­Transparenz und Partizipation

Bienen beobachten, Wasserqualität messen – immer mehr Bürgerinnen und Bürger widmen sich in ihrer Freizeit der Wissenschaft und sorgen damit für neue und wichtige Erkenntnisse. Die Bundesregierung unterstützt diesen Trend – und bezieht Laien bei Bürgerdialogen auch in die Diskussion über die künftige Ausrichtung von Forschung ein.

Um die Innovationskraft Deutschlands zu erhöhen, sind zum einen Forschungsinvestitionen von staatlicher und unternehmerischer Seite notwendig. Zum anderen müssen alle Beteiligten die Innovationsprozesse mitgestalten. Die Bundesregierung setzt sich daher in der Hightech-Strategie für eine stärkere Beteiligung aller Akteure – von der Wissenschaft über die Wirtschaft bis zu den Bürgerinnen und Bürgern – bei Innovationsprozessen ein.

Die fundierte Aufbereitung von Informationen ist eine Voraussetzung für die Mitgestaltung und den frühzeitigen sowie offenen Dialog über neue Technologien und Entwicklungen. Die Innovations- und Technikanalyse (ITA) richtet den Blick auf die kommenden fünf Jahre und analysiert Chancen und Risiken neuer technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Wie sich die Gesellschaft längerfristig verändern könnte, veranschaulichen die Ergebnisse des Foresight-Prozesses, der fester Bestandteil der Strategischen Vorschau ist.

Es ist Aufgabe der Wissenschaftskommunikation, Forschungsergebnisse und Innovationsprozesse verständlich darzustellen. Dialogformate spielen hierbei eine wichtige Rolle und prägen zunehmend auch die Wissenschaftsjahre. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane verdeutlicht den Beitrag von Wissenschaft und Forschung für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Meere und Ozeane.

Die Bundesregierung fördert die Verankerung von Innovationen in der Mitte der Gesellschaft durch Bürgerdialoge und transdisziplinäre Forschung. Die ZukunftsForen zur künftigen Ausrichtung von Forschung und Wissenschaft tragen dazu bei, das Erfahrungswissen von Bürgerinnen und Bürgern in die Politikgestaltung einfließen zu lassen. Die Förderung von Citizen-Science-Projekten bindet die Gesellschaft aktiv in die Forschung ein. Der Einsatz von Agendaprozessen gewährleistet, dass sich Innovations- und Forschungsprogramme am Bedarf orientieren. Indem Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam an der Themenfindung mitwirken, werden Akzeptanz und Bekanntheit der Förderprogramme gesteigert, aber auch Innovationskräfte stimuliert.
 

Innovations- und Technikanalyse

Die Innovations- und Technikanalyse (ITA) des BMBF analysiert und bewertet fachübergreifende Zukunftsthemen von gesellschaftlicher Relevanz hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken. Die sachlich fundiert aufbereiteten Informationen tragen zu einem transparenten Dialogprozess bei. Die Diskussion von Themen im Spannungsfeld technologischer Möglichkeiten, gesellschaftlicher Wertvorstellungen und wirtschaftlicher Anforderungen befördert eine für Mensch und Umwelt verträgliche Technikgestaltung. Im Fokus stehen bevorstehende bzw. zu erwartende technologische und gesellschaftliche Entwicklungen mit einem mittelfristigen Zeithorizont von bis zu fünf Jahren.

Im Rahmen der ITA werden inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekte gefördert. Über partizipative Verfahren werden nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch Bürgerinnen und Bürger in die Technikfolgenabschätzung einbezogen.Eine neue ITA-Bekanntmachung wurde am 18. September 2017 veröffentlicht. Forschungsvorhaben zu folgenden Themenfeldern werden für zwei Jahre gefördert: künstliche Intelligenz und virtuelle Realitäten, digitale Plattformsysteme, kulturelle Diversität, Partizipationsfähigkeit, Governance von Innovationsprozessen; außerdem gibt es ein themenoffenes Feld. Die Laufzeit der Projekte ist für den Zeitraum 2018–2020 geplant.

