Nordrhein-Westfalen

Das Wissenschaftssystem in Nordrhein-Westfalen

Die nordrhein-westfälischen Hochschulen haben ihre Forschungsleistung in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert und dem Land eine bundesweite Spitzenposition in der Forschung gesichert. So konnten sie auch in der zweiten Programmphase der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder (2012–2017) ihre Forschungsstärke erfolgreich zur Geltung bringen: Fünf Graduiertenschulen, zehn Exzellenzcluster und zwei Zukunftskonzepte werden gefördert. Bei 53 von 267 von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichen (SFB) hat eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler einer NRW-Hoch-
schule die Sprecherrolle inne (rund 20 %), darunter bei 16 von 72 SFB/Transregios (rund 22 %). Zudem sind die NRW-Hochschulen an vielen SFB anderer Bundesländer beteiligt.

An der Projektförderung des BMBF für Hochschulen partizipierten die NRW-Hochschulen im Jahr 2014 mit 213 Mio. von 1,086 Mrd. Euro (= 20 %). Beim Programm Forschung an Fachhochschulen des BMBF flossen von 2006 bis 2014 insgesamt 72 Mio. von 286 Mio. Euro Gesamtförderung nach Nordrhein-Westfalen (= 25 %). Von den Zuwendungen an Hochschulen in Deutschland aus dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm entfielen 475 Mio. von 2,689 Mrd. Euro auf NRW-Hochschulen (= 18 %).

Im Rahmen des Spitzencluster-Wettbewerbs des BMBF konnten sich zwei Cluster aus Nordrhein-Westfalen durchsetzen: Intelligente Technische Systeme OWL (it’s OWL) und EffizienzCluster LogistikRuhr. Die NRW-Landescluster schaffen einen Rahmen für die Kooperation von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlicher Hand entlang von Wertschöpfungsketten in zukunftsträchtigen Branchen und Technologiefeldern. Das Land fördert des Weiteren mehrere regionale Innovationsnetzwerke, in denen Forscherinnen und Forscher, Unternehmen, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie weitere Beteiligte vor Ort gemeinsam an Themenfeldern wie Energieeffizienz und Gesundheit arbeiten. Außerdem wurden die virtuellen Institute Strom zu Gas und Wärme sowie Transformation Energiewende NRW ausgebaut.

Neben den Hochschulen haben mehr als 50 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ihren Sitz in NRW – darunter zwölf von Bund und Ländern gemeinsam finanzierte Max-Planck-Institute, 14 Fraunhofer-Institute, drei Fraunhofer-Anwendungszentren, elf Leibniz-Institute sowie drei Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft und ein Helmholtz-Institut in Münster. Hinzu kommen 15 vom Land geförderte Institute der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft. An diesen Forschungseinrichtungen entstehen wegweisende Ideen für die Zukunft. Sie ergänzen und verstärken den Forschungsstandort NRW.

Transportiert wird die Leistungsfähigkeit der Wissenschaft für Forschung und Innovation auch mit dem Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, der – mit insgesamt 150.000 Euro dotiert – zu den bedeutendsten deutschen Forschungspreisen gehört.

Dieses Bild zeigt Standorte der Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen

* Die Anzahl der Standorte der Hochschulen und Forschungseinrichtungen umfasst neben den Hauptstandorten auch die weiteren im Bundesland vorhandenen Standorte, z. B. Nebenstandorte einer außeruniversitären Forschungseinrichtung.
Datenbasis: Hochschulen – Hochschulrektorenkonferenz Stand 01/2018; Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Bundes- und Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben – Eigenangaben der Einrichtungen und Länder. Geobasisdaten: © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen.

