Perspektiven durch Bildung und Integration eröffnen

Gute Bildung ist maßgeblich für gute Chancen, gesellschaftliche Teilhabe und die Innovationsfähigkeit unseres Landes. Sie ist der Schlüssel zur Integration und zum Aufstieg durch Bildung. Die Basis für ein wettbewerbsfähiges Forschungs- und Innovationssystem ist ein Bildungssystem, das möglichst umfassend Wissen und Kompetenzen im Lebenslauf vermittelt: von der frühkindlichen Bildung über die Schulen, die Berufsbildung, die Hochschulbildung bis zum lebenslangen Lernen inklusive der Weiterbildung. Notwendig ist ein durchlässiges und anschlussfähiges Bildungssystem, das die Entfaltung von Talenten unabhängig von Herkunft und materiellen Ressourcen fördert. Unser Ziel ist es, die Bildungsgerechtigkeit noch weiter zu stärken. Bund, Länder, Kommunen und Gesellschaft tragen dafür gemeinsam Verantwortung.

Auf dem Weg zur Bildungsrepublik ist Deutschland in den letzten Jahren gut vorangekommen:

  • Die Ergebnisse von PISA 2015 zeigen, dass sich die Schülerinnen und Schüler in Deutschland seit den ersten PISA-Erhebungen im Jahr 2000 verbessert haben und in den getesteten Kompetenzbereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen signifikant über dem OECD-Mittel liegen. Allerdings stagnieren die Ergebnisse in den Naturwissenschaften seit PISA 2006, als dieser Bereich erstmals Testschwerpunkt war. Hier stehen vor allem die Länder in der Pflicht gegenzusteuern. Schülerinnen und Schüler aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien konnten ihre Leistungen jedoch verbessern. Der Anteil an „resilienten“ Kindern,
  • die trotz sozioökonomisch schwacher Herkunft ein solides Kompetenzniveau erreichen, hat sich seit PISA 2000 erheblich verbessert. Kaum einem anderen OECD-Land ist die Steigerung des Anteils „resilienter“ Kinder so deutlich gelungen wie Deutschland.
  • Gleichzeitig konnte die Zahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher gesenkt werden. Während im Jahr 2006 noch 75.900 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss von der Schule abgingen, waren es im Jahr 2016 rund 49.200.
  • Nach deutlichen Rückgängen der Zahl der Jugendlichen im Übergangssystem zur Förderung der Ausbildungsreife zwischen 2005 (417.649) und 2014 (252.670) stieg die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich in den Jahren 2015 und 2016. 2017 waren mit 291.924 wieder weniger junge Menschen im Übergangsbereich als noch 2016.
  • Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bleibt mit 7,1 % (2016) die geringste in der EU (durchschnittlich 18,7 %).

Insgesamt umfassen die geplanten Bildungsausgaben von Bund, Ländern und Kommunen 2017 rund 134,8 Mrd. Euro. Das ist ein Zuwachs von rund 48 Mrd. Euro gegenüber 2005. Demnach wurde im Verhältnis der öffentlichen Bildungsausgaben zum Gesamtetat der öffentlichen Haushalte etwa jeder fünfte Euro in Bildung investiert. Der Bund hat sein Engagement in der Bildung stetig erhöht. Allein in den letzten beiden Jahren stiegen die Investitionen in Bildung um jeweils 1 Mrd. Euro auf 11,1 Mrd. Euro 2017. Verglichen mit 2005 ist dies ein Anstieg von knapp 160 %.

Bildung im gesamten Lebenslauf verankern

Zahlreiche Initiativen des Bundes tragen zur Bildung im Lebenslauf bei:

