Magischer Handschuh

Man könnte meinen, die Frau habe übernatürliche Kräfte. Sie beugt sich mit ihren grauen Handschuhen über das Paket, greift in die seitlichen Trageschlitze. Als sie zupackt, zieht ein Kran die Last sanft in die Höhe. Mensch und Maschine harmonieren auf eine Weise miteinander, die für die Zukunft hoffen lässt. Von Anstrengung im Gesicht der Frau keine Spur.

Fast ein Viertel aller Krankheitstage in Deutschland ist auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen. Falsches Heben, Tragen und Absetzen von Lasten ist oft die Ursache. In der Praxis sind zwar Hebehilfen im Einsatz. Sie stoßen jedoch auf wenig Akzeptanz. Ihre Reaktionszeit ist träge, und der Gebrauch weicht stark von natürlichen Bewegungsabläufen ab – von intuitiver Bedienbarkeit ganz zu schweigen. Das Ergebnis: Die Hilfsmittel, die die Gesundheit eigentlich schützen sollen, werden kaum oder gar nicht verwendet. Das vom BMBF geförderte Projekt SensHand hat versucht, dafür eine Lösung zu finden. Mensch, Hebehilfe und Last sollen miteinander interagieren. Im Zentrum steht ein Handschuh als Mess- und Steuerungseinheit. Er fühlt sich nicht viel anders an als ein Lederhandschuh, ist allerdings mit Druck- und Beschleunigungssensoren ausgestattet. Die Sensoren erkennen, wie schwer die Last ist und was die Person damit vorhat: ob sie die Last heben oder herablassen möchte. Der Handschuh sendet die Signale an einen Kran, der den Hebevorgang wunschgemäß ausführt.

Bei SensHand bleibt der natürliche Greifprozess des Benutzers und der Benutzerin erhalten. Die „natürliche“ Interaktion von Mensch und Technik ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der Handschuh auch bei geringen Lasten genutzt wird. Gelingt dies, lassen sich Muskel-Skelett-Erkrankungen vorbeugen und der durch fehlerhaftes Heben bedingte Krankenstand nachhaltig verringern.

Das Bild zeigt die Funktionsweise der Hebehilfe SensHand.

Ludmilla Parsyak