Sicherheit

Globale Sicherheitsarchitekturen und Sicherheitsrisiken haben sich in der Gesellschaft grundlegend geändert. Bedrohungen wie Terrorismus, organisiertes Verbrechen, Cyberkriminalität sowie Rohstoff- und Energieverknappung, Klimawandel und damit einhergehende Naturkatastrophen stellen grundlegend neue Anforderungen an die Sicherheit. Ziel der Bundesregierung ist es, zum Schutz eines freiheitlichen Lebensstils beizutragen.

Das Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit zielt auf den Schutz vor Gefahren in der Gesellschaft. Sicherheit gehört zur Lebensqualität der Menschen. Die Bundesregierung fördert bereits seit dem Jahr 2007 die Entwicklung umfassender Sicherheitslösungen anhand konkreter Szenarien, der Erforschung aktueller Querschnittsthemen und der Entwicklung transnationaler Lösungsansätze in internationalen Kooperationen. Dazu entwickelt die zivile Sicherheitsforschung innovative Lösungen, um Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Mit dem Forschungsrahmenprogramm Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–2020 wird die Entwicklung innovativer und sicherer IT-Lösungen für Menschen, Wirtschaft und Staat unterstützt. Beide Programme sind Teil der Hightech-Strategie der Bundesregierung, die die zivile Sicherheit als eine der Zukunftsaufgaben definiert.

Die strategischen Ziele ihrer Cyber-Sicherheitspolitik hat die Bundesregierung 2016 in der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland festgelegt. Ziel ist das sichere und selbstbestimmte Handeln in einer digitalisierten Umgebung. Die BMWi-Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft fördert seit 2011 Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung des Bewusstseins für IT-Sicherheit speziell in kleinen und mittleren Unternehmen. Die Initiative ist als gemeinsame Initiative mit der Wirtschaft konzipiert.

Der Schutz Deutschlands erfordert auch künftig von deutschen Streitkräften neben den klassischen Aufgaben zur Landesverteidigung die Fähigkeit zum Einsatz im multinationalen Verbund jenseits der Bündnisgrenzen zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung – einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus sowie der entsprechenden Fähigkeiten im virtuellen Raum. Die wehrwissenschaftliche Forschung liefert die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen für die Erfüllung des Auftrags des Verteidigungsressorts.

Forschung für den Bevölkerungsschutz

Zur Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes betreibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für das BMI Ressortforschung. Die wissenschaftlichen und technischen Fragestellungen ergeben sich aus der täglichen Arbeit der Behörden sowie der operativ tätigen Organisationen und sind somit immer anwendungs- und lösungsorientiert (siehe auch Organisationenband). Dabei findet eine enge Abstimmung mit den Ländern statt.

Derzeit werden Forschungsvorhaben in folgenden Schwerpunkten gefördert:

  • Schutz vor chemischen, biologischen, radioaktiven und nuklearen Gefahren,
  • Schutz kritischer Infrastrukturen,
  • Schutz der Gesundheit,
  • Psychosoziale Notfallversorgung.

Daneben werden Projekte gefördert, die sich mit Fragen der Weiterentwicklung des Krisen- und Risikomanagements, der Krisen- und Risikokommunikation, der Ausbildung im Bevölkerungsschutz, der Warnung der Bevölkerung sowie
der Selbsthilfe und des Selbstschutzes beschäftigen. Für die Zivilschutzforschung stehen jährlich etwa 2 Mio. Euro zur Verfügung.