  • Mit der Initiative Haus der kleinen Forscher werden Kinder in den Altersgruppen drei bis zehn gezielt an naturwissenschaftlich-mathematisch-technische Themen herangeführt, u. a. an eine Bildung für nachhaltige Entwicklung.
  • Das selbstständige Experimentieren in den Schülerlaboren der außeruniversitären Forschungseinrichtungen hilft Schülerinnen und Schülern dabei, naturwissenschaftliche Theorien besser zu verstehen und sie auch hinterfragen zu können. Schülerlabore ergänzen mit ihrem Angebot das Schulsystem und schaffen eine Schnittstelle zwischen schulischer und beruflicher Ausbildung. Lehrkräfte können das breite Angebot fachlicher Fortbildungen nutzen.
  • Mit dem Programm Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung unterstützt die Bundesregierung außerschulische Angebote kultureller Bildung für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche und stärkt bürgerschaftliches Engagement. Kultur macht stark wird 2018 fortgesetzt und finanziell aufgestockt.
  • Mit dem ESF-Bundesprogramm Elternchance II sollen Fachkräfte aus dem Arbeitsfeld der Familienbildung und aus Institutionen der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung dazu befähigt werden, mit Eltern bei der frühkindlichen Bildung zusammenzuwirken und Familien hinsichtlich des Bildungsweges ihrer Kinder, zu Bildungsgelegenheiten im Alltag und zu Bildungsübergängen zu beraten. Den Fachkräften wird dazu eine modular angelegte berufliche Fortbildung zum Elternbegleiter/zur Elternbegleiterin mit anerkanntem Trägerzertifikat angeboten.
  • Bund und Länder fördern im Programm Leistung macht Schule gemeinsam besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler. Für eine Laufzeit von zehn Jahren stellen sie zu gleichen Teilen insgesamt 125 Mio. Euro zur Verfügung. Es ist Aufgabe der Länder, die Schulen zu betreuen und für Lehrerinnen und Lehrer Fortbildungen anzubieten. Das BMBF wird die Initiative praxisnah mit Forschung begleiten und sie evaluieren.
  • Mit der Initiative Bildungsketten werden die Maßnahmen von Bund, Bundesagentur für Arbeit und den Ländern im Bereich „Übergang Schule – Beruf“ aufeinander abgestimmt und systematisiert. Zu der Initiative gehört u. a. das Berufsorientierungsprogramm, das Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen für die berufliche Bildung sensibilisiert, in ihrer Berufswahlkompetenz stärkt und bei Bedarf auf ihrem Weg in die Ausbildung individuell begleitet.
  • Mit der Initiative Klischeefrei – Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl unterstützt der Bund Akteure der Berufswahlbegleitung dabei, Schülerinnen und Schüler zu bestärken, eine klischeefreie Ausbildungsentscheidung zu treffen, sich an den eigenen Interessen und Fähigkeiten zu orientieren und nicht an überholten beruflichen Rollenzuweisungen.
  • Um die Gruppe der Menschen ohne formalen Berufsabschluss in das Bildungs- und Beschäftigungssystem zu integrieren, fördert die Bundesregierung die Initiative Abschlussbezogene Validierung non-formal- und informell erworbener Kompetenzen (ValiKom). Ziel von ValiKom ist es, ein standardisiertes Verfahren zur Bewertung und Dokumentierung beruflicher Kompetenzen zu entwickeln und damit die Grundlage für ein zukünftiges Regelwerk zur Validierung in Deutschland zu legen.
  • Die Weiterbildungsförderung von Arbeitsagenturen und Jobcentern leistet mit einem rechtskreisübergreifenden Mittelvolumen von über 3 Mrd. Euro 2018 einen wichtigen Beitrag, um individuellen qualifikatorischen Anpassungsbedarfen Rechnung zu tragen. Dies gilt insbesondere für die berufliche Nachqualifizierung von jungen Erwachsenen, zu der die Zukunftsstarter-Initiative einen wichtigen Beitrag leistet.
  • Die Hochschulen werden im Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ für Berufstätige und beruflich Qualifizierte stärker geöffnet, auch durch einen leichteren Zugang.
  • Aufstiegs- und Weiterbildungsstipendien unterstützen talentierte und leistungsbereite berufliche Fachkräfte, indem sie Zugang zu gezielten Fortbildungsmöglichkeiten und zu einem Studium eröffnen.
  • Mit der Projektförderung im Rahmen der Dekade für Alphabetisierung werden neue Lernwege und Zugangsmöglichkeiten für funktionale Analphabetinnen und Analphabeten im Erwachsenenalter gefördert.
  • Das Bundesprogramm Bildungsprämie mobilisiert Menschen mit geringem Einkommen für die in-dividuelle berufliche Weiterbildung. Die 13 vom Bund unterstützten Begabtenförderungswerke und das Deutschlandstipendium fördern begabte und engagierte Studierende und Promovierende. Das Deutschlandstipendium, das zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von privaten Förderern finanziert wird, leistet einen entscheidenden Beitrag zur Etablierung einer neuen Spendenkultur, zur Gewinnung hoch qualifizierter Fachkräfte und zur Vernetzung der Hochschulen mit den Unternehmen vor Ort.
  • Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern hat im Bildungssystem eine Schlüsselfunktion. Deshalb unterstützen Bund und Länder mit der Qualitätsoffensive Lehrerbildung innovative Konzepte für das Lehramtsstudium. Die Qualitätsoffensive Lehrerbildung wollen wir fortsetzen und um die Schwerpunkte Digitalisierung sowie Lehrerinnen- und Lehrerausbildung für die beruflichen Schulen erweitern.
  • Mit dem Förderschwerpunkt Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) fördert die Bundesregierung die Entwicklung nachhaltiger Kompetenzen bei Ausbildenden und Auszubildenden in Handel, Logistik, Spedition, Lebensmittelhandwerk und -industrie und unterstützt die Umsetzung durch entsprechende Organisations- und Personalentwicklungskonzepte für die Gestaltung nachhaltiger, zukunftsfähiger betrieblicher Lernorte. Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes hat sich die Bundesregierung zu weiteren Maßnahmen in der BBNE verpflichtet.
  • Wir wollen die Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung intensivieren. Über den Europäischen Sozialfonds (ESF) werden Projekte zu grünen Schlüsselkompetenzen für klima- und ressourcenschonendes Handeln im Beruf gefördert, die für neue Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und Kompetenzen auf dem Weg zu einer klima- und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise sensibilisieren sollen.
  • Die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung setzt sich dafür ein, dass zentrale Themen nachhaltiger Entwicklung zum Bestandteil des allgemeinen Lehrens und Lernens werden.

