Wissenschaft und Spitzenforschung stärken

Deutschlands Wissenschaftssystem steht im internationalen Vergleich gut da. Das ist unter anderem den Förderprogrammen zu verdanken, die Bund und Länder gemeinsam tragen: Der Exzellenzinitiative, dem Hochschulpakt, dem Pakt für Forschung und Innovation und anderen.

Für einen Innovationsstandort wie Deutschland ist ein starkes Wissenschaftssystem, das in die Breite geht und Spitzenforschung hervorbringt, unerlässlich. Mit dem Hochschulpakt, der Exzellenzstrategie, dem Pakt für Forschung und Innovation, dem Tenure-Track-Programm, dem Qualitätspakt Lehre und der Qualitätsoffensive Lehrerbildung hat der Bund in Zusammenarbeit mit den Ländern Wissenschaft, Forschung und Innovation in Deutschland weiter gestärkt. Die Stärke gilt es zu wahren und im internationalen Wettbewerb weiter auszubauen. Um diese Ziele zu erreichen, setzt die Bundesregierung auf Profilbildung und Exzellenzorientierung des deutschen Wissenschaftssystems.

Deutschland ist ein führender Standort für Wissenschaft, Forschung und Innovation mit großer Anziehungskraft für Studierende und Forschende aus dem In- und Ausland.

  • Deutschland hat mit 1.367 wissenschaftlichen Publikationen pro Million Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr 2016 eine höhere Publikationsintensität als die USA oder Japan verzeichnet.
  • Die Zahl der Forscherinnen und Forscher in Deutschland hat nach aktueller Schätzung 2016 einen Rekordstand von mehr als 400.000 erreicht, etwa 160.000 davon sind in Hochschulen und staatlichen Forschungseinrichtungen tätig. Der Anteil von Forscherinnen ist in den letzten Jahren stark gestiegen und liegt im Hochschulbereich bei über 36 %, in den Forschungseinrichtungen bei rund 32 %. Diese positive Entwicklung werden wir weiter aktiv fördern.
  • Immer mehr Studierende eines Jahrgangs schließen ihr Hochschulstudium erfolgreich ab. Die sogenannte Absolventenquote ist von 19,9 % im Jahr 2005 auf 31,8 % im Jahr 2016 angestiegen. In diesem Zeitraum hat sich die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen nach Fächergruppen sowohl für die Ingenieurwissenschaften als auch für Mathematik und Naturwissenschaften deutlich erhöht.
  • Studierende und etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen Deutschland als attraktives Gastland wahr. Die Anzahl ausländischer Studierender in Deutschland ist zwischen 2008 und 2017 um 54 % gestiegen: von rund 234.000 auf 360.000. 2016 wurde der Aufenthalt von mehr als 88.000 ausländischen (Gast-)Wissenschaftlerinnen und (Gast-)Wissenschaftlern in Deutschland verzeichnet. Ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen bereits 11 % des gesamten Wissenschaftspersonals in Deutschland.
  • Etwa ein Viertel der deutschen Hochschulabsolventinnen und -absolventen geht während des Studiums mindestens einmal studienbezogen ins Ausland, wobei die meisten dort mindestens drei Monate verbringen.

Exzellente Forschung fördern

Mit der Exzellenzstrategie baut die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern in der Nachfolge der Exzellenzinitiative die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems weiter aus. Die Exzellenzstrategie und die laufenden Pakte – Hochschulpakt, Qualitätspakt Lehre, Pakt für Forschung und Innovation – sowie die Bund-Länder-Initiative zur Förderung des forschungsbasierten Transfers – Innovative Hochschule bilden eine Gesamtstrategie für Exzellenz und Leistungsfähigkeit des Wissenschaftssystems.

Die Exzellenzstrategie ist weltweit eines der bestdotierten wettbewerblichen Verfahren für Spitzenforschung an Universitäten. Sie umfasst die Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Dabei nutzen Bund und Länder den verfassungsrechtlichen Spielraum, den der neue Artikel 91b GG bietet. Auf dieser Grundlage kann die Förderung der Exzellenzuniversitäten auf Dauer sichergestellt werden. Pro Jahr finanzieren Bund und Länder die Exzellenzstrategie mit 533 Mio. Euro, drei Viertel davon trägt der Bund. Mit der Exzellenzstrategie werden deutsche Universitäten international noch wettbewerbsfähiger. Davon profitiert der Hochschul- und Forschungsstandort Deutschland auch in der Breite, denn Leuchttürme in der Forschung strahlen auf die gesamte Hochschullandschaft ab.