Forschung für die zivile Sicherheit

Im Mittelpunkt der zivilen Sicherheitsforschung stehen innovative und interdisziplinäre Lösungen für den Schutz kritischer Infrastrukturen, für ein modernes Einsatz- und Krisenmanagement und für den Schutz vor Kriminalität und Terrorismus. Zur wirksamen Sicherung der individuellen Freiheit, der Unversehrtheit aller Bürgerinnen und Bürger sowie von lebenswichtigen staatlichen und wirtschaftlichen Infrastrukturen kann die Forschung neue Wege und Lösungen aufzeigen, Herausforderungen dieser Art zu begegnen. Das Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit 2012–2017 der Bundesregierung baut auf der im Jahr 2007 gestarteten ersten Programmphase auf. Als lernendes Programm formuliert es die längerfristig ausgerichtete flexible Förderpolitik, die auf Basis der Erfahrungen und der sich ändernden Herausforderungen weiterentwickelt wird. Seit 2007 hat das BMBF über 560 Mio. Euro an Fördermitteln zur Verfügung gestellt. Die Industrie investierte zusätzlich über 125 Mio. Euro an Eigenmitteln.

Das Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit richtet seine Forschungsförderung auf die globalen Herausforderungen der zivilen Sicherheit. Die Themen sind:

  • Schutz und Rettung von Menschen,
  • Schutz kritischer Infrastrukturen,
  • Schutz vor Kriminalität und Terrorismus,
  • Gesellschaft und Wirtschaft,
  • sonstige Querschnittsthemen und -aktivitäten.

Das Rahmenprogramm verfolgt einen szenarienorientierten Ansatz. Das heißt, Anforderungen von Anwendern wie Polizei, Rettungskräften und Infrastrukturbetreibern werden frühzeitig in die Forschung einbezogen. Realitätsnahe Szenarien bilden die Grundlage dafür, dass Technik-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften gemeinsam mit Behörden und Unternehmen an praxisorientierten Lösungen arbeiten und dabei gesellschaftliche Aspekte der Sicherheit berücksichtigen.

Im Fokus der Programmlinie Internationale Kooperation stehen Sicherheitslösungen, die die gemeinsamen Herausforderungen von Staaten betreffen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, auf Basis gemeinsamer Stärken in Forschung und Technologie innovative und auch auf künftige Standards zielende Lösungen für die zivile Sicherheit weltweit zu entwickeln. Bisher bestehen bilaterale Regierungsabkommen mit Frankreich, Indien, Israel, Österreich sowie den USA.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhalten über die Fördermaßnahme KMU-innovativ: Zivile Sicherheitsforschung gezielten Zugang zur fachspezifischen Förderung des Forschungsrahmenprogramms (siehe auch III 3.1 Innovativer Mittelstand).

Forschung für die zivile Sicherheit ist kein reines Technologieprogramm. Es setzt vielmehr auch auf innovative organisatorische Konzepte und Handlungsstrategien zur Prävention gegen Schadensereignisse und zur Krisenbewältigung. Ein Schwerpunkt ist dabei die Prävention von Radikalisierung im Internet. Um praxisnahe Sicherheitslösungen zu erarbeiten, werden über die Fördermaßnahme Anwender – Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit Endnutzer zu einer Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie zur Kooperation mit Unternehmen und wissenschaftlichen Partnern angeregt.

Kompetenznetze für Autonome Systeme in menschenfeindlichen Umgebungen: Mit der Maßnahme sollen vorhandene Kompetenzen bei Robotik und Robotereinsatz im Bereich der zivilen Sicherheit gebündelt, innovative Systemlösungen entwickelt, Gefahren in menschenfeindlichen Umgebungen miniminiert und Einsatzkräfte insbesondere bei riskanten oder gesundheitsgefährdenden Arbeiten entlastet werden.

Das BMBF unterstützt die Vernetzung der Akteure in der zivilen Sicherheitsforschung in Deutschland u. a. durch die interaktive Forschungslandkarte „Security-ResearchMap“ und über das Graduierten-Netzwerk „Zivile Sicherheit“. Darüber hinaus wird über die Fördermaßnahme Zivile Sicherheit – Nachwuchsförderung durch interdisziplinären Kompetenzaufbau systematisch die Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen gefördert.

In der Sicherheitsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) werden die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Abstimmung mit den Partnern in Staat, Wissenschaft und Industrie geplant und gesteuert. Der Querschnittsbereich nutzt die Kompetenzen in der Luftfahrt-, Raumfahrt-, Energie-, Verkehrs- und Digitalisierungsforschung und erarbeitet Beiträge zur Entwicklung, Erprobung und Bewertung von Technologien sowie zur Beurteilung und Beratung sicherheitsrelevanter Anwendungen mit dem Ziel, kritische Infrastrukturen zu schützen.