BMBF

Forschungs- und Technologieförderung

Nordrhein-Westfalen unterstützt im besonderen Maße die Rolle der Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Katalysatoren für Innovation und gesellschaftlichen Fortschritt. Um Beiträge zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen wie Energiewende, demografischer Wandel, Mobilität der Zukunft und Digitalisierung liefern zu können, zielt die Forschungspolitik Nordrhein-Westfalens darauf ab, die von den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in eigener Verantwortung entwickelten und profilierten Forschungsschwerpunkte gezielt zu stärken. Dabei kommt innovativer, interdisziplinär ausgerichteter Forschung dort eine besondere Bedeutung zu, wo die zukünftigen Herausforderungen so komplex sind, dass eine Einzeldisziplin sie allein nicht zu lösen vermag. Wie und mit welchen Methoden und Lösungsansätzen sich die Wissenschaft den Herausforderungen stellen will, kann allerdings letztlich nur innerwissenschaftlich und nach wissenschaftlichen Qualitätskriterien entschieden werden. Das Land stärkt deshalb eine freie Forschung, in der Zukunftsfelder in eigener Verantwortung erforscht werden können.

Für Nordrhein-Westfalen ist zudem eine hohe Anschlussfähigkeit zu den Förderprogrammen des Bundes und der Europäischen Union von besonderem Gewicht. Deshalb unterstützt das Land die Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Rahmen einer verlässlichen Kofinanzierungsstrategie, insbesondere auch bei der Errichtung von Forschungsbauten nach Art. 91b GG.

Medizin-, Gesundheits- und Versorgungsforschung: Nordrhein-Westfalen zeichnet sich durch eine exzellente, medizinisch und lebenswissenschaftlich geprägte Forschungslandschaft mit vielfältigen Kompetenzen aus. Sie reicht von der Grundlagenforschung, der klinisch anwendungsorientierten Forschung bis hin zur Versorgungsforschung und ist gekennzeichnet durch die enge Zusammenarbeit von universitären und außeruniversitären Einrichtungen. NRW-Akteure übernehmen zum Teil führende Rollen bei bundesweiten Forschungskooperationen wie den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG) und der nationalen Gesundheitsstudie (NAKO). Das Helmholtz-Zentrum Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) mit seinem Hauptsitz in Bonn leistet einen entscheidenden Beitrag zur internationalen Sichtbarkeit der deutschen Forschung auf dem Gebiet der altersassoziierten Erkrankungen. Eine „Brücke“ zwischen Wissenschaft und Wirtschaft schlägt der nordrhein-westfälische Cluster „InnovativeMedizin.NRW“. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Partner aus Forschung, Gesundheitswesen und Unternehmen mit Patientenvertretungen, Krankenkassen und Verbänden zu vernetzen, um NRW im Bereich der innovativen Medizin zukunftsträchtig aufzustellen.

Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften: Während natur- und ingenieurwissenschaftliche Fächer neue Technologien und Anwendungen ermöglichen, vermitteln geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Fächer die historische, kulturelle und interkulturelle Kompetenz und befördern Lösungsbeiträge für konkrete gesellschaftliche Problemstellungen. Sie sind gerade in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung und der damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen unverzichtbar für eine moderne Gesellschaft. Einzelne Förderschwerpunkte liegen derzeit in den Themenfeldern Forschung zu Flucht und Integration, Erforschung des extremistischen Salafismus und Erforschung der digitalen Gesellschaft mit dem Fokus auf der Stärkung und Sicherung der Demokratie. Im Jahr 2016 wurde durch die Landesregierung das Netzwerk connectNRW mit dem Ziel gegründet, in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften den Austausch der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander und mit anderen Disziplinen und Praxisakteuren zu fördern und zu unterstützen.

Forschungsförderung an Fachhochschulen: Fachhochschulen sind nah an der Praxis und anwendungsstark in der Forschung. Durch ihren wissenschaftlichen Hintergrund und ihre anwendungsorientierte Ausrichtung übernehmen sie eine Art Relaisfunktion zwischen dem theoretischen Erkenntnisgewinn und dessen lösungsorientierter Umsetzung in der Praxis. Dabei kooperieren sie eng mit Unternehmen in der Region und leisten einen wichtigen Beitrag zur praxisnahen Qualifizierung des Fachkräftenachwuchses.

