Lösungen für die großen Herausforderungen finden

Mit der HTS setzt die Bundesregierung thematische Prioritäten bei Forschung und Innovation und konzentriert sich auf sechs Felder, die Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität in Deutschland sowie Innovationsvorsprünge im internationalen Wettbewerb versprechen. Dabei sollen nicht nur technologische Neuerungen geschaffen werden, sondern auch gesellschaftliche Veränderungsprozesse angestoßen und beispielsweise Dienstleistungs- und soziale Innovationen entwickelt und verbreitet werden. Die sechs prioritären Zukunftsaufgaben sind: „Digitale Wirtschaft und Gesellschaft“, „Nachhaltiges Wirtschaften und Energie“, „Innovative Arbeitswelt“, „Gesundes Leben“, „Intelligente Mobilität“ und „Zivile Sicherheit“.

Digitale Wirtschaft und Gesellschaft

Die Digitalisierung spielt in fast allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen eine Rolle. Sie birgt enormes Potenzial für Innovationen, das es zu nutzen gilt. Auch die EFI weist in ihrem aktuellen Gutachten auf die Chancen der Digitalisierung hin.

Für die Innovationskraft Deutschlands ist es entscheidend, digitale Technologien in die Wirtschaft und in gesellschaftliche Bedarfsfelder zu integrieren. Ob digitale Medizintechnik, autonomes Fahren oder Industrie 4.0: Wettbewerbsfähig wird in Zukunft derjenige sein, der aus großen Datenmengen Wissen und Wertschöpfung generieren, zuverlässige und leistungsfähige Kommunikationssysteme aufbauen oder lernende Systeme in Arbeitsabläufen nutzbar und intuitiv handhabbar machen kann.

Die Bundesregierung gestaltet den digitalen Wandel aktiv, integrativ und vorausschauend. Dabei behält sie die Herausforderungen, z. B. im Bereich der Verbraucherrechte und der Datensicherheit, und die Frage im Blick, ob und wie sich der digitale Wandel auf das Leben und die Arbeit von Frauen und Männern – gegebenenfalls unterschiedlich – auswirkt. Wir suchen Lösungen, um Herausforderungen in Chancen umzuwandeln. Denn die EFI betont in ihrem aktuellen Gutachten, dass ein möglichst freier Datenzugang, beispielsweise für neue Geschäftsmodelle, wichtig ist.

Gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir in der digital vernetzten Welt leben, lernen und arbeiten wollen. Mit der Digitalen Agenda hat die Bundesregierung maßgebliche Impulse gesetzt, um die digitale Wirtschaft auszubauen und digitale Lebenswelten zu gestalten.

Damit Deutschland sich zum Leitanbieter innovativer digitaler Produkte und Dienstleistungen entwickeln kann, treibt die Bundesregierung die Entwicklung in wichtigen Bereichen intensiv voran:

  • Zukunftsweisende Technologien und Geschäftsmodelle: Die Bundesregierung stärkt die Entwicklung neuer Analysetechniken für große Datenmengen und deren Nutzbarmachung als „Smart Data“, fördert innovative Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Technologien für die vernetzte industrielle Produktion – dazu zählen z. B. agile Logistik und Servicerobotik, 3D-Druck und die 3D-Bildverarbeitung. Die übergreifende Verbindung der Technologien und der damit verbundenen Chancen ist ein Kernelement der Forschungsförderung. Ein wesentliches Element ist zudem die Verkopplung von Produkten oder Produktion mit hochwertigen, wissensintensiven Dienstleistungen.
  • Starke Allianzen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik: Die von der Bundesregierung ins Leben gerufene Plattform Industrie 4.0 gilt auch international als Erfolgsbeispiel. Rund 300 Akteure aus über 160 Organisationen arbeiten daran, die voranschreitende Digitalisierung von Wertschöpfungsketten nutzbar zu machen und neue intelligente und wissensbasierte Produktionsumgebungen zu gestalten. Die neue Plattform Lernende Systeme soll die Forschung, Entwicklung und Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) in Deutschland vorantreiben und im Dialog mit den Partnern und der Öffentlichkeit begleiten.
  • Digitalisierung von Arbeits- und Produktionsprozessen in kleinen und mittleren Unternehmen: Für KMU und Handwerksbetriebe birgt die digitale Transformation enorme Potenziale für verbesserte Prozessabläufe und Herstellungsverfahren oder innovative digitale Geschäftsmodelle. Die Bundesregierung unterstützt die digitale Transformation in KMU praxisnah und anwendungsbezogen, etwa mit dem „Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0“ (RAMI 4.0), dem Industrial Data Space bei der Fraunhofer-Gesellschaft, der Fördermaßnahme Industrie 4.0 – Forschung auf den betrieblichen Hallenboden, I4KMU, im Rahmen von Mittelstand-Digital oder mit dem bundesweiten Förderprogramm go-digital.
  • Wenn es gelingt, die Stärken Deutschlands aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Industrierobotik auf den Markt für digitale Assistenzsysteme zu übertragen, kann Deutschland dort eine Vorreiterrolle einnehmen. Deutschland soll zu einem führenden Markt für digital assistiertes Lernen und Arbeiten werden. Daher wird ein Anwendungsprogramm Assistenzsysteme für kleine und mittlere Unternehmen aufgelegt.

