1 Ausgaben und Personal für Forschung und Entwicklung

Wirtschaft und Staat stellen umfangreiche finanzielle und personelle Ressourcen zur Stärkung des deutschen Forschungs- und Innovationssystems bereit. Nach vorläufigen Angaben lagen die Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten 2024 bei 137,1 Mrd. Euro und erreichten damit einen Höchstwert. Im selben Jahr waren rund 840.100 Personen (in Vollzeitäquivalenten) in Forschung und Entwicklung beschäftigt, was ebenfalls einen Höchstwert darstellt.

1.1 FuE-Ausgaben

Wirtschaft und Staat investieren bedeutende finanzielle Mittel in die Forschung und Entwicklung in Einrichtungen der privaten Wirtschaft, an Hochschulen, in außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in Ressortforschungseinrichtungen. Der langjährige Trend stetig steigender Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, der nur 2020 einen pandemiebedingten Einbruch erlebte, wurde auch 2024 fortgesetzt.

Im Jahr 2023 erreichten die FuE-Ausgaben von Wirtschaft, Hochschulen, Staat und privaten Institutionen ohne Erwerbszweck mit 132,0 Mrd. Euro einen Höchststand (endgültige Zahlen).[2] Nach vorläufigen Berechnungen stiegen die FuE-Ausgaben im Jahr 2024 auf 137,1 Mrd. Euro (Abb. D-1).[3] Den größten absoluten wie prozentualen Beitrag zu dieser Entwicklung leisteten die Hochschulen sowie die öffentlichen und öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen mit einem Zuwachs von 2,9 Mrd. Euro bzw. um 7,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Wirtschaft steigerte ihre internen FuE-Ausgaben um 2,1 Mrd. Euro bzw. um 2,3 %.

FuE-Ausgaben umfassen nach dem Frascati-Handbuch der OECD die Finanzierung systematischer und schöpferischer Arbeit zur Erweiterung des vorhandenen Wissens. Dieses Wissen wird dafür genutzt, neue Anwendungsmöglichkeiten zu erschließen und damit Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft hervorzubringen. FuE-Ausgaben umfassen im Unterschied zu den Wissenschaftsausgaben keine Ausgaben für die wissenschaftliche Lehre und Ausbildung (Infobox: Wissenschaftsausgaben).[4] Die Ausgaben für FuE werden statistisch entweder bei den finanzierenden Institutionen (Finanzierungsbetrachtung) oder der forschenden Einrichtung (Durchführungsbetrachtung) erfasst (Infobox: Finanzierungs- und Durchführungsbetrachtung im Vergleich).

Die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE-Ausgaben) sind eine zentrale Kennzahl für die absolute Höhe der volkswirtschaftlichen Investitionen in FuE. Der Anteil der Bruttoinlandsausgaben für FuE am BIP einer Volkswirtschaft (FuE-Quote) ist ein wesentlicher Indikator für den internationalen Vergleich der FuE-Ausgaben.

Die vorläufige FuE-Quote Deutschlands für das Jahr 2024 liegt bei 3,17 %, was einen neuen Höchststand bedeutet. Der Aufwuchs der FuE-Ausgaben um rund 3,8 % zwischen den Jahren 2023 und 2024 lag etwas über dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um rund 2,6 % im selben Zeitraum. Im Jahr 2007 betrug die FuE-Quote noch 2,42 %. Nach einem leichten Rückgang der FuE-Quote ab 2020 ist in den Jahren 2023 und 2024 ein positiver Trend zu verzeichnen. In ihrem Koalitionsvertrag setzt die Bundesregierung das Ziel fest, bis 2030 gemeinsam mit den Ländern, Kommunen und der Wirtschaft jährlich mindestens 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung zu investieren (Infobox: Der Weg zum 3,5-Prozent-Ziel).

Der Weg zum 3,5-Prozent-Ziel

Die Sicherstellung eines durchgehend hohen Niveaus an staatlichen und privaten Ausgaben für FuE bildet eine wichtige Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften und damit für deren langfristigen Wohlstand und die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Deutschland hat bereits im Jahr 2018 das in der europäischen Wachstumsstrategie Europa 2020 verankerte Ziel erreicht, 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung (FuE) zu investieren. Mit einer FuE-Quote von 3,17 % im Jahr 2024 gehört Deutschland zu den führenden EU-Ländern im Bereich der FuE-Ausgaben. Spitzenreiter im EU-Vergleich waren 2024 Schweden und Belgien mit 3,56 bzw. 3,36 %. Der Durchschnitt der EU-Staaten lag bei 2,13 % (zum Teil vorläufige Zahlen).

Mit den bislang erzielten Erfolgen sind günstige Ausgangsbedingungen vorhanden, um auch das ambitionierte Ziel einer weiteren Anhebung der FuE-Quote zu realisieren. Bund und Länder haben sich das Ziel gesetzt, bis 2030 gemeinsam mit der Wirtschaft mindestens 3,5 % des BIP für FuE aufzuwenden.

Die Regierungschefinnen und -chefs von Bund und Ländern haben die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) beauftragt, ihnen jährlich einen Sachstandsbericht zum Drei-Prozent-Ziel bzw. seit dem Berichtsjahr 2021 zum 3,5-Prozent-Ziel vorzulegen.

Der aktuelle Bericht ist auf der Website der GWK zugänglich.

In Abb. D-2 sind die Anteile der finanzierenden und durchführenden Sektoren von FuE sowie die Finanzflüsse von den finanzierenden zu den durchführenden Sektoren dargestellt. Datengrundlage ist die Durchführungsbetrachtung. FuE-Aktivitäten werden in Deutschland überwiegend von der Wirtschaft und dem Staat finanziert. Der Wirtschaftssektor war 2023 zu knapp zwei Dritteln (62,6 %) an der Finanzierung der FuE-Ausgaben beteiligt, entweder in Form von eigener Forschungstätigkeit oder durch die Finanzierung von Forschung an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen z. B. im Rahmen von Auftragsforschung. 2023 stellte der Staat 29,8 % aller Mittel für die Finanzierung von FuE zur Verfügung, private Institutionen ohne Erwerbszweck stellten 0,3 % der Mittel bereit. Aus dem Ausland stammten 7,3 % der Mittel für FuE. Hierunter fallen FuE-Ausgaben von multinationalen Unternehmen und die EU-Forschungsförderung.

Finanzierungs- und Durchführungsbetrachtung im Vergleich

Die Statistiken zu den Ausgaben für FuE werden sowohl bei den finanzierenden Institutionen/Mittelgebern (Finanzierungsbetrachtung) als auch bei den forschenden Einrichtungen (Durchführungsbetrachtung) erhoben. Beide Betrachtungsweisen können aufgrund der unterschiedlichen Erhebungsarten und -zeitpunkte zu abweichenden Ergebnissen führen.

Die Finanzierungsbetrachtung liefert Informationen über die Finanzierungsbeiträge von Wirtschaft, Staat und privaten Institutionen ohne Erwerbszweck. Für die staatliche Seite sind das primär Haushaltsdaten (Finanzstatistiken).

Die Durchführungsbetrachtung erfasst Mittel für FuE-Aktivitäten dort, wo die Forschung durchgeführt wird, d. h. in Unternehmen, an Hochschulen, in Forschungseinrichtungen und privaten Institutionen ohne Erwerbszweck. Die Daten stammen aus Erhebungen, in denen die forschenden Einrichtungen zu ihren Ausgaben für FuE befragt werden. Zusätzlich werden bei der Durchführungsbetrachtung die Finanzierungsquellen der Forschung erhoben.

Laut Frascati-Handbuch ist die Durchführungsbetrachtung grundsätzlich zu bevorzugen, weil mit ihr dargestellt werden kann, wer FuE durchführt bzw. wo sie stattfindet, wer sie finanziert, welchen Umfang und Zweck solche Tätigkeiten haben und welche Wechselwirkungen und Kooperationen zwischen Einrichtungen und Sektoren bestehen. Insbesondere der wichtige Wirtschaftssektor kann so gut erfasst werden. Die Finanzierungsbetrachtung ist demgegenüber bezogen auf die Staatsausgaben allein zu bevorzugen, weil sie ermöglicht, zum einen die staatliche Gesamtfinanzierung von FuE zeitnah auszuweisen, da sie auf der Basis der Haushaltsansätze berechnet wird, zum anderen diesen Gesamtbetrag durch eine Klassifikation nach sozioökonomischen Zielsetzungen (NABS-Klassifikation) Politikanliegen zuzuordnen. Auch die Lastenverteilung zwischen Bund und Ländern kann mit der Finanzierungsbetrachtung verlässlich dargestellt werden.

