Veränderung gemeinsam gestalten

Eine zeitgemäße und effektive Forschungs- und Innovationspolitik setzt voraus, die Kompetenzen und Perspektiven möglichst vieler Menschen einzubeziehen. Schon heute wirken immer mehr Menschen aus der Mitte der Gesellschaft heraus am Innovationsgeschehen mit. Die Digitalisierung erhöht die Möglichkeiten der Beteiligung zusätzlich. Die Bundesregierung unterstützt diese Entwicklung, setzt die Tradition des Dialogs konsequent fort und baut sie mit neuen partizipativen Formaten aus. Bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der HTS ist die Expertise namhaft besetzter Beratungsgremien der Bundesregierung eine wertvolle Orientierung.

  

Bürgerdialoge und Bürgerforschung stärken

Die Bundesregierung fördert eine Gesellschaft, die Neuem aufgeschlossen gegenübertritt und sich für Zukunftstechnologien und Innovationen begeistert. Sie bietet interessierten Bürgerinnen und Bürgern mit einer Reihe von neuen Initiativen die Möglichkeit, an der Gestaltung der Innovations- und Forschungspolitik aktiv mitzuwirken.

Die Bürgerdialogreihe ZukunftsForen hat Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gezielt miteinander ins Gespräch gebracht. Gemeinsam haben die Beteiligten Antworten auf zentrale Fragen zu den vier Zukunftsthemen "Gesundheit neu denken", "Tauschen, Teilen, Selbermachen", "Lehren, Lernen und Leben in der digitalen Welt" und "Wissen schaffen – Denken und Arbeiten in der Welt von morgen" gesucht. Die ZukunftsForen sollen als bewährtes Dialogformat weiterentwickelt werden. Mit dem Futurium eröffnen wir einen Ort, der zum Dialog über die Zukunft von Technik, Wirtschaft und Gesellschaft einlädt.

Zudem stärken wir die Bürgerwissenschaften (Citizen Science). So wurde eine Internetplattform ins Leben gerufen, die Bürgerinnen und Bürger und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenbringt, um gemeinsam Projekte anzugehen. Die Bundesregierung unterstützt die Bürgerwissenschaften mit einer neuen Förderung: Das BMBF fördert 13 bis zu drei Jahre laufende Projekte. Wir wollen vor allem erreichen, dass die Bürgerinnen und Bürger und die Wissenschaft stärker zusammenarbeiten und die Bürgerwissenschaften methodisch vorangebracht werden. Mit der Förderung haben wir eine starke Mobilisierung der Community bewirkt.

Außerdem setzen wir uns dafür ein, unterschiedliche Akteure bei der Identifizierung von Forschungsschwerpunkten zu beteiligen. Beispielhaft dafür stehen Agendaprozesse und Plattformen wie die Nationale Plattform Zukunftsstadt oder die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Wissenschaftskommunikation ausbauen

Mit den Wissenschaftsjahren rücken wir aktuelle Themen wie "Die digitale Gesellschaft" (2014), "Zukunftsstadt" (2015) und "Meere und Ozeane" (2016*17) oder aktuell "Arbeitswelten der Zukunft" (2018) in den Fokus und regen zur Diskussion und Teilnahme an Wissenschaft und Forschung an. Die Bundesregierung wird Bildung, Wissenschaft und Forschung künftig noch stärker in die Breite tragen und den Dialog zwischen verschiedenen Akteuren aus Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zu Zukunftsthemen ausbauen. Deshalb werden die Aktivitäten in der Wissenschaftskommunikation weiterentwickelt und neue Formen der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern erprobt.

Zukunftsorientierung stärken

Die Bundesregierung wird die strategische Vorausschau weiterentwickeln. Der Foresight-Prozess identifiziert künftige technologische und gesellschaftliche Entwicklungen mit einem langen Zeithorizont und kann der Bundesregierung so rechtzeitig wichtige Impulse für die Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik geben. Foresight kann bei der Konzeption von Strategieprozessen, künftigen Forschungsprogrammen und Projekten helfen. Das BMBF wird einen neuen Foresight-Prozess zu Zukunftsfragen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft starten.

Die Innovations- und Technikanalyse (ITA) untersucht und bewertet neue fachübergreifende Themen von gesellschaftlicher Relevanz hinsichtlich ihrer Herausforderungen, Chancen und Risiken. Dabei werden die vielfältigen Dimensionen zukünftiger Entwicklungen erfasst: Welche ökologischen und ökonomischen Konsequenzen hat ein Zukunftstrend? Welche gesellschaftlichen und ethischen Debatten müssen geführt werden? Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden und welche Hürden müssen dabei beseitigt werden, um die Risiken zu minimieren? Mit Analysen im Spannungsfeld technologischer Möglichkeiten, gesellschaftlicher Wertvorstellungen und wirtschaftlicher Anforderungen ist die ITA ein wichtiger Teil der strategischen Vorausschau.

