Zusammenarbeit mit Industriestaaten

Die Zusammenarbeit Deutschlands mit Industriestaaten wird überwiegend vom Engagement der Akteure aus Wissenschaft, Forschung und Innovation getragen. Sie sind mit ihren Partnern im Ausland teilweise schon seit Jahrzehnten eng vernetzt. Die hohe Qualität der Zusammenarbeit mit Industriestaaten beruht auf einer exzellenten wissenschaftlichen Basis, einer gemeinsam gepflegten Kultur der Mobilität und Offenheit sowie dem Zugang zu starken Märkten.

Die Rolle der Politik besteht vor allem darin, die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. Dies wird z. B. über die Verabschiedung entsprechender Gesetze erreicht oder durch die Unterzeichnung bilateraler Absichtserklärungen, die eine gemeinsame strategische Ausrichtung der Forschungspolitik vorsehen. Im Dialog mit den Partnern werden wesentliche Punkte zur Weiterentwicklung des globalen Wissenschaftssystems thematisiert, so etwa Fragen des Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen („Open Science“) und zum verlässlichen Umgang mit geistigem Eigentum.

Zusammenarbeit mit Israel

Der Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Innovation mit Israel kommt auch aus historischen Gründen ein besonderer politischer Stellenwert zu. Es besteht eine vielfältige Kooperationsarchitektur. Schwerpunkte der Zusammenarbeit mit dem israelischen Wissenschaftsministerium sind Wassertechnologie, Krebsforschung, Biotechnologie, Batterieforschung und Meeresforschung.

Mit dem israelischen Wirtschaftsministerium bzw. der zuständigen Israel Innovation Authority (IIA) hat das BMBF seine Kooperation seit 2016 weiter verstärkt. So unterzeichneten der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (BMBF) und der damalige Direktor der IIA, Avi Hasson, anlässlich der sechsten Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen am 16. Februar 2016 eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit in der angewandten Nanotechnologie.

Beide Partner veröffentlichten daraufhin im Winter 2016 eine erste gemeinsame Förderbekanntmachung zu ausgewählten Themen der angewandten Nanotechnologie (z. B. Nanomaterialien, Fertigungsverfahren, Photonik und biomedizinische Technologien). 13 jeweils für drei Jahre angelegte Projekte starteten Anfang 2018. Sie werden von beiden Ländern mit jeweils knapp 10 Mio. Euro gefördert. Im Zentrum stehen die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft („2+2“-Projekte mit einem Schwerpunkt bei KMU und Start-ups), der Wissens- und Technologietransfer sowie neue Geschäfts- und Verwertungsmodelle.

Von ebenso großer Bedeutung wie die politische Zusammenarbeit der jeweiligen Regierungen ist die Arbeit der Stiftungen und bilateralen Programme, die aus Mitteln des BMBF gefördert werden. Eine tragende Rolle in der Wissenschaftskooperation übernehmen die Deutsch-Israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (GIF), die Deutsch-Israelische Projektkooperation (DIP), der Stiftungsfonds Martin-Buber-Gesellschaft sowie die Minerva Stiftung.

Das DLR überführt im Rahmen der Wissenschafts- und Industriekooperationen mit US-amerikanischen und israelischen Partnern Forschungsergebnisse von der Internationalen Raumstation ISS in Zukunftsapplikationen zur Erforschung des Weltraums über den Lower Earth Orbit hinaus. Deutsche Spitzenforschung aus der Biophysik und Strahlenbiologie des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin kommt im ersten Experimentalflug des neuen US-Raumschiffes ORION um den Mond zum Einsatz und wird mit technologischen Entwicklungen der israelischen Raumfahrtagentur und Industrie kombiniert. Diese deutsch-israelische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Medizintechnik dient der Entwicklung von Prophylaxemethoden zum Strahlenschutz für exponiertes Personal (Astronautinnen und Astronauten, Sicherheitskräfte und Laborpersonal) und revolutioniert die zukünftigen Schutzmaßnahmen im Bereich der Arbeitsmedizin.

ARCHES-Preis – Auszeichnung für herausragende junge deutsch- israelische Forschungsteams

Der seit 2008 verliehene ARCHES-Preis (Award for Research Cooperation and Highest Excellence in Science) war 2016 thematisch den Bereichen Chemie, Physik, Technologie und Mathematik gewidmet. Er wurde Ende März 2017 in Berlin an zwei Forschungsteams verliehen.