Die Wissenschaftsorganisationen (DFG, Fraunhofer, HGF, MPG und Leibniz-Gemeinschaft) können sich dank des Pakts für Forschung und Innovation auf kontinuierlich anwachsende finanzielle Mittel verlassen. Im Gegenzug verpflichten sich die Wissenschaftsorganisationen auf forschungspolitische Ziele, deren Umsetzung sie selbst ausgestalten. Sie erschließen zukunftsweisende Themenfelder, vernetzen sich noch stärker mit nationalen und internationalen Akteuren, verankern den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer als strategische Aufgabe und fördern verstärkt Frauen sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs. Von 2016 bis 2020 stellt der Bund dafür 3,9 Mrd. Euro zusätzliche Mittel bereit. Die Kombination des Paktes aus forschungspolitischen Zielen und finanzieller Planungssicherheit hat sich bewährt. Die Bundesregierung will daher den Pakt für Forschung und Innovation ab 2021, auf Basis der bewährten Bund-Länder-Finanzierungsquoten, mit einem jährlichen Aufwuchs von mindestens 3 % fortsetzen. Ziele und Instrumente des Pakts für Forschung und Innovation wollen wir weiterentwickeln und über die Fortschritte jährlich berichten.

Durch die Programmpauschalen der DFG stärken wir die Forschung an Hochschulen mit insgesamt über 2 Mrd. Euro von 2016 bis 2020. Wir werden die Programmpauschalen auch nach 2020 fortführen.

Chancen der Digitalisierung für das Wissenschaftssystem nutzen

Die Digitalisierung bietet für unsere Hochschulen große Chancen. Wir wollen sie unterstützen, diese Chancen umfassend zu nutzen und damit die Qualität von Studium, Lehre, Forschung sowie der Verwaltung und des wissenschaftlichen Austauschs zu verbessern. Mit einem Wettbewerb werden wir digital innovative Hochschulen oder Hochschulverbünde fördern. Wir wollen dabei insbesondere hochschulübergreifende, vernetzte Konzepte, z. B. Lehr- und Lernplattformen, fördern.

Auch die Wissenschaft selbst steht durch die Digitalisierung vor enormen Herausforderungen. An Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bedarf es eines sinnvollen Forschungsdatenmanagements, um die immer weiter anwachsende Menge an Daten in ihrem gesamten Lebenszyklus – von der Erhebung über die Aufbereitung und Sicherung bis hin zur Nachnutzung – für die Wissenschaft nutzbar zu machen. Eine Grundlage dafür kann die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) bilden, mit der wissenschaftliche Datenbestände systematisiert und nachhaltig zugänglich gemacht werden sollen. Zusammen mit den Ländern prüfen wir ebenso, eine auf Dauer angelegte „Strategie für Nationales Hochleistungsrechnen“ aufzulegen und gemeinsam zu finanzieren.

Hochschulen dauerhaft unterstützen und die Qualität der Lehre sicherstellen

Hochschulen sind nicht nur der Kern des Wissenschaftssystems, sondern auch wichtige Ausbildungsorte. Die Studierneigung angehender Abiturientinnen und Abiturienten liegt bei knapp 60 % eines Altersjahrgangs und wird auch zukünftig hoch sein. Bund und Länder streben im Rahmen der dritten Phase des Hochschulpakts an, bis 2020 Studiermöglichkeiten für bis zu 760.033 zusätzliche Studienanfängerinnen und -anfänger gegenüber dem Stand von 2005 bereitzustellen. Über die Gesamtlaufzeit stellt der Bund  für diese Stärkung der Hochschulen mehr als 20 Mrd. Euro von 2007 bis 2023 zur Verfügung. Wer studieren möchte und dafür die Voraussetzungen mitbringt, soll auch studieren können – zumal die Nachfrage nach Hochschulabsolventinnen und -absolventen weiterhin hoch ist. Zugleich gilt der Grundsatz der Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung.

