Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern

Schwellen- und Entwicklungsländer sind strategische Partner der deutschen Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik zur Gestaltung der globalen Wissensgesellschaft. Die internationale Zusammenarbeit mit diesen Ländern unterstützt den Aufbau institutioneller und personeller Kapazitäten, eröffnet Zugänge zu globalen Wissensströmen und baut Partnerschaften zum gegenseitigen Nutzen auf.

Deutschland ist ein engagierter Partner in allen Weltregionen, der aufgrund seiner technologischen Kapazität, seines Eintretens für eine multipolare Weltordnung und gemeinsame globale Verantwortung sowie seiner starken, kooperationsorientierten wirtschaftlichen und politischen Präsenz in den Partnerländern hohes Ansehen und Vertrauen genießt. In ihrer Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung von 2017 bekräftigt die Bundesregierung den hohen Stellenwert ihrer Kooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern und zeichnet Linien künftiger Handlungsfelder. Diese zielen darauf ab, eine bessere Abstimmung zwischen den Kooperationsaktivitäten der Bundesressorts zu ermöglichen und Synergiepotenziale noch besser zu nutzen. Die Kooperationen der deutschen Forschungs- und Innovationsakteure sollen zudem verstärkt strukturbildend ausgerichtet werden, um die Entwicklung von Wissensgesellschaften in den Partnerländern noch wirksamer zu unterstützen. Die Zusammenarbeit in Forschung und Innovation geht dabei Hand in Hand mit Bildungspartnerschaften vor allem in den Bereichen Hochschule und Berufsbildung. Immer häufiger werden überdies Angebote zur Systemberatung in Forschung und Innovation sowie in der Bildung angefragt.

Schwerpunkte der Aktivitäten der Bundesregierung im Berichtszeitraum waren überregionale Initiativen wie CLIENT II, eine verstärkte Forschungs- und Bildungspartnerschaft mit Afrika sowie die deutsche Beteiligung an der euro-mediterranen Forschungsinitiative PRIMA und u. a. das vom BMG geförderte Global Health Protection Programme (GHPP). Auf bilateraler Ebene standen die Unterstützung des ukrainischen Innovationssystems, die Wiederaufnahme der Wissenschaftskooperation mit dem Iran sowie vielfältige Kooperationen mit lateinamerikanischen Ländern in der Umweltforschung im Vordergrund.

Angesichts steigender Anforderungen an die Qualifikation von Arbeitnehmern und Fachkräften infolge wirtschaftlicher und technologischer Fortschritte liegt ein besonderes Interesse der Schwellen- und Entwicklungsländer in der Hochschulzusammenarbeit auf Entwicklung und Ausbau anwendungs- und praxisorientierter Studienformen. Diesem Bedarf kommt das Modell der deutschen Fachhochschulen in besonderer Weise entgegen. In der Förderung von transnationalen Studienangeboten durch die Bundesregierung sind Fachhochschulen überdurchschnittlich stark mit Kooperationsprojekten vertreten (siehe auch IV 3.4 Deutsche Sichtbarkeit im Ausland).

Überregionale Initiativen mit Schwellen- und Entwicklungsländern

Um Forschungsergebnisse vor Ort in Wert zu setzen, treten in der Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern verstärkt Fördermaßnahmen zum Wissenstransfer und zur gesellschaftlichen Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Vordergrund. Das gilt nicht zuletzt mit Blick auf globale Flucht- und Migrationsbewegungen. Bildungs- und Forschungskooperationen können bei Flucht und Zwangsmigration nur auf lange Sicht gegensteuern. Umso mehr richten sie jedoch ihre Ziele darauf aus, Problemlösungen in den Herkunftsländern zu ermöglichen, wirtschaftliche Dynamik und Beschäftigung zu stimulieren und somit Bleibeperspektiven insbesondere für junge Menschen zu schaffen. Das schließt weiterhin ein, gesteuerte und zirkuläre Bewegungen von Wissen und Personen als selbstverständlichen Teil von Bildungs- und Forschungsbiografien aktiv zu gestalten. Auch zur Stabilisierung von Transit- oder Zielländern an Flucht- und Migrationsrouten trägt die internationale Zusammenarbeit mit vielfältigen Maßnahmen bei.

