmen der WHO, um internationale Kooperation, Krisenprävention und Resilienz der Gesundheitssysteme zu stärken.
Das BMFTR stärkt Forschung zu Infektions- und nichtübertragbaren Krankheiten mit hoher Krankheitslast in Subsahara-Afrika. Über die Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen (RHISSA) entstehen praxisnahe Lösungen wie neue Diagnostik und Therapien. Ergänzend unterstützt das BMFTR Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) und die European & Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP) zur Erforschung vernachlässigter Krankheiten.
5.4.4 Pandemieprävention
Pandemien bleiben eine der größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Mit dem seit 2021 verhandelten internationalen Pandemieabkommen stärken die WHO-Mitgliedsländer Prävention und Krisenreaktion. Geplant sind Investitionen in Früherkennung, Lieferketten- und Logistiknetzwerke, den Aufbau weltweit vernetzter Notfallteams, grenzüberschreitender Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau nationaler und regionaler Regulierungsbehörden. Die Ratifizierung kann erst begonnen werden, wenn die Verhandlungen zum Zugangs- und Vorteilsausgleichsystem abgeschlossen sind; eine Arbeitsgruppe soll dazu im Mai 2026 ein Ergebnis vorlegen. Ziel ist sowohl ein fairer Zugang zu physischen Pathogenproben und Gensequenzdaten für Industrie und Forschung – inkl. Vorteilsausgleich – als auch eine gerechtere Bereitstellung von Diagnostika, Therapeutika und Impfstoffen im Pandemiefall. Zudem haben die Vertragsstaaten 2024 Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) angenommen. Sie führen u. a. die Warnstufe eines pandemischen Notfalls ein, stärken Solidarität und Gerechtigkeit durch verstärkte Zusammenarbeit untereinander und mit der WHO und erweitern vorzuhaltende Kernkapazitäten. In Deutschland gilt das entsprechende Vertragsgesetz seit Januar 2026.
Auf nationaler Ebene stärkt das BMFTR mit der Förderung trans- und interdisziplinärer Forschungsverbünde zum Thema „Pandemieprävention und -reaktion im Rahmen eines One-Health-Ansatzes“ die Vernetzung der Gesundheitsforschung mit dem öffentlichen Gesundheits- und Veterinärwesen und der Umweltverwaltung.
Seit Anfang 2026 fördern die Europäische Kommission und zahlreiche Mitgliedstaaten eine Forschungspartnerschaft für Pandemievorsorge „BE READY“. Mehr als 80 Partnereinrichtungen setzen sich zum Ziel, Europa besser auf künftige Pandemien vorzubereiten. Deutschland stellt das Sekretariat für die jährlichen Förderausschreibungen. Eine erste Ausschreibung, an der sich das BMFTR beteiligt, wurde im Januar 2026 veröffentlicht. Zudem liegt ein Schwerpunkt auf dem Aufbau bzw. Vorhalten von Studiennetzwerken, um im Ernstfall rasch mit klinischen Studien starten zu können. Für Deutschland bringt sich hier das NUM in die Partnerschaft ein.
International beteiligt sich das BMFTR an der Global Research Collaboration for Infectious Disease Preparedness (GloPID-R), einem Zusammenschluss von Forschungsförderern. Ziel ist es, eine abgestimmte und wirksame Forschungsantwort auf Ausbrüche von neuen oder wieder auftretenden Infektionskrankheiten mit epidemischem und pandemischem Potenzial zu ermöglichen. Zudem zählt Deutschland zu den Gründungsmitgliedern und größten Geldgebern der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI). In öffentlich-privaten Partnerschaften fördert CEPI die Entwicklung von Impfstoffen gegen Krankheitserreger mit Pandemiepotenzial sowie von Plattformtechnologien.
FuI-Maßnahmen
Afrikanisch-deutsche Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika (RHISSA)
Das BMFTR unterstützt afrikanisch-deutsche Forschungsnetzwerke zur Umsetzung von Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika mit dem Ziel, das fragile Gesundheits- und Forschungssystem nachhaltig zu stärken und damit dem Recht auf Zugang zu Gesundheitsleistungen Rechnung zu tragen.