Die Bundesaufwendungen für zusätzliche Studienanfängerinnen und -anfänger im Rahmen des Hochschulpakts sind für die Hochschulen unverzichtbar. Um vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Studiennachfrage eine qualitativ hochwertige Lehre sicherzustellen, werden wir die Bundesmittel auf Grundlage des neuen Art. 91b GG verstetigen. Die konkreten Förderkriterien können alle sieben Jahre periodisch mit den Ländern und Hochschulen ausverhandelt werden. Dabei sind im Sinne guter Arbeit Kontinuität und Verlässlichkeit wichtige Kriterien und sollen mit qualitativen und quantitativen Aspekten in der Hochschulbildung verbunden werden. Die zielgerichtete Verwendung der Bundesmittel wird regelmäßig überprüft. Für uns stehen die Qualität von Forschung und Lehre und die Berufschancen der Studierenden (Absolventenstudien) im Mittelpunkt.

Bund und Länder streben mit dem Qualitätspakt Lehre an, die Hochschulen in ihren Anstrengungen für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre zu unterstützen. Für die Finanzierung stellt der Bund von 2011 bis 2020 bis zu 2 Mrd. Euro zur Verfügung. Dies ermöglicht den geförderten Hochschulen individuelle Maßnahmen, von einer besseren Personalausstattung bis zu Impulsen für innovative Lehrformate. Den Qualitätspakt Lehre wollen wir verstetigen und in Anlehnung an die Empfehlungen des Wissenschaftsrates weiterentwickeln und u. a. die innovative Hochschullehre, den hochschulübergreifenden Austausch und die Übertragung erfolgreicher Konzepte wettbewerblich fördern. Wir wollen auch die Fachhochschulen stärken und gemeinsam mit den Ländern eine breit angelegte Initiative starten, um Karrierewege bis zur Fachhochschulprofessur aktiv zu gestalten und Fachhochschulen bei deren Rekrutierung zu unterstützen. Zudem wollen wir Strategien der Fachhochschulen zur Internationalisierung gezielt unterstützen.

Den Wissenschaftsstandort Deutschland durch Internationalisierung und Mobilität stärken

Internationaler Austausch in Wissenschaft und Spitzenforschung ist ein wichtiger Garant für Weltoffenheit und internationale Verständigung. Zugleich handelt es sich um ein wesentliches Qualitätsmerkmal unseres Wissenschaftsstandortes. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) haben hierbei als größte deutsche Mittlerorganisationen eine herausragende Bedeutung. Die Individualförderung des DAAD umfasst Maßnahmen für Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden und bereits etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und dem Ausland. Die AvH fördert im Rahmen unterschiedlicher Programmlinien ausländische Spitzenwissenschaftlerinnen und Spitzenwissenschaftler ab der Promotion, die für einen Forschungsaufenthalt nach Deutschland kommen.

Daneben fördert die Bundesregierung strukturelle Maßnahmen zur Internationalisierung deutscher Hochschulen im Rahmen von internationalen Hochschulkooperationen zur strategischen Vernetzung in Lehre und Forschung. Hierbei wollen wir auch neue Wege beschreiten und unterstützen die Initiative des französischen Staatspräsidenten Macron zur Gründung europäischer Hochschulnetzwerke mit Nachdruck. Der Bologna-Prozess steht für die Verbesserung der Rahmenbedingungen internationaler akademischer Mobilität.

Wir wollen die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Wissenschaftssystems konsequent ausbauen und intensivieren die internationale Vernetzung auf Basis der Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung. Die Internationalisierung der Hochschulen treiben wir voran und wollen die erfolgreichen Programme unserer Mittlerorganisationen AvH und DAAD stärken. Wir wollen deren Förderung geflüchteter Studierender und gefährdeter Forscherinnen und Forscher an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen fortführen. Erfolgreiche ausländische Studienabsolventinnen und Studienabsolventen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher wollen wir noch erfolgreicher als bisher für den Forschungsstandort Deutschland gewinnen und hier halten. Wir stärken die europäische und internationale Mobilität in Schule, beruflicher Bildung und Hochschule. Dazu trägt ein gestärktes Programm Erasmus+ bei. Wir schaffen Anreize auch für Lehr- und Lernaufenthalte außerhalb Europas.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verlässlich gestalten