Die gesamten FuE-Ausgaben von 137,1 Mrd. Euro im Jahr 2024 verteilten sich unterschiedlich auf die einzelnen Sektoren, in denen FuE durchgeführt wird. Der Großteil der FuE-Aktivitäten fand auch 2024 in der Wirtschaft (67,5 %) statt. Die Hochschulen (17,6 %) und die bundes-, landes- und gemeindeeigenen Forschungseinrichtungen sowie die privaten Institutionen ohne Erwerbszweck (14,9 %) zeichneten zusammen für knapp ein Drittel der gesamten FuE-Ausgaben verantwortlich.

Die Wirtschaft trug 2023 einen Großteil ihrer FuE-Ausgaben selbst (86,5 %). Der Staat finanzierte den überwiegenden Anteil der FuE-Ausgaben an Hochschulen (81,6 %) und in Forschungseinrichtungen (84,7 %).

Seit Mitte der 2000er Jahre sind die FuE-Ausgaben in allen durchführenden Sektoren kontinuierlich gestiegen, mit Ausnahme eines von der COVID-19-Pandemie verursachten Einschnitts im Jahr 2020 bei den FuE-Ausgaben der Wirtschaft (Abb. D-3).

Die Wirtschaft führte 2023 FuE-Aktivitäten in einem Umfang von 90,4 Mrd. Euro durch. Gegenüber 2007 haben sich die Ausgaben für FuE in der Wirtschaft damit mehr als verdoppelt. Die FuE-Ausgaben der Wirtschaft stiegen 2024 nach vorläufigen Berechnungen auf 92,5 Mrd. Euro.

In öffentlichen und öffentlich geförderten Einrichtungen für FuE haben die Ausgaben für FuE kontinuierlich zugenommen. Seit 2007 erhöhten sich die FuE-Ausgaben von 8,5 Mrd. Euro auf 18,6 Mrd. Euro im Jahr 2023, dies entspricht einer Steigerung um 117 %. Der Zuwachs resultierte aus der Stärkung der außeruniversitären Forschung. Die Statistik erfasst die außeruniversitären Forschungseinrichtungen einschließlich bundes-, landes- und gemeindeeigener Forschungseinrichtungen sowie privater Institutionen ohne Erwerbszweck. Die FuE-Ausgaben des Staatssektors stiegen 2024 nach vorläufigen Berechnungen auf 20,4 Mrd. Euro.

Der Hochschulsektor verzeichnet unter allen drei Sektoren seit 2007 den deutlichsten Anstieg der FuE-Ausgaben. 2023 setzten die Hochschulen 23,0 Mrd. Euro für FuE ein. Das sind 13,1 Mrd. Euro (132 %) mehr als 2007. Die FuE-Ausgaben des Hochschulsektors stiegen 2024 nach vorläufigen Berechnungen auf 24,1 Mrd. Euro.

Weltweit sind die FuE-Ausgaben in den vergangenen Jahren dynamisch angestiegen. Absolut betrachtet investieren die bevölkerungsreichen Staaten China, USA und Japan weltweit am meisten in FuE. Deutschland weist im europäischen Vergleich die höchsten absoluten FuE-Ausgaben und weltweit die vierthöchsten absoluten FuE-Ausgaben auf.

Mit einer FuE-Quote von 3,17 % im Jahr 2024 (vorläufige Zahlen) gehörte Deutschland in Europa zu den Ländern mit den höchsten FuE-Ausgaben, gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die durchschnittliche FuE-Quote der EU-27-Länder betrug 2,13 %. In der EU erreichten nur Schweden (3,56 %), Belgien (3,36 %), Österreich (3,26 %) und Finnland (3,22 %) 2024 eine höhere FuE-Quote als Deutschland. Im weltweiten Vergleich lag der deutsche Wert deutlich über dem OECD-Durchschnitt (2,72 %). Weltweit wiesen 2024 u. a. Israel (6,76 %), Südkorea (5,13 %), Japan (3,62 %) und die USA (3,44 %) höhere FuE-Quoten als Deutschland auf.

Insbesondere China konnte im vergangenen Jahrzehnt einen dynamischen Anstieg seiner finanziellen Mittel für FuE verzeichnen. Chinas Ausgaben (2,69 %) nähern sich mittlerweile dem Durchschnitt der OECD-Länder an und lagen im Jahr 2015 bereits über dem Wert der EU (Abb. D-4).

Das Verhältnis von FuE-Ausgaben zwischen privatem und öffentlichem Sektor unterscheidet sich zwischen den Volkswirtschaften weltweit. Der Anteil des Wirtschaftssektors an den gesamten FuE-Ausgaben ist in Israel, Südkorea, den USA und Japan am höchsten. In Deutschland entfielen 2024 nach vorläufigen Zahlen rund 67,5 % der Ausgaben für FuE auf den Wirtschaftssektor und 32,5 % auf die anderen Sektoren. Insgesamt zeigt sich, dass tendenziell diejenigen Vergleichsländer, die hohe anteilige FuE-Ausgaben ihres Wirtschaftssektors erzielen, auch eine hohe FuE-Quote aufweisen (Abb. D-5).

1.1.1 Bundesausgaben für FuE

Der Bund hat seine Zukunftsinvestitionen in FuE in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Die Bundesausgaben für FuE betrugen im Jahr 2024 rund 26,1 Mrd. Euro. Im Zeitraum von 2007 bis 2024 haben sich die FuE-Ausgaben des Bundes mehr als verdoppelt.

Die FuE-Ausgaben des Bundes fließen größtenteils in die Projektförderung, die Ressortforschung und in die institutionelle Förderung. Die institutionelle Förderung des Bundes, d. h. die langfristige Finanzierung von Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen und deren Aktivitäten, belief sich 2024 auf rund 10,9 Mrd. Euro. Die Ausgaben für die Projektförderung (direkte Projektförderung und indirekte Forschungs- und Innovationsförderung) und für die Ressortforschung lagen 2024 zusammen bei 13,3 Mrd. Euro (Abb. D-6).

Die Ausgaben des Bundes für FuE in der direkten Projektförderung und Ressortforschung stiegen in den vergangenen Jahren deutlich und summierten sich im Jahr 2024 auf rund 12,4 Mrd. Euro. Die Ausgaben des Bundes für FuE im Rahmen der indirekten Forschungs- und Innovationsförderung betrugen im selben Jahr rund 0,9 Mrd. Euro.

Alle Ressorts des Bundes stellen Mittel für FuE bereit. Die Bundesministerien mit den höchsten FuE-Ausgaben waren 2024 das BMBF (13,6 Mrd. Euro), das BMWK (5,1 Mrd. Euro) und das BMVg (3,2 Mrd. Euro). Gemeinsam vereinen sie 84 % der Gesamtausgaben des Bundes für FuE im Jahr 2024 (Abb. D-7).[5]

Die Zuordnung der FuE-Ausgaben des Bundes nach Förderbereichen basiert auf der Leistungsplansystematik. Sie gruppiert die Ausgaben nach forschungsthematischen Gesichtspunkten unabhängig vom finanzierenden Ressort (Infobox: Leistungsplansystematik).

Leistungsplansystematik

Die Leistungsplansystematik des Bundes gruppiert die Forschungsausgaben des Bundes nach forschungsthematischen Gesichtspunkten. Sie unterscheidet dabei übergeordnete Forschungsbereiche, die jeweils mehrere Forschungsschwerpunkte umfassen. Mit der Leistungsplansystematik werden die FuE-Ausgaben des Bundes unabhängig vom finanzierenden Ressort einzelnen Forschungsthemen zugeordnet. Auch die institutionellen Mittel der außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden in der Leistungsplansystematik berücksichtigt. Die Leistungsplansystematik sorgt für Transparenz der FuE-Aktivitäten aller Ressorts und ist zugleich Grundlage für die Forschungskoordinierung innerhalb der Bundesregierung.

