Zusammenfassung
Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Teilhabe sind grundlegend für eine offene, demokratische Gesellschaft. Angesichts sozialer Ungleichheiten, politischer Polarisierung und tiefgreifenden Strukturwandels kommt der sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschung eine besondere Bedeutung zu. Sie schafft Orientierungswissen für politisches und gesellschaftliches Handeln und unterstützt die Entwicklung nachhaltiger, tragfähiger Lösungen für die Gesellschaft. Daher stärkt die Bundesregierung die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung als strategisches Forschungsfeld auch in der Hightech Agenda Deutschland (HTAD).
Forschungsschwerpunkt ist die Analyse sozialer Entwicklungen und demokratiefeindlicher Tendenzen, aber auch von Chancen und Barrieren im Hinblick auf Teilhabe. Gefördert wird Forschung u. a. zu Ursachen und Dynamiken von Polarisierung, Extremismus und Radikalisierung in jedweder Form. Zudem stehen Fragen der Gerechtigkeit, Inklusion und Chancengleichheit sowie des Verbraucherschutzes im Mittelpunkt, um fundierte Grundlagen für Prävention, politische Bildung und sozialpolitisches Handeln zu schaffen – für eine widerstandsfähige, offene Gesellschaft mit gleichberechtigter Teilhabe aller Menschen.
Ein vielfältiges, inklusives und chancengerechtes Bildungs- und Wissenschaftssystem hebt Potenziale und schafft Raum für neue Perspektiven, Kreativität und Innovationen. Indem allen Menschen – unabhängig von beispielsweise Herkunft, Geschlecht, Lebensalter und sozialem Status – faire Bildungschancen geboten werden, stärkt das Bildungssystem gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Aufstieg.
Des Weiteren unterstützt die Bundesregierung gezielt Wissenschaftskommunikation, um Forschung verständlich und zugänglich zu machen, die Wissenschaftsmündigkeit zu stärken und faktenbasierte gesellschaftliche Debatten zu fördern. Groß angelegte Initiativen wie die Wissenschaftsjahre bringen Wissenschaft zu den Menschen, regen zum Dialog an und fördern das Verständnis komplexer Zusammenhänge.
Darüber hinaus stärkt die Partizipationsstrategie Forschung aktiv die Einbindung der Zivilgesellschaft: Bürgerinnen und Bürger wirken in partizipativer Forschung, wie zum Beispiel Citizen-Science-Projekten, aktiv an Forschungsprozessen mit. So entstehen neue Daten, Erkenntnisse und Perspektiven, die sowohl Wissenschaft als auch Gesellschaft bereichern.
Ebenso zentral für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Die Struktur-, Regional- und Stadtentwicklungspolitik sowie die ländliche Entwicklungsförderung unterstützen die Entstehung resilienter Räume, die soziale, wirtschaftliche und ökologische Perspektiven miteinander verbinden. Die Bundesregierung stärkt ressortübergreifend Forschung, Wissenstransfer und modellhafte Projekte mit dem Ziel, lebenswerte, klimagerechte und widerstandsfähige Städte, Dörfer und Regionen zu gestalten und die Heimatverbundenheit zu stärken.
8.1 Gesellschaftsbezogene Forschung
Gesellschaftsbezogene Forschung leistet einen zentralen Beitrag, um gesellschaftliche Trends zu identifizieren, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und Demokratie zu sichern. Sie untersucht Ursachen, Strukturen und Dynamiken aktueller Herausforderungen: von antidemokratischen Tendenzen über soziale Ungleichheiten bis hin zu Fragen der Teilhabe. Dabei beleuchtet sie Extremismus und Radikalisierung, analysiert sozialpolitische Entwicklungen und fördert die selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen unabhängig von ihrem Wohnort – für eine offene, gerechte und inklusive Gesellschaft. Darüber hinaus setzt sich die Bundesregierung auch für den Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern ein und fördert eine Verbraucherforschung, die wichtige Beiträge leistet, um wirksam vor Risiken zu schützen und Verbraucherschutzpolitik auszugestalten.
8.1.1 Geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Forschung
Autoritäre und antidemokratische Haltungen und Handlungen wie z. B. im Rechts- oder Linksextremismus, menschenfeindliche Einstellungen in Form von Rassismus und Antisemitismus oder Verschwörungserzählungen fordern unsere Gesellschaft auf unterschiedliche Weise heraus. Sie stellen demokratische Werte infrage und gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Forschung setzt hier an: Sie beleuchtet Ursachen, Dynamiken und Folgen dieser und anderer Entwicklungen und trägt so dazu bei, Wissen, Orientierung und Handlungsperspektiven für eine offene und vielfältige Gesellschaft zu schaffen. Mit dieser Wissensgrundlage schafft sie wichtige Voraussetzungen, um wirksame Strategien zur Prävention und Bekämpfung zu entwickeln und zu evaluieren. So lassen sich Krisen und Transformationsprozesse besser meistern und kommunizieren, der gesellschaftliche Zusammenhalt stärken und demokratische Strukturen erhalten, modernisieren und wirksam schützen.

Mit dem Rahmenprogramm „Gesellschaft verstehen – Zukunft gestalten“ förderte das BMFTR von 2019 bis 2025 die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften mit rund 700 Mio. Euro. Damit wurden Forschungsvorhaben unterstützt, die Orientierungs-, Entscheidungs- und Handlungswissen bereitstellen, damit gesellschaftliche Herausforderungen besser bewältigt werden können. Im Fokus standen Themen wie der gesellschaftliche Zusammenhalt, die Innovationskraft unserer Gesellschaft und der bewusste Umgang mit unserem kulturellen Erbe. Gleichzeitig wurde die Forschung international besser vernetzt, Freiräume für kreative wissenschaftliche Arbeit geschaffen und moderne Forschungsdateninfrastrukturen weiterentwickelt. Mit dem Rahmenprogramm stärkte das BMFTR auch gezielt thematische Schwerpunkte. So unterstützte es die wissenschaftliche Aufarbeitung der DDR-Geschichte durch die Förderung von Verbundforschungsprojekten und setzt dieses Engagement mit einer neuen Förderrichtlinie aus dem Jahr 2025 fort, mit der der Aufbau und die Stärkung DDR-bezogener Forschung an Hochschulen in Deutschland sowie deren überregionale Vernetzung gefördert werden soll. Auch das Engagement in der Antisemitismus- sowie Islamismusforschung wie auch die Forschung zu kulturellem Erbe wurde durch neue Förderrichtlinien fortgesetzt. Durch die vielseitige Förderung, die ab 2026 mit einem neuen Rahmenprogramm fortgeführt werden soll, entsteht Wissen, das Orientierung gibt und konkrete Wege aufzeigt, wie wir unsere gemeinsame Zukunft gestalten können.
Extremismus- und Radikalisierungsforschung
Extremistische Ideologien und radikalisierende Dynamiken stellen eine wachsende Herausforderung für demokratische Gesellschaften dar. Rechtsextremismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Islamismus und Antisemitismus treten zunehmend offen auf und wirken in gesellschaftliche Debatten hinein. Sie gefährden nicht nur die Sicherheit betroffener Gruppen, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Werte und das Vertrauen in staatliche Institutionen und nicht zuletzt die notwendige Fachkräftezuwanderung. Dabei nehmen antisemitische Weltbilder, insbesondere in Form israelbezogener Feindbilder, ebenso zu wie Verschwörungserzählungen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Auch islamistische Strömungen entfalten weiterhin Wirkung – etwa über Propaganda oder Einflussnahmen in sozialen Medien.
Vor diesem Hintergrund richtet das BMFTR seine Förderpolitik zur Extremismus- und Radikalisierungsforschung im Rahmen der sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschung gezielt auf die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen aus. Gefördert werden Forschungsverbünde, Wissensnetzwerke und datenbasierte Infrastrukturen zu den Themenfeldern Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus sowie Islamismus. Die zugrunde liegenden Förderrichtlinien zielen darauf, Ursachen, Dynamiken und gesellschaftliche Auswirkungen dieser Phänomene interdisziplinär zu analysieren und evidenzbasiertes Handlungswissen für Prävention, Bildung, politische Entscheidungsträger und Zivilgesellschaft bereitzustellen.
BMFTR, BMI sowie BMBFSFJ fördern gemeinsam das Verbundprojekt „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung (MOTRA)“. MOTRA verfolgt das Ziel, ein phänomenübergreifendes Radikalisierungsmonitoring zu etablieren. Darüber hinaus betreibt MOTRA eine Transferplattform zur evidenzbasierten Vermittlung von Erkenntnissen der Radikalisierungsforschung in die Bereiche Politik, Wissenschaft und Präventionspraxis. Über Formate dieser Transferplattform – insbesondere die jährliche Konferenz „motra-k” – werden die im Rahmen von MOTRA sowie im Forschungsfeld insgesamt gewonnenen Erkenntnisse zielgerichtet an relevante Akteurinnen und Akteure der Präventionslandschaft vermittelt, um den Informationsfluss für eine evidenzbasierte Ausgestaltung der Extremismusprävention sicherzustellen.
Das Kompetenzzentrum des Bundes für Islamismusprävention und Deradikalisierung (KID) des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Geschäftsbereich des BMI koordiniert den Austausch zwischen Wissenschaft, zivilgesellschaftlicher Praxis und Behörden zur Weiterentwicklung von Prävention und Distanzierung. Über das KID fördert das BMI Modellprojekte, die auf eine kontinuierliche Standardisierung und Professionalisierung von Präventions- und Distanzierungsmaßnahmen sowie die Erweiterung der Wissensbasis durch praxisorientierte Forschung abzielen. Aktuell liegen die thematischen Schwerpunkte auf Radikalisierungsprozessen und Distanzierungswegen im Onlinebereich mit besonderem Blick auf die Erreichung von Kindern und Jugendlichen.