Das Land unterstützt die Forschung an Fachhochschulen u. a. mit Forschungsgeräten für neu berufene Professorinnen und Professoren im Programm FH Basis, durch Impulse zur Identifizierung neuer disziplin- und fachbereichsübergreifender Forschungsschwerpunkte im Programm FH Struktur sowie mit dem Programm FH KOMPETENZ, welches den Ausbau langfristig angelegter Forschungsschwerpunkte zu einem Forschungs-In-Institut befördert. Hinzu kommt die gezielte Förderung von Kooperationen zwischen Universitäten und Fachhochschulen und insbesondere von kooperativen Promotionen für leistungsstarke Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulen innerhalb der thematischen Förderlinien des Landes und im Programm NRW.Forschungskooperationen U & FH. Neben diesen strukturfördernden Maßnahmen unterstützt das Land mit dem Programm FH Zeit für Forschung besonders forschungsstarke Professorinnen und Professoren, die für ihre Forschungsarbeit zeitlich befristet von der Lehrverpflichtung freigestellt werden.

Förderung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE): In der neuen EU-Strukturfondsperiode 2014 bis 2020 wird die transferorientierte Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation mit Leitmarktwettbewerben, Klimaschutzwettbewerben und dem Programm Forschungsinfrastrukturen weiter vorangetrieben. Hauptzielgruppe der Wettbewerbe sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) und Einrichtungen der Wissenschaft.

In den Leitmarktwettbewerben wurden, basierend auf einer ressortübergreifenden Leitmarktstrategie, Förderwettbewerbe in acht für NRW aufgrund seiner vorhandenen Stärken relevanten Leitmärkten der Zukunft ausgeschrieben.

Bei den Klimaschutzwettbewerben wurden seit dem 1. Juni 2015 in fünf verschiedenen Wettbewerben bisher insgesamt sieben Aufrufe gestartet. Darin wurden bislang insgesamt 72 Wettbewerbsbeiträge eingereicht, von denen 39 Vorhaben zur Förderung empfohlen wurden.

Im Wettbewerb Forschungsinfrastrukturen werden insbesondere anwendungsorientierte Einrichtungen gefördert, die mit ihrer Tätigkeit einen Beitrag zur nachhaltigen Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen und zur Stärkung der Wirtschaft in den genannten acht Leitmärkten leisten. Das Programm ist nach den 2016 und 2017 durchgeführten ersten beiden Förderrunden mit insgesamt 83 Beiträgen und 30 Förderempfehlungen sehr erfolgreich gestartet. Bis 2020 sollen drei weitere Förderrunden folgen.

Cluster- und Netzwerkförderung

In ihrer auf die Leitmärkte der Zukunft ausgerichteten Innovationsstrategie verfolgt Nordrhein-Westfalen das Ziel, durch eine enge Vernetzung aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette neue Innovationspotenziale
frühzeitig zu identifizieren, vorhandene Stärken weiterzuentwickeln und ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, das für Innovationen förderlich ist. Ein wichtiges Element zur Umsetzung dieser Leitmarktstrategie sind die vom Land geförderten 14 Landescluster. In ihren Themenfeldern arbeiten die Landescluster eng mit regionalen und/oder fachlich orientierten Netzwerken zusammen.

Zudem wird die Netzwerkbildung innerhalb der Wissenschaft von der Landesregierung unterstützt. Das Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW z. B. konzentriert sämtliche Forschungsarbeiten der adulten und embryonalen Stammzellforschung. Das Netzwerk ist eine im Jahr 2002 gegründete Initiative und wird durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert. Es umfasst die zwei Arbeitsgemeinschaften Biomedizin und Ethik-Recht-Sozialwissenschaften. Das Netzwerk bündelt die Kompetenzen der in NRW ansässigen biomedizinischen und ethisch-rechtlich-sozialwissenschaftlichen Expertisen, um Stammzellforschung verantwortbar und transparent zu gestalten. Zu den Aufgabenfeldern des Kompetenznetzwerks zählen die Bündelung der Aktivitäten auf dem Gebiet der Stammzellforschung, die Initiierung und Begleitung des öffentlichen Diskurses zum Thema Stammzellforschung, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die internationale Repräsentation des Forschungsstandorts NRW in diesem Forschungsfeld.