Mit überregionalen Initiativen fördert die Bundesregierung im Rahmen ihrer außen-, wissenschafts- und entwicklungspolitischen Instrumentarien eine Reihe modularer Kooperationsansätze, die an die jeweiligen nationalen und regionalen Bedarfe angepasst werden können. Hierzu gehören z. B. Kooperationen mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in den jeweiligen Zielländern, Aktivitäten zum Transfer und zur Skalierung von Wissen und Technologien sowie die Zusammenarbeit mit Clusterstrukturen in geeigneten Schwellen- und Entwicklungsländern.

In seinem Rahmenprogramm Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA3) fördert das BMBF mit der Maßnahme CLIENT II von 2017 bis 2023 Partnerschaften mit Schwellen- und Entwicklungsländern im Klima-, Umwelt- und Energiebereich. Auch hier werden Themen und Instrumente der Förderung auf innovative und nachhaltige Lösungen entsprechend dem konkreten Bedarf im jeweiligen Partnerland ausgerichtet (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima und Energie). CLIENT II unterstützt zugleich deutsche Unternehmen dabei, ihr international nachgefragtes technologisches Know-how für die Bewältigung globaler Herausforderungen auf internationalen Märkten produktiv zu machen. Gegenüber der auf die BRICS-Staaten und Vietnam fokussierten ersten Förderrunde (2010–2013) wurden die Liste der Zielländer erweitert und themenspezifische Schwerpunktländer bzw. -regionen festgelegt. Hinzugekommen sind die Partnerländer der BMBF-geförderten Klimaforschungszentren WASCAL und SASSCAL im westlichen und südlichen Afrika sowie Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens, Zentralasiens und der Andenregion.

Aufgrund der zentralen Bedeutung der Agrarforschung für die Ernährungssicherung in Schwellen- und Entwicklungsländern unterstützt das BMZ das internationale Agrarforschungsnetzwerk CGIAR (Consultative Group on International Agriculture Research), das derzeit 15 Forschungszentren auf vier Kontinenten umfasst, seit dessen Gründung 1971 mit verlässlichen Beiträgen.

Gesellschaftliche Transformationsprozesse bedürfen auch in Schwellen- und Entwicklungsländern der kritischen sozialwissenschaftlichen Reflexion. Zugleich besteht das Interesse, die deutschen Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften durch enge bi- und multilaterale Kooperationsprojekte im Ausland weiter zu profilieren und zu internationalisieren. Dem trägt das BMBF durch die Einrichtung weiterer „Maria Sibylla Merian International Centres for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences“ Rechnung. Auf Indien 2015 folgten inzwischen Zentren in São Paulo (Brasilien), Guadalajara (Mexiko) mit weiteren Regionalzentren in Lateinamerika sowie die Entscheidung für ein Zentrum in Accra (Ghana).

Das BMZ finanziert über den DAAD eine Vielzahl von Partnerschaftsprogrammen in der Hochschulkooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern. Dazu gehört neben sektorspezifischen Förderlinien und Programmen zum Kapazitätsaufbau auch die Förderung bilateraler Partnerschaften zwischen Hochschulen in Deutschland und in Entwicklungsländern zum Aufbau bilateraler SDG-Graduiertenkollegs im jeweiligen Partnerland.

Zum Einsatz für die Wissenschaftsfreiheit hat das Auswärtige Amt 2015 die Philipp-Schwartz-Initiative (PSI) ins Leben gerufen, die von der Alexander von Humboldt-Stiftung als Mittler durchgeführt wird. Mit PSI steht erstmals ein Sonderprogramm für die Aufnahme und Integration gefährdeter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland zur Verfügung. Hochschulen und Forschungseinrichtungen bewerben sich gemeinsam mit den gefährdeten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit einem Gesamtkonzept zur gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Einbindung der Forscherinnen und Forscher. Die Laufzeit der Stipendien beträgt zwei Jahre (Verlängerung um ein Jahr ist möglich). Bisher fanden drei Auswahlrunden statt, und es wurden insgesamt 124 Stipendiaten angenommen.

Die Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern gewinnt auch mit Blick auf weltpolitische Entwicklungen an Gewicht. Angesichts latent oder offen ausgetragener inter- und intranationaler Konflikte bauen der wissenschaftsdiplomatische Austausch und die Pflege fachlicher Expertennetzwerke in aller Welt wichtige Brücken der Verständigung. Die deutsche Außen-, Forschungs- und Entwicklungspolitik beteiligt sich daher stetig an Dialogforen auf nationaler, europäischer und multinationaler Ebene. Mit dem beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) angesiedelten Netzwerk „Managing Global Governance“ (MGG) fördert das BMZ exemplarisch eine innovative Lern- und Vernetzungsplattform zur gemeinsamen Wissensproduktion von Regierungsstellen, Thinktanks und Forschungseinrichtungen sowie Organisationen aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft in Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko und Südafrika sowie in Deutschland und Europa. Die deutsche G20-Präsidentschaft 2017 gab insbesondere der Zusammenarbeit mit Afrika einen starken Impuls (siehe auch IV 3.6 Internationale Organisationen).

Forschungs-, Wissenschafts- und Hochschulbildungspartnerschaft mit Afrika

In afrikanischen Partnerländern unterstützt das BMBF seit Langem die Entwicklung von Wissensgesellschaften mit Maßnahmen zum Ausbau von Strukturen und personellen Kapazitäten. Hierzu gehören u. a. die Klimaforschungszentren im westlichen (WASCAL) und südlichen Afrika (SASSCAL), die deutsch-afrikanischen Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen, die deutschen Forschungslehrstühle an den Zentren des African Institute of Mathematical Sciences (AIMS) in Südafrika, Senegal, Ghana, Kamerun und Tansania, die Produktentwicklungspartnerschaften zur tropenmedizinischen Prävention, Therapie und Diagnostik und die Förderung von Forschungsprojekten mit integrierten Maßnahmen zur Graduierten- und Doktorandenausbildung. 2017 vergab das BMBF zum ersten Mal den Deutsch-Afrikanischen Innovationsförderpreis. Er soll dazu beitragen, herausragende afrikanische Forschungsergebnisse in einem deutsch-afrikanischen Projekt mit Blick auf gesellschaftliche Anwendung oder wirtschaftliche Verwertung und auf Strukturaufbau weiterzuentwickeln.

Gemeinschaftlich produzierte Ergebnisse angewandter Agrarforschung fließen zudem in die Netzwerke der Grünen Innovationszentren ein, mit denen das BMZ im Rahmen seiner Sonderinitiative Eine Welt ohne Hunger bedarfsgerechte Innovationen und partnerschaftlichen Wissenstransfer in den Agrar- und Ernährungssektoren ausgewählter Entwicklungsländer – mit Schwerpunkt in Afrika – fördert. Daraus ergeben sich vielfältige Unterstützungsbeiträge für das panafrikanische Agrarentwicklungsprogramm (CAADP, Comprehensive Africa Agriculture. Development Programme) und Synergien mit den vom BMBF geförderten Klima-Initiativen SASSCAL und WASCAL.

Das BMG unterstützt mit seinem Global Health Protection Programme (GHPP) auch die Bekämpfung der Antibiotikaresistenzen und die Verbesserung der regulatorischen Strukturen im Bereich Impfstoffe, Arzneimittel, Blut und Blutprodukte und biomedizinische Therapeutika. Deutschland unterstützt die Panafrikanische Universität (PAU) als „key thematic partner“ des Instituts für Wasser und Energie – einschließlich Klimawandel – in Algerien. Das BMZ und das BMBF arbeiten dabei komplementär zusammen. Der Aufbau von Verwaltungs- und Hochschulmanagementstrukturen, akademische Qualitätssicherung sowie praxis- und beschäftigungsorientierte Curricula sind Komponenten des BMZ. Das BMBF unterstützt den PAU-Hub bei der Ausgestaltung der Forschungsdimension. Im Oktober 2017 wurde die vom BMBF für den PAU-Hub zu Wasser, Energie und Klima erstellte Forschungsagenda dem PAU-Rektorat sowie Vertreterinnen und Vertretern der Afrikanischen Union in Addis Abeba zur Validierung vorgelegt. Zudem werden ein Forschungsprojekt zur Wasser- und Energiesicherheit in Afrika und ein gemeinsames Kapazitätsbildungsprojekt der Partner PAUWES und WASCAL gefördert.

Auf der Grundlage der aktuellen bildungs-, wirtschafts-, sozial- und entwicklungspolitischen Anforderungen an den Hochschulbereich in Ostafrika unterstützt das Auswärtige Amt den Aufbau der Ostafrikanisch-Deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kooperation mit deutschen Hochschulen in Kenia. Als Referenzmodell für die Region soll die Fachhochschule die praxisorientierte akademische Ausbildung in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft übernehmen und die dringend benötigte „employability“ der jungen Bevölkerung erhöhen. Schwerpunkte sind die Ausbildung von Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrern („train the trainer“) sowie eine enge Verzahnung der Fachhochschule mit Maßnahmen zum Ausbau der beruflichen Bildung. Die Fachhochschule soll als binationale Hochschule Teil des geplanten Hochschulraums in den Ländern der Ostafrikanischen Gemeinschaft regionale Ausstrahlung erlangen. Eine kenianisch-deutsche Absichtserklärung zur Einrichtung der Eastern African-German University of Applied Sciences unterzeichneten Regierungsvertreter beider Länder im Februar 2017. Als nächster Schritt ist ein Regierungsabkommen in Vorbereitung.

Mit dem „African Good Governance Network“ (AGGN) unterstützt das BMZ über den DAAD seit vielen Jahren eine Plattform hochgebildeter Akademiker aus Subsahara-Afrika bei der wissenschaftsbasierten Gestaltung des demokratischen und rechtsstaatlichen Wertewandels, indem sie den ökonomischen und politischen Wandel in ihren Heimatländern vorantreiben können.

In Nordafrika ist ein weiteres Großvorhaben der transnationalen Bildung geplant. Die Bundesregierung arbeitet dafür mit Tunesien zusammen. Im Berichtszeitraum wurden in einer deutsch-tunesischen Arbeitsgruppe die Kooperationsgrundlagen für die Einrichtung einer Deutsch-Tunesischen Hochschule verhandelt und die Etablierung eines gemeinsamen Lenkungsausschusses vorbereitet.

Im Bereich erneuerbarer Energien erarbeitete das vom BMWi geförderte DLR im Rahmen des „Solar Med Atlas“-Projekts einen Atlas mit verlässlichen Aussagen über das Potenzial der Sonnenenergie für die Länder Mauretanien, Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Israel, Jordanien, Syrien, Libanon, Türkei und die Palästinensischen Autonomiegebiete.

Die BAM kooperiert mit verschiedenen Einrichtungen in Afrika, insbesondere zum Thema Baustoffe, Beton und Zement sowie im Bereich Akkreditierung. In diesem Rahmen wurde auch das Projekt „Symposia Series KEYS (Knowledge Exchange for Young Scientists)“ etabliert.

Um eine kohärente Umsetzung ihrer Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung zu gewährleisten, hat die Bundesregierung 2017 einen Runden Tisch mit hochrangigen deutschen Akteuren eingerichtet. Ziel ist es, ressortübergreifende Aktivitäten zu programmatischen Themen der Internationalisierungsstrategie zu verstärken und weiterzuentwickeln. Der erste Jahreszyklus des Runden Tisches widmet sich 2017/2018 unter der Überschrift „Perspektiven schaffen in Afrika“ der Kooperation mit dem Kontinent in den Feldern Forschung, Kapazitätsentwicklung und Berufsbildung.

DAAD-Exzellenzzentren und -Fachzentren in Afrika, Asien und Lateinamerika

Seit 2008 fördert der DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amts die Vernetzung von deutschen und ausländischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Form von Exzellenz- und Fachzentren. Vier an renommierten Hochschulen im Ausland etablierte Exzellenzzentren in Forschung und Lehre werden in Asien und Lateinamerika gefördert. Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen hierbei in Fachbereichen, in denen internationale Kooperationen für Deutschland und das Gastland von besonderem Interesse sind (thematische Behandlung von drängenden Zukunftsfragen) und in denen beide Länder über ein hohes Potenzial verfügen. Diese Zentren sollen die besondere Stärke des deutschen Wissenschaftssystems herausstellen und gleichzeitig in die interessierte Öffentlichkeit wirken.

Mit dem Ziel, die Ausbildung künftiger Führungspersönlichkeiten und Entscheidungsträger für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Afrika voranzutreiben und zu stärken, unterstützt der DAAD inzwischen acht Fachzentren an bedeutenden afrikanischen Universitäten durch Kooperationsprojekte mit mindestens einer deutschen Hochschule. Zwei weitere Fachzentren mit dem Fokus Mali und Niger befinden sich derzeit im Aufbau. An den Fachzentren erwerben Studierende Master- und PhD-Abschlüsse, im Fachzentrum CEMEREN (Kenia) auch Bachelorabschlüsse.

Vertiefte Mittelmeerkooperation: Die PRIMA-Initiative

Die langjährige wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit mit Ägypten, Tunesien, Marokko und der Türkei wurde in den letzten Jahren erfolgreich fortgeführt. Mit der Ende 2016 vom Forschungszentrum Jülich begründeten Palestinian German Science Bridge unterstützt das BMBF die Heranbildung des palästinensischen wissenschaftlichen Nachwuchses, und mit der Arab German Young Academy (AGYA) fördert es ein einzigartiges Netzwerk für die stetige Zusammenarbeit von jungen Forscherinnen und Forschern aus Deutschland und den arabischsprachigen Ländern.

Eine deutliche Intensivierung der euro-mediterranen Forschungszusammenarbeit strebt die Initiative Partnership for Research and Innovation in the Mediterranean Area (PRIMA) mit deutscher Beteiligung an. An dem gemeinsamen Förderprogramm nach Art. 185 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union beteiligen sich insgesamt 19 Länder Europas und des südlichen und östlichen Mittelmeerraums. Die Fördermittel von insgesamt fast 500 Mio. Euro werden von den beteiligten Ländern und der Europäischen Union gemeinsam aufgebracht, wobei sich die acht Partnerländer des südlichen und südöstlichen Mittelmeerraums mit erheblichen finanziellen Mitteln engagieren. PRIMA wird im Zeitraum 2018–2027 Kooperationen in den Themenfeldern nachhaltiges Wassermanagement, Landwirtschaft und Ernährung unter den spezifischen Umweltbedingungen des Mittelmeerraums unterstützen. Gefördert werden Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekte, innovative Demonstrationsprojekte und Pilotanlagen, Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau, Mobilität und Begleitmaßnahmen zur Wissenschaftskommunikation und zum gesellschaftlichen Dialog.

Ausbau der FuE-Kooperation mit der Ukraine

Die Bundesregierung arbeitet eng mit der Ukraine zusammen, um schnelle, aber auch dauerhafte systemische Veränderungen zu begleiten und die innere und äußere Stabilität des Landes zu stärken. Die Ausbildung neuer Führungseliten für Wissenschaft, Politik und Verwaltung ist der Schlüssel für personelle und strukturelle Reformen. Das ukrainische Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW) hat gegenüber deutschen Partnern hohen und spezifischen Beratungsbedarf artikuliert. Maßnahmen des BMBF und der deutschen Wissenschafts- und Mittlerorganisationen zielen darauf, mit Bildung und Forschung jungen Menschen eine Perspektive zu geben, Pluralismus zu stärken und gemeinsame Werte zu vermitteln. Zur Koordinierung dieser Aktivitäten moderiert das BMBF einen regelmäßigen Dialog der beteiligten Akteure (vor allem BMBF, DFG, HRK und DAAD). Zu folgenden Zielfeldern werden bedarfsorientierte Maßnahmen in der Ukraine initiiert und betreut:

  • Beratung bei Gesetzesvorhaben und Strukturreformen,
  • Stärkung der Forschungsleistung der ukrainischen Universitäten,
  • Internationalisierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen,
  • Anbindung öffentlich geförderter Forschung an den Innovationssektor.

Im Januar 2016 unterstützte das BMBF das Netzwerktreffen „German-Ukrainian Academic Cooperation: Best Practice, Challenges & Opportunities“, in dessen Rahmen DFG, DAAD und die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) ihre Aktivitäten eng verzahnten. Dabei wurde das UKRAINE Network zur Aktivierung der ukrainischen Diaspora und zur Unterstützung von bilateralen und internationalen Kooperationen mit der Ukraine etabliert, das über Deutschland hinaus große Aufmerksamkeit erfährt. Als Trägerorganisation wurde die Deutsch-Ukrainische Akademische Gesellschaft e. V. gegründet.

Unter Führung der damaligen Bundesministerin Johanna Wanka und ihrer Amtskollegin Hrynevych fand am 12. Juli 2016 in Berlin der Deutsch-Ukrainische Dialog unter dem Motto „Perspektiven für Bildung und Wissenschaft“ statt. Themen waren Qualitätsmanagement im Bildungssystem, Internationalisierung von Forschungsaktivitäten und nachhaltige Vernetzung. Anschließend zog die 11. Sitzung der Arbeitsgruppe für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) zwischen dem BMBF und dem MBW eine positive Bilanz der Kooperationsaktivitäten seit 2014.

Auf Basis einer gemeinsamen Bekanntmachung von 2016 werden bilaterale Vernetzungs- und Beratungsvorhaben gefördert. Folgende strukturbildende Ziele werden dabei verfolgt:

  • Stärkung der Zusammenarbeit von Universitäten, Forschungseinrichtungen und KMU,
  • Internationalisierung der Hochschulforschung,
  • gemeinsame Beteiligung an Horizont 2020,
  • Evaluierung und Reform bestehender Forschungsinstitute (z. B. Hochschulen/Akademie NAdWU),
  • bessere Nutzung des Innovationspotenzials und Markterschließung,
  • Optimierung des Wissenschafts- und Technologiemanagements (z. B. Clusterbildung).

Neubeginn mit dem Iran

Deutschland unterhält seit Langem Beziehungen zum Iran, insbesondere in den Bereichen Kultur und Wissenschaft. Die Wiener Nuklearvereinbarung (JCPoA) der E3/EU+3-Staaten mit dem Iran vom 14. Juli 2015 zur Lösung des Nuklearstreits und die Aussetzung der nuklearbezogenen Wirtschafts- und Finanzsanktionen gemäß JCPoA zum Implementation Day im Januar 2016 eröffneten Deutschland, der Europäischen Union und der internationalen Staatengemeinschaft die Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit dem Land zu intensivieren und gegenseitiges Vertrauen auf- und auszubauen. Gerade in Bildung und Wissenschaft ist der Iran ein Kooperationspartner mit großem Potenzial.

Trotz der langjährigen Sanktionen ist es der Islamischen Republik Iran gelungen, ein gutes Forschungs- und Hochschulsystem, das eine hohe Zahl an sehr gut qualifizierten Absolventinnen und Absolventen hervorbringt, aufrechtzuerhalten. Es gibt ca. 4,5 Millionen Studierende mit jährlich rund 570.000 Absolventinnen und Absolventen an den über 1.000 Hochschulen im Land. Deutschland belegt den vierten Platz unter den beliebtesten Zielländern für iranische Studierende – hinter den USA, Malaysia und Großbritannien – mit steigender Beliebtheit in den letzten Jahren.

Das BMBF begann unmittelbar nach Aufhebung der Sanktionen mit der Sondierung des Kooperationspotenzials. Im Oktober 2016 unterzeichnete es mit dem iranischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie (MSRT) zwei Absichtserklärungen für Wissenschaft und Forschung bzw. für berufliche Bildung. Weitere Absichtserklärungen wurden am 29. März 2017 in Berlin mit dem Energieministerium für die Fachbereiche Energieeffizienz, Wasser und Abwasser sowie im Rahmen der ersten Sitzung zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit am 5. Mai 2017 in Bonn mit dem Ministerium für Gesundheit und medizinische Bildung unterzeichnet.

Während dieses Treffens wurden erste Schwerpunkte der deutsch-iranischen Zusammenarbeit bis 2019 festgelegt, u. a. die Durchführung eines Tages der Deutschen Wissenschaften im Iran (2018) und eines Tages der Iranischen Wissenschaften in Deutschland (2019). Hier können sich deutsche und iranische Universitäten sowie Forschungs- und Mittlerorganisationen vorstellen und gegebenenfalls eine Zusammenarbeit vereinbaren. Weiterhin wurde eine bilaterale deutsch-iranische Fördermaßnahme u. a. zu den Themen Gesundheit, Umwelt, Biodiversität sowie Geistes- und Sozialwissenschaften beschlossen.

Im Programm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3) ist der Iran Partnerland für den Themenbereich nachhaltige Energiesysteme der Bekanntmachung CLIENT II – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen. Auch die Bekanntmachung Internationales Katastrophen- und Risikomanagement – IKARIM nennt den Iran als ein Zielland für Kooperationen.

Lateinamerika: Schwerpunkt Umweltforschung

Aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten Lateinamerikas, der Nähe zur Antarktis, einer langen Küstenlinie zum Atlantik und zum Pazifik und einer reichen Biodiversität stehen in der Kooperation mit den Ländern dieser Region die Themen der
Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung im Vordergrund (siehe auch IV 3.2 Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten).

In Kolumbien wird untersucht, wie sich die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt auf Biodiversität, Landnutzung oder die Wasserversorgung auswirkt. Langfristiges Ziel der Kooperation ist es, die Integration von Biodiversitätsmanagement und Ökosystemdienstleistungen mit gesellschaftlichen Bedürfnissen in Einklang zu bringen. In einer vom BMBF geförderten Pilotphase haben die Botanischen Gärten Berlin und Bogotá ein Modell für eine „umweltgerechte Megacity am Beispiel Bogotá“ entworfen. Seit Januar 2017 finanziert das BMBF eine zweite Projektphase des „deutsch-kolumbianischen Biodiversitätsnetzwerks“, an dem über 20 Institutionen beteiligt sind. In den interdisziplinären Ansatz wurden Geografinnen und Geografen sowie Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler eingebunden, um nachhaltige Managementpläne für regionale und nationale Entscheidungsträger zu erarbeiten.

Im November 2017 startete das Verbundprojekt „Multi-Risiko Analyse und Informationssystemkomponenten für die Andenregion – RIESGOS“ in Zusammenarbeit mit den Ländern Chile, Peru und Ecuador. Das Vorhaben wird im Rahmen des BMBF-Programms Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen – CLIENT II gefördert. Ziel ist der Aufbau eines Informationssystems, in dem neue Methoden verknüpft werden, um verschiedene Naturgefahren (Erdbeben, Hangrutschungen, Vulkane, Hochwasser, Tsunamis) bewerten zu können. Außer einer besseren Risikoanalyse sollen damit auch mögliche Folgeeffekte abgeschätzt werden. Mit behörden- und länderübergreifenden „nahen Echtzeitdaten“ sollen die Katastrophenvorsorge, die Unterstützung der Zivilschutzbehörden und das Management von Notfällen verbessert werden.

Um deutschen Forschungseinrichtungen und Hochschulen den Aufbau langfristig angelegter Forschungsstrukturen in Lateinamerika zu ermöglichen, fördert das BMBF seit Oktober 2017 neun Verbundprojekte. Im Fokus stehen bilateral vereinbarte Schwerpunktbereiche. Vier der Konsortien untersuchen Themen aus der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, dazu gehören der Klimawandel in Metropolregionen und der Eismassenverlust in den Anden.

Die Küsten um Lateinamerika sind aufgrund der geologischen und biologischen Diversität sowie der Nähe zur Antarktis von großem Interesse für deutsche Forschungseinrichtungen. Seit Jahrzehnten bestehen enge Kooperationen zwischen deutschen Forschungseinrichtungen und Partnern in Argentinien, Brasilien, Chile und Mexiko. Gemeinsam mit dem argentinischen Wissenschaftsministerium MINCyT und der DFG hat das BMBF im November 2016 einen Workshop zur zukünftigen Zusammenarbeit in der Meeres- und Polarforschung durchgeführt. Als Schwerpunktthemen wurden u. a. Biodiversität, Biogeochemie und Ozeandynamik definiert. In einem weiteren Workshop im November 2017 wurden gemeinsame Schiffszeiten für die Folgejahre geplant.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt zusammen mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) die deutsche Antarktisstation „German Antarctic Receiving Station O’Higgins“ (GARS) vor der antarktischen Halbinsel. Mit einem speziellen Antennensystem werden umfangreiche Erdbeobachtungsdaten europäischer und deutscher Satellitenmissionen aufgezeichnet, die wesentliche Einblicke in die Veränderungen der Antarktis geben.