Darüber hinaus engagiert sich das BMFTR für den Ausbau von Forschungsinfrastrukturen, um Ressourcen, Werkzeuge und methodisches Wissen fachübergreifend verfügbar zu machen und weiterzuentwickeln. Besonderes Augenmerk liegt auch auf risikofreudiger Forschung, die Raum für neue Fragestellungen und innovative Formen der Zusammenarbeit eröffnet. So stärkt das BMFTR die Anwendungsorientierung der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschung und trägt dazu bei, dass deren Erkenntnisse noch wirksamer in gesellschaftliche Entwicklungen einfließen können: Das vom BMFTR geförderte Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) erforscht verschiedene Aspekte gesellschaftlichen Zusammenhalts entlang von Leitfragen zum Begriff, zu Entstehungsbedingungen, Gefährdungen und Wirkungen. Unter dem Dach des FGZ werden an elf Standorten von Hochschul- und Forschungsinstituten Forschung und Wissenstransfer mit innovativen Formaten einer kollaborativen Wissensproduktion seitens Forschung und Gesellschaft produktiv verknüpft.
Internationale und vergleichende Forschungsperspektiven stehen im Mittelpunkt der innerhalb des Rahmenprogramms für Geistes- und Sozialwissenschaften vom BMFTR geförderten Käte Hamburger Kollegs. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen dort als Fellows frei von Alltagsverpflichtungen zu innovativen geisteswissenschaftlichen Fragestellungen.
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) im Geschäftsbereich des BMI beschäftigt sich vor allem mit den Chancen und Herausforderungen, die sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus Bevölkerungsentwicklungen wie der Alterung der Gesellschaft, Migration, räumlicher Mobilität, Fertilität oder der Bewältigung aktueller Vereinbarkeitsprobleme ergeben. Hervorzuheben ist dabei „FReDA – Das familiendemografische Panel“, das Anfang 2025 verstetigt wurde. Durch regelmäßige repräsentative Befragungen schafft FReDA eine Datengrundlage, die die Erforschung zahlreicher Themen im Kontext von Familiendemografie und Bevölkerungsforschung ermöglicht – etwa zu Familien, Partnerschaften und Kinderbetreuung sowie Einkommenssituation, psychischer Gesundheit und Wohlbefinden. Im Rahmen der Befragungen werden u. a. auch die Lebenssituation von nach Deutschland geflüchteten Menschen aus der Ukraine, die Lebensverhältnisse in ländlichen Regionen oder auch von jungen Menschen in den Blick genommen.
Das Forschungszentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Geschäftsbereich des BMI befasst sich umfassend mit Fragen von Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt, unter anderem mit Blick auf geflüchtete Personen. Hervorzuheben ist die seit 2016 ununterbrochen durchgeführte Befragung von Geflüchteten, die in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erfolgt und die maßgebliche Basis zur Erforschung von Integrationsverläufen darstellt.
Das vom BMBFSFJ geförderte Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) erforscht u. a. die Themen Integration, Teilhabe und Rassismus. Es besteht aus dem Berliner Institut und einem bundesweiten Netzwerk. Neben Forschung und Politikberatung betreibt es den Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) und koordiniert das Wissensnetzwerk Rassismusforschung. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes fördert anwendungsorientierte Diskriminierungsforschung, u. a. zu Diskriminierungserfahrungen, -risiken und -schutz sowie zu Themen wie Antiziganismus, antimuslimischem und antislawischem Rassismus.
Zur Verbesserung einer evidenzbasierten Politik zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt führen BMBFSFJ, BMI und das Bundeskriminalamt (BKA) gemeinsam den Dunkelfeldsurvey „LeSuBiA (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag)“ durch. Ein besonderer Schwerpunkt des Surveys liegt auf der geschlechterübergreifenden Erhebung von Gewalterfahrungen in (Ex-)Paarbeziehungen, sexualisierter Gewalt und Gewalt im digitalen Raum. Erfahrungen mit der Polizei, Justiz oder Opferhilfeangeboten werden in der Studie ebenfalls berücksichtigt. Ergänzend dazu erfasst die ebenso mit Mitteln des BMBFSFJ durchgeführte Bedarfsanalyse erstmals systematisch die bestehenden Präventionsangebote in Bezug auf geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt in Deutschland und entwickelt darauf aufbauend Empfehlungen für Politik und Praxis.
Fragen der sozialen Ungleichheit, die auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zentral sind, werden insbesondere auch im Rahmen der Begleitforschung des BMAS zur Vorbereitung der Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung, die in jeder Legislaturperiode vorgelegt werden, bearbeitet.
8.1.2 ELSA-Forschung
Innovationen in den Lebenswissenschaften werfen nicht selten ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen (engl. ethical, legal and social aspects; ELSA) auf. Das BMFTR fördert ELSA-Forschung, um solche Fragestellungen von Beginn an in die Entwicklung neuer Therapien und Technologien einzubeziehen.
Untersucht werden u. a. Themen wie Stammzellforschung, Digitalisierung, Gentechnologie oder Neurotechnologie. Dabei arbeiten Forschende der Geistes- und Sozialwissenschaften und der Lebenswissenschaften zusammen und beziehen auch Bürgerinnen und Bürger ein. Die Ergebnisse liefern Analysen und Handlungsoptionen für Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.
Die Förderung umfasst beispielsweise Diskursprojekte, die den Austausch zwischen Fachdisziplinen und Gesellschaft unterstützen, sowie interdisziplinäre Forschungsprojekte, die Zukunftsfragen der Lebenswissenschaften aufarbeiten. Auf diese Weise werden wissenschaftliche Erkenntnisse für Diskussionen und Entscheidungen bereitgestellt und z. B. in Materialien und Konzepten für Lehre und Dissemination aufbereitet, um einen konstruktiven gesellschaftlichen Diskurs zu ermöglichen.
8.1.3 Sozialpolitische und sozialrechtliche Forschung
Eine evidenzbasierte Sozialpolitik braucht fundierte wissenschaftliche Analysen, die aktuelle Entwicklungen in Gesellschaft, der Arbeitswelt und dem Gesundheitsbereich untersuchen und ihre Folgen für bestehende sozialpolitische Strukturen aufzeigen. Unabhängige und frühzeitige Analysen langfristiger Trends sind entscheidend, um politischen Handlungsbedarf zu erkennen und passende Maßnahmen zu entwickeln, die den Sozialstaat in Deutschland zukunftsfähig machen.
Um Forschung und Lehre zur Sozialpolitik an deutschen Universitäten und Fachhochschulen zu stärken, fördert das BMAS das Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS). Im Rahmen des FIS werden in regelmäßigen Förderrunden Stiftungsprofessuren, Nachwuchsgruppen und Forschungsprojekte zu aktuellen sozialpolitischen Themen unterstützt und miteinander vernetzt.
Ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks ist das 2021 gegründete Deutsche Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS). Die Projektförderung ist bis 2029 angelegt und soll langfristig verstetigt werden, um das DIFIS zu einem eigenständigen sozialpolitischen Forschungsinstitut auszubauen. Als unabhängiger Thinktank versteht sich das DIFIS zugleich als Serviceeinrichtung für Forschung, Lehre und Politikberatung im Bereich der Sozialpolitik. Ab 2026 fördert das BMAS ein Sonderforschungszentrum am DIFIS, das die Auswirkungen zentraler Schlüsseltechnologien und gesellschaftlicher Megatrends auf Arbeit, Gesellschaft und soziale Sicherungssysteme erforscht und somit die Grundlage dafür legen soll, frühzeitig sozialstaatliche Anpassungsbedarfe identifizieren und diesen begegnen zu können.
Schließlich setzt das BMAS die klassischen, in diesem Fall bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angesiedelten Elemente der Ressortforschung ein, um künftige sozialpolitische Entscheidungen frühzeitig vorzubereiten und um die Anforderungen an die Gestaltung entsprechender Maßnahmen zu ermitteln.
8.1.4 Verbraucherforschung
Eine präzise und zukunftsorientierte Verbraucherpolitik braucht fundierte Erkenntnisse aus der Verbraucherforschung. Diese liefert wichtige Einblicke in die Lebensrealitäten der Verbraucherinnen und Verbraucher und hilft, politische Instrumente gezielter weiterzuentwickeln. Das BMJV unterstützt daher mit dem „Innovationsprogramm Verbraucherschutz in Recht und Wirtschaft“ die systematische Stärkung einer interdisziplinären Verbraucherforschung und fördert Neuerungen im rechtlichen und wirtschaftlichen Verbraucherschutz. Es zielt darauf ab, innovative Technologien, Konzepte sowie Verfahren zu testen und zu entwickeln, die dem strukturellen Ungleichgewicht von Verbraucherinnen und Verbrauchern gegenüber Unternehmen entgegenwirken. Forschungsvorhaben im Rahmen eines aktuellen Förderaufrufs untersuchen, wie Emotionen Entscheidungsverhalten und das Verbraucherhandeln beeinflussen – und berücksichtigen u. a. Diskriminierungserfahrungen, impulsives Kaufverhalten und emotionalen Konsum im Kontext virtueller Realitäten und Social Media und erarbeiten verbraucherschützende Ansätze.
Das BMJV unterstützt das Bundesnetzwerk Verbraucherforschung als interdisziplinäre, verbraucherwissenschaftliche Austauschplattform, der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) berät das Ministerium auf Basis wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnisse bei der Ausgestaltung der Verbraucherpolitik.
Die Ressortforschung des BMLEH übernimmt zentrale Aufgaben im gesundheitlichen Verbraucherschutz. Das Max Rubner-Institut (MRI) forscht zu Qualität, Sicherheit und Authentizität von Lebensmitteln sowie zu gesunder und nachhaltiger Ernährung – von Grundlagen bis zur praxisnahen Anwendung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet wissenschaftlich die Risiken von Lebens- und Futtermitteln, Chemikalien und weiteren Produkten wie z. B. Kosmetika oder Spielzeug und kommuniziert seine Forschungsergebnisse, um die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern wirksam zu schützen.