Erfolge müssen messbar sein – dafür wurden in einem Pilotprojekt zu einem Kompetenzmonitoring neuartige Methoden entwickelt. Sie ermöglichen es, für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft besonders relevante Zukunftstechnologien und Innovationsfelder zu identifizieren und die erforderlichen Kompetenzen zu antizipieren und strategisch aufzubauen. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erhalten damit ein Werkzeug, um neuen Wertschöpfungsfeldern zum Durchbruch zu verhelfen und Potenziale für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu heben.

Evaluation und Beratung für eine wirksame Forschungs- und Innovationspolitik

Die Umsetzung der HTS erfolgt wirksam, koordiniert und vorausschauend. Dabei bezieht die Bundesregierung die Expertise externer Beratungsgremien ein. Zudem werden alle großen Fördermaßnahmen der HTS meist im Voraus, begleitend zur Maßnahme und nach Abschluss evaluiert. Evaluationen helfen, effiziente Programme, Instrumente und Verfahren der Förderung von Forschung und Innovation zu gestalten. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Evaluierungspraxis ist die Voraussetzung für eine wissenschaftlich hochwertige evidenzbasierte Politikberatung im Bereich Forschung und Innovation.

Evaluationen sind damit ein selbstverständliches Instrument der Forschungs- und Innovationspolitik. Ihr Stellenwert ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Mit wachsenden Aufgaben und Mitteln steigen die Erwartungen an die Bundesregierung sicherzustellen, dass die angestrebten Ziele mit den Fördermaßnahmen auch erreicht werden.

Da der Fortschritt in Wissenschaft und Technik immer dynamischer wird, wächst der Bedarf an Orientierungswissen, Diskussion und Mitgestaltung. Dazu müssen technologische Innovationspotenziale und gesellschaftlicher Innovationsbedarf identifiziert, analysiert und in ihrer Wechselwirkung untersucht werden. Die Bundesregierung bezieht dafür die Expertise namhaft besetzter Expertengremien ein.

Die von der Bundesregierung eingerichtete EFI bündelt den interdisziplinären Diskurs mit Bezug zur Innovationsforschung von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Bildungsökonomie, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der Technikvorausschau. Die EFI berät die Bundesregierung durch die Darstellung und Analyse des deutschen Forschungs- und Innovationssystems im zeitlichen und internationalen Vergleich, durch die Begutachtung von Schwerpunktfragen sowie die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des deutschen Forschungs- und Innovationssystems. Die zentralen Ergebnisse der Arbeit der Kommission werden in den Jahresgutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands publiziert.

Die Umsetzung und Weiterentwicklung der HTS wurde inhaltlich und strategisch wesentlich durch das Hightech-Forum unterstützt. Dabei haben Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft interdisziplinär und fachübergreifend ihre Expertise zur künftigen Forschungs- und Innovationsstrategie (FuI-Strategie) der Bundesregierung eingebracht. Das Hightech-Forum hat Themen herausgegriffen, die für die Zukunftsfähigkeit des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zentral sind: autonome Systeme, Digitalisierung und Gesundheit, Effektivität des Innovationssystems und Innovationskraft des Mittelstands, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für Kooperation und Transfer, innovative Arbeitswelten, Internationalisierung, nachhaltiges Wirtschaften sowie Partizipation und Transparenz. Zu diesen Themen hat das Hightech-Forum Umsetzungsimpulse und Szenarien erarbeitet. Die Entwicklung der Empfehlungen wurde durch umfassende Konsultationsprozesse flankiert. Im Mai 2017 hat das Hightech-Forum seine Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Forschungs- und Innovationsstandorts gebündelt vorgelegt. Sie fließen in die Weiterentwicklung der HTS ein.

Im Innovationsdialog bei der Bundeskanzlerin diskutieren hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft über strategische Weichenstellungen der Innovationspolitik. Bisher haben elf Innovationsdialoge stattgefunden, u. a. zu MINT-Bildung; digitaler Vernetzung und Zukunft der Wertschöpfung; Innovationspotenzialen der Mensch-Maschine-Interaktion; modernen Formen des Ideen-, Wissens- und Technologietransfers; Innovationspotenzialen der Biotechnologie; Deutschlands Rolle in der europäischen Innovationspolitik und Impulsen für radikale Innovationen.