Die FuE-Ausgaben des Bundes werden durch das BMFTR bei den einzelnen Ressorts erhoben. Die Zuordnung der FuE-Ausgaben zu den Forschungsbereichen erfolgt nach dem Schwerpunktprinzip, d. h., eine Mehrfachzuordnung zu verschiedenen Forschungsbereichen der Leistungsplansystematik ist nicht möglich. Dies kann zu Unschärfen führen, da Forschungsprojekte häufig interdisziplinär ausgerichtet sind. Zudem sind Querschnittsthemen wie beispielsweise Digitalisierung kaum über die Leistungsplansystematik abbildbar.

Die Förderbereiche des Bundes mit den höchsten FuE-Ausgaben waren 2024 Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft, Wehrwissenschaftliche Forschung, Informations- und Kommunikationstechnologien, Luft- und Raumfahrt, Energieforschung und Energietechnologien sowie Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit. Knapp dahinter folgten die Förderbereiche Großgeräte der Grundlagenforschung sowie Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Im Zeitverlauf zeigen sich Verschiebungen zwischen den Förderbereichen. Während 2019 ebenfalls die höchsten FuE-Ausgaben des Bundes auf den Förderbereich Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft entfielen, folgten danach die Förderbereiche Luft- und Raumfahrt, Energieforschung und Energietechnologien sowie Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit (Abb. D-8). Einen dynamischen Anstieg verzeichnen seitdem die FuE-Ausgaben des Bundes in den Förderbereichen Wehrwissenschaftliche Forschung und Informations- und Kommunikationstechnologien, welche sich in ersterem Bereich um 141 % und in letzterem Bereich um 97 % erhöht haben.

Eine Betrachtung nach Empfängergruppen zeigt, dass 2024 knapp die Hälfte der FuE-Ausgaben des Bundes auf die großen Wissenschaftsorganisationen, die unter der Gruppenbezeichnung Organisationen ohne Erwerbszweck zusammengefasst werden, entfällt. Der überwiegende Anteil dieser Ausgaben fließt an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft (Fraunhofer), die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF), die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Diese Gruppe konnte in den vergangenen Jahren die größte absolute Steigerung der Mittelzuflüsse des Bundes verzeichnen. Weitere große Empfängergruppen der FuE-Ausgaben des Bundes sind mit 24 % Gebietskörperschaften – der Bund sowie Länder, Städte und Gemeinden – sowie Gesellschaften und Unternehmen der Wirtschaft (19 %). Die größten Empfänger in den Gebietskörperschaften sind die Hochschulen und Hochschulkliniken sowie Forschungseinrichtungen des Bundes. Als Einzelgruppe konnten vor allem die Hochschulen und ihre Kliniken in der Vergangenheit von starken Mittelaufwüchsen profitieren. Etwas mehr als ein Zehntel der Bundesmittel für FuE fließt ins Ausland, da FuE sich zunehmend international ausrichtet und in internationalen Kooperationen stattfindet. Der größte Teil dieser Mittel entfällt auf Beiträge an internationale wissenschaftliche Organisationen und an zwischenstaatliche Forschungseinrichtungen wie z. B. die Großforschungseinrichtung CERN, das weltweit größte Forschungszentrum im Bereich der Teilchenphysik.

Mit dem Forschungszulagengesetz (FZulG) führte die Bundesregierung ab dem Jahr 2020 eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung ein, die die bestehende Projektförderung ergänzt. Die Konditionen wurden im Jahr 2024 durch das Wachstumschancengesetz verbessert: Die Bemessungsgrundlage stieg von 4 Mio. Euro auf 10 Mio. Euro pro Jahr. Der Fördersatz wurde für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von 25 % auf 35 % angehoben. Zudem werden nicht nur Personal- und Auftragskosten gefördert, sondern auch Sachkosten. Im Zuge des 2025 beschlossenen steuerlichen Investitionssofortprogramms wird die Bemessungsgrundlage ab 2026 auf 12 Mio. Euro pro Jahr angehoben und außerdem ein pauschaler Abschlag von 20 % der förderfähigen Aufwendungen für Gemein- und Betriebskosten ermöglicht. Zusätzlich werden die förderfähigen Aufwendungen für Eigenleistungen eines Einzelunternehmers sowie für Tätigkeitsvergütungen eines Mitunternehmers von 70 Euro auf 100 Euro je Arbeitsstunde angehoben.

Bis Ende 2025 wurden bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage 46.418 Anträge eingereicht. Von insgesamt 50.521 Vorhaben wurden ca. 38.116 positiv beschieden.

1.1.2 FuE-Ausgaben in den Bundesländern

Im Jahr 2023 betrugen die staatlichen Ausgaben der Länder für FuE 16,8 Mrd. Euro (ohne Gemeinden). Wie die Bundesausgaben sind die Länderausgaben in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen (Abb. D-9). Den größten absoluten Beitrag zu den staatlichen FuE-Ausgaben der Länder leisteten 2023 die Länder Nordrhein-Westfalen (21,4 %), Bayern (17,0 %), Baden-Württemberg (14,3 %), Niedersachsen (7,5 %) und Hessen (6,5 %).

Die Länder führen eine Vielzahl landeseigener forschungs-, technologie- und innovationsorientierter Fördermaßnahmen durch. Dabei werden räumliche Strukturen und Besonderheiten berücksichtigt und spezifische Stärken der einzelnen Regionen hinsichtlich Technologie, Wirtschafts- und Innovationskompetenz aufgegriffen.

Dass das Forschungs- und Entwicklungsgeschehen in den Ländern vielfältig ist, zeigen auch die internen FuE-Ausgaben im Staats-, Wirtschafts- und Hochschulsektor der Bundesländer. Die Statistik gibt Aufschluss darüber, wie sich die gesamtdeutschen FuE-Ausgaben von 132,0 Mrd. Euro im Jahr 2023 auf die Länder verteilen und in welchem Umfang innerhalb der Länder in den drei Sektoren FuE-Aktivitäten durchgeführt werden. 2023 waren die Länder mit den höchsten absoluten FuE-Ausgaben Baden-Württemberg (36,1 Mrd. Euro), Bayern (26,4 Mrd. Euro) und Nordrhein-Westfalen (19,4 Mrd. Euro). In den fünf Ländern Baden-Württemberg (5,6 %), Rheinland-Pfalz (3,6 %), Bayern (3,4 %), Berlin (3,0 %) und Hessen (3,0 %) investierten Staat und Wirtschaft 2023 zusammen mindestens 3,0 % des BIP in FuE. Je nach Bundesland zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Sektoren. In 10 der 16 Bundesländer wird der größte Beitrag zu den FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor erbracht. In Bremen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern entfällt hingegen der größte Anteil auf den Staatssektor. Der Hochschulsektor trägt im Saarland, in Sachsen und Sachsen-Anhalt am meisten zu den FuE-Ausgaben bei. Tendenziell weisen die Länder, in denen die Wirtschaft einen hohen Beitrag zu den FuE-Aktivitäten leistet, auch die höchsten FuE-Quoten auf (Abb. D-10).

Aufgrund der föderalen Struktur und der darin verankerten Kulturhoheit der Länder kommt den Wissenschaftsausgaben bei den Ländern eine besondere Bedeutung für die regionalen Wissenschaftssysteme zu. Die gesamten Wissenschaftsausgaben summierten sich in Deutschland im Jahr 2023 auf 163,1 Mrd. Euro. Dies entsprach einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 3,9 %. Die Wissenschaftsausgaben sind in den letzten Jahren – genauso wie die Ausgaben für FuE – deutlich gestiegen. Mehr als die Hälfte der Wissenschaftsausgaben der öffentlichen Hand wird von den Ländern getätigt (Infobox: Wissenschaftsausgaben).

