„Wow, es funktioniert!“

Dr. Mehtap Özaslan ist Juniorprofessorin für Elektrochemie an der Universität Oldenburg. Die gebürtige Berlinerin leitet dort eine Nachwuchsgruppe, die an der Verbesserung von Brennstoffzellen forscht. Das Vorhaben wird vom BMBF gefördert.

Dieses Bild zeigt ein Foto von Dr. Mehtap Özaslan.

Dr. Mehtap Özaslan

Universität Oldenburg

Warum befassen Sie sich als Forscherin mit der Brennstoffzelle?

Ursprünglich wollte ich nie etwas damit zu tun haben. Wir hatten das Thema in der Schule – und ich fand das total langweilig. Die Begeisterung für die Elektrochemie und die Brennstoffzelle kam erst viel später, während der Promotion.

Was war ausschlaggebend dafür?

Optisch sieht das ja nicht so spannend aus: Sie stecken zwei Elektroden in eine Flüssigkeit, schließen Kabel an und messen eine Spannung. Erst als ich gesehen habe, dass da ganz viele komplexe elektrochemische Prozesse ablaufen, habe ich das Thema lieben gelernt. Außerdem wurde mir klar, welches Potenzial die Brennstoffzelle für die Gesellschaft hat, Stichwort Energiewende.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei der Forschung?

Zurzeit verwendet man für die Brennstoffzelle sehr seltene und teure Edelmetalle, speziell Platin. Wir versuchen, den Platingehalt so weit wie möglich zu reduzieren, damit die Elektroden günstiger werden.

Was bedeutet das konkret?

Wir entwickeln die Materialien selber, das heißt, wir überlegen uns Konzepte und versuchen, sie im Labor zu realisieren. Wir wollen aber auch wissen, wie sich das Material in der Brennstoffzelle verhält. Unsere Forschung deckt also den ganzen Prozess ab, und das ist das Tolle: Ich sehe am Ende die Performance der Materialien, die wir synthetisiert haben, in einer realen Brennstoffzelle.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Sie müssen sich einen Chemiker so vorstellen: 30 Mal macht er denselben Versuch, aber erst beim 31. Mal funktioniert er. Wir sind es gewohnt zu scheitern, aber trotzdem weiterzumachen. Wenn man die Enttäuschung überwunden hat, stellt man fest, dass man aus den Niederlagen viel lernen kann. Und wenn man dann sieht: Wow, es funktioniert, ist das ein großer Antrieb.

Welche Fähigkeiten sollten Forscherinnen und Forscher noch mitbringen?

Das Forscherleben ist mit vielen Unsicherheiten verbunden. Meine Juniorprofessur läuft zum Beispiel nach sechs Jahren aus – wie geht es danach weiter? Um nicht mit leeren Händen dazustehen, ist das Netzwerken sehr wichtig. Man kann ein erstklassiger Forscher sein, aber wer nicht auf Konferenzen geht, um sich zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen, ist nicht sichtbar. Dann werden Sie nicht eingeladen zu Vorträgen oder wenn es darum geht, eine Professur zu besetzen.

Wann würden Sie sagen, dass Sie als Forscherin Ihr Ziel erreicht haben?

Wenn ich mit Brennstoffzellen betriebene Autos auf den Straßen sehe. Wann es so weit sein wird, ist schwer vorherzusagen. Aber ich schätze, dass sich innerhalb der nächsten fünf oder spätestens zehn Jahre sehr viel verändern wird.