Strategische Vorausschau

Die Bundesregierung richtet ihren Zukunftsblick kontinuierlich strategisch aus. Der BMBF-Foresight- Prozess ist ein strategisches Instrument zur langfristigen Vorausschau relevanter Themen in Bildung und Forschung. Er blickt mit einer Perspektive von bis zu 15 Jahren in die Zukunft und identifiziert gesellschaftlich wichtige Handlungsfelder, um rechtzeitiges Agieren der deutschen Forschungs- und Innovationspolitik zu ermöglichen. Zukunftsthemen liegen oft jenseits bisheriger Fach- und Programmlogiken. Foresight verknüpft systematisch künftig mögliche gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen mit neuen Trends in Forschung und Technologie, um daraus prioritäre Themen künftiger Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik abzuleiten.

Die Strategische Vorausschau ist zyklisch angelegt. In der zweijährigen Suchphase von 2012 bis 2014 (Zyklus II) lag der Schwerpunkt darauf, künftige gesellschaftliche Herausforderungen zu erkennen, die bis ins Jahr 2030 reichen können. In verschiedenen Workshops wurden mit Expertinnen und Experten aus verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen Trends identifiziert, Wünsche an die Zukunft formuliert und kreativ nach Verknüpfungen von Technologie und Gesellschaft gesucht.

Aus den identifizierten Gesellschaftstrends wurden spezifische gesellschaftliche Herausforderungen abgeleitet, die durch Forschung und Innovation adressiert werden können. Verknüpft mit Forschungs- und Technologieperspektiven wurde das Potenzial für entstehende Innovationsfelder bewertet. Die Ergebnisse der Strategischen Vorausschau fließen in die Förderprogrammatik ein, werden als Grundlage für Diskussionen mit Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft genutzt und finden schließlich Berücksichtigung bei der Formulierung neuer Strategien. Ein Konzept für einen neuen BMBF-Foresight-Prozess liegt vor, die konkrete Ausgestaltung ist in der Abstimmung.

Das BMU untersucht im Rahmen seiner Ressortforschung potenzielle Zukunftsthemen und ihre eventuellen Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik. Aktuell untersucht das BMU u. a., wie neue Trends systematisch erkannt werden können, beispielsweise im Projekt „Horizon Scanning und Trendmonitoring als Instrumente der Umweltpolitik zur strategischen Früherkennung und effizienten Politikberatung“.

Wissenschaftsjahre, Wissenschaftskommunikation

Die Wissenschaftsjahre sind die zentrale Initiative des BMBF auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation. Das BMBF richtet die Wissenschaftsjahre gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) aus. Ziel der Wissenschaftsjahre ist es, die Öffentlichkeit stärker für die Wissenschaft zu interessieren und den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu fördern. Indem Forschungsergebnisse in eine verständliche Sprache übersetzt werden, wird Wissenschaft für Bürgerinnen und Bürger transparenter und zugänglicher. Ziel ist es zudem, kontroverse Debatten anzuregen und voranzutreiben. Die Wissenschaftsjahre verstehen sich als Treiber für eine Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation. So werden besonders solche Projekte gefördert, die die Wissenschaftskommunikation auch in ihrer Methodenvielfalt voranbringen.