Ausbau und Vernetzung der Modellierungskompetenz für schwere Infektionskrankheiten
Das BMFTR fördert interdisziplinäre FuE-Vorhaben zu populationsbezogenen Modellierungen von Infektionsgeschehen sowie eine Koordinierungsstelle, um die gesundheitliche und wirtschaftliche Belastung der Gesellschaft durch die Ausbreitung schwerer Infektionskrankheiten zu reduzieren.
Förderung von Nachwuchsgruppen zur Infektionsforschung
Das BMFTR fördert wissenschaftliche Nachwuchsgruppen, die zu infektiologischen Fragestellungen forschen, insbesondere zu antimikrobiellen Resistenzen (AMR).
Forschungsplattform für One Health
Unter der Federführung des BMFTR fördern die beteiligten Ressorts FuE-Vorhaben in der Gesundheitsforschung mit dem Ziel, die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen nachhaltig ins Gleichgewicht zu bringen und zu optimieren.
Pandemieprävention und -reaktion im Rahmen eines One-Health-Ansatzes
Das BMFTR fördert inter- und transdisziplinäre FuE-Vorhaben zur wirksamen Pandemieprävention und -reaktion, um zukünftig besser auf Infektionsausbrüche vorbereitet zu sein.
Prävention, Diagnose und Behandlung von vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten
Das BMFTR unterstützt FuE-Vorhaben zur Entwicklung von Methoden und Produkten mit dem Ziel, die Prävention, Diagnose oder Behandlung vernachlässigter und armutsassoziierter Krankheiten zu verbessern und so die damit verbundene Kindersterblichkeit zu senken sowie die Gesundheitsversorgung der Mütter zu verbessern.
Vertiefung des Verständnisses der Dynamik zwischen Wirt und Krankheitserregern zur besseren Bekämpfung von Infektionskrankheiten mit Pandemiepotenzial (BE READY)
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben, die einen Beitrag zum verbesserten Verständnis pandemierelevanter Erreger leisten und durch neue oder verbesserte Therapieansätze einen positiven Effekt auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt erreichen.
Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit
Das BMFTR fördert interdisziplinäre Forschungsvorhaben, die den Zusammenhang zwischen Biodiversität und der menschlichen Gesundheit untersuchen.
5.5 Public Health
Die Gesundheit der Bevölkerung erhalten und stärken sowie Krankheitsrisiken verringern – wie das gelingen kann, untersucht die Forschung zur öffentlichen Gesundheit, auch Public-Health-Forschung genannt. Sie nimmt sowohl die Förderung körperlicher und psychischer Gesundheit sowie die Prävention von Krankheiten als auch die Versorgung im Krankheitsfall, das Gesundheitsverhalten und den Einfluss der Lebensumstände oder des Versorgungssystems in den Blick.
5.5.1 Öffentliche Gesundheit
Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig ein funktionierender Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD) ist. Erkenntnisse der Public-Health-Forschung bilden eine wichtige Grundlage für die Arbeit des ÖGD auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene und unterstützen dabei, wirksame Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen – von Infektionsschutz über Gesundheitsaufklärung bis zur Prävention.
Zu den zentralen Aufgabenbereichen des ÖGD in Deutschland gehören Prävention und Gesundheitsförderung, Infektionsschutz, Gesundheitsschutz und -berichterstattung sowie Beratungs- und Informationsleistungen. Wichtige Rollen spielen in diesem Zusammenhang – neben den Gesundheitsämtern vor Ort – das RKI sowie das BIÖG. Um diesen vielfältigen Aufgaben gerecht werden zu können, muss der ÖGD ständig weiterentwickelt werden. Im Zuge dessen treiben Bund und Länder im Rahmen des „Pakts für den ÖGD“ bis 2026 die digitale und strukturelle Weiterentwicklung voran und fördern entsprechende Forschung.