Der Zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung stellt fest, dass Männer stärker an betrieblicher Weiterbildung partizipieren als Frauen und Frauen die Weiterbildungsteilnahme seltener vom Arbeitgeber finanziert bekommen. Passende Bildungs- und Weiterbildungsangebote im Lebensverlauf sind somit einerseits eine der Voraussetzungen für gleiche Verwirklichungschancen von Frauen und Männern. Andererseits müssen die Angebote die Bedürfnisse von Frauen und Männern berücksichtigen, um insgesamt wirksamer individuelle Zukunftschancen zu eröffnen, Teilhabe und Integration in die Gesellschaft zu fördern und gegen den Fachkräftemangel zu wirken.

Digitale Bildung stärken

Die digitale Bildung ist ein entscheidendes Zukunftsthema. Digitale Medien bieten erhebliche Chancen, die großen Herausforderungen des Bildungssystems zu bewältigen. Der wachsenden Heterogenität der Bildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer kann durch individualisierte Angebote Rechnung getragen werden. Leistungsstarke und Leistungsschwache können gezielter gefördert werden. Auf komplexe und sich rasch fortentwickelnde Qualifikationsanforderungen kann schneller reagiert werden.

Um die Chancen der digitalen Bildung voll zu nutzen und die digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, müssen das pädagogische Personal und die Bildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer medienkompetent sein und über Sensibilität für die verschiedenen Voraussetzungen und Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen verfügen, z. B. von Mädchen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Medienkompetenz zu fördern ist eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Die EFI betont in ihrem aktuellen Gutachten, dass Digitalkompetenzen wesentliche Voraussetzungen für Innovation und Produktivitätswachstum sind. Sie empfiehlt daher den Ausbau der digitalen Bildung durch Bund und Länder. Mit der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft treibt die Bundesregierung den digitalen Wandel in der Schule, der beruflichen Bildung, in den Hochschulen und in der Weiterbildung voran.