Das Wissenschaftsjahr 2016*17 beschäftigte sich mit dem Thema Meere und Ozeane (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima und Energie sowie Infobox Ausgewählte Formate und Aktionen im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane). Das Wissenschaftsjahr vermittelte, was wir tun können und müssen, um die Lebensgrundlagen für uns und für künftige Generationen zu erhalten. Und es machte deutlich, welche Methoden und Instrumente Wissenschaft und Forschung bereithalten, um diese Ziele zu erreichen. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 veranschaulichte, wie die Menschen die Meere und Ozeane entdecken, nutzen und schützen können. Mit rund 270 Partnern und in über 1.000 Veranstaltungen gelang dies bundesweit – nicht nur an der Küste: Die Bezüge des Binnenlandes zu den Meeren und Ozeanen wurden auf vielfältige Weise deutlich, so z. B. durch die Jugendaktion Plastikpiraten und die Elbschwimmstaffel, die den Einfluss der Flüsse und der Binnenlandbewohner auf den Zustand der Meere und Ozeane anschaulich zeigten. Mit acht Monaten, 75 Städten und 5.340 Kilometern im Logbuch beendete die MS Wissenschaft im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane am 8. Oktober 2017 ihre erfolgreiche Tour durch Deutschland und Österreich. Inhaltlich spielten zahlreiche spannende und herausfordernde Themen eine Rolle. Dazu gehörte die große Artenvielfalt in der Tiefsee, die faszinierende Technik auf den Forschungsschiffen, die Bedeutung der Ozeane für den Klimaschutz, das gewaltige Potenzial zur Ressourcennutzung und der Schutz der Meere und Ozeane vor Vermüllung. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 widmete sich damit in besonderer Weise der Frage, wie wir gemeinsam die Zukunft unseres Planeten gestalten können.

Im Wissenschaftsjahr 2018 steht das Thema Arbeitswelten der Zukunft im Fokus (siehe auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistung). Es soll gezeigt werden, welchen Einfluss technische und soziale Innovationen auf die Arbeit von morgen haben – und wie diese nicht nur den Arbeitsalltag verändern, sondern auch neue Maßstäbe im gesellschaftspolitischen Dialog setzen. „Erleben. Erlernen. Gestalten.“ – Unter diesem Motto werden Bürgerinnen und Bürger im Wissenschaftsjahr 2018 aufgerufen, mitzumachen, neue Fragen zu stellen und gemeinsam Lösungsansätze zu finden.

2017 wurde in Berlin das Futurium der Öffentlichkeit vorgestellt. Das „Haus der Zukunft“ wird in Ausstellungen und Veranstaltungen Szenarien für das Leben in der Zukunft entwickeln und zeigen, was Wissenschaft, Forschung und Entwicklung in Deutschland zur Lösung nationaler und globaler Zukunftsfragen beitragen. Das Futurium ist als Ort der Partizipation konzipiert. Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und die Bürgergesellschaft werden zusammenkommen, Ideen austauschen und über die Zukunft diskutieren. Getragen wird das Futurium von einer gemeinnützigen GmbH, an der Bund, Wissenschaft und Wirtschaft beteiligt sind.

Ausgewählte Formate und Aktionen im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane

Jugendaktion „Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier!“

Die Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier!“ befasste sich mit dem Thema Mikro- und Makroplastik in der Umwelt und dem Einfluss des über die Binnengewässer in die Meere transportierten Plastikmülls. Die Plastikpiraten – Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren in Projektgruppen – haben in zwei Aktionszeiträumen im Herbst 2016 und im Frühjahr 2017 bundesweit Daten zu Kunststoffvorkommen an und in Fließgewässern erhoben. Wie viel und welcher Plastikmüll lässt sich dort finden? Wo sammelt sich besonders viel Müll? Und welche Rolle spielen Fließgeschwindigkeit und Wassertiefe dabei? Mit wissenschaftlichen Methoden wurde gefiltert, gewogen, gezählt und das Ergebnis auf einer digitalen Deutschlandkarte dokumentiert. Die Daten werden durch die Kieler Forschungswerkstatt geprüft und wissenschaftlich evaluiert.