5.5.2 Prävention, Gesundheitsförderung und -kompetenz
Prävention und Gesundheitsförderung haben das Potenzial, sich neben Behandlung, Rehabilitation und Pflege als vierte Säule des Gesundheitswesens zu etablieren. Konsequent umgesetzt können viele Zivilisationserkrankungen wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert und Gesundheitskosten reduziert werden. Damit Maßnahmen breite Bevölkerungsgruppen langfristig und zielgerichtet erreichen, sollten Zugangshürden abgebaut sowie ihre Umsetzung und Wirkung systematisch überprüft werden. Der Förderschwerpunkt Präventionsforschung des BMFTR unterstützte daher bis 2024 FuE zu Wirksamkeit von und Zugangswegen zu Prävention und Gesundheitsförderung sowie den Aufbau nachhaltiger Kooperationsstrukturen zwischen Wissenschaft und Praxis. In aktuell geförderten Interventionsstudien für gesunde und nachhaltige Lebensbedingungen und Lebensweisen werden zudem Zusammenhänge zwischen Prävention und Gesundheitsförderung einerseits und ökologischer Nachhaltigkeit andererseits beleuchtet.
In der Ressortforschung des BMG bilden Prävention und Gesundheitsförderung ein übergeordnetes Handlungsfeld. In Zusammenarbeit mit Akteuren bzw. Trägerorganisationen der Gesundheitsfachberufe sowie Vertreterinnen und Vertretern sozialer Berufe werden passgenaue Präventionsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt. Besondere Bedeutung haben Projekte, die in den unmittelbaren Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger angesiedelt sind, wie etwa in Kommunen, Betrieben, Pflegeheimen und Schulen. Den regulatorischen Ausgangspunkt und Rahmen dieses Handlungsfeldes bildet das Präventionsgesetz.
Daneben verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken. Menschen jeden Alters sollen unabhängig vom Bildungsabschluss und sozialen oder finanziellen Hintergrund befähigt werden, ihre Gesundheit aktiv zu gestalten. Sie sollen verlässliche gesundheitsbezogene Informationen leichter finden, verstehen, beurteilen und auf die eigene Lebenssituation anwenden können, insbesondere auch im digitalen Raum. Ziel ist, dass gesundheitsrelevante Entscheidungen selbstbestimmt und auf einer gut informierten Basis getroffen werden können. Die Allianz für Gesundheitskompetenz, an der Bund, Länder und Akteure des deutschen Gesundheitssystems beteiligt sind, hat dazu in der 2024 vorgelegten „Roadmap Gesundheitskompetenz 2024“ Ziele formuliert und mit konkreten Maßnahmen unterlegt, u. a. praxisorientierte Forschung, Informations- und Wissenstransfer. Insbesondere die Ressortforschung des BMG liefert wichtige Informationen und Erkenntnisse zur Stärkung der Gesundheitskompetenz.
5.5.3 Gesundheitsförderliche Ernährung und Bewegungsförderung
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, allen Bevölkerungsgruppen eine gesunde, regionale und ausgewogene Ernährung zu ermöglichen. Hierzu wurde Anfang 2024 die federführend vom BMLEH betreute Ernährungsstrategie der Bundesregierung beschlossen. Sie betont die Bedeutung kontinuierlicher Forschung als Grundlage für eine wissensbasierte und zukunftsfähige Ernährungspolitik. Forschungsbedarf besteht u. a. bei ernährungsphysiologischen Fragen, der Datenlage zur Ernährungssituation, den Auswirkungen von Ernährung auf Gesundheit, Umwelt und Klima sowie ihren sozialen Aspekten. Für die engmaschige Bereitstellung repräsentativer Daten zum Ernährungsstatus und Ernährungsverhalten der Bevölkerung in Deutschland wurde ein kontinuierliches Nationales Ernährungsmonitoring am Max Rubner-Institut (MRI) aufgebaut.

Forschung zur Entstehung und Prävention von ernährungs- und lebensstilassoziierten Erkrankungen wird auch auf europäischer Ebene in den Blick genommen. Die Bundesregierung beteiligt sich an der gemeinsamen Programminitiative „Healthy Diet, Healthy Life (HDHL)“ und fördert in deren Rahmen u. a. Forschung zu Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Immunsystem. Zudem adressiert die Europäische Partnerschaft „Fostering a European Research Area for Health Research (ERA4Health)“, in der Deutschland über das BMFTR vertreten ist, prioritäre Forschungsfelder der öffentlichen Gesundheit in Europa.