Der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes (Art. 104c, 104d, 125c, 143e) schafft die verfassungsrechtlichen Grundlagen zur Umsetzung im Koalitionsvertrag vereinbarter Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung von Länderaufgaben durch den Bund. So wird durch Aufhebung der Beschränkung der Finanzhilfekompetenz des Bundes zur Mitfinanzierung von Investitionen nur in finanzschwachen Kommunen in Art. 104c des Grundgesetzes (GG) die Möglichkeit des Bundes erweitert, die Länder und Kommunen bei ihren Investitionen in die kommunale Bildungsinfrastruktur, insbesondere in den im Koalitionsvertrag genannten Bereichen Ganztagsschul- und Betreuungsangebote, Digitalisierung und berufliche Schulen zu unterstützen. Für die Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie für den Betrieb von digitalen Infrastrukturen bleiben ausschließlich die Länder zuständig.

Im Rahmen des DigitalPakts Schule, dessen Umsetzung auch von der EFI empfohlen wird, wird der Bund die Schulen beim Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur unterstützen. Mit Unterstützung des BMBF entwickelt das Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering (HPI) zusammen mit dem Verein MINT-EC, einem bundesweiten Exzellenznetzwerk von knapp 300 Schulen, eine Schul-Cloud. Dieses Pilotprojekt soll die technische Grundlage dafür schaffen, dass Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler moderne digitale Lehr- und Lerninhalte in jedem Unterrichtsfach ähnlich einfach und intuitiv nutzen können wie Apps über Smartphones oder Tablets.

Die Bundesregierung setzt sich für gute digitale Arbeit ein, die sich positiv auf die Beschäftigungsfähigkeit auswirkt. Sie unterstützt die Fortentwicklung von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten für eine digitalisierte Arbeitswelt. Um die dynamischen Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und Automatisierung und deren Auswirkungen auf die berufliche Aus- und Weiterbildung mitzugestalten, bündelt die Bundesregierung bestehende und neue Maßnahmen unter dem Dach der Initiative Berufsbildung 4.0. So werden branchenübergreifend anhand ausgewählter Berufsbilder die Auswirkungen der Digitalisierung auf Qualifikationsanforderungen analysiert und Handlungsempfehlungen entwickelt. Um eine hochwertige und moderne Ausbildung zu gewährleisten, wurde ein Sonderprogramm für die Digitalisierung in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) und Kompetenzzentren gestartet. Gefördert werden die Anschaffung digitaler Ausstattung sowie ausgewählte Pilotprojekte, in denen Kompetenzzentren innovative Ausbildungskonzepte entwickeln, erproben und begleiten.

Das flexibel und dynamisch ausgestaltete duale Ausbildungssystem ist für die Veränderungen, die  mit der Digitalisierung einhergehen, grundsätzlich gut gerüstet. Es bietet vielfältige Möglichkeiten und Spielräume für die betriebliche Ausbildungsgestaltung und die Integration neuer Technologien, ohne dass Ausbildungsordnungen in jedem Fall überarbeitet werden müssen. Gleichwohl wird die wachsende Bedeutung digitaler Kompetenzen die Gestaltung von Aus- und Fortbildungsordnungen beeinflussen. In einigen Branchen und für bestimmte Tätigkeitsfelder werden in diesem Kontext neue Berufsbilder entstehen. Kürzlich abgeschlossen wurde in diesem Zusammenhang bereits die Modernisierung der industriellen Metall- und Elektroberufe im Hinblick auf digitale Kompetenzanforderungen u. a. in den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit (Inkrafttreten der Änderungsverordnungen zum 1. August 2018), ebenso die Modernisierung der IT-Ausbildungsberufe in einer ersten Stufe (Inkrafttreten ebenfalls zum 1. August 2018); in einer zweiten Stufe werden alle neuen Anforderungen an die IT-Berufe definiert, die dann komplett novellierten Ausbildungsordnungen sollen zum 1. August 2020 in Kraft treten. Neu entstanden ist der Ausbildungsberuf „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“, der insbesondere den Online-Handel sowie Online-Shops in den Fokus nimmt und zum 1. August 2018 eingeführt wird.