Die Bundesregierung beschäftigt sich zudem mit den neuen rechtlichen, ethischen und sozialen Fragen, die sich in der digitalisierten Welt stellen. Das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, das Deutsche Internet-Institut, sucht nach Antworten auf diese Fragen. Es forscht übergreifend und interdisziplinär zu Internet und Digitalisierung und wird so wichtiges Orientierungs- und Handlungswissen für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik bereitstellen. Die Bundesregierung fördert das Kompetenzzentrum Öffentliche Informationstechnik beim Fraunhofer-Institut FOKUS, das Trends und Technologieentwicklungen beobachtet und analysiert, interdisziplinär und anwendungsorientiert aktuelle digitalpolitische Themen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen für Verantwortliche in Politik und Verwaltung aufarbeitet und Handlungsoptionen für Politik und öffentliche Verwaltung aufzeigt.

Die Open-Access-Strategie der Bundesregierung wird zu einem schnelleren Informationsfluss in der Wissenschaft und zu besserer Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen beitragen. Die Bundesregierung fördert bereits innovative Open-Access-Projekte. Mit dem Nationalen Aktionsplan Open Data bekennt sich die Bundesregierung zu einer breiten Veröffentlichung von Daten der Verwaltung. Diese Daten für digitale Innovationen zu nutzen und damit digitalen Gründergeist zu wecken ist eines der zentralen Ziele des Modernitätsfonds, der datenbasierte innovative Projekte fördert. Einen weiteren Schritt zu mehr Transparenz von Verwaltungsdaten macht die Bundesregierung mit dem im Juli 2017 in Kraft getretenen Ersten Gesetz zur Änderung des E-Government-Gesetzes.

Nachhaltiges Wirtschaften und Energie

Die Bundesregierung orientiert sich mit der HTS am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung. Bei unserem Streben nach Innovationen behalten wir unsere Verantwortung für die heutigen und kommenden Generationen im Blick. Dazu setzen wir uns dafür ein, unsere Bedingungen der Produktion und unser Konsumverhalten ressourcenschonender, umwelt- und klimafreundlicher sowie sozial verträglicher zu gestalten.

Die Bundesregierung steht für eine Umwelt- und Klimapolitik, die die Bewahrung des Planeten und die konsequente Senkung der Treibhausgasemissionen mit wirtschaftlichem Erfolg und sozialer Verantwortung erfolgreich verbindet. Wir treten für eine effiziente, technologieoffene und innovationsfördernde Umwelt- und Klimapolitik ein, die wir gemeinsam mit den gesellschaftlichen Partnern gestalten.

Unseren internationalen Handlungsrahmen bilden die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung für das Jahr 2030 der Vereinten Nationen sowie das Klimaschutzabkommen von Paris aus dem Jahr 2015. Die EFI stellt in ihrem aktuellen Gutachten fest, dass Innovationen einen wichtigen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen leisten müssen und können. Deshalb setzen wir uns weiter für Innovationen in diesem Bereich ein. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung zeigt Lösungen und einen Prozess zur Umsetzung der internationalen, europäischen und deutschen Klimaschutzziele auf. Er enthält Zielkorridore für die Minderung von Treibhausgasemissionen in allen Sektoren bis 2030 gegenüber 1990. Das erste Maßnahmenprogramm mit Horizont 2030 wird derzeit erarbeitet. Bestandteil ist auch ein technologieoffenes Forschungsprogramm, das der deutschen Wirtschaft neue Innovationsimpulse geben soll.