8.1.5 Forschung zur Teilhabe vulnerabler gesellschaftlicher Gruppen
Gesellschaftliche Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen ist ein zentraler Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine inklusive Gesellschaft. Sie spielt eine wichtige Rolle, um soziale Isolation zu vermeiden und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Forschung in diesem Bereich fragt danach, wie Zugänge zu Bildung, Arbeit, Kultur und digitaler Teilhabe verbessert und Barrieren abgebaut werden können. Ziel ist es, durch wissenschaftliche Erkenntnisse Voraussetzungen und Unterstützung dafür zu schaffen, dass alle Menschen selbstbestimmt leben und an der Gesellschaft teilhaben können. Grundlage dafür sind solide empirische Erkenntnisse . Daher fördert die Bundesregierung die Sammlung geeigneter Informationen und Forschungsdaten zu Fragen der Lebenssituation und gesellschaftlicher Teilhabe.
Der Nationale Aktionsplan zur UN-Behindertenrechtskonvention (NAP 2.0) setzt seit 2016 klare Akzente für inklusive Bildung, also das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung, und stärkt die Teilhabeforschung im Rahmen der Ressortforschung. So erlaubt die vom BMAS geförderte Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen belastbare Aussagen über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen und hilft, verbleibende Inklusionshürden zu identifizieren.

Entscheidungsgrundlage für eine evidenzbasierte Politik für ältere Menschen sind Erkenntnisse der Alters- und Alternsforschung. Im Mittelpunkt stehen dabei die vom BMBFSFJ geförderten Erhebungen des Deutschen Alterssurvey (DEAS) und die Altersberichte der Bundesregierung sowie weitere Studien zu spezifischen Themen wie etwa Demenz oder zu hochaltrigen Menschen. Die Zehnte Altersberichtskommission hat 2025 die Arbeit aufgenommen und befasst sich mit dem Thema „Bildung und Lernen im Alter“. Der Bericht soll Impulse für eine inklusive Bildungspolitik geben und Bildung im Alter stärker politisch verankern. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) ist eine ressortforschungsähnliche Einrichtung des BMBFSFJ, an der sozial- und verhaltenswissenschaftliche Forschung zu Altersfragen und Lebenslagen alternder und älterer Menschen betrieben wird.
Das BMBFSFJ fördert zudem die Forschung des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Das DJI nimmt die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie die damit zusammenhängenden sozialstaatlichen Angebote und Maßnahmen in den Blick. Zentraler Baustein der Forschung des DJI ist der Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A).
8.1.6 Chancengerechtigkeit und Vielfalt in Bildung und Forschung
Die Einbindung der Gesellschaft in Bildung und Forschung in ihrer gesamten Vielfalt ist eine wichtige Grundlage für eine innovative und zukunftsfähige Gesellschaft. Denn eine größere Vielfalt an Erfahrungen erweitert die Forschungsperspektiven und stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die Bundesregierung fördert daher die Chancengerechtigkeit mit Nachdruck.
Die Bundesregierung arbeitet daran, Gleichstellung und Vielfalt in der Wissenschaft zu verbessern, Barrieren abzubauen und Perspektivenvielfalt zu fördern – als Beitrag zur Wissenschaftsfreiheit, Demokratieresilienz und Attraktivität Deutschlands als Wissenschaftsstandort. Vielfalt soll als Potenzial erkannt und nachhaltig in Wissenschaft und Forschung verankert werden. Das BMFTR stärkt die strukturelle Verankerung von Geschlechteraspekten in exzellenter Forschung aller Fachgebiete, um die Lebenssituation aller Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter und weiteren Vielfaltsdimensionen zu verbessern.

Während Diversität ein Erfolgsfaktor für Wissenschaft und Innovation ist, wachsen gleichzeitig auch die Anforderungen, mit dieser Vielfalt umzugehen. Integration ist vor diesem Hintergrund ein erforderlicher gesellschaftlicher Lernprozess. Wie diese im Zusammenspiel einer Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren gelingen kann, wird im 2021 gegründeten Dialogforum „Integration durch Bildung“ diskutiert sowie in einer Reihe von Programmen erprobt. Zu diesen zählt das 2024 gestartete ESF-Plus-Programm „Integration durch Bildung“, das praxisorientierte Forschung und daran anschließende Unterstützungsmaßnahmen fördert, die sich besonders an spezielle Zielgruppen wie Mädchen und Frauen mit Migrationsgeschichte richten. Das BMBFSFJ fördert darüber hinaus z. B. die Erforschung diversitätssensibler und lernwirksamer pädagogischer Konzepte für heterogene Schülerschaften im Rahmenprogramm Empirische Bildungsforschung. Die Initiative „Klischeefrei“ sowie die Aktionstage Girls’ Day und Boys’ Day setzen sich zudem für die Überwindung geschlechtsspezifischer Rollenbilder bei der Berufswahl Jugendlicher ein.
Das BiB untersucht und erforscht Fragen zu Chancengerechtigkeit – etwa, inwiefern Bildungspotenziale von Anfang an in Familie, Kindertageseinrichtung und Grundschule gefördert werden oder welche Hürden für Familien mit Zuwanderungsgeschichte oder armutsgefährdete Familien bestehen. Im Rahmen der vom BMBFSFJ geförderten Bremer Initiative zur frühkindlichen Entwicklung (BRISE) werden diese Aspekte im Verbund untersucht.
FuI-Maßnahmen
Aktuelle und historische Dynamiken von Rechtsextremismus und Rassismus
Das BMFTR fördert Forschungsvorhaben, die sich theoretisch fundiert und mittels empirischer Studien mit den Dynamiken von Rechtsextremismus und Rassismus befassen, um bestehende Wissenslücken zu adressieren und auch mittels einer besseren Vernetzung der Forschungsakteure die Wissensbasis im Hinblick auf Rechtsextremismus und Rassismus in der Gesellschaft zu untermauern und beide Felder im Wissenschaftssystem zu verankern.
Aufbau DDR-bezogener Forschungsschwerpunkte an Hochschulen in Deutschland
Das BMFTR fördert im Wege der Projektförderung den Auf- und Ausbau von DDR-bezogenen Forschungsschwerpunkten an Hochschulen, um die langfristige Etablierung und Stärkung DDR-bezogener Forschung zu unterstützen.
Ethische, rechtliche und soziale Aspekte von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie entwicklungsbiologische Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen
Das BMFTR fördert interdisziplinäre FuE-Vorhaben, die relevante Fragen zu Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften identifizieren, analysieren und sachorientiert aufarbeiten.
Ethische, rechtliche und soziale Fragen in den modernen Lebenswissenschaften
Das BMFTR fördert Diskursprojekte zum Wissensaustausch zu ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen (engl. ethical, legal and social aspects; ELSA), um den gesellschaftlichen Diskurs zu diesen Aspekten auszubauen und zu verbessern.
Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)
Das BMFTR fördert seit 2020 das interdisziplinäre, ortsverteilte und transferorientierte Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Das FGZ verbindet Grundlagenforschung zum sozialen Zusammenhalt mit anwendungsnaher Forschung zu aktuellen Herausforderungen aus einer Vielfalt von disziplinären Perspektiven heraus.
Geschlechteraspekte im Blick
Das BMFTR unterstützt Projekte, die die Entwicklung, Umsetzung und Verankerung von strukturellen Maßnahmen zur systematischen Berücksichtigung von geschlechtsbezogenen Aspekten im gesamten Forschungsprozess sicherstellen.
Innovationsprogramm Verbraucherschutz
Das BMJV fördert FuE-Projekte zu Innovationen im Verbraucherschutz in Recht und Wirtschaft mit dem Ziel, wissenschaftliche Ansätze für die evidenzbasierte Gestaltung der Verbraucherpolitik zu entwickeln.
Integration durch Bildung (ESF Plus)
Das BMFTR fördert Forschungsvorhaben zur Untersuchung von Diskriminierung im Bildungssystem sowie zur Erarbeitung von Lösungsansätzen, um die Bildungschancen von Menschen mit Migrationshintergrund zu erhöhen.
Islamismus: Auswirkungen, Gegenstrategien und Präventionsmaßnahmen
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben zum Islamismus, um Wissen zu schaffen, das Politik und Gesellschaft darin unterstützt, Antworten zum Umgang mit den gesellschaftlichen Wirkungen von Islamismus in Deutschland und Europa zu finden.
Modellprojekte Extremismusprävention
Das BMI fördert Modellprojekte zur stetigen Professionalisierung der Präventionsmaßnahmen und zur Erweiterung der Wissensbasis im Bereich der Extremismusprävention.
Stärkung der Nutzung von Daten und Technologien unter Anwendung von Künstlicher Intelligenz für das Gemeinwohl
Das BMBFSFJ unterstützt FuE-Vorhaben im Bereich KI, die den Alltag der Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen einfacher, sicherer, selbstbestimmt und sozialer machen.
Transfer in der inklusiven Bildung
Das BMFTR fördert FuE-Projekte, die Fragestellungen hinsichtlich des Transfers wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse und Maßnahmen in der inklusiven Bildung untersuchen, um die Bildungs- und Teilhabechancen aller Lernenden zu verbessern.
Umgang mit Vielfalt – Unterricht diversitätssensibel und lernwirksam gestalten
Das BMBFSFJ fördert FuE-Projekte zu handlungsleitenden Konzepten diversitätssensibler Unterrichtsgestaltung mit dem Ziel, allen Schülerinnen und Schülern beste Bildungs- und Teilhabechancen zu ermöglichen.
Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus
Das BMFTR fördert FuE Vorhaben zu Antisemitismus, um das Wissen über die Phänomene und Ursachen des Antisemitismus und dessen effektive Bekämpfung zu vergrößern.
8.2 Kommunikation und Partizipation der Zivilgesellschaft
Wissenschaftskommunikation und zivilgesellschaftliche Beteiligung sind zentrale Bausteine für Vertrauen in Wissenschaft und Forschung sowie einen offenen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sie machen Wissen zugänglich, stärken Wissenschaftsmündigkeit und fördern faktenbasierte Debatten und Entscheidungen und leisten somit auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Demokratie. Mit Initiativen zur Partizipation in der Forschung – allen voran Citizen Science – ermöglicht die Bundesregierung Bürgerinnen und Bürgern bzw. zivilgesellschaftlichen Organisationen, aktiv an Forschungsprozessen mitzuwirken. So entstehen neue Daten, Erkenntnisse und Perspektiven, welche Wissenschaft und Gesellschaft bereichern können.