Das Programm Digitale Medien in der beruflichen Bildung fördert die Nutzung digitaler Medien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und trägt sie in die Breite – dazu gehören beispielsweise der Einsatz von E-Portfolios, von freien Bildungsmaterialien (OER) sowie von Augmented- und Virtual-Reality-Konzepten. Damit wird den durch die Industrie 4.0 veränderten Anforderungen der Wirtschaft an die berufliche Bildung Rechnung getragen und ein wichtiger Beitrag zur Modernisierung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der beruflichen Bildung geleistet. Für eine bessere Breitenwirkung und Sichtbarkeit hat die Bundesregierung darüber hinaus das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragt, die Roadshow „Digitale Medien im Ausbildungsalltag“ mit Anwenderworkshops für Ausbildende in verschiedenen Städten Deutschlands durchzuführen. Konkret können bei jedem Workshop Ausbilderinnen und Ausbilder aus Betrieben, ÜBS, Berufsschulen, Kammern und Bildungseinrichtungen an drei Best-Practice-Beispielen die Anwendung neuer digitaler Medien in der Ausbildung kennenlernen und ausprobieren. Dazu gehören beispielsweise die Kompetenzwerkstatt, eine Online-Anwendung, die die Personal- und Fachkompetenzen von Auszubildenden feststellt, und das Projekt „Social Virtual Learning“, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mithilfe einer VR3D-Brille gemeinsam in einem virtuellen Raum Ausbildungsinhalte lernen und testen können.

Zur Initiative Berufsbildung 4.0 zählen auch Ansätze zur Unterstützung von kleinen und mittleren Be-trieben im Transformationsprozess zur Wirtschaft 4.0 (im Rahmen des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER plus) sowie zur Einführung IT-gestützter Kompetenzmessverfahren in der beruflichen Bildung (ASCOT+).

Berufliche Bildung stärken

Das Bildungssystem ist in den vergangenen Jahren leistungsfähiger und gerechter geworden. Doch die soziale Herkunft beeinflusst nach wie vor stark den Bildungserfolg. Deshalb bleibt es ein wesentliches Ziel der Bundesregierung, die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland zu steigern.

Der dualen Ausbildung kommt hier eine große Bedeutung zu. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die duale Ausbildung zu stärken und noch mehr junge Menschen dafür zu gewinnen. Entscheidender Vorzug des dualen Ausbildungssystems ist die Nähe zur Beschäftigung. Damit möglichst viele Jugendliche davon profitieren, hat die Bundesregierung die Förderung der individuellen Beratung und Orientierung sowie der Unterstützung Leistungsschwächerer vor und während der Ausbildung kontinuierlich ausgebaut. So wurde insbesondere mit der assistierten Ausbildung ein Instrument zur Begleitung von Jugendlichen und Betrieben entwickelt.

Die Maßnahmen der Initiative Bildungsketten unterstützen Jugendliche dabei, den Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung zu meistern. Bund-Länder-Vereinbarungen zur nachhaltigen Verankerung in den Regelsystemen flankieren die Initiative. Dadurch werden verschiedene Maßnahmen und Programme der Partner miteinander verzahnt und ausgebaut. Insbesondere werden Maßnahmen zur Berufsorientierung und zum Übergangsbereich aufeinander abgestimmt, aber auch Maßnahmen in Länderzuständigkeit verstetigt. Gemeinsam mit den Ländern wird die Berufs- und Studienorientierung und -begleitung für Schülerinnen und Schüler weiterentwickelt. Perspektivisch werden wir die Berufsorientierung an Gymnasien gemeinsam mit den Ländern ausbauen und die Maßnahmen des Übergangsbereichs stärker hinsichtlich einer Dualisierung angehen.

Im Rahmen des ESF-Bundesprogramms Berufseinstiegsbegleitung werden rund 113.000 junge Menschen längerfristig individuell begleitet und beim Schulabschluss, beim Übergang in Ausbildung und im Startjahr der Ausbildung unterstützt. Hierzu werden im ESF-Bundesprogramm 954 Mio. Euro bereitgestellt. Darüber hinaus wurde die vom BMBF unterstützte Initiative VerA zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen ausgebaut. Seit Start der Initiative im Jahr 2008 wurden über 10.000 Auszubildende erreicht.