Die Energiewende mit dem Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie und dem weitgehenden Verzicht auf fossile Energieträger ist eine äußerst ambitionierte Aufgabe, für deren erfolgreiche Umsetzung eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft erforderlich ist. Vor allem Wissenschaft und Forschung sind gefragt, zügig die notwendigen Fundamente zu legen und die technologischen Durchbrüche zu erzielen, um die Energieversorgung Deutschlands nachhaltig sicherzustellen. Mit dem 6. Energieforschungsprogramm hat die Bundesregierung 2011 den Fahrplan für dieses Zukunftsprojekt skizziert. Im Fokus steht das Erforschen und Entwickeln innovativer Technologien und Lösungen auf Basis von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien für den Umbau unseres Energiesystems hin zu einer umweltschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Versorgung in der Zukunft. Ein wichtiger Eckpfeiler ist dabei der Erhalt der Stärke Deutschlands als wettbewerbsfähiger Industriestandort.

Die Bundesregierung entwickelt ihre Förderung der Energieforschung weiter und hat 2017, zur Vorbereitung eines neuen Energieforschungsprogramms, einen Konsultationsprozess durchgeführt. Dazu wurden Forschungsorganisationen, Verbände, Unternehmen, Interessenvertreter sowie gesellschaftliche Akteure beteiligt. Auch die Länder formulierten ihre regionenspezifischen Forschungsbedarfe für das neue Energieforschungsprogramm. Impulse entstanden weiter aus dem Dialog, den nationale Akteure aus Wirtschaft, Politik und Forschung im Rahmen der Energiewende-Plattform Forschung und Innovation, sowie der Forschungsnetzwerke Energie geführt haben. Alle Ergebnisse sind unter energieforschung.de dokumentiert.   

Im Konsultationsprozess sind insbesondere die Themen hervorgehoben worden, die in den kommenden Jahren die Entwicklung im Energiesektor entscheidend bestimmen werden: Dekarbonisierung und somit Klimaschutz durch den Einsatz erneuerbarer Energien, Energieeffizienz, Sektorkopplung und Digitalisierung. Mit der wachsenden Zahl an Akteuren, die sich auf der Angebots- und Nachfrageseite am Energiesystem beteiligen, ist auch sozialwissenschaftliche Forschung z. B. bezüglich Akzeptanz ein wichtiger Aspekt. Wichtige Anregungen betreffen auch eine stärkere Exportorientierung mit Blick auf die globale Energiewende, sowie eine bessere Beteiligung von jungen und kleinen Unternehmen an der Forschungsförderung. Eine bedeutende Neuerung in der Energieforschungspolitik ist das Format der „Reallabore“. Sie ergänzen die angewandte Forschung in Richtung Praxistransfer. Mit ihnen sollen neue Technologien, Verfahren und Geschäftsmodelle im systemischen Zusammenwirken erprobt und somit technische und nicht-technische Hemmnisse des Praxistransfers neuer Energietechnologien abgebaut werden.

Die Möglichkeiten digitaler Technologien – etwa in der Landwirtschaft oder beim ressourcenschonenden Bauen – und der modernen Biowissenschaften unterstützen uns auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschafts- und Lebensweise. Die Bundesregierung greift wichtige gesellschaftliche Aufgaben und politische Prioritäten in diesem Bereich mit drei Leitinitiativen im Forschungsbereich auf – Green Economy, Zukunftsstadt und Energiewende. Sie bündelt ihre Forschungsanstrengungen für den Wandel zur Nachhaltigkeit und für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung u. a. in ihrer Rohstoffstrategie, dem Energieforschungsprogramm und der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 – unser Weg zu einer biobasierten Wirtschaft. Durch das FONA³-Rahmenprogramm wird die Nachhaltigkeitsforschung enger in den gesellschaftlichen Diskurs eingebunden und dadurch relevanter für die nachhaltige Entwicklung. Die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 hat das Ziel, Nachhaltigkeitspolitik wissenschaftlich zu reflektieren und innovative Impulse zu geben. Die Plattform bestärkt wissenschaftliche Akteure darin, im Dialog mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Anregungen für neue Lösungen zu entwickeln und weiteren Forschungsbedarf zu identifizieren.