IT-Sicherheit

Unsere Gesellschaft und ihre Funktionsfähigkeit sind als Teil einer zunehmend vernetzten Welt auf das verlässliche Funktionieren der digitalen Infrastruktur angewiesen. IT-Sicherheit ist zu einem wesentlichen Element für Innovation und Wachstum in Deutschland geworden. Daher hat das BMBF den weiteren Ausbau der Kompetenzen in Forschung und Entwicklung für zukunftssichere vertrauenswürdige IT-Sicherheitslösungen zu einem Schwerpunkt der Förderung gemacht.

Die strategischen Ziele ihrer Cyber-Sicherheitspolitik hat die Bundesregierung 2016 in der Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland festgelegt. Sie benennt vier Handlungsfelder. An erster Stelle steht sicheres und selbstbestimmtes Handeln in einer digitalisierten Umgebung. Sie berücksichtigt auch wirtschaftspolitisch wichtige Aspekte wie beispielsweise die Produkthaftung für IT-Sicherheitsmängel und Kennzeichnung von IT-Sicherheitseigenschaften von Produkten.

Das Forschungsrahmenprogramm der Bundesregierung für IT-Sicherheit Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–2020 bündelt erstmals ressortübergreifend die Aktivitäten zur IT-Sicherheitsforschung. Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger ist dabei von besonderem Interesse – und dazu gehört auch der Schutz von kritischen Infrastrukturen wie Wasser- und Energieversorgung. Das Programm wurde im März 2015 vom BMBF mit einem Gesamtfördervolumen von rund 180 Mio. Euro und einer Laufzeit bis 2020 vorgelegt. Mit den Forschungsthemen werden wesentliche Querschnittsthemen der Digitalen Agenda 2014–2017 aufgegriffen (siehe auch III 1.1 Digitalisierung und Schlüsseltechnologien). Als Forschungsschwerpunkte adressiert das Programm neue Technologien für die IT-Sicherheit, sichere und vertrauenswürdige Informations- und Kommunikationssysteme, IT-Sicherheit in zentralen Anwendungsfeldern sowie Privatheit und Schutz von Daten. Es stärkt dabei auch internationale Kooperationen.

Die BMBF-geförderten Kompetenzzentren für IT-Sicherheitsforschung an den Standorten Darmstadt, Saarbrücken und Karlsruhe greifen kontinuierlich neue Forschungsfragen auf und erarbeiten zeitnah Einschätzungen, Handlungsempfehlungen und Lösungen zu aktuellen Herausforderungen. Mit der Förderung des BMBF haben sich die drei Zentren zu herausragenden Standorten der Cybersicherheitsforschung in Deutschland und zu international renommierten Größen entwickelt. Um den wachsenden Bedarf an exzellenter Cybersicherheitsforschung in Deutschland Rechnung zu tragen, hat das BMBF damit begonnen, die Kompetenzzentren der IT-Sicherheitsforschung zu international sichtbaren Forschungs- und Beratungszentren, auch für technologieorientierte Unternehmensgründungen, weiterzuentwickeln. Das Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) in Saarbrücken soll neues Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit werden. Das Center for Research in Security and Privacy (CRISP) soll Nationales Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit werden. Auch die Gespräche zur Weiterentwicklung von KASTEL in Karlsruhe haben begonnen.

Im Rahmen des BMBF-Forschungsschwerpunkts IT-Sicherheit kritischer Infrastrukturen arbeiten Betreiber von Flughäfen, Banken, Energie- und Wasserversorger, Rettungs- und Verkehrsleitstellen sowie die öffentliche Verwaltung gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von 21 Forschungseinrichtungen am Schutz vor Cyberangriffen. Neben konkreten Sicherheitsmaßnahmen stehen auch das Erkennen von Angriffen und die Beurteilung der Gefährdungslage im Fokus des Programms.