Wissenschaftsausgaben

Die Wissenschaftsausgaben umfassen Ausgaben für FuE, für wissenschaftliche Lehre und Ausbildung sowie für sonstige verwandte wissenschaftliche und technologische Tätigkeiten. Die Wissenschaftsausgaben werden vom Wirtschaftssektor (56 %) und aus Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden sowie aus Eigeneinnahmen von privaten Institutionen ohne Erwerbszweck (44 %) finanziert. Mehr als die Hälfte der Wissenschaftsausgaben der öffentlichen Hand wird durch die Länder aufgebracht. Im Jahr 2023 sahen die Länderhaushalte Ausgaben in Höhe von insgesamt 37,3 Mrd. Euro für die Wissenschaft vor, der Bund stellte 29,4 Mrd. Euro zur Verfügung. Zwischen den Jahren 2007 und 2023 stiegen die Wissenschaftsausgaben des Bundes stärker als die der Länder. Die Wissenschaftsausgaben der Länder kommen hauptsächlich den Hochschulen zugute – sowohl in Form von Grundmitteln für Forschung und Lehre als auch in Form von Drittmitteln aus dem Länderanteil an der Finanzierung der DFG und der Graduiertenförderung.

1.1.3 Gemeinsame Förderung von Bund und Ländern

Bund und Länder arbeiten bei der Förderung von Wissenschaft und Forschung insbesondere im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe des Art. 91b Abs. 1 GG eng zusammen. Das Volumen der gemeinsamen Förderung durch Bund und Länder auf der Grundlage von Art. 91b Abs. 1 GG betrug insgesamt 18,4 Mrd. Euro im Jahr 2025 (Soll). Diese Ausgaben wurden zu mehr als zwei Dritteln vom Bund und zu knapp einem Drittel von den Ländern getragen. Seit 2005 ist das jährliche Gesamtvolumen der gemeinsamen Förderung von Bund und Ländern um mehr als 13 Mrd. Euro gestiegen.[6]

Bei der Betrachtung nach Förderbereichen zeigt sich, dass die gemeinsame institutionelle Förderung der am Pakt für Forschung und Innovation (PFI) beteiligten Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen (DFG, Fraunhofer, HGF, Leibniz-Gemeinschaft, MPG) den größten Teil der gemeinsamen Förderung von Bund und Ländern ausmacht. 2025 (Soll) erhielten die Organisationen einschließlich der im PFI vereinbarten Zuwächse 12,2 Mrd. Euro von Bund und Ländern. Die gemeinsame Förderung der Hochschulen durch den Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken belief sich 2025 (Soll) auf rund 4,2 Mrd. Euro (Abb. D-11).

1.1.4 FuE an Hochschulen

Hochschulen nehmen eine tragende Rolle bei der Durchführung von FuE ein. Bund und Länder finanzieren einen Großteil der FuE, die an Universitäten und Fachhochschulen durchgeführt wird (2 Das deutsche Forschungs- und Innovationssystem).[7]

Die Gesamtausgaben der Hochschulen für Lehre und Forschung lagen im Jahr 2023 bei 49,1 Mrd. Euro. Sie werden überwiegend vom Staat finanziert. Für FuE verwendeten die Hochschulen 23,0 Mrd. Euro – das sind rund 47 % der Gesamtausgaben (Abb. D-12).

Die FuE-Ausgaben der Hochschulen werden, in Abgrenzung zu Ausgaben für die Lehre, mithilfe von sogenannten FuE-Koeffizienten auf Basis der Gesamtausgaben der Hochschulen ermittelt. Die Berechnung der FuE-Koeffizienten basiert auf dem Zeitaufwand für Forschungstätigkeiten, der im Rahmen einer freiwilligen Erhebung durch das Statistische Bundesamt ermittelt wurde.[8]

FuE an Hochschulen wird sowohl aus der Grundausstattung, die insbesondere von den Ländern bereitgestellt wird, als auch über Drittmittel finanziert. 2023 belief sich das Drittmittelaufkommen an Hochschulen auf 10,6 Mrd. Euro (Abb. D-13). Der Anteil von FuE an Hochschulen, der durch Drittmittel finanziert wird, stieg zwischen 2007 und 2023 von 44 % auf 46 %.

Die Verteilung der FuE-Ausgaben nach Wissenschaftsbereichen hat sich im Vergleich zum Jahr 2007 nicht wesentlich verändert. Beständig fließen die meisten Mittel in die Natur- und Ingenieurwissenschaften, auf die 2023 rund 10,8 Mrd. Euro bzw. 47 % der FuE-Ausgaben der Hochschulen entfielen.

Im Durchschnitt aller Hochschulen warb im Jahr 2023 jede Professorin bzw. jeder Professor Drittmittel in Höhe von 226.800 Euro ein (ohne Verwaltungsfachhochschulen). An den Universitäten betrugen die durchschnittlichen Drittmitteleinnahmen je Professorin bzw. Professor 332.200 Euro (ohne medizinische Einrichtungen / Gesundheitswissenschaften der Universitäten) und an Fachhochschulen 53.200 Euro (ohne Verwaltungsfachhochschulen). Die Fächergruppen mit den höchsten Drittmitteleinnahmen je Professorin bzw. Professor an den Universitäten waren im Jahr 2023 die Ingenieurwissenschaften (718.600 Euro), die Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (661.600 Euro), die Fächergruppe Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Veterinärmedizin (422.500 Euro) sowie die Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften (402.700 Euro).[9]

1.1.5 FuE in der Wirtschaft

In der Wirtschaft wurden 2023 rund 90,4 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Nach der jüngsten Stichprobenerhebung des Stifterverbands zu FuE der Wirtschaft summierten sich die internen FuE-Aufwendungen 2024 auf 92,5 Mrd. Euro.[10] Damit sind die internen FuE-Aufwendungen im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Mrd. Euro bzw. 2,3 % gestiegen und erzielten wieder einen Höchstwert. Interne FuE-Aufwendungen umfassen die Mittel für FuE-Aktivitäten, die von den Unternehmen selbst durchgeführt werden.

Auch die externen FuE-Aufwendungen haben sich weiter positiv entwickelt. Hierunter werden Forschungsaufträge an andere Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute im In- und Ausland subsumiert. Der Wert der Forschungsaufträge, die die Unternehmen 2024 an andere Forschungspartner vergaben, erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um rund 3,7 % auf 33,0 Mrd. Euro. 2023 lagen die externen FuE-Aufwendungen bei 31,8 Mrd. Euro. Die Zahlen verdeutlichen, dass die forschenden Unternehmen intensiv in FuE-Kooperationen eingebunden sind.

Erhebung von Daten zu Forschung und Entwicklung der Wirtschaft

Eine präzise Datenbasis im Bereich Forschung und Entwicklung ist eine wichtige Entscheidungs- und Planungsgrundlage für Unternehmen, Verbände, Politik und Wissenschaft.

Im Auftrag des BMFTR erhebt die Wissenschaftsstatistik gGmbH, eine Tochtergesellschaft des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft e. V., unter Beachtung der Anforderungen von Eurostat und OECD die Daten zu FuE des Wirtschaftssektors. Mit den Ergebnissen erfüllt Deutschland Berichtspflichten, insbesondere gegenüber der EU/Eurostat und dem Deutschen Bundestag.

Seit dem Berichtsjahr 2023 wird gemäß der sogenannten EU-Einheitenverordnung nicht mehr die kleinste rechtliche Einheit, sondern die kleinste Kombination rechtlicher Einheiten als Bezugsgröße für unternehmensbezogene Daten zu FuE herangezogen. Um die Datenlieferpflicht vollumfänglich erfüllen zu können, bräuchte der Stifterverband Zugriff auf das amtliche Unternehmensregister, was rechtlich aber nicht möglich ist. Deshalb verknüpft das Statistische Bundesamt die Daten des Stifterverbandes mit den rechtlichen Einheiten im Unternehmensregister, bezieht diese anschließend auf die statistischen Unternehmen und meldet die verknüpften Daten in aggregierter Form an Eurostat. Bei Auswertungen nach Wirtschaftszweigen, Größenklassen und Regionen ergeben sich gegenüber dem Berichtsjahr 2022 zum Teil deutliche Zeitreihenbrüche. Dies zeigt sich an den Abweichungen zwischen Daten, die der Stifterverband publiziert und die auch im Datenportal des BMFTR verwendet werden, und den Daten, die Eurostat veröffentlicht.[11]

Im Rahmen der FuE-Befragung befragt der Stifterverband in den ungeraden Berichtsjahren alle forschenden Unternehmen in Deutschland. Neben dieser Vollerhebung wird in den geraden Berichtsjahren eine Erhebung für eine Stichprobe durchgeführt. Der Stifterverband veröffentlicht mit den sogenannten FuE-facts jährlich Zahlen und Daten zur Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft. In den ungeraden Jahren publiziert er mit den FuE-Insights zudem ausführlichere Analysen.