Bewegungsmangel gilt als ein zentraler Risikofaktor für die Entstehung lebensstilassoziierter Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ II, Krebs sowie Gelenk- und Rückenleiden. Es ist daher das erklärte Ziel der Bundesregierung, mehr Menschen zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren. Die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung, die dafür die wissenschaftlichen Grundlagen liefern, werden derzeit aktualisiert und erweitert; die überarbeiteten Empfehlungen werden 2027 vorliegen. Das BMG arbeitet aktuell daran, die in den letzten Jahren erzielte sektoren- und ressortübergreifende sowie interdisziplinäre Vernetzung fortzusetzen und zu verstetigen, um eine qualitätsgesicherte Umsetzung von Maßnahmen der Bewegungsförderung sicherzustellen. Für Bürgerinnen und Bürger sowie Fachkräfte werden verschiedene Informations- und Arbeitsmaterialien rund um Bewegung und Gesundheit entwickelt und regelmäßig Daten zum Bewegungsverhalten sowie dessen Einflussfaktoren erfasst. Zudem fördert das BMG Projekte zu Maßnahmen für vulnerable Gruppen im Kita-Bereich sowie zu der Bedeutung von früher Bewegungsförderung in den ersten drei Lebensjahren.
5.5.4 Versorgungs- und Pflegeforschung
Versorgungsforschung hilft, eine bedarfsgerechte, evidenzbasierte Gesundheitsvorsorge zu sichern, indem sie den medizinischen Alltag sowie Organisation, Steuerung und Finanzierung der Kranken- und Gesundheitsversorgung in den Blick nimmt und neue Versorgungskonzepte erprobt, die Patientinnen und Patienten besonders berücksichtigen. Die Allgemeinmedizin spielt dabei eine zentrale Rolle. Seit Ende 2025 fördert das BMFTR klinische Forschung in allgemeinmedizinischen Praxisnetzwerken und den Erhalt dieser Strukturen. Auch wird die Forschung in der Geriatrie und Gerontologie gestärkt.
Über die Ressortforschung adressiert auch das BMG die Gesundheitsversorgung, u. a. hinsichtlich des Zugangs zu Versorgung, der Versorgungsqualität und -sicherheit, Zentrierung auf Patientinnen und Patienten, digitaler Innovationen und der bedarfsgerechten, sektorenübergreifenden Versorgung bei nichtübertragbaren Krankheiten wie chronischen und psychischen Erkrankungen sowie Krebs. Mit Blick auf Pflegebedürftige und Menschen mit psychischen Erkrankungen werden Projekte und Studien gefördert, die Prävention, Beratung, Behandlung und Rehabilitation verbessern sollen.
Das zentrale Instrument zur Förderung neuer Versorgungsformen und Vorhaben der Versorgungsforschung ist der Innovationsfonds, gespeist aus Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen und des Gesundheitsfonds. Mit dem Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (Digital-Gesetz; DigiG) wurde der Innovationsfonds mit einem jährlichen Finanzvolumen von 200 Mio. Euro verstetigt, von denen 40 Mio. Euro auf die Versorgungsforschung entfallen.
Bedingt durch eine steigende Lebenserwartung und die demografische Entwicklung ist eine stetig wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern auf Hilfe, Betreuung und Pflege angewiesen – zugleich fehlt es an Pflegefachpersonen sowie an Betreuungskräften. Pflegende Angehörige, die einen großen Teil der Pflege und Betreuung übernehmen, fühlen sich zunehmend belastet. Um die Qualität der Pflegepraxis gezielt und wirksam zu verbessern, kommt einer leistungsfähigen Pflegeforschung deshalb eine hohe Bedeutung zu. Das BMFTR stärkt die Pflegeforschung u. a., indem es Hochschulstandorte dabei unterstützt, Forschungskapazitäten zu entwickeln und auszubauen, z. B. mit neueingerichteten, geförderten Professuren, deren Vorhaben im Jahr 2025 starteten.