Um vernetzte Industrieanlagen effektiver vor Cyberangriffen und Spionage zu schützen, wurde 2015 gemeinsam mit der Wirtschaft ein Nationales Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in der Industrie 4.0 ins Leben gerufen. Sieben Forschungseinrichtungen und Universitäten forschen zusammen mit 14 Unternehmen der deutschen Industrie daran, Angriffspunkte für Hacker und Spione zu minimieren. Dies geschieht konkret anhand von Anwendungsschwerpunkten und Demonstratoren. Ziel sind neue Methoden, mit denen sichere Prozesse, sichere Daten und sichere Dienste bei sicherer Vernetzung realisiert werden können (siehe auch III 1.1 Digitalisierung und Schlüsseltechnologien).

In dem in der zweiten Phase (2014–2018) seitens des BMBF mit ca. 18 Mio. Euro geförderten Schwerpunkt Quantenkommunikation – Q.com werden physikalische Grundlagen und Komponenten erforscht, die für eine beweisbar sichere Übertragung von Daten über weite Strecken notwendig sind. Das BMBF fördert diese Zukunftstechnologie, da sie für die IT-Sicherheit ein sehr großes Potenzial bietet (siehe Infobox Quantenkommunikation – abhörsichere Übertragung von Informationen sowie III 1.1 Digitalisierung und Schlüsseltechnologien).

Darüber hinaus werden Forschungsvorhaben in folgenden Schwerpunkten gefördert:

  • Erkennung und Aufklärung von IT-Sicherheitsvorfällen,
  • Hightech für IT-Sicherheit: Hardwarebasierte Lösungen zum Schutz von vernetzten Geräten, sensiblen Daten oder geistigem Eigentum,
  • Disruptive Innovationen für IT-Sicherheit: Förderung von exzellenten und risikoreichen Projekten von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern,
  • Datenschutz: Selbstbestimmt in der digitalen Welt.

Das vom BMWi geförderte DLR widmet sich der Erforschung und Entwicklung neuer laserbasierter Kommunikationstechnologie und Quantenkryptografie. Das DLR und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben die Quantenkryptografie bei der optischen Kommunikation mittels Laser unter atmosphärischen Bedingungen bereits erfolgreich mit einem fliegenden Objekt getestet; Ziel ist eine laserbasierte Kommunikation mit Satelliten, die extrem hohe Datenübertragungsraten bei gleichzeitiger Abhörsicherheit ermöglicht. In der Freiraum-Laserkommunikation wurden bereits entscheidende Fortschritte bei der Überwindung atmosphärischer Störeinflüsse in Tests unter Realbedingungen und ein Weltrekord erreicht.

Ziel der BMWi-Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft ist, den Zugang zu sicherer und vertrauenswürdiger IT für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat zu gewährleisten, damit diese die Vorteile der Digitalisierung nutzen können. Die Initiative bündelt die bestehenden Aktivitäten von herstellerneutralen IT-Sicherheitsinitiativen unter einer Dachmarke und erarbeitet konkrete Maßnahmen zur Unterstützung des deutschen Mittelstands. Mit der Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft fördert das BMWi konkrete Unterstützungsprojekte zur IT-Sicherheit für KMU.