Küstenaktion „Mein mobiles Küstenlabor“

Die Aktion „Mein mobiles Küstenlabor“ hatte zum Ziel, durch umweltpädagogische Aktionen und die Ausgabe von „Küstenlaboren“ Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren für den Lebensraum Küste zu begeistern und ihren Forschergeist zu wecken. Dafür wurde das „mobile Küstenlabor“ für zwei Jahre in einer Auflage von 55.000 Stück produziert. Die „Küstenlabore“ bestehen aus einer Becherlupe, einem Kescher, einer Forschungsanleitung, einem „forscher“-Kindermagazin sowie dem Biodiversitätsquartett des Wissenschaftsjahres. Bei ca. 150 Partnern aus Tourismus, Umweltbildung und Forschung konnte an vielen Orten an Nord- und Ostsee das Küstenlabor von interessierten Kindern und Familien kostenfrei abgeholt werden. Zusätzlich wurden die Küstenlabore in Veranstaltungen der Partner integriert. Während der SommerTour an Nord- und Ostseeküste luden zusätzlich Spiele und Mitmachaktivitäten am Strand Kinder und Familien ein, ihr Wissen rund um Meere und Ozeane zu testen.

Elbschwimmstaffel – Schwimmen für die Meeresforschung

575 Kilometer, sechs Bundesländer, 19 Etappen: Mehr als 200 Schwimmerinnen und Schwimmer machten sich vom 24. Juni bis zum 12. Juli 2017 bei der größten Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands auf den langen Weg die Elbe hinunter – von Bad Schandau bei Dresden bis Geesthacht bei Hamburg. Die Botschaft: Das Meer beginnt hier – in einem Fluss, dessen Wasserqualität sich durch gemeinsame Anstrengungen von Politik, Behörden, Wissenschaft und Gesellschaft deutlich verbessert hat. Die Elbschwimmstaffel war Anlass für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, das Wasser der einst stark verschmutzten Elbe genau unter die Lupe zu nehmen. Drei Forschungsteams gingen daher mit den Schwimmerinnen und Schwimmern an den Start. Von einem Begleitboot aus haben sie die Wasserqualität, das Algenwachstum, das Auftreten von Cyanobakterien, den Anteil von Mikroplastik und vieles mehr gemessen. An den Etappenzielen gaben sie Einblicke in ihre Forschung. Zudem konnten Bürgerinnen und Bürger dort selbst experimentieren, sich über nachhaltigen Hochwasserschutz informieren – oder erfahren, wie ehemals heimische Fischarten wieder in der Elbe angesiedelt werden.

Strategischer Austausch und Bürgerdialoge

Der Trend zu mehr Partizipation und die Möglichkeiten der digitalen Beteiligung bieten große Chancen für neue Impulse in der Forschungs- und Innovationspolitik. Das BMBF führt die Anwendung partizipativer Formate in der Forschungs- und Innovationspolitik fort und baut sie konsequent aus.

Bürgerdialoge sind wichtige Austauschformate, um Anregungen für die Politikgestaltung zu bekommen und die Zielgenauigkeit und Wirksamkeit politischer Vorhaben zu erhöhen. Gleichzeitig wecken sie die Neugier bei den Beteiligten und schaffen Akzeptanz für neue Themen. Im Jahr 2015 startete die Bürgerdialogreihe ZukunftsForen, welche die zukünftige Ausrichtung von Forschung und Wissenschaft in den Mittelpunkt stellt. Bis 2017 wurde in mehreren ZukunftsForen ein breites Spektrum an Themen debattiert – von „Gesundheit neu denken“ über „Tauschen, Teilen, Selbermachen“ bis hin zu „Lehren, Lernen und Leben in der digitalen Welt“ sowie „Denken und Arbeiten in der Welt von morgen“. Die ZukunftsForen bieten Bürgerinnen und Bürger eine Beteiligung jeweils über eine repräsentative Befragung (den ZukunftsMonitor), einen moderierten Workshop (den ZukunftsTag) sowie einen direkten Dialog mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung (die ZukunftsNacht). Die ZukunftsForen werden von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen wissenschaftlich begleitet. Sie sind in die Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingebunden und geben Auskunft in Fachfragen.