Technologietransfer und Gründungsförderung

Das Ziel des Technologietransfers in Nordrhein-Westfalen ist eine systematische Erschließung des an den Hochschulen vorhandenen Transferpotenzials sowie eine Optimierung der Transfer- und Austauschprozesse der Akteure in Wissenschaft und Wirtschaft. Bis 2020 stehen dafür insgesamt 70 Mio. Euro zur Verfügung.

Eine aktive Schutzrechtspolitik an Hochschulen und Forschungseinrichtungen, von der Erfinderberatung bis hin zur finanziellen Förderung von Patentanmeldungen und deren Verwertung, wurde mit den Patent- und Verwertungsverbünden der NRW-Hochschulen unter Einbeziehung von Patentverwertungsagenturen geschaffen.

Ergänzend dazu unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen die Hochschulen mit spezifischen Fördermaßnahmen:

  • PatentScouts NRW zur Unterstützung der Hochschulen bei der Umsetzung ihrer Patent- und Verwertungsstrategien
  • NRW-Patent-Validierung zur Verbesserung der Verwertungschancen durch Lizenzierung, Verkauf oder durch eine Ausgründung aus der Hochschule
  • START-UP-Hochschul-Ausgründungen zur Vorbereitung von Unternehmensgründungen aus den Hochschulen
  • START-UP-Innovationslabore zur Schaffung einer nachhaltigen Unterstützungsstruktur für technologie- und wissensbasierte Gründungen und junge Start-ups

Mit dem Programm Mittelstand.innovativ! werden KMU beim erleichterten Zugang zum Know-how der Hochschulen und Forschungseinrichtungen durch Innovationsgutscheine, insbesondere auch für den Bereich Digitalisierung und Innovationsassistenten, unterstützt. Mit NRW.Innovationspartner strebt das Land Nordrhein-Westfalen zudem eine Stärkung der regionalen Innovationsstrukturen an, die die Qualität der Innovationsberatung und letztlich die Innovationskraft von KMU nachhaltig verbessern sollen.

Internationale Zusammenarbeit (einschließlich EU)

Die internationale Zusammenarbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist für Nordrhein-Westfalen von strategischer Bedeutung. Ziel ist es, die Attraktivität für ausländische Studentinnen und Studenten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern und hiesige Studierende und Forschende noch besser auf europäische und internationale Kooperationen vorzubereiten sowie an der Gestaltung und Umsetzung des Europäischen Forschungsraums mitzuwirken.

Das Handlungskonzept der Landesregierung zu Horizont 2020 bildet den strategischen Rahmen zur Begleitung und Unterstützung von Akteuren aus NRW bei der Beteiligung an dem europäischen Forschungsrahmenprogramm.

Die Teilnahme an Horizont 2020 ist ein guter Indikator für bisher erreichte Fortschritte und gleichzeitig ein relevanter Treiber der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Hier sind bislang 1.222 Beteiligungen von NRW-Akteuren und eine eingeworbene Fördersumme in Höhe von rund 642 Mio. Euro (Stand Februar 2017) zu verzeichnen.

Geografische Schwerpunkte ergeben sich aus gewachsenen Kooperationen, räumlicher Nähe und wirtschaftlicher Entwicklung. In der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit sind vor allem die Grenznachbarn Niederlande und Belgien, die mittel- und osteuropäischen Staaten einschließlich Russland, Israel, die Vereinigten Staaten, Japan, Ghana sowie insgesamt der ost- und der südostasiatische Raum im Fokus. Mit allen genannten Ländern bzw. Regionen bestehen gute und ausgewiesene Kooperationen an den Hochschulen. Die Hochschulen entwickeln ihre internationalen Profile eigenverantwortlich. Das Land unterstützt die Internationalisierungsziele der Hochschulen bzw. die Mobilität von Studierenden an den nordrhein-westfälischen Hochschulen. Exemplarisch können hier das Kurzzeitstipendienprogramm der Landesregierung für Studierende aus Israel, den Palästinensischen Gebieten und dem Haschemitischen Königreich von Jordanien genannt werden und das Johannes-Rau-Stipendienprogramm, mit dem Doktorandinnen und Doktoranden sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus jungen Demokratien Mittel- und Osteuropas unterstützt werden.