  • Der IT-Sicherheitscheck ermöglicht Unternehmen zu testen, wie sie IT und Datenschutz verbessern können. Der IT-Sicherheitsnavigator gibt einen schnellen Überblick über konkrete Hilfsangebote: regionale Beratungsstellen, Basis-Sicherheitschecks zum Selbsttesten, einen Veranstaltungskalender sowie Broschüren und Leitfäden.
  • Experten der Initiative-S unterstützen KMU dabei, ihre Internetseiten regelmäßig zu überprüfen, von Schadsoftware zu befreien und nachhaltig gegen neue Angriffe zu schützen. eco, der Verband der Internetwirtschaft, hat eine Infrastruktur geschaffen, die nach Einwilligung des Webseitenbetreibers die Webseiten des Unternehmens in regelmäßigen Intervallen auf Schadcodes untersucht.
  • Mit KMU aware – Awareness im Mittelstand werden für KMU Schulungsinhalte erarbeitet und kostenlos zur Verfügung gestellt, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend fortzubilden.
  • Das Projekt IT-Sicherheit im Handwerk hat das Ziel, Handwerksbetriebe bei der Umsetzung von Sicherheitskonzepten zu unterstützen. Das deutschlandweite Netzwerk kann Handwerksbetrieben vor Ort bei der Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen helfen. Ein Projektbaustein ist die Ausbildung von Beraterinnen und Beratern aus der Kammerorganisation zu IT-Sicherheitsbotschaftern, die anschließend auf Betriebe zugehen, um den Sicherheitsstandard im Handwerk anzuheben.
  • Die Cyber Security Challenge Germany sucht und fördert junge Talente der Cybersicherheit. Ziel ist es, den steigenden Bedarf an Fachkräften in der Branche nachhaltig zu decken.

Wehrwissenschaftliche Forschung

Die deutschen Streitkräfte sind ein integraler Bestandteil der Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands. Die Bundeswehr muss über ein breites und flexibles militärisches Fähigkeitsspektrum verfügen. Das geforderte breite Fähigkeitsspektrum der Bundeswehr verlangt von der wehrwissenschaftlichen Forschung in ihrer Gesamtheit vor allem den Erhalt einer umfassenden Analyse- und Bewertungsfähigkeit über alle wehrwissenschaftlich relevanten Forschungsbereiche sowie das frühzeitige Erkennen und Aufgreifen neuer wehrwissenschaftlicher Entwicklungen und Trends in Forschungsvorhaben zur Vorbereitung ministerieller Entscheidungen.

Wehrwissenschaftliche Forschung sichert auch die internationale Kooperationsfähigkeit Deutschlands im Verteidigungsbereich. Wege sind der Ausbau bi- und multilateraler Forschungskooperationen, auf europäischer Ebene hauptsächlich innerhalb der European Defence Agency (EDA) und transatlantisch in der North Atlantic Treaty Organization (NATO).

Der 2017 veröffentlichte Ressortforschungsplan des BMVg gibt die inhaltliche Ausrichtung der Forschung des BMVg für 2017 und die Folgejahre in den Forschungsbereichen Wehrmedizin und Wehrpsychologie, Wehrtechnik, Sozialwissenschaften und Militärgeschichte sowie Geowissenschaften vor (siehe auch Organisationenband). Im Jahresbericht des BMVg zur wehrwissenschaftlichen Forschung werden ausgewählte Forschungsvorhaben der fünf Forschungsbereiche des Ressorts der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wehrmedizinische und wehrpsychologische Forschung: Die in eigenen Einrichtungen durchgeführte oder vom BMVg gesondert finanzierte wehrmedizinische Forschung und Entwicklung ist anwendungsbezogen und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erkennen und Schließen von Fähigkeitslücken in der sanitätsdienstlichen Versorgung der Bundeswehr. Mit der Neustrukturierung der präventivmedizinisch orientierten Forschung und Beratung sollen die entsprechenden Fähigkeiten gebündelt und die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit verbessert werden. Hierzu wurde im Jahr 2017 das Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr geschaffen. Der psychologische Dienst der Bundeswehr fördert die Entwicklung neuer Analyse- und Interventionsmethoden, vor allem der Prävention, und evaluiert die angewandten psychologischen Methoden und Verfahren. Mit der Einrichtung eines Dezernats Militärpsychologische Forschung im Streitkräfteamt und seinem weiteren Ausbau sollen die wehrpsychologischen Forschungsaktivitäten verstärkt und deren Qualität gesichert werden.