Deutschlands Wissenschaftssystem muss attraktiv für kluge und kreative Köpfe sein. Daher setzt sich die Bundesregierung für international wettbewerbsfähige Arbeits- und Karrierebedingungen in der Wissenschaft ein. Das Tenure-Track-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses trägt dazu bei, Karrierewege in der akademischen Welt planbarer und transparenter zu machen. Mit dem Bund-Länder-Programm wird die Tenure-Track-Professur erstmals flächendeckend an den Universitäten in Deutschland etabliert. Die Tenure-Track-Professur sieht nach erfolgreicher Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor. Der Bund stellt bis zu 1 Mrd. Euro bereit, um 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren zu fördern. Die Laufzeit des Programms reicht bis zum Jahr 2032. In der ersten Bewilligungsrunde werden 468 Professuren gefördert.

Mit der Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes wurde eine bessere Handhabung der Befristungsregelungen im wissenschaftlichen Bereich erreicht, die sich insbesondere gegen unsachgemäße Kurzbefristungen richtet. Die Befristungsdauer von Verträgen des wissenschaftlichen Personals muss der angestrebten Qualifizierung angemessen sein; bei einer Befristung wegen Drittmittelfinanzierung soll sie sich an dem bewilligten Projektzeitraum orientieren. Die Reform ist damit Fehlentwicklungen in der Befristungspraxis entgegengetreten, ohne die in der Wissenschaft erforderliche Flexibilität und Dynamik zu beeinträchtigen. Sie flankiert die Aktivitäten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Ressortforschung stärken

Die Ressortforschung des Bundes ist ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Wissenschaftssystems an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Sie ist mit der Wahrnehmung gesetzlicher und fachlicher Aufgaben des jeweiligen Ressorts verbunden und deckt ein breites Aufgabenspektrum ab: wissenschaftliche Bearbeitung gesetzlich zugewiesener Aufgaben; wissenschaftlich-technische Dienstleistungen wie Zulassungen; das Betreiben von Datenbanken, Expertensystemen und Messnetzen; Mitwirkung bei der Weiterentwicklung von gesetzlichen Regelwerken und Normen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene; Wissens- und Technologietransfer; Forschung und Sozialbericht-
erstattung; Studien zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen.

Die Ressortforschung spielt im europäischen und internationalen Bereich eine besondere Rolle wegen ihrer unmittelbaren Einbindung in die Beratungs- und Entscheidungsstrukturen der Europäischen Union und von internationalen Organisationen mit starken FuE-Aktivitäten.

Ressortforschung wird von Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben, von außeruniversitären FuE-Einrichtungen in geregelter und kontinuierlicher Zusammenarbeit sowie durch die Vergabe von Forschungsaufträgen an externe Forscherinnen und Forscher betrieben. Die Ressortforschungseinrichtungen halten auf hohem Niveau kurzfristig abrufbare wissenschaftliche Expertise für das Regierungshandeln bereit und bieten wissenschaftlich fundierte Beratung zur Vorbereitung von politischen Entscheidungen. Dafür greifen sie aktuelle und fortlaufende gesellschaftliche, wissenschaftliche und wirtschaftliche Probleme auf und erarbeiten so wissenschaftlich begründete Handlungsoptionen für staatliche Maßnahmen. Sie betreiben Forschung zu relevanten Grundsatzfragen im Bereich ihrer jeweiligen Zuständigkeit und langfristig angelegte Vorlaufforschung zur Vorbereitung auf zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen.

Ziel der Bundesregierung ist es, die Bedingungen der Ressortforschung gut zu gestalten und zu garantieren, dass diese auch zukünftig hochwertige Ergebnisse liefern kann. Dabei ist sicherzustellen, dass die Ressortforschungseinrichtungen ihre Aufgabe als Intermediär zwischen Politik und den Ansprüchen einer innovativen Gesellschaft sowie als wissenschaftliche Kompetenzeinrichtungen mit der Fähigkeit, kurzfristig abrufbare und langfristige Fragestellungen kontinuierlich und forschungsbasiert zu bearbeiten, optimal ausüben können.

Wir streben eine Stärkung der Ressortforschung an und werden dafür sorgen, dass die Ressortforschungseinrichtungen weiterhin von den Vorteilen des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes profitieren können.