Das BMU hat zu wichtigen umweltpolitischen Programmen und Themen wie dem Klimaschutzplan 2050, dem Integrierten Umweltprogramm 2030 und zur 23. UN-Klimakonferenz 2018 in Bonn innovative Bürgerdialoge durchgeführt. Die Ergebnisse der Dialoge wurden in Bürgerreporten festgehalten und den politischen Entscheidungsträgern übermittelt. So wurden Impulse für das Regierungshandeln gegeben.
Auch die Rahmensetzung zum Deutschen Ressourceneffizienzprogramm II (ProgRess II) wurde in einem breiten Dialogprozess ausgearbeitet. Darüber hinaus führte das BMU Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung durch.

Das BMU steht im Rahmen der internationalen Open Government Partnership zu seinen Verpflichtungen aus dem ersten nationalen Aktionsplan für offenes und transparentes Verwaltungs- und Regierungshandeln. Auf dem Weg zu einer digitalen Verwaltung hat das BMU in einem Forschungsvorhaben den Prototyp einer digitalen Plattform für Beteiligungsprozesse an Programmen und Gesetzentwürfen entwickelt, der bei geeigneten Entscheidungsprozessen des Hauses erprobt wird.

Transdisziplinäre Forschung

In Deutschland unterstützen immer mehr Menschen in ihrer Freizeit die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Das BMBF fördert partizipativ angelegte Forschungsprojekte mit dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger in der Forschung oder in Innovationsprozessen zum Mitmachen einzuladen.

Bürgerforschung, auch bekannt als Citizen Science, bindet Menschen, die an Wissenschaft interessiert sind, in die Forschung ein. Das BMBF fördert die Onlineplattform „Bürger schaffen Wissen“ als zentrale Anlaufstelle für bürgerwissenschaftliche Projekte in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können dort ihre Projekte einstellen, über ihre Vorhaben informieren sowie Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen einladen.

Im Rahmen des neuen Förderbereichs Bürgerforschung fördert das BMBF aktuell 13 Projekte, die im Rahmen einer 2016 veröffentlichten Förderbekanntmachung von einer Jury aus über 300 eingereichten Anträgen dem BMBF zur Förderung empfohlen wurden. Die Projekte, welche ein breites Themenspektrum von Sozialwissenschaften über Natur- und Umweltschutz bis hin zum Gesundheitsbereich abdecken, starteten 2017. Sie werden maximal drei Jahre laufen (siehe auch Infobox Bee Observer).

Bee Observer - BOB: Risiken und Gefahren für Honigbienen

Bienen sterben weltweit in bisher nie dagewesenem Ausmaß. Dabei sind die Insekten für den Erhalt des Ökosystems von zentraler Bedeutung. Von einer abnehmenden Bestäubung von Nutzpflanzen durch Honigbienen wäre zudem die Nahrungsmittelproduktion betroffen. Das Projekt Bee Observer der Universität Bremen wird gemeinsam mit der Berliner Maker-Gruppe Hiveeyes sowie Imkerinnen und Imkern deutschlandweit Bienenstöcke mit Sensortechnik ausstatten, um Daten über den Zustand von Bienenvölkern aufzuzeichnen. Mithilfe der Daten sollen Strategien für die Rettung der Bienen entwickelt werden.

Agendaprozesse

In einem Agendaprozess werden die Inhalte und Schwerpunkte künftiger Förder- und Innovationsprogramme gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt. So wird gewährleistet, dass das Wissen und die Forschungsbedarfe der potenziellen Adressaten in die Programmgestaltung mit einfließen. Agendaprozesse werden verstärkt zur Weiterentwicklung der Forschungsprogramme eingesetzt.

Das BMBF führte im Jahr 2017 einen Agendaprozess zum Thema Nachhaltige urbane Mobilität durch (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima und Energie). Dabei wurden in einem mehrstufigen, partizipativen Prozess Forschungs- und Entwicklungsbedarfe für eine nachhaltige Mobilitätsentwicklung in Städten identifiziert. Von zentraler Bedeutung für den Agendaprozess waren u. a. Themen aus den Bereichen nachhaltige Stadtentwicklung, neue Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle für einen effizienten und nachhaltigen Stadtverkehr, Digitalisierung und neue Technologien, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Akzeptanz und Wirkungen von Angeboten und Technologien.