Im Rahmen des Forschungsclusters „Zukunft der Pflege“ unterstützt das BMFTR FuE im Pflegebereich und bringt dafür soziale und technologische Innovationen zusammen. Forschung, Wirtschaft und Pflegepraxis arbeiten gemeinsam mit Nutzenden an neuen Lösungen, die den Pflegealltag in Deutschland erleichtern und verbessern sollen. Ein Pflegeinnovationszentrum (PIZ) und vier Pflegepraxiszentren (PPZ) werden dabei unterstützt, Technologien zu entwickeln, deren Potenziale zu evaluieren und Erfahrungen in weitere Einrichtungen zu übertragen.
Technische Assistenzsysteme können die Pflegearbeit in der stationären Langzeitpflege, in Krankenhäusern und im häuslichen Umfeld erheblich erleichtern: Sie bieten das Potenzial, beruflich Pflegende von Routinearbeiten zu entlasten und sowohl pflegende Angehörige bei der Versorgung als auch Pflegebedürftige bei der Aufrechterhaltung ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen. Im Mittelpunkt der BMFTR-Initiative „Pflegeinnovationen 2030“ steht die Entwicklung neuer technisch-digitaler und organisatorischer Lösungen, wie z. B. die Anwendung von KI, Robotik und Datenrepositorien, die dabei helfen, Pflegebedürftige qualitativ hochwertig und bedarfsgerecht zu versorgen. Auch fördert das BMG neun Pilotvorhaben zur Implementierung und Verstetigung von Digital-Health-Ansätzen in der Gesundheitsversorgung, Rehabilitation und Pflege.
Zur Fachkräftesicherung im Gesundheits- und Pflegebereich verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Attraktivität von Pflegeberufen zu steigern, um die pflegerische Versorgung der Bevölkerung auch zukünftig sicherzustellen. Über die Ressortforschung des BMG werden die Situation von Pflegefachpersonen, Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sowie die Forschung zu teilautomatisierten Prozessen in der Langzeitpflege und zur Vernetzung von Pflege und Wissenschaft bei Demenzerkrankungen in den Blick genommen. Im Rahmen des Forschungsprogramms „Forschung zur Pflegebildung und zum Pflegeberuf“ vergibt und begleitet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Abstimmung mit BMG und BMFSFJ verschiedene Forschungsprojekte zur Pflegebildung und zum Pflegeberuf. Das vom BMG initiierte Pflegenetzwerk Deutschland vermittelt zudem Erkenntnisse aus der Pflegeforschung.
FuI-Maßnahmen
Interventionsstudien für gesunde und nachhaltige Lebensbedingungen und Lebensweisen
Das BMFTR unterstützt interventionelle Studien, die auf eine Verbesserung der wissenschaftlichen Evidenz für die Wirksamkeit einer sozial gerechten Primärprävention und Gesundheitsförderung in Verbindung mit Elementen zum Schutz von Klima und Umwelt ausgerichtet sind.
Nachwuchsgruppen in der Versorgungsforschung
Das BMFTR unterstützt FuE-Vorhaben interdisziplinärer Nachwuchsgruppen, die eine hohe Relevanz für die Patientenversorgung haben oder zur methodischen Weiterentwicklung der Versorgungsforschung in Deutschland beitragen.
Stärkung der Pflegeforschung
Das BMFTR unterstützt die Entwicklung und den Ausbau von Forschungskapazitäten in den Fachdisziplinen der Pflegeforschung sowie Forschungsprojekte des wissenschaftlichen Nachwuchses mit dem Ziel, die Pflegeforschung in Deutschland zu stärken und somit die Pflegepraxis qualitativ hochwertig weiterzuentwickeln.
Strukturelle Stärkung und Weiterentwicklung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes
Das BMG fördert FuE-Projekte zur Weiterentwicklung der inhaltlichen und methodischen Strukturen und Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD), um eine Analyse zur praxisorientierten Verbesserung von Leistungen des ÖGD zu erstellen.
Technologiegestützte Innovationen für Sorgegemeinschaften zur Verbesserung von Lebensqualität und Gesundheit informell Pflegender
Das BMFTR unterstützt soziotechnische Innovationen im Bereich der informellen Pflege, um so in Sorgegemeinschaften die Selbsthilfe und Handlungskompetenz informell Pflegender zu stärken und dadurch deren Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern.