Mit dem Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER plus (2015–2020: 109 Mio. Euro) werden Initiativen ergriffen, um die betriebliche Berufsausbildung zu stärken und dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration (KAUSA) fördert die Ausbildung in Unternehmen der Migrantenökonomie und unterstützt die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie Geflüchteten. Der Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ ermöglicht weitere attraktive Bildungsperspektiven für beruflich Qualifizierte. Im Mittelpunkt der Initiative JUGEND STÄRKEN stehen junge Menschen, die aufgrund schlechter Startchancen besondere sozialpädagogische Unterstützung am Übergang von der Schule in den Beruf benötigen. Durch individuelle Begleitung und passgenaue Angebote werden sie bei ihrer schulischen, beruflichen und sozialen Integration unterstützt mit dem Ziel, die Schule fortsetzen oder eine Ausbildung bzw. ein anderes Bildungsangebot wahrnehmen zu können.

Mit dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), dem sogenannten Aufstiegs-BAföG, werden Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Maßnahmen der beruflichen Aufstiegsfortbildung finanziell unterstützt. Sie erhalten einkommensunabhängig einen Beitrag zu den Kosten der Fortbildung und bei Vollzeitmaßnahmen zusätzlich einkommensabhängig einen Beitrag zum Lebensunterhalt. 2016 wurde das AFBG in einem ersten Schritt erfolgreich novelliert, modernisiert und verbessert. So wurde aus dem bis dahin bewährten „Meister-BAföG“ das moderne „Aufstiegs-BAföG“ mit höheren Freibeträgen, Zuschussanteilen und Fördersätzen. Zugleich wurde die Förderung erweitert auf Personen, die ohne Erstausbildungsabschluss zur Fortbildungsprüfung zugelassen werden, sowie auf Bachelorabsolventinnen und -absolventen, die in der höherqualifizierenden Berufsbildung durchstarten wollen. Seit dem 1. August 2016 können AFBG-Anträge zudem unkompliziert und fristwahrend über das Internet gestellt werden. Mit der geplanten vierten Novellierung des AFBG will die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode zusätzlich rund 350 Mio. Euro in berufliche Aufsteigerinnen und Aufsteiger investieren, um noch mehr Fortbildungsinteressierte für Maßnahmen der beruflichen Aufstiegsfortbildung zu gewinnen. Dabei sollen die Leistungen weiter deutlich verbessert und somit auch die Familienfreundlichkeit weiter gestärkt werden. Mit einer Erweiterung der Fördermöglichkeiten auf bis zu drei Fortbildungsstufen soll zudem der Einstieg in eine Berufsbildungskarriere erleichtert werden.

Weiterbildung stärken

Mit der Verständigung auf eine „Nationale Weiterbildungsstrategie“ werden wir dem Bedeutungszuwachs von lebensbegleitendem Lernen und Weiterbildung im Rahmen der beruflichen Bildung Rechnung tragen. Die Etablierung einer neuen Weiterbildungskultur als eine Kultur des lebensbegleitenden Weiterlernens wird dabei im Mittelpunkt stehen. Darin haben sowohl formale und non-formale Weiterbildung als auch informelles Lernen einen Stellenwert, und dafür bedarf es der Schaffung institutioneller, organisatorischer Rahmenbedingungen sowie der Bereitstellung finanzieller Mittel. Den vielfältigen und sich rasch wandelnden Anforderungen an Weiterbildung kann am besten durch eine Struktur entsprochen werden, die durch Pluralität und Wettbewerb der Träger und der Angebote gekennzeichnet ist. Für die Teilnahme an Weiterbildung ist Freiwilligkeit leitender Grundsatz.

In einer immer stärker durch die Digitalisierung geprägten Arbeitswelt verändern sich Arbeitsplätze, Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen. Digitale Kompetenzen sind grundlegend für beruflichen Erfolg. Die berufliche Aus- und Weiterbildung muss konsequent darauf ausgerichtet werden, diese Kompetenzen zu vermitteln. Ebenfalls wird die wissenschaftliche Weiterbildung gestärkt werden. Sie trägt substanziell dazu bei, die Kompetenzbasis für wissensintensive Innovationen und somit die Grundlage für die Innovationsfähigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschlands sicherzustellen.