Wehrtechnische Forschung: Die wehrtechnische Forschung und Technologie (FuT) wird durch ressorteigene Forschung in drei wehrtechnischen Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben und durch auftragsfinanzierte Forschung durch Dritte geleistet. Eine intensive Beobachtung und Erschließung aller für wehrtechnische Anwendungen relevanten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Felder durch die wehrtechnische FuT versetzt die Bundeswehr in die Lage, technologische Entwicklungen hinsichtlich ihrer zukünftigen militärischen Verwendbarkeit bzw. ihres Bedrohungspotenzials zu beurteilen. Die Ergebnisse der wehrtechnischen FuT-Aktivitäten sollen die für Ausrüstungsentscheidungen erforderliche Analyse- und Bewertungsfähigkeit sichern, neue innovative Technologien für die Weiterentwicklung der Fähigkeiten der Bundeswehr identifizieren, dafür neue Lösungen anbieten und Zukunftstechnologien zeitgerecht bis zur Produktnähe vorantreiben.

Sozialwissenschaftliche Forschung: Ihr Schwerpunkt liegt auf problemorientierter sozialwissenschaftlicher Auftragsforschung mit überwiegend empirischer Ausrichtung und zugehöriger Grundlagenforschung. Die sozialwissenschaftliche Forschung im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) stellt dem Ressort und der Bundeswehr wissenschaftliche Erkenntnisse über den Funktionswandel von Streitkräften (national und multinational), zur inneren Lage der Streitkräfte, zum Verhältnis von Streitkräften und Gesellschaft sowie zu relevanten soziokulturellen Entwicklungen in der Gesellschaft zur Verfügung. Sie unterstützt damit den Transformationsprozess der Bundeswehr und trägt zur Verbesserung ihrer Einsatzfähigkeit bei.

Militärgeschichtliche Forschung: Kernauftrag ist es, die deutsche Militärgeschichte mit ihren internationalen Bezügen zu erforschen und die Ergebnisse für die historische Bildung in der Bundeswehr und den Diskurs in Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Das ZMSBw erforscht die Militärgeschichte als integralen Bestandteil der allgemeinen Geschichtswissenschaft. Dabei werden nicht zuletzt die globalen Wechselbeziehungen zwischen Militär, Staat, Politik, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik berücksichtigt. Dies erfolgt in Kooperation mit der Professur für Militärgeschichte an der Universität Potsdam und der Beteiligung des ZMSBw am Masterstudiengang Military Studies.

Geowissenschaftliche Forschung: Der Ressortforschungsbereich bearbeitet die Themen und Fragen, die für die aktuelle, mittelfristige und langfristige Sicherstellung der Geoinformationsunterstützung als militärischer Kernfähigkeit erforderlich sind. Es gilt, relevante Geofaktoren und Umwelteinflüsse immer und überall erkennen zu können, deren Auswirkungen auf Operationsführung und Taktik zu beurteilen, aktuelle und qualitätsgesicherte gering- und hochdynamische Geoinformationen für Übung, Einsatzvorbereitung und Einsatz weltweit flächendeckend bereitzustellen und Einsatzkräfte geowissenschaftlich zu beraten. Die geowissenschaftliche Expertise für die Streitkräfte und für das BMVg wird im Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw) vorgehalten.

Mit dem Innovationsprogramm Unterstützung von Diversifizierungsstrategien von Unternehmen der Verteidigungsindustrie in zivile Sicherheitstechnologien unterstützt das BMWi Unternehmen der Verteidigungswirtschaft bei der Diversifizierung ihrer Produkte und Dienstleistungen in den angrenzenden Markt der zivilen Sicherheitswirtschaft. Gegenstand der Förderung sind experimentelle Entwicklungsaktivitäten für innovative Produkte, Verfahren oder technische Dienstleistungen im gesamten technologischen Themenspektrum der zivilen Sicherheit. Das Programm baut damit eine Brücke zwischen den innovativen Unternehmen der Verteidigungsindustrie und dem wachsenden Markt der zivilen Sicherheitswirtschaft. Dies führt neben der Erschließung von Synergien auch zu einer weiteren Verbesserung der Sicherheitslage in Deutschland. Darüber hinaus ist das Programm eine sinnvolle Ergänzung zum Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit.