MAI Carbon – Netzwerk für Faserverbundtechnologie

Das Städtedreieck München, Augsburg, Ingolstadt (MAI) hat sich zu einem weltweit sichtbaren Zentrum der Faserverbundtechnologie entwickelt. MAI Carbon heißt das Spitzencluster, in dem sich über 100 Partner aus verschiedenen Branchen zusammengeschlossen haben. Ihre Projekte binden Anwenderinnen und Anwender auf vielen Ebenen von der Ideenfindung bis zur Fertigung mit ein.

Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff ist ein äußerst leichter und stabiler Werkstoff für Autos, Flugzeuge, Maschinen, Sportgeräte oder auch den Einsatz in der Medizin. Die Branchen benötigen zwar unterschiedliche Bauteile mit zum Teil unterschiedlichen Spezifikationen, können aber von der Konstruktion bis zum Recycling viel voneinander lernen. MAI Carbon ermöglicht es, das Wissen organisations- und fachübergreifend zu nutzen, um den Umgang mit dem Werkstoff Carbon zu optimieren.

Zentraler Austauschort ist „Carbon Connected“, entstanden aus dem Projekt MAI 2.0. Über die virtuelle Plattform können die Beteiligten neue Ideen oder Entwicklungsschritte frühzeitig und direkt diskutieren, in Projekten zusammenarbeiten oder allgemeines Wissen abrufen. Die Plattform ist ein neutraler Ort, der geschützte Räume bereitstellt und gleichzeitig offenen Ideen- und Wissensaustausch ermöglicht. Das erleichtert es gerade kleinen und mittleren Unternehmen, sich auf „Open Innovation“ (offene Innovationsprozesse) einzulassen.

Ein Beispiel hierfür sind Ideenwettbewerbe wie: „Carbon im Beton, im Auto, im All – warum nicht auch in Gesundheitsfragen?“, den MAI Carbon gemeinsam mit dem Spitzencluster Medical Valley durchgeführt hat. Entstanden ist ein Ideenbuch mit den acht besten aus weit über 100 Vorschlägen aus zehn Ländern. Der 1. Preis ging an die Idee, mithilfe eines Sprühsystems in kürzester Zeit, auch unter schwierigen Bedingungen, ebenso passgenaue wie belastbare Bandagen und temporäre Prothesen aus kurzfaserverstärkten Kunststoffen herzustellen. Diese könnten sowohl die Erstversorgung am Unfallort verbessern als auch Warte- und Behandlungszeiten in der Operationsnachsorge verkürzen.

Aufbruch in eine offene Innovationskultur

Deutschland gehört zu den leistungsfähigsten Forschungs- und Innovationsstandorten weltweit. Dennoch bleiben immer noch viele gute Ideen in den Köpfen der Forscherinnen und Forscher oder entstehen mangels Kontakt zu möglichen Nutzerinnen und Nutzern erst gar nicht. Wenn es gelingt, den Innovationsprozess zu öffnen, können viel mehr innovative Produkte und Dienstleistungen entstehen. Dazu braucht es den Mut, Partnerinnen und Partner in die Forschung einzubeziehen, die bisher außen vor gelassen wurden.

Offene Innovationskultur meint, dass Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft Experimentierräume nutzen und dabei neue Akteure in den Innovationsprozess integrieren. Zum Beispiel Forschende, die man bisher als Konkurrentinnen und Konkurrenten betrachtet hat. Oder spätere Anwenderinnen und Anwender, die nicht über das vermeintlich nötige fachliche Know-how verfügen, aber praktisches Alltagswissen einbringen. Auch die gemeinsame Arbeit über Fachdisziplinen und Branchengrenzen hinweg ist Ausdruck von Offenheit und Grundlage für kreative neue Produkte. Offenheit bedeutet auch, dass die Wissenschaft Forschungsergebnisse transparent und frühzeitig verfügbar macht. Das ist das Ziel von Open Access. Es bedeutet, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Artikel der Allgemeinheit frei über das Internet zur Verfügung stellen. Wer möchte, kann sie herunterladen, lesen und weitergeben.

Das BMBF unterstützt Ansätze, in denen vernetztes Arbeiten und das gemeinsame Entwickeln von Ideen und mithin eine offene Innovationskultur möglich wird. Der Spitzencluster MAI Carbon zeigt beispielhaft, dass es sich lohnt, neue Wege zu gehen, um verborgene Innovationspotenziale freizusetzen.