8.2.1 Wissenschaftskommunikation
Wissenschaftskommunikation ist heute wichtiger denn je: Sie schafft Vertrauen in Forschung, macht komplexe Zusammenhänge verständlich und liefert fundierte Grundlagen für gesellschaftliche Debatten. Angesichts von Wissenschaftsfeindlichkeit und Verschwörungstheorien hilft sie, Forschungsprozesse besser zu verstehen, Fakten einzuordnen und kursierende wissenschaftsbezogene Informationen kritisch zu prüfen. Deshalb unterstützt die Bundesregierung gezielt Initiativen, die Forschung sichtbar und erlebbar machen – damit alle Bürgerinnen und Bürger informiert mitreden, mitgestalten und sich eine eigene, faktenbasierte Meinung bilden können. Wissenschaftskommunikation stärkt auch den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und trägt dazu bei, Innovations- und Transferprozesse anzustoßen und nachhaltige Partnerschaften zu etablieren.

Das BMFTR hat Wissenschaftskommunikation als festen Bestandteil in seiner Projektförderung verankert – weitere Förderansätze wie der Pakt für Forschung und Innovation (PFI) oder das Akademienprogramm werden in den Blick genommen. Eine spezielle Beratungseinheit unterstützt mit einem breiten Serviceangebot von Einzelberatungen, Informationsveranstaltungen, Erfahrungsaustauschen bis hin zu praxisrelevanten Leitfäden die Fachreferate des BMFTR, involvierte Projektträger und Forschende bei der Umsetzung der neuen Förderpraxis mit dem Ziel, dass diese ihre Arbeit verständlich und wirksam vermitteln.
Das BMFTR unterstützt den Aufbau von Strukturen für Wissenschaftskommunikation mit aufeinander abgestimmten Fördermaßnahmen. Eine Transfer-Unit und die Impact-Unit – angesiedelt bei der Wissenschaft im Dialog gGmbH (WiD) bzw. in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) umgesetzt (Transfer-Unit) – fördern den Austausch zwischen Forschung und Praxis der Wissenschaftskommunikation sowie die Stärkung von Wirkungsorientierung und Evaluation in der Wissenschaftskommunikation.
Die vom BMFTR seit November 2025 mitgeförderte zentrale Anlaufstelle Scicomm-Support bietet Trainings zum Umgang mit digitaler Gewalt, unterstützt Forschende, die von Anfeindungen und Hassrede betroffen sind, und vermittelt bei Bedarf juristische und psychologische Fachberatung. Das Informations- und Diskussionsportal „wissenschaftskommunikation.de“ – ebenfalls vom BMFTR mitgefördert – stellt neueste Forschungserkenntnisse, hilfreiche Tools und Formate der Wissenschaftskommunikation zur Verfügung.
In der Praxis setzt das BMFTR auf etablierte und reichweitenstarke Plattformen und Formate der Wissenschaftskommunikation und entwickelt diese kontinuierlich weiter. Die Wissenschaftsjahre bilden dabei die zentrale Aktivität und stellen jedes Jahr ein gesellschaftlich relevantes Thema in den Mittelpunkt. Als größte institutionenübergreifende Initiative in Deutschland werden die Wissenschaftsjahre vom BMFTR gemeinsam mit der u. a. von den großen Wissenschaftsorganisationen getragenen Wissenschaft im Dialog gGmbH ausgerichtet.
Das Wissenschaftsjahr 2024 – Freiheit nahm den 75. Geburtstag des Grundgesetzes zum Anlass, um insbesondere aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive die freiheitliche Grundordnung unserer Demokratie zu reflektieren. Das Wissenschaftsjahr 2025 widmete sich der „Energie der Zukunft“. Im Fokus standen Forschung und Innovationen zur sicheren und nachhaltigen Energieversorgung. Dabei wurde die Bedeutung von Forschung zu Fusionsenergie, Wasserstofftechnologien und Geothermie als Ergänzung zu anderen nichtfossilen Energieformen vermittelt. Mit dem Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft rückt erneut der Mensch in den Mittelpunkt. Die Medizin der Zukunft ist personalisiert, partizipativ, präventiv und digital. Besonders hervorgehoben wird das enge Zusammenspiel aller Beteiligten: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Krankenkassen, Patientinnen und Patienten und Angehörige(5.1 Forschung für ein gesundes Leben).
Ziel der Wissenschaftsjahre ist es, mehr Menschen für Wissenschaft und Forschung zu begeistern und einen offenen Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen. So werden aktuelle Entwicklungen transparenter und greifbarer. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf jungen Menschen sowie auf Bevölkerungsgruppen, die bisher wenig Berührung mit Wissenschaft hatten, auch im ländlichen Raum. Ihre Wissenschaftsmündigkeit soll gestärkt werden, damit sie Forschung besser verstehen und kritisch einordnen können.
Die Formate der Wissenschaftsjahre sind bewusst partizipativ und experimentell angelegt: Sie erproben neue Wege der Wissenschaftskommunikation und entwickeln diese weiter. Dazu zählen Ausstellungen u. a. auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft und in weiteren Wanderausstellungen, Festivals sowie vielfältige Beteiligungs- und Debattenformate.
Ergänzend zu den Wissenschaftsjahren spricht das BMFTR insbesondere junge Menschen mit weiteren Angeboten an: Über die „Forschungsbörse“ kommen Schülerinnen und Schüler direkt mit Forschenden ins Gespräch. „forscher – Das Magazin für Neugierige“ vermittelt wissenschaftliche Themen im Zusammenhang mit den Wissenschaftsjahren kindgerecht an Acht- bis Zwölfjährige. Als Innovations-Botschafter tourte der „InnoTruck“ durch Deutschland und zeigte anschaulich, welche Rolle Innovationen im Alltag spielen.
Das Futurium in Berlin möchte das Interesse aller Menschen an Forschung und Innovation wecken. Als Ausstellungs- und Veranstaltungsort bietet das Futurium Raum für einen offenen Austausch zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft über Zukunftsideen und präsentiert vielfältige wissenschaftliche und technologische Entwicklungen. Es lädt alle Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich aktiv an den öffentlichen Diskussionen zu beteiligen und an Lösungsansätzen für nationale und globale Herausforderungen mitzuwirken. Im „Futurium Lab“ können die Besucherinnen und Besucher experimentieren, ihre Kreativität entfalten und Ideen ausprobieren. Das Futurium wird durch den Bund, die deutschen Wissenschaftsorganisationen, in Deutschland forschende Unternehmen und die wissenschaftsfördernden Stiftungen gefördert.
Der vom BMFTR geförderte Breakthrough Day im Rahmen des Falling Walls Science Summit bringt jährlich international führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Deutschland. Sie präsentieren hier einem geladenen Publikum aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Forschungsergebnisse, die zu entscheidenden Durchbrüchen geführt haben.
Für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation in Deutschland hat das BMFTR die #FactoryWisskomm als offene Diskursplattform ins Leben gerufen. Sie verfolgt einen transdisziplinären Ansatz und bringt Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Kommunikation, Politik, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft zusammen. Ziel ist es, gute Rahmenbedingungen für eine wirksame und verantwortungsvolle Wissenschaftskommunikation zu schaffen, die nicht nur neue Erkenntnisse vermittelt, sondern auch Einblicke in Forschungsprozesse ermöglicht. Bis 2025 arbeiteten in der #FactoryWisskomm zehn themenspezifische Taskforces an der Weiterentwicklung und Umsetzung der Handlungsempfehlungen für die Wissenschaftskommunikation. Das Ergebnisdokument „Umsetzung, Ergebnisse und neue Perspektiven“ wurde im Mai 2025 veröffentlicht.
Um das Verständnis von Wissenschaftskommunikation zu vertiefen und Impulse für eine verantwortungsbewusste, wirkungsvolle und kritisch-reflexive Wissenschaftskommunikation zu geben, fördert das BMFTR interdisziplinäre Forschungsvorhaben. Diese umfassen u. a. Themen, die mit einer hohen gesellschaftlichen Betroffenheit und politischem Handlungsdruck verbunden sind, wie zum Beispiel Desinformation, Künstliche Intelligenz in der Wissenschaftskommunikation und grundlegende Änderungen im Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft. Auf einer gemeinsamen Statuskonferenz mit den Zentren für Wissenschaftskommunikationsforschung der VolkswagenStiftung haben die Förderprojekte ihren Arbeitsstand im September 2025 im BMFTR präsentiert. Eine Abschlusskonferenz ist für Anfang 2027 geplant.
Das BMFTR setzt sich gezielt für die Stärkung des Wissenschaftsjournalismus ein, der als wichtiger Bestandteil nachhaltiger Wissenschaftskommunikation gilt: Zum einen stärkt es die Weiterentwicklung und Optimierung von Werkzeugen und Softwarelösungen für den modernen, datenbasierten Wissenschaftsjournalismus, wie generativer KI, im Rahmen der Projektförderung des Science Media Centers (SMC), das sich für unabhängige und evidenzbasierte Berichterstattung einsetzt. Zum anderen unterstützt das BMFTR die vom Media Forward Fund (MFF) geförderten wissenschaftsjournalistischen Innovationsprojekte durch Capacity- und Community-Building, um eine nachhaltige Struktur- und Kompetenzentwicklung im Wissenschaftsjournalismus zu erreichen.
8.2.2 Beteiligung der Gesellschaft
Neben dem Dialog mit der Gesellschaft gewinnt die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie der organisierten Zivilgesellschaft in Forschung und Forschungspolitik an Bedeutung. Das Potenzial von Partizipation in Forschung und Forschungspolitik ist facettenreich. Bürgerinnen und Bürger können durch einen Einblick in wissenschaftliches Arbeiten ihre Wissenschaftsmündigkeit (Science Literacy) stärken und je nach Thema ihr Leben und Umfeld aktiv mitgestalten (Selbstwirksamkeit).