Matthew Suss, Technion - Israel Institute of Technology in Haifa, und Volker Presser, Universität des Saarlandes/Leibniz-Institut für Neue Materialien, wurden für ihre Forschung zur physikalischen Aufbereitung und Entsalzung von Wasser (Deionisierung) ausgezeichnet, die wesentlich umweltfreundlicher als die chemische Aufbereitung ist.

Haim Beidenkopf vom Weizmann Institut in Rehovot und Mazhar Ali vom Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle erhielten den Preis für ihre Forschung zu nanostrukturierten Materialien mit thermoelektrischen Eigenschaften, die beispielsweise die Entwicklung effizienter elektrischer Kühlelemente auch bei niedrigen Temperaturen ermöglichen könnte.

Der pro Team mit 200.000 Euro dotierte ARCHES-Preis des BMBF wird von der Minerva Stiftung Gesellschaft für die Forschung mbH administriert. Er wird jährlich in wechselnden Themengebieten vergeben.

Zusammenarbeit mit Nordamerika

Die Wissenschaftskooperation mit den Vereinigten Staaten und mit Kanada deckt das gesamte thematische Spektrum ab und wird vom breiten Engagement der Universitäten, Forschungs- und Mittlerorganisationen sowie forschenden Unternehmen getragen.

Die Zusammenarbeit mit Partnern in den USA umfasst eine Fülle von Initiativen und jährlich einige Tausend Aufenthalte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Studierenden im jeweils anderen Land. Die Zusammenarbeit in den Themen regenerative Medizin und Computational Neurosciences wird kontinuierlich fortgesetzt. Im Zuge einer strategischen Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen innovativen Netzwerken aus Deutschland und Nordamerika unterstützt das BMBF im Rahmen des Programms zur Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken deutsche Cluster bei ihrer Vernetzung mit internationalen Partnern. Die USA sind hier ein bevorzugtes Zielland. Sondierende Maßnahmen wurden zur Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Krebs- und Gehirnforschung sowie beim Thema Energie durchgeführt.

Zahlreiche wissenschaftliche Projekte werden vom BMWi besonders in Form von Instrumentenbeistellungen für NASA-Missionen gefördert. Dabei fokussiert die Raumfahrtforschung neben der Exploration des Weltraums vor allem auf die Nutzung der Internationalen Raumstation (ISS) in den Bereichen Robotik, Materialforschung und Lebenswissenschaften sowie auf Missionen im Low Earth Orbit zur angewandten Fernerkundung der Erde mit Radar, moderner Optoelektronik, Infrarot- und Hyperspektralkameras für Change Detection, Klimawandel und Anwendungen zur zivilen Sicherheit. Im Rahmen des zweimal jährlich stattfindenden US-German Aerospace Roundtable gelang es, in Zusammenarbeit mit der Space Foundation Hightech-Entwicklungen aus der Luft- und Raumfahrtforschung in kommerzielle Applikationen zu überführen.

Innovation, Meeres- und Arktisforschung, Bioökonomie und Quanteninformationsforschung sind Schwerpunktthemen der Zusammenarbeit mit Kanada. Außerdem ist Kanada ein strategischer Partner Deutschlands bei der Entwicklung von Brennstoffzellen und zukunftsweisender Wasserstofftechnologie. In den Neurowissenschaften kooperieren deutsche und kanadische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen von multilateralen Fördermaßnahmen und Netzwerken. Zwei Fraunhofer-Projektzentren zu neuen Werkstoffen und regenerativer Medizin sowie zwei Max-Planck-Zentren sind weitere sichtbare Komponenten der Kooperation. Im September 2016 hat die Leibniz-Gemeinschaft mit der kanadischen Dalhousie University eine Vereinbarung abgeschlossen mit der Absicht, gemeinsame Forschungsaktivitäten zum Thema Migration und Integration durchzuführen. Der Leibniz-Forschungsverbund „Bildungspotenziale“ kooperiert bereits eng zum Thema Integration von Flüchtlingen in Deutschland und Kanada. Kanada ist seit 2012 assoziiert in EUREKA und 2016 dem Programm Eurostars beigetreten. Projekte von EUREKA und Eurostars werden vom kanadischen National Research Council gegenfinanziert. Zur Initiierung von neuen Kooperationen wurde von Eurostars 2017 eine Delegationsreise interessierter Firmen der optischen Technologien nach Kanada organisiert.

