Schließen von Verwertungslücken

Zur Umsetzung innovativer Produkt- oder Prozesslösungen muss die Brücke zwischen der Forschung und der Verwertung, also der Anwendung von Forschungsergebnissen, gestärkt werden. Dem Ideen-, Wissens- und Technologietransfer folgt die kommerzielle Verwertung. Dabei sind die Validierung und der Schutz geistigen Eigentums sowie die Erarbeitung von Normen und Standards von entscheidender Bedeutung.

Mit der Maßnahme Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+ soll die Innovationslücke zwischen der akademischen Forschung und der wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Anwendung geschlossen und die Weiterentwicklung von Forschungsergebnissen zu innovativen Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen nachhaltig beschleunigt werden. Mit dem technologieoffenen Förderprogramm EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft unterstützt das BMWi bereits seit 1998 Ausgründung und Marktzugang auf Basis wissenschaftlicher Vorarbeiten unter Einbindung der lokalen Gründungsnetzwerke der Hochschulen und Forschungseinrichtungen (siehe auch III 3.2 Innovative Start-ups).

Neben der Verwertung von Ideen kommt der Sicherung von Ideen und Erkenntnissen eine herausragende Bedeutung für den Wissens- und Technologietransfer zu. Patentierung und Markteintritt bergen Herausforderungen für Unternehmen, Hochschulen, Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Mit der Förderrichtlinie Wissens- und Technologietransfer durch Patente und Normen (WIPANO) unterstützt das BMWi seit 2016 Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und KMU bei der Sicherung geistigen Eigentums durch Patente und Gebrauchsmuster.

Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+

Die 2015 gestartete BMBF-Fördermaßnahme Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+ schließt die Innovationslücke zwischen ersten Ergebnissen aus der Grundlagenforschung und ihrer wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Anwendung. VIP+ unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, das Innovationspotenzial ihrer Forschungsergebnisse in einer noch frühen, risikoreichen Entwicklungsphase zu prüfen und nachzuweisen sowie mögliche Anwendungsbereiche zu erschließen. Zudem soll die Akzeptanz des Marktes und der Gesellschaft für neue Anwendungen unter Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Rahmenbedingungen untersucht werden. So schafft VIP+ die Voraussetzungen für eine beschleunigte Überführung relevanter Forschungsergebnisse in innovative Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen und reduziert das Investitionsrisiko für Dritte. Die Fördermaßnahme VIP+ baut auf der erfolgreichen Pilotmaßnahme Validierung des Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP auf.

Im Sinne der Hightech-Strategie wurde VIP+ ein erweiterter Innovationsbegriff zugrunde gelegt, der technologische und gesellschaftliche Innovationen gleichermaßen umfasst. Forschende aus Natur-, Lebens- und Ingenieurwissenschaften sowie aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften können mithilfe der Förderung ihre Forschungsergebnisse weiterentwickeln und Innovationspotenziale für Wirtschaft und Gesellschaft erschließen. Mit VIP+ werden diese Validierungsarbeiten in Vorhaben von bis zu drei Jahren mit bis zu 1,5 Mio. Euro gefördert. Jedes Vorhaben wird von einer Innovations-Mentorin oder einem Innovations-Mentor begleitet. Dies stellt sicher, dass die Forscherinnen und Forscher im Innovationsprozess strategische Unterstützung von anwendungs- und verwertungserfahrenen Expertinnen und Experten erhalten. Seit dem Start von VIP+ wurden bereits über 900 Anträge eingereicht, woraus bis Anfang 2018 155 bewilligte Vorhaben hervorgegangen sind.

Erste Verwertungsergebnisse wurden auf der VIP+ Innovationstagung 2017 vorgestellt (siehe auch Infobox Ausgezeichnete Ergebnisse der Förderung durch VIP+).

Ausgezeichnete Ergebnisse der Förderung durch VIP+

VIP+ Innovationstagung 2017

Im Rahmen der VIP+ Innovationstagung 2017 wählten das BMBF und der unabhängige Gutachterkreis von VIP+ drei abgeschlossene Projekte für den Validierungspreis 2017 aus. Den ersten Preis erhielt das Projekt „Nano e-drive“, Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS Dresden, für die Validierung leistungsfähiger elektrostatischer Mikroaktoren. Platz zwei belegte das Projekt „Steigerung der Energieeffizienz in der Arbeitshydraulik mobiler Maschinen (STEAM)“, RWTH Aachen, für die Validierung der Praxistauglichkeit eines effizienten Hydrauliksystems bei Baumaschinen. Platz drei ging an das Vorhaben „Geruchsradar“, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig, das Geruchsemissionen messen kann.

VIP+-Vorhaben FluType

Der mit 25.000 Euro dotierte Forschungspreis „Alternativen zu Tierversuchen“ der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales, der Tierärztekammer Berlin sowie des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) wurde an das VIP+-Vorhaben FluType verliehen. Ziel des Projekts, welches von einem Team aus Forscherinnen und Forschern der Universität Potsdam, des Robert Koch-Instituts und des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie, Institutsteil Bioanalytik und Bioprozesse IZI-BB durchgeführt wird, ist die Entwicklung eines schnellen In-vitro-Analyseverfahrens für Grippeimpfstoffe, das in einigen Jahren die bisher erforderlichen Tierversuche an Frettchen und anderen Tieren ersetzen soll.

Innovationsorientierung in der Forschung

Die BMBF-Förderlinie Innovationsorientierung in der Forschung unterstützt außeruniversitäre Forschungseinrichtungen bei Verwertungsprozessen. Ziel ist es, dass Transferaspekte möglichst frühzeitig und parallel zur Forschung sowie kontinuierlich und wechselseitig Berücksichtigung finden. In engem Kontakt mit den Transferbeauftragten der Institute werden Konzepte und Instrumente entwickelt, welche eine nachhaltige Nutzung der Forschungsergebnisse ermöglichen. Die Förderlinie ist in vier Schwerpunkte aufgeteilt: Stärkung der Verwertungskultur, Verwertungsstrukturen, exemplarische Verwertung sowie Ausgründungen und Inkubatoren (siehe auch III 3.2 Innovative Start-ups).

Patentierung und Normung

In einer globalisierten Wirtschaft hängt der Markterfolg davon ab, wie schnell Innovationen in Unternehmen wirtschaftlich verwertet werden. Die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung sind die Grundlage für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Anfang 2016 trat die Richtlinie WIPANO – Wissens- und Technologietransfer durch Patente und Normen zur Förderung des Technologie- und Wissenstransfers durch Patente, Normung und Standardisierung zur wirtschaftlichen Verwertung innovativer Ideen von Hochschulen und Unternehmen in Kraft. Das Programm WIPANO fördert nicht nur Innovationen, sondern auch deren rasche Diffusion in den Markt. Zum einen werden durch eine effiziente Sicherung und Nutzung von geistigem Eigentum die wirtschaftliche Verwertung von innovativen Ideen und Erfindungen aus öffentlicher Forschung und die Nutzung des kreativen Potenzials kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) unterstützt. Zum anderen wird die Überführung neuester Forschungsergebnisse in Normen und Standards gefördert.