Forschung und Entwicklung

FuE-Insights

FuE-Zahlenwerk

FuE-facts

Der überwiegende Teil der FuE-Aktivitäten wird von der Wirtschaft selbst finanziert. 2023 waren es 86,5 %. Darüber hinaus finanziert der Wirtschaftssektor einen Teil der FuE-Aktivitäten der Hochschulen bzw. der außeruniversitären Forschung (Infobox: Erhebung von Daten zu Forschung und Entwicklung der Wirtschaft).

Die internen FuE-Aufwendungen sind 2024 nicht in allen Unternehmensgrößenklassen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Während Großunternehmen mit 250 oder mehr Beschäftigten 2024 einen neuen Höchstwert erzielten, waren die FuE-Aufwendungen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) leicht rückläufig.[12] FuE im Wirtschaftssektor wird in Deutschland überwiegend von Großunternehmen finanziert und durchgeführt. Großunternehmen brachten 2024 89,1 % der gesamten internen FuE-Aufwendungen auf, auf KMU entfielen 10,9 % der gesamten internen FuE-Aufwendungen (Abb. D-14).

Im Wirtschaftssektor konzentriert sich die Durchführung von FuE traditionell auf die Industrie. Das Verarbeitende Gewerbe zeichnete 2024 für 72,9 Mrd. Euro bzw. für 79 % der internen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft in Deutschland verantwortlich. Der Fahrzeugbau, die Elektroindustrie, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie der Maschinenbau sind besonders forschungsintensiv. Rund drei Viertel der gesamten internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft entfallen auf diese Branchen (Abb. D-15).

Die vom Volumen her bedeutendsten Industriebranchen haben ihre Ausgaben für eigene FuE im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr größtenteils nur geringfügig gesteigert oder gar zurückgefahren. Den größten Anstieg verzeichnete die Kfz-Herstellung, die ihre FuE-Ausgaben um 3,3 % auf 31,3 Mrd. Euro erhöhte. Mehr als ein Drittel (33,9 %) der internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft entfiel 2024 auf die Automobilhersteller. Die Unternehmen der Elektrotechnik sind mit 9,9 Mrd. Euro die zweitstärkste forschende Industriebranche in Deutschland (±0 %), an dritter Stelle steht der Maschinenbau mit 7,7 Mrd. Euro (+1,6 %). Die pharmazeutische Industrie und die chemische Industrie reduzierten ihre internen FuE-Aufwendungen um 2,1 % auf 6,4 Mrd. Euro bzw. um 2,4 % auf 4,8 Mrd. Euro. Dagegen konnten die FuE-Ausgaben in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen um 4,9 % auf 9,0 Mrd. Euro und in der Informations- und Kommunikationstechnologie um 5,7 % auf 8,1 Mrd. Euro gesteigert werden. Die FuE-Ausgaben in den letztgenannten Branchen übertreffen inzwischen die der pharmazeutischen und chemischen Industrie sowie des Maschinenbaus. Unternehmensnahe Dienstleister mit der größten Bedeutung für FuE in der deutschen Wirtschaft sind Software-Entwickler, Ingenieurbüros sowie wissenschaftliche und technische Entwicklungslabore und Forschungseinrichtungen. Sie sind auch die Hauptempfänger der externen FuE-Aufwendungen der Industrie.

Ein Großteil der FuE im Wirtschaftssektor wird von forschungsintensiven Industriebranchen durchgeführt (85 %). Die forschungsintensive Industrie wird weiter in die Spitzentechnologie und die hochwertige Technik unterschieden. Mehr als ein Viertel der FuE-Ausgaben der Wirtschaft entfiel 2024 auf Spitzentechnologien (26 %) und rund drei Fünftel auf die hochwertige Technik (60 %). Der Anteil der Spitzentechnologien Deutschlands ist im Vergleich zu anderen Innovationsnationen gering, da die Automobilindustrie der hochwertigen Technik zugeordnet ist. Vor allem Branchen der hochwertigen Technik haben ihre internen FuE-Aufwendungen stark erhöht. 2024 stiegen ihre internen FuE-Aufwendungen im Vergleich zum Vorjahr um 3,0 % (Infobox: Abgrenzung forschungsintensiver Industrien und Güter).

Abgrenzung forschungsintensiver Industrien und Güter

Die forschungsintensive Industrie untergliedert sich in Spitzentechnologie und hochwertige Technik. Die Abgrenzung erfolgt über den Anteil der internen FuE-Ausgaben am Umsatz. Dabei gelten folgende Grenzen:

  • Spitzentechnologie umfasst Güter mit einem Anteil interner FuE-Ausgaben am Umsatz von mehr als 7 %.
  • Die hochwertige Technik umfasst Güter mit einem Anteil der internen FuE-Ausgaben am Umsatz zwischen 2,5 % und 7 %.

Gemeinsam werden Spitzentechnologie und hochwertige Technik auch als Hochtechnologie bezeichnet. Eine Zuordnung von Wirtschaftszweigen zur Spitzentechnologie und zur hochwertigen Technik kann der sogenannten Hochtechnologieliste entnommen werden. Diese wurde 2022 in aktualisierter Form von Fraunhofer ISI, ZEW und Stifterverband im Auftrag der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) vorgelegt. Die neue Liste deckt erstmals auch den Dienstleistungssektor ab.*

Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes sind die Pharmaindustrie, die EDV, die Nachrichtentechnik, die Medizin- und Messtechnik sowie die Luft- und Raumfahrt der Spitzentechnologie zugeordnet. Die Chemie, der Maschinenbau, Elektrogeräte, der Kraftfahrzeugbau und der sonstige Fahrzeugbau gehören zur hochwertigen Technik. Im Dienstleistungssektor wird beispielsweise FuE im Bereich Biotechnologie der Spitzentechnologie zugeordnet, zur hochwertigen Technik gehören beispielsweise das Verlegen von Software und Programmierungstätigkeiten.

* Neuhäusler, P.; Rammer, C.; Frietsch, R. et al. (2022): Neue Liste FuE-intensiver Güter und Wirtschaftszweige sowie wissensintensiver Wirtschaftszweige 2021. Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 13-2022. Berlin: EFI.

Von allen staatlichen Mitteln zur Finanzierung von FuE in der Wirtschaft entfielen 2023 etwa 46 % auf Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten.[13] Diese Gruppe finanzierte etwa 21 % ihrer internen FuE-Ausgaben aus staatlichen Fördermitteln. Bei großen Unternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten machte die staatliche Förderung nur 3,2 % der internen FuE-Ausgaben aus. Die staatliche FuE-Förderung in Deutschland kommt demnach überproportional KMU zugute.

Nicht nur bei den gesamten FuE-Ausgaben ist Deutschland in Europa führend, dies gilt auch bei der Betrachtung von Einzelunternehmen. Nach Angaben des EU Industrial R&D Investment Scoreboards hatten 2024 allein acht der zehn Unternehmen in der EU mit den größten FuE-Budgets ihren Unternehmenssitz in Deutschland.[14] Dies sind Großunternehmen der Automobil-, Elektro- und Pharmaindustrie sowie der Software-Branche (Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, Robert Bosch, Bayer, Siemens, Boehringer Sohn und SAP). Im EU-Vergleich nehmen deutsche Unternehmen 2024 die ersten vier Plätze ein.

Das EU Industrial R&D Investment Scoreboard verdeutlicht den weltweit zunehmenden Innovationswettbewerb zwischen Unternehmen aus Europa und Nordamerika sowie mit Wettbewerbern aus aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften. Von den zehn Unternehmen mit den weltweit größten FuE-Budgets kommen sieben Unternehmen aus den USA (Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft, Apple, Johnson & Johnson und Intel), zwei aus Asien (Huawei und Samsung) und eins aus Europa (Volkswagen). Die im Scoreboard führenden Unternehmen Amazon, Alphabet und Meta verfügten 2024 zusammen über ein jährliches FuE-Budget von rund 153 Mrd. Euro. Diese Summe übersteigt die gesamten FuE-Ausgaben Deutschlands (135,6 Mrd. Euro) deutlich. Die einzelnen FuE-Budgets der führenden Unternehmen liegen, teilweise beträchtlich, über dem Niveau der FuE-Ausgaben von europäischen Innovationsnationen wie Schweden oder den Niederlanden.

Während in Europa Unternehmen aus den Branchen Automobil und Pharma dominieren, kommen die weltweit führenden Unternehmen mit den größten FuE-Budgets aus neuen Technologiefeldern wie Technologie-Hardware und -ausrüstung und Software- und Computerdienste. Hier zeigt sich der Aufstieg der asiatischen Technologiekonzerne und der nordamerikanischen Digitalunternehmen (Abb. D-16).

1.2 FuE-Personal

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der in Forschung und Entwicklung beschäftigten Personen in Wirtschaft und Wissenschaft stark angestiegen. Die Mehrheit dieser FuE-Beschäftigten arbeitete in FuE-Einrichtungen der Wirtschaft. Der Anteil von Absolventinnen und Absolventen von Hochschulstudiengängen an der gleichaltrigen Bevölkerung und die Anzahl der abgeschlossenen Promotionen sind im vergangenen Jahrzehnt dagegen nahezu konstant geblieben.

In Deutschland waren im Jahr 2023 mehr als 824.000 Personen in FuE beschäftigt (in Vollzeitäquivalenten – VZÄ), darunter rund 500.000 Forscherinnen und Forscher (VZÄ), die damit 61 % des gesamten FuE-Personals (Abb. D-17) umfassen. Von 2013 bis 2023 hat sich die Beschäftigung in FuE insgesamt um rund 236.000 VZÄ erhöht (+40 %). Nach vorläufigen Berechnungen ist ein weiteres Wachstum auf 840.100 VZÄ im Jahr 2024 zu konstatieren.

Zum FuE-Personal gehören neben Forscherinnen und Forschern in der Wirtschaft, in Hochschulen und öffentlichen und öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen auch Personen, die technische oder sonstige Unterstützungsaufgaben für die eigentliche Forschung wahrnehmen. Der Anteil der Forscherinnen und Forscher wird in der Regel anhand der Formalqualifikation (Hochschulabschluss) ermittelt.

Beim Indikator FuE-Personal spielen – im Gegensatz zu den FuE-Ausgaben – Inflationseffekte im Zeitverlauf und Kaufkraftunterschiede bei international vergleichenden Betrachtungen keine Rolle. Das FuE-Personal wird in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) angegeben, um Verzerrungen durch Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse zu vermeiden. Berücksichtigt wird zudem, dass insbesondere an Hochschulen einzelne Personen sowohl in der Forschung als auch in der Lehre tätig sind. Der Forschungsanteil dieser Personengruppe wird mithilfe von FuE-Koeffizienten ermittelt. Zur statistischen Geheimhaltung setzt das Statistische Bundesamt seit dem Berichtsjahr 2023 im Staatssektor die sogenannte Cell-Key-Methode ein. Somit werden Rückschlüsse auf Einzelangaben von Personen und Einrichtungen verhindert.[15]

Das gesamte weltweite FuE-Personal (wissenschaftliches Personal, technisches Fachpersonal, sonstiges Personal) ist aufgrund unvollständiger statistischer Daten nur schwer zu schätzen. Ein internationaler Vergleich ist daher mit Unschärfen behaftet. So weisen die USA keine Werte für das gesamte FuE-Personal aus, sondern nur die Zahl der Forscherinnen und Forscher. Außerhalb der OECD-Staaten treten teilweise methodische Probleme hinsichtlich der einheitlichen Erfassung des FuE-Personals auf.

Die dynamische Entwicklung der wissensintensiven Beschäftigung in Deutschland und weltweit lässt sich anhand der sogenannten FuE-Personalintensität verdeutlichen. Die FuE-Personalintensität misst das FuE-Personal in VZÄ pro 1.000 Erwerbstätige. Berechnungen der OECD zeigen, dass Deutschland seit Beginn der letzten Dekade einen deutlichen Anstieg der FuE-Personalintensität verzeichnen konnte. 2024 waren in Deutschland pro 1.000 Erwerbstätige mehr als 18 VZÄ in FuE beschäftigt. Damit liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt und vor China und Japan, jedoch hinter einem Großteil der forschungsstarken europäischen Vergleichsländer. Bereits seit 2010 verfügt Südkorea über mehr FuE-Personal pro 1.000 Erwerbstätige als Deutschland. China konnte seine FuE-Personalintensität im vergangenen Jahrzehnt merklich ausbauen (Abb. D-18).

Zwischen den Ausgaben für FuE und der Zahl der Forschenden besteht ein enger Zusammenhang. Länder, die über eine hohe FuE-Quote verfügen, zeigen ebenfalls einen hohen Anteil von Forschenden unter den Erwerbstätigen. Südkorea sticht bei beiden Kennzahlen hervor. Die USA liegen bei dem Anteil der Forschenden auf einem ähnlichen Niveau wie Deutschland und bei der FuE-Quote über dem deutschen Wert. China konnte seine FuE-Quote stark ausbauen; sie liegt mittlerweile über dem Wert vieler europäischer Länder. Der Anteil der Forschenden an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen ist in China jedoch relativ gering. Wissensintensive Volkswirtschaften wie die skandinavischen Staaten verfügen demgegenüber über einen besonders hohen Anteil an Forscherinnen und Forschern (Abb. D-19).

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht halbjährlich Statistiken zu zentralen FuE-Kennzahlen, u. a. auch zum FuE-Personal.

1.2.1 FuE-Personal nach Sektoren

Deutschland verzeichnet im langjährigen Trend deutliche Zuwächse bei der Anzahl des eingesetzten FuE-Personals in der privaten Wirtschaft, in den Hochschulen, in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in den Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben. Insgesamt waren 2023 mehr als 824.000 Personen (VZÄ) in FuE beschäftigt.

Im Wirtschaftssektor waren 2023 mit rund 66 % des deutschlandweiten FuE-Personals die meisten Personen in FuE beschäftigt. Gut 19 % des gesamten FuE-Personals in Deutschland arbeiteten in den Hochschulen und beinahe 15 % in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den Ressortforschungseinrichtungen. Die prozentualen Anteile der drei Sektoren Wirtschaft, Staat und Hochschule am gesamten FuE-Personal sind im Zeitverlauf zwischen 2013 und 2023 relativ konstant geblieben (Abb. D-20). Der Anteil des FuE-Personals in der Wirtschaft ist dabei leicht gestiegen, während die Anteile in den Sektoren Staat und Hochschule gefallen sind.

Die Zahl des weiblichen FuE-Personals ist in den zehn Jahren zwischen 2013 und 2023 um rund 65.000 VZÄ bzw. um beinahe 40 % angestiegen. Im Jahr 2023 waren rund 228.000 Frauen (VZÄ) in Deutschland im Bereich FuE beschäftigt. Der Anteil von Frauen am gesamten FuE-Personal betrug 2023 rund 28 % und ist damit gegenüber dem Jahr 2013 unverändert. Deutliche Unterschiede bestehen zwischen den Sektoren. So lag 2023 der Frauenanteil am gesamten FuE-Personal in den Hochschulen bei knapp 46 % und im Staatssektor bei knapp 42 %, im Wirtschaftssektor aber bei nur rund 19 %. Innerhalb der einzelnen Sektoren bleibt der Anteil der Frauen im Zeitverlauf nahezu konstant. Bei den Forschenden lag der Frauenanteil über alle Sektoren hinweg 2023 lediglich bei rund 24 %.