Im deutschen Bildungssystem wird wie in der Wirtschaft Wert auf formalisierte Zertifikate gelegt. Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland haben jedoch keinen formalen Berufsabschluss. Viele von ihnen haben sich durch längere Berufstätigkeit Kompetenzen angeeignet, deren Verwertbarkeit und Anschlussfähigkeit durch ein allgemein anerkanntes Validierungssystem geschaffen werden sollen. Zur Verbesserung der Grundkompetenzen Erwachsener wird die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung ausgebaut.

BAföG bedarfsgerecht gestalten

Mit dem 25. BAföG-Änderungsgesetz hat der Bund durch Übernahme der vollen Finanzierung den Ländern dauerhaft zusätzliche Finanzierungsspielräume für Investitionen in Bildung, insbesondere im Hochschulbereich, eröffnet. Allein durch die Finanzierung des BAföG werden damit die Länder jährlich um rund 1,17 Mrd. Euro entlastet. Darüber hinaus wurde das Ausbildungsförderungsrecht weiter an die Lebens- und Ausbildungswirklichkeit angepasst: Seit Beginn des Schuljahres 2016 bzw. des Wintersemesters 2016/17 sind die Einkommensfreibeträge und Bedarfssätze um jeweils 7 % gestiegen, der Wohnkostenzuschlag für auswärts wohnende Studierende sogar um mehr als 10 %. Mehr Unterstützung für junge Eltern bietet der auf einheitlich 130 Euro für jedes Kind angehobene Kinderbetreuungszuschlag, weniger Bürokratie insbesondere die Pauschalierung des Krankenversicherungszuschlags. Seit dem 1. August 2016 ist zudem bundesweit sichergestellt, dass BAföG-Anträge schnell und fristwahrend über das Internet gestellt werden können. Die Bundesregierung wird das Ausbildungsförderungsgesetz des Bundes ausbauen und die Leistungen weiter deutlich verbessern.

Integration durch Bildung

In Deutschland leben 18,6 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht fast einem Viertel der Bevölkerung und bietet somit hohes Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft. Gute Bildung ist dafür entscheidend. Nach wie vor schneiden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund bei Bildungsbeteiligung und Bildungserfolgen im Durchschnitt schlechter ab als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund. Steigende Investitionen und die Weiterentwicklung des Bildungssystems mit Blick auf den Umgang mit Heterogenität tragen jedoch dazu bei, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund aufholen. Gezielte Fördermaßnahmen der Bundesregierung unterstützen diesen Trend und tragen dazu bei, Migrantinnen und Migranten Zugänge zu Bildung und Ausbildung zu öffnen. Insbesondere die über 450 Jugendmigrationsdienste beraten und begleiten junge Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete im Alter von 12 bis 27 Jahren bei Fragen der Schul-, Ausbildungs- oder Berufswahl.

Erfolgreiche Ansätze gilt es fortzuführen und auch für die Integration von Geflüchteten zu nutzen. Die Integration der in Deutschland Schutz suchenden Menschen fördert die Bundesregierung durch umfangreiche Maßnahmen im Bildungsbereich, unterstützt durch den ESF. Im Fokus stehen dabei u. a. der Erwerb der deutschen Sprache, das Erkennen von Kompetenzen und Potenzialen sowie die Integration in Ausbildung und Arbeit. Denn Bildung bleibt der Schlüssel für eine gelingende Integration.

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat sich auf konkrete Maßnahmen zur Integration von geflüchteten Menschen in Ausbildung und Arbeit verständigt (z. B. Flüchtlinge fit machen für den Ausbildungs- und Arbeitsalltag sowie einen sicheren Aufenthalt für Ausbildung und Berufseinstieg schaffen).