Forscherinnen und Forscher können durch Partizipation Qualität, Relevanz und Transfer („from lab to life“) ihrer Forschungsergebnisse nachhaltig stärken und damit gesellschaftlich tragfähige Technologien und Innovationen erarbeiten. Beispielhaft hierfür steht die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung des BMFTR im Rahmen der FONA-Strategie. Vor allem die Reallaborforschung zu klimafreundlichen Mobilitätstechnologien und -systemen entwickelt maßgeblich auch unter Nutzung partizipativer Forschungsansätze anwendungsreife und praktisch erprobte Lösungen (3.7 Technologien für klimaneutrale Mobilität).
Partizipative Forschung steht dabei wie kein anderer Forschungsmodus für Vielfalt, da die Beteiligten die große Bandbreite der Gesellschaft abdecken – von jungen Menschen hin zu Seniorinnen und Senioren, von interessierten Bürgerinnen und Bürgern bis hin zu unmittelbar Betroffenen. Beforscht werden kann eine Vielzahl von Forschungsfeldern, wie z. B. Gesundheit, Sicherheit, Klima und Nachhaltigkeit sowie Gesellschaft. Mit der Partizipationsstrategie Forschung des BMFTR sollen die Rahmenbedingungen und die Qualität von Partizipation in Forschung und Forschungspolitik weiter verbessert sowie die Verankerung von Partizipation im wissenschaftlichen Reputationssystem unterstützt werden.
Zur Vernetzung der fachwissenschaftlichen Partizipationscommunity fördert das BMFTR die seit 2022 jährlich stattfindende Partizipationstagung „PartWiss“. Zudem wurde im Rahmen des PartWiss-Projekts der „Leitfaden für Partizipation in der Forschung“ erstellt. Der Leitfaden soll Personen aus Wissenschaft, Praxis oder ihren Schnittstellen den Einstieg in die Konzeption von partizipativen Forschungsprojekten erleichtern und als übergreifende Referenz die Erfahrungen und Materialien aus den verschiedenen Partizipationscommunitys bündeln und wechselseitig zugänglich machen.
Mit der Plattform „mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen“ fördert das BMFTR eine zentrale Anlaufstelle für Themen rund um Citizen Science in Deutschland. Sie bietet Möglichkeiten zur Information, Vernetzung, Beratung und Fortbildungen zu aktuellen Citizen-Science-Projekten an. Zudem prämiert die Plattform seit 2023 exzellente und innovative Citizen-Science-Projekte mit dem Wissen der Vielen-Forschungspreis für Citizen Science. Bis 2024 wurden im Wettbewerb „Auf die Plätze! Citizen Science in deiner Stadt“ vielversprechende Projektideen gefördert, die Citizen Science vor Ort erlebbar machen, sowie im Rahmen von zwei Richtlinien 28 Citizen-Science-Projekte zu einem breiten Themenspektrum.
In der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) wirken Patientenvertretende von Anfang an auf Augenhöhe in allen entscheidungsrelevanten Gremien (Strategiekreis, Arbeitsgruppen und Gutachtergremien) aktiv mit. Zudem helfen Patientenschulungen, -akademien, -beiräte und -vertretende, die Perspektive der Patientinnen und Patienten in die Forschung einzubringen. Die aktive Beteiligung von Patientinnen und Patienten an der Forschung wird in allen Förderrichtlinien der NDK in jeweils passfähiger höchstmöglicher Intensität eingefordert. Auch im Forum Gesundheitsforschung wirken Patientenvertretende gleichberechtigt mit (5.1 Forschung für ein gesundes Leben).
Das BMUKN bezieht Bürgerinnen und Bürger – auch ohne Verbandanbindung – systematisch in die Erarbeitung politischer Programme und Strategien ein, da sich Umwelt- und Klimaschutzpolitik direkt auf die Lebensverhältnisse der Menschen auswirkten. Ziel ist es, durch passende Beteiligungsformate, insbesondere für bisher wenig erreichte Gruppen, Akzeptanz, Interesse und Engagement zu stärken und so zu einer lebendigen Demokratie beizutragen.
FuI-Maßnahmen
Forschungsvorhaben im Themenfeld Wissenschaftskommunikation
Das BMFTR fördert FuE-Projekte im Themenfeld Wissenschaftskommunikation, die systematische Beiträge zum vertieften Verständnis von Wissenschaft in der Bevölkerung leisten sollen.
Projekte im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft
Das BMFTR fördert Vorhaben der Wissenschaftskommunikation zum Thema Medizin der Zukunft im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026, welche die breite Öffentlichkeit partizipativ und dialogorientiert an neuen wissenschaftlichen Entwicklungen teilhaben lassen, um die Relevanz von Wissenschaft und Forschung bei der gesellschaftlichen Zukunftsgestaltung zu vermitteln.
Wissen der Vielen – Forschungspreis für Citizen Science 2025
Die Citizen-Science-Plattform mit:forschen! zeichnet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich Citizen Science aus, um partizipative Ansätze in Forschungsvorhaben zu würdigen.
8.3 Strukturpolitik und ländliche Entwicklungsförderung
Resiliente Regionen, die sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig wirtschaften und auf die Folgen des demografischen Wandels und des Klimawandels vorbereitet sind, bedeuten unabhängig vom Wohnort gute Entwicklungschancen und faire Teilhabemöglichkeiten für alle in Deutschland lebenden Menschen. Dies ist von großer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Heimatverbundenheit in unserem Land.

Gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen Deutschlands herzustellen, also bestehende Disparitäten abzubauen und entstehenden Disparitäten frühzeitig entgegenzuwirken, zählt daher zu den Kernanliegen der regionalen Wirtschafts- und Strukturpolitik sowie der ländlichen Entwicklungspolitik. 2024 hat die Bundesregierung sowohl mithilfe eines Indikatorensets als auch mithilfe einer Bevölkerungsumfrage erstmals in einem Gleichwertigkeitsbericht den Stand und die Entwicklung in Bezug auf gleichwertige Lebensverhältnisse auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland dargestellt. Die Bundesregierung beabsichtigt, auch in der aktuellen Legislaturperiode wieder einen Gleichwertigkeitsbericht vorzulegen.
8.3.1 Forschung und Innovation in der Strukturpolitik
Zur Stärkung strukturschwacher Regionen in Ost und West und zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse im ganzen Land bündelt das Gesamtdeutsche Fördersystem (GFS) ressortübergreifend Instrumente regionaler Struktur- und Gleichwertigkeitspolitik unter einem Dach – über 15 Förderprogramme aus verschiedenen Bundesressorts. Auch die Förderung von Forschung und Innovation spielt dabei eine wichtige Rolle: Durch Investitionen in Forschungsinfrastruktur, Technologietransfer und die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft werden regionale Potenziale aktiviert und nachhaltiges Wachstum ermöglicht.
Die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)“ ist seit 1969 das zentrale Instrument der deutschen Regionalpolitik. Mit der Förderung strukturschwacher Regionen werden drei Hauptziele verfolgt: Standortnachteile ausgleichen, Beschäftigung sichern sowie Transformation und nachhaltiges Wachstum fördern.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt für die GRW ein neuer Koordinierungsrahmen, der mit Beginn der 21. Legislaturperiode gemeinsam von Bund und Ländern erarbeitet worden ist. Die GRW ist damit insgesamt schlanker, wirksamer und effizienter geworden. Zugleich wurden die Fördermöglichkeiten ausgeweitet: Unter anderem können Erprobungs- und Versuchsinfrastrukturen nun erstmals im Rahmen eines bis Ende 2028 befristeten Modellvorhabens unterstützt werden. Die maximale Förderung für Innovationscluster wurde zudem auf 10 Mio. Euro erhöht.
Das Programm „Innovation & Strukturwandel“ des BMFTR unterstützt regionale Bündnisse aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft dabei, ungenutzte Innovationspotenziale auszuschöpfen und regionale Stärken auszubauen. Es stellt die Nachfolge der von 1999 bis 2022 gelaufenen Programmfamilie „Unternehmen Region“ dar und besteht aus der im Jahr 2025 ausgelaufenen Programmlinie „REGION.innovativ“ und aus den drei aktuellen Programmlinien WIR!, RUBIN und T!Raum. Die Programmlinie „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ richtet sich an Regionen ohne bisher national sichtbares Innovationsprofil und fördert deren Potenzial. „RUBIN – Regionale unternehmerische Bündnisse für Innovation“ ist technologie- und themenoffen und unterstützt vor allem von KMU getragene Bündnisse bei der Entwicklung marktnaher Innovationen. „T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen“ bringt Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammen, um experimentell neue Ansätze für den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer entwickeln und testen zu können und so die Innovationskraft ganzer Regionen zu stärken.
Die Bundesregierung unterstützt zielgerichtet die vom Strukturwandel besonders betroffenen Kohleregionen. Auf Grundlage des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen fördert der Bund die vom Ausstieg aus der Kohleverstromung betroffenen Reviere – insbesondere Lausitzer Revier, Rheinisches Revier und Mitteldeutsches Revier – bei der gezielten Transformation der Regionen. Durch gezielte Fördermaßnahmen werden bestehende Potenziale genutzt und ausgebaut, neue Wertschöpfungsketten erschlossen und nachhaltige Perspektiven für den Strukturwandel eröffnet. Neben Investitionen in digitale und Verkehrsinfrastruktur sind Forschung, Innovation, Technologietransfer sowie betriebliche Aus- und Weiterbildung zentrale Bausteine. Bis 2038 unterstützt die Bundesregierung den Wandel in den Kohleregionen mit bis zu 40 Mrd. Euro, auch für Wissenschaft und Schlüsseltechnologien. So fördert sie neben einer Vielzahl an thematisch unterschiedlichen Projekten u. a. den Aufbau von Großforschungseinrichtungen wie dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) und dem Center for the Transformation of Chemistry (CTC) in Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie den forschungsbezogenen Auf- und Ausbau der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) in Brandenburg. Um die digitale Transformation der Pflege voranzutreiben und regionale Versorgungsfragen zu lösen, fördert das BMFTR in enger Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft im Mitteldeutschen Revier Sachsen-Anhalt den Aufbau der „Innovationsregion für digitale Transformation der Pflege und Gesundheitsversorgung (TPG)“. Dafür ist Ende 2025 die zweite Förderrunde für innovative, transferorientierte FuE-Projekte gestartet.
Das BMWE stärkt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit strukturschwacher Regionen mit dem Bundeswettbewerb „Zukunft Region“ sowie dem Programm „INNO-KOM“ (Förderung der Innovationskompetenz durch gemeinnützige Forschungseinrichtungen). Gefördert werden innovative, zwischen KMU und Industrieforschungseinrichtungen als FuE-Dienstleister und Innovationspartner geschlossene Kooperationsvorhaben – von Vorlaufforschung über marktorientierte Entwicklungen bis hin zur Verbesserung wissenschaftlich-technischer Infrastruktur. Die praxisnahen Forschungsergebnisse kommen vor allem den KMU zugute.
Mit dem Ziel der Stärkung des sozialen, wirtschaftlichen und territorialen Zusammenhalts in der Europäischen Union ist Regional- und Kohäsionspolitik auch ein europäisches Thema. Mit dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Kohäsionsfonds fördert die EU gezielt Wachstum und Beschäftigung sowie die europäische territoriale Zusammenarbeit. Für die Förderperiode 2021–2027 wurden für den EFRE, den ESF+ und den Kohäsionsfonds fünf politische Ziele im Sinne einer thematischen Schwerpunktsetzung festgelegt: ein intelligenteres Europa, ein grüneres, CO2-armes Europa, ein stärker vernetztes Europa, ein sozialeres Europa und ein bürgernäheres Europa.
8.3.2 Zukunftsfähige ländliche Räume
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands lebt in ländlichen Regionen, Dörfern, kleineren Städten und Gemeinden, die große Teile des Landes prägen. Ziel der Bundesregierung ist es, ländliche Räume auch langfristig lebenswert, produktiv und ökologisch intakt zu erhalten und zu stärken. Leitbild der Politik für den ländlichen Raum ist eine nachhaltige Entwicklung, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Anforderungen zusammenführt. Dabei geht es darum, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen, regionale Potenziale zu fördern und den Wandel aktiv zu gestalten. Mit ihrer Förderung von Modell- und Forschungsprojekten, Vernetzung und Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis im Bereich ländlicher Entwicklung trägt die Bundesregierung zur Stärkung ländlicher Regionen bei und fördert gesellschaftliche Resilienz und Zusammenhalt. Sie stärkt die Heimatverbundenheit der Einheimischen und die Integration der Zugezogenen.

Ein zentrales Instrument ist das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus), an dem mehrere Ressorts mit eigenen Fördermaßnahmen beteiligt sind. In deren Mittelpunkt stehen die Entwicklung, Erprobung und Verbreitung neuer Ideen und innovativer Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen in den ländlichen Regionen. Das Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung (KomLE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) setzt das BULEplus im Auftrag des BMLEH um, bringt Akteure zusammen und unterstützt die Vernetzung und den Wissenstransfer durch vielfältige Veranstaltungsformate.
Zu den aktuellen Fördermaßnahmen im Rahmen von BULEplus zählen u. a. „RegioKost“, das den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten für Lebensmittel unterstützt, und die Forschungsinitiative „Faktor K“, die bis 2026 untersucht, wie Kultur und Teilhabe das Leben in ländlichen Regionen stärken. Ergänzend fördert die Maßnahme „Soziale Dorfentwicklung“ modellhafte Projekte, die das Gemeinschaftsleben vor Ort verbessern – etwa durch Begegnungsorte, Angebote für ältere Menschen, mehr Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Der digitale Wandel eröffnet ländlichen Regionen neue Chancen, Standortnachteile auszugleichen und das Leben und Arbeiten vor Ort zukunftsfähig zu gestalten. Das BMLEH unterstützt sie dabei aktuell mit mehreren BULEplus-Programmen: „Land.OpenData“ unterstützt innovative Ideen, wie offene Daten in ländlichen Kommunen genutzt werden können. Durch eine Verbesserung der Interoperabilität von digitalen Systemen soll die Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen gesteigert werden. Bis Ende 2024 wurden mit dem Modellvorhaben „Smarte.Land.Regionen“ Landkreise bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer digitaler Lösungen in den Bereichen Mobilität, Bildung, Medizin und Arbeit unterstützt. Aus dem Vorhaben „Smarte.Land.Regionen“ ist ebenfalls der Marktplatz „DEUTSCHLAND.DIGITAL“ entstanden, welcher digitale Lösungen für Kommunen nachnutzbar macht.
Mit dem Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Regionen Deutschlands fördert das BMWSB in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Programm „Region gestalten“ Modellvorhaben und Projekte für innovative Konzepte der Raumordnung und Regionalentwicklung in ländlichen Räumen. Die Förderung aus BULEplus-Mitteln erfolgt im Rahmen thematischer Initiativen zu Fragen des Strukturwandels, der Daseinsvorsorge, des demografischen Wandels sowie zu regionalen Kooperationen. Die Ergebnisse der Modellvorhaben sowie weiterer Projekte werden in Handlungsleitfäden, Toolboxen und anderen Formaten des Wissenstransfers aufbereitet und zur weiteren Nutzung zur Verfügung gestellt.
Über die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“ werden im Förderbereich 1 „Integrierte ländliche Entwicklung“ Projekte zur nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume finanziert. Für Angebot und Durchführung sind die Länder zuständig. Gefördert werden u. a. Planungsinstrumente, Regionalmanagement, Dorfentwicklung und lokale Entwicklungsprozesse. Besonders innovative und gemeinwohlorientierte Projekte profitieren von der partizipativen und flexiblen Ausrichtung zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse.
Auf europäischer Ebene fördert der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) als zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) neben Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung, Wettbewerbsfähigkeit und Ressourcenschonung auch Wissensaustausch, Innovation und Digitalisierung – entsprechend dem GAP-Strategieplan für die Förderperiode 2023 bis 2027. Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) in der BLE stärkt den Austausch zwischen Kommunen, Verwaltungen, Verbänden, Unternehmen und lokalen Gruppen wie im Rahmen von LEADER und der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP-Agri.
FuI-Maßnahmen
Faktor K – Forschung zum Faktor Kultur in ländlichen Räumen
Das BMLEH unterstützt Forschungsvorhaben zur Bedeutung kultureller Aktivitäten und Teilhabe für ländliche Räume, um konkrete kultur- und regionalpolitische Handlungsempfehlungen zu gewinnen und die räumliche Entwicklung langfristig zu stärken.
Förderung der Innovationskompetenz mit gemeinnützigen Forschungseinrichtungen (INNO-KOM)
Das BMWE fördert FuE-Vorhaben von unabhängigen, gemeinnützigen Industrieforschungseinrichtungen in strukturschwachen Regionen, um die Innovationsfähigkeit von KMU zu stärken. Es werden marktorientierte FuE-Vorhaben, Vorlaufforschung und Investitionen in die wissenschaftlich-technische Infrastruktur gefördert.
Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)
Im Rahmen der GAK (Federführung in der Bundesregierung beim BMLEH) fördern Bund und Länder gemeinsam im Förderbereich Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) Projekte u. a. zur Unterstützung gleichwertiger Lebensverhältnisse, einer erreichbare Grundversorgung sowie attraktiver und lebendiger Ortskerne.
Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)
Mit der GRW (Federführung in der Bundesregierung beim BMWE) fördern Bund und Länder gemeinsam Vorhaben in strukturschwachen Regionen. Gefördert werden: gewerbliche Investitionen, Investitionen in kommunale wirtschaftsnahe Infrastrukturen, Maßnahmen der regionalen Daseinsvorsorge sowie Maßnahmen zur Vernetzung und Kooperation lokaler Akteure. Ziel sind die Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft und die Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort.
Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen (KoMoNa)
Das BMUKN unterstützt Kommunen und andere zentrale Akteure in den Kohleausstiegsregionen bei der Umsetzung von Modellvorhaben zur Bewältigung eines sozial-ökologisch nachhaltigen Strukturwandels, um die Lebensqualität und Attraktivität der Regionen zu sichern und weiterzuentwickeln..
Kommunen innovativ
Das BMFTR fördert Kommunen als Initiatoren, Partner und Adressaten von Forschung, Entwicklung und Innovation, um eine regional nachhaltige und demografiefeste Entwicklung deutscher Regionen zu stärken.
Land.OpenData – Ideenwettbewerb
Das BMLEH fördert mit dieser Richtlinie die Konkretisierung bestehender innovativer Projektideen zum Einsatz von Open Data in ländlichen Kommunen, um die Entwicklung ländlicher Räume voranzutreiben.
Maßnahmen zum Aufbau regionaler Verbünde zur Erstellung und Erprobung regionalpolitischer Zukunftskonzepte und damit verbundener Einzelprojekte (Zukunft Region)
Das BMWE unterstützt im Rahmen eines Modellwettbewerbs die Entwicklung und Implementierung regionalpolitischer Ansätze, um die regionale Strukturförderung in Deutschland zu optimieren.
Maßnahmen zur Umsetzung des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben im Rheinischen Revier, im Lausitzer Revier und im Mitteldeutschen Revier, die neue Innovationsdynamiken anstoßen und damit zum Gelingen der erforderlichen tiefgreifenden Transformationsprozesse beitragen.
Region gestalten
Das BMWSB unterstützt in ländlichen Räumen regionale und interkommunale Ansätze in verschiedenen Themenbereichen wie Resilienz, ländliche Mobilität, Leerstandsaktivierung und Daseinsvorsorge und unterstützt den Wissenstransfer erfolgreicher Lösungen.
Regionale Faktoren für Innovation und Wandel erforschen – Gesellschaftliche Innovationsfähigkeit stärken (REGION.innovativ)
Das BMFTR unterstützt regionale Bündnisse dabei, sich in der Zusammenarbeit mit neuen Partnern mit neuen FuI-Themen zu beschäftigen. Dabei sollen sie neue Instrumente, Lösungsansätze und Modelle entwickeln und erproben, um mit ihnen die regionale Innovationsfähigkeit zu stärken. Die Förderung erfolgt im Rahmen von drei Runden mit festgelegten Querschnittsthemen, die besondere Relevanz für strukturschwache Regionen haben.
RUBIN – Regionale unternehmerische Bündnisse für Innovation
Das BMFTR unterstützt FuE-Vorhaben regionaler Bündnisse von Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen in strukturschwachen Regionen mit dem Ziel, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere von KMU, sowie die Innovations- und Verwertungsorientierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu verbessern.
Soziale Dorfentwicklung – Starke Gemeinschaften für zukunftsfähige ländliche Räume
Das BMLEH fördert innovative Modell- und Demonstrationsvorhaben, die zur Stärkung von Gemeinschaften in ländlichen Regionen beitragen.
Steigerung der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen durch eine Verbesserung der Interoperabilität von digitalen Systemen
Das BMLEH fördert die Entwicklung von innovativen Lösungen zur Verbesserung der Interoperabilität von Datensystemen im ländlichen Raum, um dort die Digitalisierung der Daseinsvorsorge voranzutreiben und ganzheitliche, nachhaltige Systeme hervorzubringen.
Strukturanpassung in Braunkohlerevieren („Unternehmen Revier“)
Das BMWE fördert Projekte in Braunkohleregionen, die neue Perspektiven für Beschäftigung, Wertschöpfung und somit Wohlstand entwickeln und umsetzen.
T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen
Das BMFTR ermöglicht Hochschulen und Forschungseinrichtungen in strukturschwachen Regionen die Entwicklung und Erprobung neuartiger Transferinstrumente in „Transferräumen“, um zukunftsweisende Innovationsfelder zu stärken und den Strukturwandel voranzutreiben.
WIR! – Wandel durch Innovation in der Region
Das BMFTR unterstützt die Formierung regionaler Bündnisse in strukturschwachen Regionen ohne sichtbares Innovationsprofil mit dem Ziel, strategische Innovationskonzepte zu erarbeiten und diese anschließend in der Region umzusetzen.
8.4 Stadt- und Regionalentwicklung, Bauen und Wohnen
Globale Entwicklungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Migration und Strukturwandel wirken zunehmend auf Städte und Regionen ein. Gleichzeitig kommt der kommunalen Ebene als wichtige bürgernahe Umsetzungsebene für Fragen der Daseinsvorsorge, Lebensqualität, nachhaltigen Mobilität, Resilienz und Klimaanpassung eine Schlüsselrolle zu. Die Bundesregierung unterstützt daher ressortübergreifende Forschung, Wissenstransfer und Modellprojekte für resiliente, klimagerechte und lebenswerte Kommunen und Regionen. Im Fokus stehen technische und Soziale Innovationen, die praxisnah erprobt und auf verschiedenen Maßstabsebenen umgesetzt werden – von der Gebäudeskala bis zur (Stadt-)Region.
8.4.1 Nachhaltige und klimaresiliente Städte und Regionen
Städte und Regionen spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen: Resilienz, Klimaneutralität, Ressourceneffizienz, Flächensparen, Anpassung an den Klimawandel und soziale Integration müssen auch lokal handlungsleitend sein. Gleichzeitig sollen Städte, Stadt-Umland-Regionen und ländliche Gemeinden eine hohe Lebensqualität bieten. Die Gemeinschaftsinitiative Nationale Stadtentwicklungspolitik, getragen von Bund (BMWSB), Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, engagiert sich seit 2007 für eine nachhaltige, gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Sie vernetzt Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verbänden – etwa über den Bundeskongress oder den Hochschultag. Mit Projekten, Preisen, Wettbewerben und Netzwerkinitiativen unterstützt sie Kommunen bei aktuellen stadtentwicklungspolitischen Herausforderungen.

Die Städtebauförderung des Bundes, die als gemeinschaftliche Aufgabe von Bund (BMWSB), Ländern und Kommunen getragen wird, unterstützt Städte und Kommunen dabei, städtebauliche Missstände zu beseitigen, Stadtteile und Quartiere lebendig und nachhaltig zu gestalten, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und die Infrastruktur zu modernisieren. Ziel ist, die Attraktivität und Lebensqualität vor Ort zu verbessern und für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen. Dafür werden auch Strategien für lebenswerte und zukunftsfähige Lebensräume bis hin zur sozial gerechten Quartiersentwicklung unterstützt.
Als Teil der BMFTR-Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit (FONA)“ wurde die Transformationsinitiative „Stadt-Land-Zukunft“ als Dachmarke zur Förderung raumwirksamer und sektorübergreifender Nachhaltigkeitsforschung in funktional verflochtenen Räumen etabliert. In ihrem Rahmen wird ein breites Spektrum an Themen gefördert – aktuell u. a. zu Fragen zu institutionenübergreifender Governance innerhalb von Städten und Regionen, nachhaltiger Mobilität in regionalen Transformationsräumen, Sozialen Innovationen für nachhaltige Städte, resilienter und zukunftssicherer Wasserversorgung sowie zum Einsatz Digitaler Urbaner Zwillinge in der Planung. Geförderte Projekte haben häufig transdisziplinären Charakter mit starkem Praxisbezug. Insbesondere im Rahmen der regelmäßigen Förderaufrufe für Nachwuchsgruppen in der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) wird das inter- und transdisziplinäre Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis zur Entwicklung konkreter Lösungen für den Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft in den Mittelpunkt gestellt.
Mit dem Förderschwerpunkt SURE unterstützt das BMFTR bis 2027 zudem praxisnahe Forschung in schnell wachsenden Städten und urbanen Regionen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Förderung von Forschung, Innovation und Kapazitätsaufbau in Hinblick auf urbane Kreislaufwirtschaft, zu energiepositive Stadteile sowie die 15-Minuten-Stadt steht im Zentrum der Europäischen Partnerschaftsinitiative „Driving Urban Transitions to a sustainable future“ (DUT), an deren jährlichen Aufrufen sich das BMFTR beteiligt.
Als Teil der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) der Bundesregierung fördert das BMUKN im Rahmen transformativer Klimaschutzprojekte u. a. kommunale Modellprojekte, bei denen sowohl die Entwicklung neuer innovativer Ansätze und deren pilothafte Erprobung im Mittelpunkt stehen als auch der Transfer in die Kommunen hinein gestärkt wird.
Das BMWSB fördert in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) konzeptionelle und investive Projekte mit hoher Wirksamkeit für Klimaschutz und Klimaanpassung und mit hohem Innovationspotenzial im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel (AULR)“. Bislang sind bundesweit über 300 Projekte im Rahmen von fünf Tranchen mit einem Gesamtprogrammvolumen von bis zu 656 Mio. Euro gefördert worden.
Um Städte, Gemeinden und Landkreise bei der strategischen Nutzung digitaler Möglichkeiten für eine nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung zu unterstützen, fördert die Bundesregierung gemeinsam mit der KfW die Modellprojekte Smart Cities (MPSC). Bis 2030 werden bundesweit 73 Projekte mit insgesamt rund 820 Mio. Euro gefördert. Im Fokus stehen die partizipative Entwicklung sektorübergreifender Strategien, die Umsetzung lokaler Maßnahmen sowie der gezielte Wissenstransfer.
Plattformen für kommunalen Wissenstransfer
Viele kleinere Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen – und können voneinander und von Modellprojekten lernen. Zielgerichteter Wissenstransfer und Vernetzung erleichtern den Zugang zu digitalen Lösungen, praxiserprobtem Know-how und neuen Partnerschaften. Von der Bundesregierung geförderte Initiativen und Plattformen unterstützen dabei, Erfahrungen zu teilen, Kompetenzen auszubauen und gemeinsam zukunftsfähige Ansätze zu entwickeln. Mit dem „Smart City Dialog“ steht Kommunen eine Wissens- und Vernetzungsplattform zu Themen digitaler Anwendungen in den Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge zur Verfügung. Zahlreiche Beiträge aus Wissenschaft und Praxis sowie die Möglichkeit, eigene Arbeitsräume für ko-kreative Prozesse interkommunaler Zusammenarbeit zu erstellen, schaffen eine lebendige Austausch- und Arbeitsplattform.
Vom BMLEH wurde ein bestehender Marktplatz aus dem Programm „Smarte.Land.Regionen“ zum Marktplatz „DEUTSCHLAND.DIGITAL“ weiterentwickelt. Als zentrale Anlaufstelle für geprüfte digitale Anwendungen und Beratungsleistungen unterstützt er insbesondere kleine und mittlere Kommunen bei der Umsetzung digitaler Vorhaben. DEUTSCHLAND.DIGITAL profitiert sowohl von Projektergebnissen der BMLEH-Modellvorhaben „Smarte.Land.Regionen“ als auch von innovativen digitalen Lösungen der Modellprojekte Smart Cities (MPSC) aus dem BMWSB. Der Marktplatz soll ab 2027 von der Föderalen IT-Kooperation (FITKO) weitergeführt und mit den dort konsolidierten Marktplätzen zusammengeführt werden.
Den Belangen der mehr als 2.100 Kleinstädte in Deutschland widmet sich auch die vom BMWSB geförderte „Kleinstadt Akademie“ mit Sitz in Wittenberge (Brandenburg). Sie stärkt Wissenstransfer und Austausch zwischen Kleinstädten und vernetzt Akteure aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Dabei vermittelt sie praxisnahes Wissen und unterstützt Kleinstädte dabei, aktuelle Herausforderungen aktiv anzugehen und gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.
Die Anfang 2025 gestartete Online-Plattform „Potenzial Leerstand“ ist ein Informationsangebot des BMWSB zur Leerstandsaktivierung. Kontinuierlich aktualisiert, informiert sie Kommunen und Träger der Regionalplanung, Akteure der Wohnungswirtschaft sowie Eigentümerinnen und Eigentümer zu Instrumenten, Fördermöglichkeiten und Erfolgsbeispielen – mit besonderem Fokus auf ländliche Räume.
Im Rahmen der NKI unterstützt die „Agentur für kommunalen Klimaschutz“ Kommunen beim Wissenstransfer und bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten. Im Fokus stehen der Aufbau von Know-how und Kapazitäten, Standards im Klimaschutz-Monitoring, Akteursvernetzung und Publikationen u. a. von Praxisbeispielen.
Das vom BMUKN geförderte „Zentrum KlimaAnpassung“ unterstützt bundesweit Kommunen und Träger sozialer Einrichtungen bei der Identifizierung, Planung und Durchführung von Klimaanpassungsmaßnahmen, u. a. durch praxisorientierte Beratungen, Förderinformationen, bewährte Praxisbeispiele, Fortbildungen sowie Formate zu Vernetzung und Erfahrungsaustausch.
Mit dem Forschungsprogramm Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) des BMWSB werden die praktische Erprobung und Umsetzung innovativer, raumordnerischer Handlungsansätze und Instrumente in Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis vor Ort unterstützt. Das BBSR betreut die Modellvorhaben der Raumordnung wissenschaftlich und organisatorisch. Insbesondere das Handlungsfeld Raumentwicklung ist über die Beteiligung am Forschungsnetzwerk zur europäischen Raumbeobachtung (ESPON) international eng vernetzt.
Die Ressortforschung von BMWSB und BBSR legt einen Schwerpunkt auf Klimaanpassung im Bauwesen sowie in Quartieren, Städten und Regionen. Mit Projekten zur Grün- und Freiraumentwicklung, zu wassersensibler Stadtgestaltung, klimaresilientem Stadtumbau und vorsorgendem Risikomanagement stärkt das BBSR die Vorsorge gegen Überflutung, Hochwasser und Hitze. Klimaanpassung ist zudem auch ein Schwerpunkt der BMUKN-Ressortforschung.
Als Teil ihrer Missionsorientierung hat die EU 2022 die Mission „100 klimaneutrale und intelligente Städte bis 2030“ (engl. „100 Climate-Neutral and Smart Cities by 2030“) ins Leben gerufen. Die acht beteiligten deutschen Städte haben Klimastadt-Verträge mit Aktions- und Investitionsplänen für relevante Bereichen wie Energie, Gebäude, Abfallwirtschaft und Verkehr erarbeitet, die inzwischen von der EU-Kommission mit dem „Mission Label“ ausgezeichnet wurden. Die Missionsplattform „NetZeroCities“ unterstützt Städte bei der Umsetzung der Klimaneutralität technisch, regulatorisch und finanziell; ferner begleitet und unterstützt der Nationale Kontaktpunkt im BMWSB in Kooperation mit dem BMFTR die teilnehmenden deutschen Städte u. a. zu Fragen des Finanz- und Regulativrahmens sowie der Sichtbarkeit.
8.4.2 Innovation im Bauwesen und im Städtebau
Architektur, Bauwesen sowie die Bau- und Wohnungswirtschaft prägen die nachhaltige Entwicklung wesentlich. Nachhaltiges Bauen ist daher ein zentraler Transformationsbereich der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Das BMWSB setzt mit dem Innovationsprogramm „Zukunft Bau“ – bestehend aus Forschungsförderung, Ressortforschung und Modellvorhaben – gezielte Impulse für Forschung und modellhafte Entwicklungen in Architektur und Bauwesen. Im Fokus stehen Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffizienz, bezahlbares Bauen, gestalterische Qualität sowie die Bewältigung des demografischen Wandels.
Auf der Grundlage jährlicher Projektaufrufe werden FuE-Vorhaben gefördert, die sich auf angewandte Gebäudeforschung konzentrieren und Beiträge zu technischen, baukulturellen und organisatorischen Innovationen leisten. Über die Allgemeine Ressortforschung vergibt das BBSR im Auftrag des BMWSB Forschungsaufträge zu aktuellen stadtendwicklungs-, wohnungsbau- und baupolitischen Themen wie Klimaschutz im Gebäudebereich und kostengünstiges Bauen. Im Fokus stehen Erkenntnisse für bezahlbares, verfügbares und umweltverträgliches Wohnen in Deutschland sowie für die Etablierung einer integrierten und gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung. Ergänzend fördert das BMWSB nach einem Förderaufruf in 2024 zudem auch Pilotprojekte mit besonders innovativem Charakter, um neuartige, bislang marktunübliche Ansätze für klimaneutrales, ressourcenschonendes und bezahlbares Bauen in die Praxis zu überführen.

Der Wissenstransfer wird dabei durch das Informationsportal „Nachhaltiges Bauen“ unterstützt, das Akteure vernetzt und praxisnahe Informationen u. a. zu Ressourcenschonung, Bauqualität und Wirtschaftlichkeit bereitstellt.
Das BMWE fördert im Rahmen der Initiative „Energiewendebauen“ FuE-Projekte zur Reduzierung des Wärmebedarfs und zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Im Fokus stehen klimaneutrale Wärme bzw. Kälte, energetische Gebäudeeffizienz sowie systemische Ansätze wie Sektorkopplung und Digitalisierung in Quartieren.
Darüber hinaus betreut das BBSR das Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt), das Studien, Initiativen und Modellvorhaben zu innovativen wohnungs- und städtebaulichen Entwicklungen umfasst. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung der Städtebau- und Wohnungspolitik ein. Flankierend begleitet das BBSR auch die Bund-Länder-Städtebauförderung mit programmübergreifender Forschung. Das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ förderte bis 2025 zudem die Entwicklung und Umsetzung innovativer Konzepte durch Städte und Gemeinden zur Stärkung ihrer Innenstädte und Zentren – einschließlich eines strukturierten Wissenstransfers.
2025 startete die Fazilität „Neues Europäisches Bauhaus (NEB)“ und erhielt im Rahmen von Horizont Europa einen eigenen Arbeitsprogrammteil zur Förderung ihrer Forschungs- und Innovationskomponente. Die NEB-Fazilität soll den europäischen Bausektor kreislauffähiger, wettbewerbsfähiger und nachhaltiger machen. Gleichzeitig soll sie sicherstellen, dass die bebaute Umwelt zur Wiederherstellung von Ökosystemen, zu sozialem Zusammenhalt und lokalem Wachstum beiträgt.
FuI-Maßnahmen
Bundesförderung für transformative Klimaschutzprojekte
Das BMWE fördert transformative Klimaschutzprojekte, die Mittel wie Information, Vernetzung, Entwicklung und Erprobung innovativer Konzepte und Wissenstransfer nutzen, um einen substanziellen Beitrag zur gesellschaftlichen Transformation in Richtung der Treibhausgasneutralität Deutschlands zu leisten.
Hochschulen als Innovationslabore für nachhaltige Städte und Regionen
Das BMFTR fördert regionale FuE-Verbundprojekte, in denen Hochschulen gemeinsam mit Partnern in ihren Städten und Regionen passfähige Innovationen für Klimaneutralität, Ressourcenschonung und Lebensqualität entwickeln. Die Hochschulen werden so zu Impulsgebern und Reallaboren einer nachhaltigen Transformation – mit Strahlkraft weit über den Campus hinaus.
Modellvorhaben für Innovationen im Gebäudebereich
Das BMWSB fördert innovative Pilotprojekte, um zur Senkung der Treibhausgasemissionen und zur Eindämmung des Ressourcen- und Flächenverbrauchs beim Bauen und im Umgang mit dem Gebäudebestand beizutragen.
Nachhaltige Mobilität in regionalen Transformationsräumen
Das BMFTR fördert regional ausgerichtete FuE-Vorhaben zum Thema Soziale und technologische Innovationen für eine nachhaltige Mobilität, die zur Erreichung der deutschen Nachhaltigkeits- und Klimaziele beitragen.
Planungsbeschleunigung für die Klimaanpassung mit Urbanen Digitalen Zwillingen
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben, die in Reallaboren Urbane Digitale Zwillinge weiterentwickeln, um sie für die Klimaanpassung in der Regionalplanung und der kommunalen Bauleit- und Landschaftsplanung besser nutzbar zu machen.
Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft (RES:Z)
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben, die eine Steigerung der Ressourceneffizienz in Stadtquartieren und die Förderung eines nachhaltigen Transformationsmanagements ermöglichen.
Sozial-ökologische Nachwuchsgruppen für nachhaltige und resiliente Stadt-Umland-Regionen
Das BMFTR fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem Gebiet der gesellschaftsbezogenen Nachhaltigkeitsforschung, um innovative Lösungen für nachhaltige und resiliente Städte und Regionen zu identifizieren und zu entwickeln.
Stadt-Land-Plus
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben, die ländliche Räume, städtische Umlandregionen und Städte dabei unterstützen, gemeinsam ein ressourcenschonendes und nachhaltiges Landmanagement auf regionaler Ebene zu verwirklichen.
Transformationscluster Soziale Innovationen für nachhaltige Städte
Das BMFTR fördert stadtregionale Transformationscluster, um die Potenziale Sozialer Innovationen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu erschließen und so maßgeblich zur Erreichung der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung beizutragen.
Wasserversorgung der Zukunft
Das BMFTR fördert FuE-Vorhaben sowie die praktische Umsetzung innovativer Technologien und Konzepte zur Modernisierung von Infrastrukturen, Erhöhung der Versorgungssicherheit und Optimierung des Wassermanagements.
Zukunft Bau Forschungsförderung
Das BMWSB unterstützt FuE-Vorhaben in den Bereichen Bauwesen, Architektur sowie Bau- und Wohnungswirtschaft, um die nachhaltige Entwicklung in diesem Gebiet zu stärken.