Auch im internationalen Vergleich sind Frauen unterdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung vertreten. Nach Daten von Eurostat lag der Anteil der Forscherinnen an allen Forschungs-VZÄ in den EU-27-Ländern 2023 bei 34 %. Während in einzelnen EU-Staaten (u. a. Lettland und Kroatien) ein ausgewogenes Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Forschenden besteht, weisen u. a. Deutschland (30 %), Österreich (32 %) und Tschechien (28 %) unterdurchschnittliche Anteile an Forscherinnen auf.

Der Wirtschaftssektor beschäftigte 2023 mit rund 543.000 Personen (VZÄ) den überwiegenden Teil des in Deutschland tätigen FuE-Personals. Die Anzahl des FuE-Personals im Wirtschaftssektor hat sich seit 2013 um 51 % erhöht. Im Wirtschaftssektor waren 2023 knapp 313.000 Forscherinnen und Forscher beschäftigt (VZÄ). Die Zahl der Forscherinnen und Forscher hat in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich zum FuE-Personal im Wirtschaftssektor überproportional (+57 %) zugenommen.

Nach der jüngsten Stichprobenerhebung des Stifterverbands stieg die Anzahl des FuE-Personals im Wirtschaftssektor 2024 auf 554.100 VZÄ. Der Großteil der FuE-Beschäftigten im Wirtschaftssektor war 2024 in Großunternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten tätig (82 %). In KMU mit weniger als 250 Beschäftigten waren 18 % des gesamten FuE-Personals beschäftigt. Ein überwiegender Teil des FuE-Personals im Wirtschaftssektor arbeitete 2024 in der forschungsintensiven Industrie (82 %). Im Verarbeitenden Gewerbe entfielen die meisten FuE-Beschäftigten auf den Kraftfahrzeugbau (rund 158.000 VZÄ), die Elektroindustrie (rund 94.000 VZÄ), den Maschinenbau (rund 56.000 VZÄ), Chemie (rund 24.000 VZÄ) und Pharma (rund 23.000 VZÄ). Der IKT-Sektor zählte 2024 rund 53.000 VZÄ, die in FuE beschäftigt waren.

Im Staatssektor waren 2023 knapp 123.000 Personen in FuE tätig – davon knapp 66.000 Forscherinnen und Forscher (VZÄ). Der Staatssektor umfasst insbesondere die von Bund und Ländern finanzierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen (z. B. Fraunhofer, HGF, Leibniz-Gemeinschaft, MPG), die Bundes-, Landes- und kommunalen Forschungseinrichtungen sowie sonstige öffentlich geförderte Organisationen. Das FuE-Personal verteilte sich 2023 folgendermaßen auf die Wissenschaftszweige: Naturwissenschaften (44 %), Ingenieurwissenschaften (29 %), Geistes- und Sozialwissenschaften (15 %), Medizin (7 %) und Agrarwissenschaften (5 %). Nach vorläufigen Zahlen stieg die Zahl des FuE-Personals im Staatssektor 2024 auf 125.200 VZÄ.

Im Hochschulsektor ist die Zahl der in FuE Beschäftigten 2023 auf beinahe 158.000 VZÄ gestiegen. Darunter sind knapp 122.000 Forscherinnen und Forscher (VZÄ). Das FuE-Personal verteilte sich wie folgt auf die Wissenschaftszweige: Ingenieurwissenschaften (27 %), Geistes- und Sozialwissenschaften (26 %), Medizin (23 %), Naturwissenschaften (21 %) und Agrarwissenschaften (3 %). Nach vorläufigen Zahlen ist die Anzahl des FuE-Personals im Hochschulsektor 2024 weiter auf 160.800 VZÄ gestiegen.

Bei den verschiedenen Status- und Abschlussgruppen im Hochschulbereich zeigen sich in Bezug auf die Anteile von Frauen und Männern je nach Gruppe teils große Unterschiede. Der Frauenanteil überwiegt in den frühen Phasen der Wissenschaftskarriere leicht. 2024 lag er beim Studieneintritt bei 52,3 %. Unter den Absolventinnen und Absolventen (ohne Promotion) lag der Frauenanteil mit 53,5 % noch etwas höher. Ab dem Stadium der Promotion kehrt sich das Verhältnis hingegen um. Bei den Promotionen lag der Männeranteil 2024 bei 53,8 % und auch in der Gruppe des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals fanden sich mehr Männer (54,1 %) als Frauen (45,9 %). Unter den Habilitationen lag der Frauenanteil 2024 nur noch bei 36,3 %. Professuren und hauptberufliche Gastprofessuren wurden 2024 zu 29,7 % von Frauen und zu 70,3 % von Männern bekleidet. Die Schere bei der Geschlechterverteilung hat sich in den letzten zehn Jahren verkleinert. 2014 hatte der Professorinnenanteil noch bei 22,0 % gelegen (Abb. D-21).

Das beschriebene Phänomen des absinkenden Frauenanteils auf den verschiedenen Qualifizierungsebenen und Karrierestufen trotz zunehmend höherer Bildungsabschlüsse von Frauen wird als Leaky Pipeline bezeichnet.

1.2.2 Hochschulabschlüsse und Promotionen

Beruflich und akademisch gut qualifizierte Beschäftigte sind für die Innovationsfähigkeit von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen unverzichtbar. Als akademisch Qualifizierte oder beruflich Höherqualifizierte gelten Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen, Absolventinnen und Absolventen von Fachschulen und Berufsakademien, Absolventinnen und Absolventen einer Meisterausbildung sowie Personen mit einem beruflichen Abschluss im postsekundären, nicht-tertiären Bildungsbereich, wozu z. B. Gesundheits-, Sozial- und Pflegeberufe zählen.

Hochschulabsolventinnen und -absolventen sind ein zentrales Fundament für FuE. Ihre Zahl hatte sich von knapp 198.000 im Jahr 2005 auf mehr als 317.000 im Jahr 2015 erhöht. Seitdem bleibt sie stabil auf hohem Niveau. Der bisherige Höchstwert wurde 2021 mit 317.469 Absolventinnen und Absolventen erreicht. 2024 lag die Anzahl der Erstabsolventinnen und Erstabsolventen bei knapp 304.000. Die Zahl der Hochschulabsolventinnen und -absolventen bezieht sich allein auf Erstabschlüsse (z. B. Bachelorabschluss, Diplom). Sie ist daher nicht identisch mit der Anzahl der bestandenen Abschlussprüfungen an Hochschulen. Die Erstabsolventenquote, welche den Anteil der Erstabsolventinnen und Erstabsolventen an der altersspezifischen Bevölkerung ausdrückt, lag im Jahr 2024 bei 32 % (Abb. D-22).

In den für FuE besonders relevanten Fächergruppen verteilen sich die Erstabsolventinnen und Erstabsolventen an Hochschulen 2024 schwerpunktmäßig auf Ingenieurwissenschaften (24 %), Mathematik, Naturwissenschaften (8 %) und Humanmedizin (7 %). Zwischen 2019 und 2024 sind die größten absoluten Zuwächse in Informatik zu verzeichnen, mit deutlichem Abstand gefolgt von Geographie. Dagegen weisen die Ingenieurwissenschaften, insbesondere im Bereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik, in diesem Zeitraum die größten absoluten Rückgänge der Erstabsolventinnen und Erstabsolventen auf.

Am Standort Deutschland ist die Sicherung des Nachwuchses in den MINT-Fächern für den technologischen Fortschritt und die Erschließung von Zukunftsmärkten von besonderer Relevanz. Die Zahl der Erstabsolventinnen und Erstabsolventen in den MINT-Fächern lag 2024 bei 99.962. Dies entspricht gemessen an allen Hochschulerstabschlüssen in Deutschland einem Anteil von 33 %.

Promotionen haben für den Forschungsstandort Deutschland eine hohe Bedeutung. Die Zahl der abgeschlossenen Promotionen lag im Prüfungsjahr 2024 bei 28.171 und damit deutlich über den Werten der Jahre 2023 (26.570) und 2022 (27.692). Wie schon in den beiden Vorjahren waren 2024 insgesamt 46 % der erfolgreich Promovierenden Frauen (Abb. D-23).