Das Anerkennungsgesetz entwickelt sich zu einem wirkungsvollen Instrument der Fachkräftesicherung. Menschen mit ausländischen Abschlüssen ermöglicht es eine qualifikationsadäquate Teilnahme am Arbeitsmarkt und verbessert damit die Integration. Von April 2012 (Inkrafttreten des Gesetzes) bis Ende 2016 wurden über 86.000 Anträge auf Anerkennung in den Bundesberufen gestellt. Den meisten ausländischen Qualifikationen wurde die volle Gleichwertigkeit mit einem deutschen Abschluss bescheinigt – im Jahr 2016 war dies bei 66 % der Bescheide der Fall, während nur 3 % der Anträge gänzlich abgelehnt werden mussten. Die anderen erzielten eine teilweise Gleichwertigkeit; hier sind Ausgleichsmaßnahmen möglich. Im Rahmen des Förderprogramms Integration durch Qualifizierung (IQ) können bei festgestellten Unterschieden zwischen der ausländischen Qualifikation und dem deutschen Referenzberuf durch Qualifizierungen das nötige Wissen und die erforderlichen Fähigkeiten vermittelt werden, um diese Unterschiede auszugleichen. Dieser Ausgleich ist Voraussetzung für eine vollständige Berufsanerkennung. Mit dem neuen Anerkennungszuschuss hat die Bundesregierung die Finanzierungshürden auf dem Weg zur Anerkennung gesenkt. Das betriebliche Engagement für die Berufsanerkennung wird gemeinsam mit den Partnern der Wirtschaft gestärkt, u. a. durch die Verleihung des Unternehmenspreises „Wir für Anerkennung“ mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Internationalisierung in der Bildung

Deutschland ist Mitglied verschiedener multilateraler Institutionen im Bildungsbereich. Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sieht in Bildung den Schlüssel zu individueller und gesellschaftlicher Entwicklung. Sie fördert die internationale Zusammenarbeit im Hochschulbereich, in der Berufsbildung sowie in der Bildungsforschung und -beratung. Die OECD dient als Plattform für internationalen strategischen Informations- und Erfahrungsaustausch, entwickelt weltweit anerkannte Indikatoren und setzt globale Standards.

Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) setzt 2018 unter argentinischer Präsidentschaft einen Schwerpunkt im Bereich Bildung: In diesem Jahr findet erstmals ein G20-Bildungsministertreffen mit den zentralen Themen „Skills for the Future“ und Bildungsfinanzierung statt.

In der Berufsbildung kooperiert die Bundesregierung mit zahlreichen Partnerländern in der Europäischen Union, der OECD und einer Reihe von weiteren Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Das Interesse zahlreicher Länder am deutschen dualen System der Berufsausbildung ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen, weil es sich für die bedarfsgerechte Qualifizierung von Fachkräften sowie als Schlüsselfaktor für die Beschäftigungsfähigkeit und soziale Teilhabe bewährt hat. Auch für die ausreichende und adäquate Fachkräfteausstattung deutscher Unternehmen im Ausland ist die duale Berufsausbildung von entscheidender Bedeutung. Die Bundesregierung hat deshalb den internationalen Austausch dazu deutlich erhöht und die entsprechenden Beratungskapazitäten beim BIBB ausgebaut.

In Europa ist das duale System der Berufsausbildung in Kombination mit den Ausbildungsversprechen der Sozialpartner in der Allianz für Aus- und Weiterbildung aufgrund seiner guten Übergänge in Ausbildung und Beschäftigung ein Vorbild für Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Die Europäische Kommission hat im Jahr 2013 die Europäische Ausbildungsallianz (EAfA) mit dem Ziel initiiert, in den Mitgliedstaaten durch eine praxisnahe Ausbildung und das arbeitsweltbezogene Lernen die Beschäftigungsfähigkeit der jungen Erwachsenen zu verbessern. Die EAfA fördert die Beschäftigung von Jugendlichen und unterstützt die Ziele der sogenannten Jugendgarantie, gleichzeitig wird die Diskrepanz zwischen den beruflichen Fertigkeiten einerseits und dem Arbeitsmarktbedarf andererseits reduziert. Auch die EU-Kommission setzt dabei vor allem auf das gemeinsame Engagement von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern, die Bildungssysteme zu modernisieren. Eine wesentliche Rolle spielen hier die Selbstverpflichtungen von Unternehmen, betriebliche Ausbildungsplätze anzubieten.

Um eine Bewertung und Fortentwicklung der Berufsbildungssysteme auch international zu unterstützen, beteiligt sich die Bundesregierung an der Ausgestaltung des Bildungsprogramms der OECD. Zur Unterstützung der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit fördert die Bundesregierung zudem das UNESCO-Berufsbildungszentrum UNEVOC mit Sitz in Bonn.