Im Rahmen der Kooperation mit Kanada unterhält das DLR Kooperationen mit zwei führenden Hochschulen in Kanada (University of Waterloo, University of Windsor) auf dem Gebiet der Fahrzeug- und Materialentwicklung. Gemeinsame Fernerkundungsaktivitäten mit dem Canada Centre for Mapping and Earth Observation (CCMEO) schließen die Nutzung der DLR-Empfangsstation in Inuvik ein.

Zusammenarbeit mit Japan

Seit Jahren liegt Japan hinsichtlich der Summe seiner Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (Anteil am BIP 2015: 3,56 %, Platz eins unter den G7-Staaten) international an vorderster Stelle und nimmt auch wegen seines hohen Innovationspotenzials eine weltweit herausragende Position ein. Dies belegen beachtenswerte Entwicklungen in der Automobil-, Informations- und Kommunikationstechnologie, der Robotik und im Gesundheitswesen.

Bis 2018 will die japanische Regierung mit Innovationen aus Wissenschaft, Forschung und Technologie das Wirtschaftswachstum ankurbeln und setzt erste konkrete Maßnahmen der „Comprehensive Science, Technology and Innovation Strategy“ um. Technologische Innovationen sollen durch vielfältige Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Projekte stärker gefördert werden.

Auf der WTZ-Sitzung im Dezember 2016 wurden Maßnahmen zur Intensivierung der Kooperation vom BMBF und dem Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) beschlossen (siehe Infobox Ausgewählte Schwerpunkte der Zusammenarbeit mit Japan: Spitzencluster und automatisiertes Fahren). Das BMBF und die dem MEXT unterstellte Förderorganisation Japan Science and Technology Agency (JST) unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung (Joint Declaration of Intent) für eine Intensivierung der Kooperation, die bereits im September 2017 zu einer bilateralen „2+2“-Bekanntmachung in den Bereichen Photonik und Optik geführt hat. Sie soll besonders die Vernetzung zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen fördern.

Auch die Forschungsorganisationen pflegen eine intensive Zusammenarbeit mit Japan. Zum Beispiel gibt es 122 Kooperationsprojekte der Max-Planck-Institute mit Japan (Stand 2016). Damit liegt Japan im internationalen Vergleich erstmalig vor China. Außerdem gibt es derzeit drei erfolgreiche Max Planck Center in Japan. Die Fraunhofer-Gesellschaft unterhält in Tokio ein Fraunhofer Representative Office für eine intensive Vernetzung, und die DFG fördert gemeinsam mit der Japan Society for the Promotion of Science vier internationale Graduiertenkollegs (Stand 2017). Für das vom BMWi geförderte DLR sind die über 50 Kooperationsprojekte mit japanischen Partnern in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr von Bedeutung, wobei die strategische Partnerschaft mit der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) das Zentrum der Aktivitäten darstellt. DLR und JAXA werden in Zukunft in der radargestützten Erdbeobachtung mit L- und X-Band-Technologien sowie beim Katastrophenschutz enger zusammenarbeiten. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Erforschung unseres Sonnensystems: Auf der JAXA-Mission Hayabusa2 fliegt derzeit der Asteroidenlander MASCOT des DLR mit, der 2018 auf dem Asteroiden Ryugu landen soll, um dessen Bodenbeschaffenheit zu erforschen. Deutschland und Japan nutzen darüber hinaus die Internationale Raumstation ISS intensiv, um Fragen der Medizin, der Materialentwicklung und der Grundlagenforschung zu beantworten.

Ein wichtiger Baustein der deutsch-japanischen Zusammenarbeit ist die Hochschulkooperation. Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist 707 Kooperationen zwischen deutschen und japanischen Hochschulen einschließlich sonstiger außeruniversitärer Einrichtungen aus (Stand Februar 2018). Damit ist Japan nach China der wichtigste Kooperationspartner der deutschen Hochschulen in Asien. Gegenstand der Kooperation sind vor allem der Austausch von Studierenden, Forschenden und Lehrenden, die gegenseitige Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen sowie die Forschungszusammenarbeit.