Die abgeschlossenen Promotionen verteilten sich 2024 auf Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (30 %), Mathematik, Naturwissenschaften (29 %), Ingenieurwissenschaften (17 %), Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (14 %) und Geisteswissenschaften (6 %).

Insgesamt lassen sich rund 46 % aller Promotionen im Jahr 2024 den MINT-Fächern zuordnen. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in bestimmten naturwissenschaftlichen Disziplinen der Berufseintritt typischerweise über die Promotion erfolgt. Im Jahr 2024 wurden rund 12.924 Promotionen in den MINT-Fächern abgeschlossen, im Vergleich zu 2014 stieg damit die Anzahl der pro Jahr in den MINT-Fächern abgeschlossenen Promotionen um 216 Promotionen bzw. um 2 %. Der Frauenanteil an den erfolgreich Promovierenden in MINT-Fächern lag 2024 bei etwas über einem Drittel (35 %).

1.2.3 Internationale Mobilität

Die internationale Mobilität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stärkt die Offenheit, Diversität und Innovationsfähigkeit des Wissenschafts- und Forschungsstandorts Deutschland. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) legen jährlich einen umfassenden Bericht mit Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland vor.[16]

Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen und lehren an deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowohl dauerhaft als auch temporär. Die Zahl des internationalen Wissenschaftspersonals an deutschen Hochschulen stieg zwischen 2013 und 2023 um rund 70 % an. Im Jahr 2023 waren an deutschen Hochschulen rund 65.500 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angestellt, darunter rund 4.100 Professorinnen und Professoren. An Universitäten lassen sich überdurchschnittlich hohe Anteile internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Mathematik und den Naturwissenschaften (25 %) sowie den Ingenieurwissenschaften (23 %) feststellen. Knapp ein Drittel (29 %) der internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommt aus Westeuropa, gefolgt von der Region Asien und Pazifik (22 %) sowie Mittel- und Südosteuropa (15 %). Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen mittlerweile 15,4 % des gesamten Wissenschaftspersonals in Deutschland.

An den vier größten gemeinsam von Bund und Ländern geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtungen waren im Jahr 2023 rund 17.500 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigt. Das entspricht rund 31 % des Wissenschaftspersonals dieser Einrichtungen. Etwa ein Drittel (34 %) stammt aus Europa und rund zwei Drittel (67 %) sind der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften zuzurechnen.

In- und ausländische Förderorganisationen unterstützten 2023 den temporären Aufenthalt von rund 29.900 internationalen Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern in Deutschland. Fast die Hälfte (45 %) aller Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler war in der Mathematik und den Naturwissenschaften tätig. Sie kamen hauptsächlich aus den Regionen Asien und Pazifik (23 %) sowie Westeuropa (22 %), wobei Indien, China, Italien und die USA die wichtigsten Herkunftsländer sind.

Auch deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in anderen Ländern angestellt. Da nur wenige Länder Anzahl, Herkunft und Status der an ihren Hochschulen arbeitenden internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfassen, ist die Zahl deutscher Forschender im Ausland nicht vollständig abbildbar. Daten liegen derzeit für die Schweiz, Österreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich vor. Etwa 9.400 deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren 2023 an Hochschulen in der Schweiz tätig, davon knapp 1.300 deutsche Professorinnen und Professoren. In Österreich waren rund 6.600 und im Vereinigten Königreich rund 5.100 deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigt. Rund 14.000 deutsche Promovierende sind nach den verfügbaren Zahlen im Ausland tätig.

Darüber hinaus absolvieren viele deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen temporären Forschungs- und Lehraufenthalt im Ausland. Etwa 9.800 deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschten 2023 mit Unterstützung von Förderorganisationen an ausländischen Einrichtungen. Dies stellt ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr dar, bleibt jedoch weiterhin unter dem Niveau der Zeit vor der COVID-19-Pandemie. Die beliebtesten Gastregionen für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren dabei Westeuropa und Nordamerika. Die USA führen die Liste der wichtigsten Gastländer mit großem Abstand an. Es folgen das Vereinigte Königreich, Japan, die Schweiz, Frankreich und Italien. Die hohe internationale Mobilität verleiht Lehre und Forschung in Deutschland neue Impulse und trägt zur internationalen Anschlussfähigkeit des deutschen Wissenschafts- und Forschungssystems bei (Abb. D-24).

  1. Hier und im Folgenden werden Nominalwerte dargestellt, d. h., monetäre Angaben sind nicht preisbereinigt, sondern geben die im Referenzjahr jeweils gültigen Preise wieder.

  2. Der Bundesbericht Forschung und Innovation 2026 (BuFI) berichtet über endgültige Zahlen zu den FuE-Ausgaben und zum FuE-Personal in Deutschland. Diese sind für das Referenzjahr 2023 vollständig verfügbar. Teilweise liegen Zahlen für 2024 auf Basis vorläufiger Berechnungen vor. Auf die Vorläufigkeit dieser Zahlen wird gesondert im Text und in den Abbildungen hingewiesen. Die statistischen Kennzahlen und Zeitreihen sind im Datenportal des BMFTR verfügbar. Nach Veröffentlichung des BuFI 2026 können sich die Datenstände im Datenportal gegenüber dem hier zugrunde liegenden Stand verändern. Weitere Datenquellen sind in den Fußnoten ausgewiesen.

  3. OECD (2018): Frascati-Handbuch 2015. Leitlinien für die Erhebung und Meldung von Daten über Forschung und experimentelle Entwicklung.

  4. Die Ressortzuschnitte entsprechen der organisatorischen Aufteilung der Bundesregierung der 20. Legislaturperiode. Um eine Vergleichbarkeit der einzelnen Jahre zu gewährleisten, wurden die Ausgaben bei der Änderung von Ressortzuschnitten entsprechend der organisatorischen Aufteilung der 20. Legislaturperiode rückwirkend angepasst bzw. umgesetzt. Nach dem Erscheinen des BuFI 2026 werden die Ressortzuschnitte im Datenportal des BMFTR an die organisatorische Aufteilung der Bundesregierung der 21. Legislaturperiode angepasst, wodurch hier dargestellte Zahlen von denen im Datenportal abweichen können.

  5. GWK (2022): Gemeinsame Förderung von Wissenschaft und Forschung durch Bund und Länder. Finanzströme im Jahr 2019.

  6. Nachfolgend wird insbesondere über die Durchführung von FuE berichtet.

  7. Statistisches Bundesamt (2018): Forschung und Entwicklung an Hochschulen: Überprüfung der FuE-Koeffizienten 2017.

  8. Statistisches Bundesamt (2025): Statistischer Bericht „Monetäre hochschulstatistische Kennzahlen“.

  9. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (2026): Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 2024.

  10. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (2025): Insights 2025. Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 2023.

  11. Die Unterscheidung zwischen KMU und Großunternehmen erfolgt in diesem Dokument lediglich über die Beschäftigtengrößenklassen. Der Jahresumsatz der Unternehmen wird nicht berücksichtigt.

  12. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (2025): Zahlenwerk 2025. Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 2023.

  13. Das EU Industrial R&D Investment Scoreboard beinhaltet Daten und Analysen zu den FuE-Investitionen der führenden Unternehmen in der EU (800 Unternehmen) und der Welt (2.000 Unternehmen). Es basiert auf Angaben, die den Jahresberichten der Unternehmen entnommen wurden. Die FuE-Investitionen von Amazon wurden anhand der FuE-Intensität im Technologiefeld Software- und Computerdienste geschätzt, da Amazon im Jahresbericht nicht explizit FuE-Investitionen ausweist. European Commission (2025): EU Industrial R&D Investment Scoreboard.

  14. Dadurch entspricht die Summe der ausgewiesenen Einzelwerte nicht notwendigerweise den ausgewiesenen Summen. Statistisches Bundesamt (2025): Geheimhaltungsverfahren in der Personalstatistik der außeruniversitären, öffentlichen und öffentlich geförderten Einrichtungen für Forschung und Entwicklung (FuE).

  15. DAAD und DZHW (2025): Wissenschaft weltoffen 2025. Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland und weltweit.

Nach oben