Die Transformation der Produktion und des Konsums ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die einen systemischen Blick und die Einbindung aller relevanten Akteure erfordert. Deshalb stärkt die Bundesregierung Plattformen, in denen Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Bürgergesellschaft und Politik gemeinsam Impulse für eine nachhaltige Wirtschaftsweise geben: die Innovationsplattform Zukunftsstadt, die Umsetzungsplattform Green Economy, die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Forschungsinitiative Zukunft Bau, das Forschungsforum Energiewende, die Energiewende-Plattform Forschung und Innovation sowie die Forschungsnetzwerke Energie. Eine solche Einbindung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen wird von der EFI in ihrem aktuellen Gutachten empfohlen. In den Kopernikus-Projekten bündelt die Bundesregierung die Kräfte wichtiger Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft mit einer langfristig auf zehn Jahre angelegten Perspektive. Ziel ist es, nachhaltige Lösungen für den Umbau des Energiesystems zu entwickeln. Wir werden die Nutzung von Prinzipien der Natur vorantreiben und gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine ressortübergreifende Agenda „Von der Biologie zur Innovation“ erarbeiten. Wir wollen überdies die Entwicklung neuer Werkstoffe und intelligenter, programmierbarer Materialien fördern. In der Energie- und Klimaforschung wollen wir gemeinsam mit der Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Akteuren Systemlösungen erforschen, insbesondere für die Sektorkopplung von Strom-Mobilität-Wärme. Gleiches gilt für die Erdsystemforschung.

Zukunftsorientierte Lösungen müssen Veränderungsprozesse wie den Klimawandel, den demografischen Wandel, den sozialen und kulturellen Wandel sowie die dadurch veränderten Anforderungen berücksichtigen. Da Infrastrukturen auch maßgeblich die menschliche Nutzung von Umweltgütern beeinflussen, sollten sie verstärkt im Fokus einer Green Economy stehen.

Innovative Arbeitswelt

Die Art und Weise, wie wir arbeiten, ändert sich rasant. Die Arbeitswelt befindet sich in einem fundamentalen Wandel, die globalisierte Wirtschaft ist zunehmend geprägt von einer starken Dienstleistungsorientierung und von interaktiven Wertschöpfungsprozessen. Durch die Digitalisierung entstehen neue Formen der Arbeitsorganisation sowie veränderte Qualifikationsprofile und Berufsbilder.

Die Bundesregierung sieht sich in der Verantwortung, die Digitalisierung weiterhin aktiv und unter Einbeziehung der Sozialpartner zu gestalten. Im Mittelpunkt der Aktivitäten der Bundesregierung steht der Mensch in der sich wandelnden Arbeitswelt. Die Arbeitswelt von morgen ist ohne gut ausgebildete Fachkräfte undenkbar. Digitale Kompetenzen sind immer häufiger Grundlage erfolgreicher Bildungs- und Arbeitsbiografien. Die EFI fordert, digitale Bildung auszubauen und Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien breit angelegt zu fördern. Insbesondere ist die Teilhabe von Frauen und Mädchen zu berücksichtigen, da sie in der digitalen Arbeitswelt nach wie vor unterrepräsentiert sind.

Die Bundesregierung fördert die digitale Bildung, die Vermittlung digitaler Kompetenzen und das Lernen mit digitalen Medien. Sie unterstützt zudem die Fortentwicklung von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten für eine digitalisierte Arbeitswelt, u. a. unter dem Dach der Initiative Berufsbildung 4.0. Weiterbildung ist ein zentraler Schlüssel. Sie ermöglicht Beschäftigten, sich den Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt zu stellen und den sich immer schneller verändernden Qualifikationsanforderungen gerecht zu werden. Die Bundesregierung wird mit allen Akteuren eine „Nationale Weiterbildungsstrategie“ für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitssuchende entwickeln, um alle Weiterbildungsprogramme des Bundes und der Länder zu bündeln und eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren.

Die Bundesregierung unterstützt außerdem Unternehmen – speziell KMU – dabei, die Arbeitswelt von morgen zu gestalten. Dazu dient etwa das Programm Zukunft der Arbeit im Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen. Mit unserem Programm Zukunft der Arbeit wollen wir Antworten auf die Frage geben, wie die Arbeitswelt mit den neuen Technologien sinnvoll gestaltet werden kann. Hierzu wollen wir die modellhafte Entwicklung neuer Arbeitsformen in regionalen Kompetenzzentren der Arbeitsforschung fördern. Dazu gehört die Entwicklung zukunftsweisender Qualifizierungskonzepte, denn digitale Kompetenz und Wandlungsfähigkeit werden zu einer zunehmend unabdingbaren Ressource für Unternehmen und Beschäftigte. Mit regionalen Zukunftszentren wollen wir KMU darin unterstützen. Mit dem Future Work Lab in Stuttgart fördert die Bundesregierung ein wichtiges Zentrum zur Demonstration der Produktionsarbeit der Zukunft. Mit dem ESF-finanzierten Programm unternehmensWert:Mensch plus fördern wir die Prozessberatung in KMU, um passgenaue Lösungen für die digitale Transformation zu entwickeln und innovative Arbeitskonzepte zu erproben.

Parallel zu den Veränderungen in der Arbeitswelt wandeln sich die Einstellungen der Menschen. Viele wünschen sich, Beruf und familiäre Verantwortung gut miteinander vereinbaren zu können. Dazu bieten die digitalen Technologien neue Möglichkeiten. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass diese Möglichkeiten genutzt werden. Die Bundesregierung will Familien Wege eröffnen, um mehr Zeit füreinander zu haben. Wir werden Modelle entwickeln, mit denen mehr Spielraum für Familienzeit geschaffen werden kann. Die Digitalisierung kann die Zeitsouveränität von Beschäftigten erhöhen, indem sie z. B. mobile Arbeit ermöglicht. Die Bundesregierung will deshalb mobile Arbeit fördern und erleichtern und wird dazu einen rechtlichen Rahmen schaffen.

Im Wissenschaftsjahr 2018 steht das Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ im Fokus. Es soll gemeinsam mit vielen Partnern und in unterschiedlichsten Formaten gezeigt werden, welchen Einfluss technische und soziale Innovationen auf die Arbeit von morgen haben – und wie diese nicht nur den Arbeitsalltag verändern, sondern auch neue Maßstäbe im gesellschaftspolitischen Dialog setzen. Im Wissenschaftsjahr 2018 geht es ganz bewusst um vielfältige „Arbeitswelten der Zukunft“. Dieser Ansatz schafft Räume für Perspektivwechsel: aus Sicht der Forschung und Bildung, der Unternehmen, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Organisationen und jedes Einzelnen sowie mit Blick auf Arbeitsort und Arbeitszeit. „Erleben. Erlernen. Gestalten.“ – Unter diesem Motto werden Bürgerinnen und Bürger im Wissenschaftsjahr 2018 dazu aufgerufen, mitzumachen, neue Fragen zu stellen – u. a. zu den vielen verschiedenen Möglichkeiten und Ideen einer gelungenen Mensch-Maschine-Interaktion, menschlichen Beziehungen, flexibler Arbeit, Tradition und Zukunft oder intelligenten Bürogebäuden – und gemeinsam Lösungsansätze zu finden.

Um die sozialpolitische und -rechtliche Forschungsinfrastruktur, die beispielsweise Umbrüche des Arbeitsmarkts untersucht, nachhaltig zu stärken, plant die Bundesregierung den Ausbau des Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS). Wir wollen die hier erfolgreich begonnene Forschungsförderung in den Förderlinien Professuren, Projekte und Nachwuchsgruppen weiterführen und ausbauen.

Gesundes Leben

Gesundheit ist das kostbarste Gut und der wichtigste Faktor des individuellen und gesellschaftlichen Wohlergehens. Die Lebenserwartung und das Wohlstandsniveau in Deutschland sind hoch. Die gestiegene Lebenserwartung stellt das Gesundheitssystem aber auch vor große Herausforderungen, da Volkskrankheiten und Mehrfacherkrankungen in der Bevölkerung zunehmen. Auch die mit dem Klimawandel einhergehenden Herausforderungen, wie z. B. die die Ansiedlung von bislang nicht heimischen Krankheitserregern und deren
Überträger sowie von Allergenen müssen bewältigt werden. Dies umfasst beispielsweise die Etablierung einer entsprechenden Überwachung sowie die Einführung von Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Mit dem steigenden Bedarf an Gesundheitsleistungen und innovativen medizinischen Anwendungen bieten sich zugleich vielfältige Chancen für die deutsche Gesundheitswirtschaft – in Deutschland und auf den internationalen Absatzmärkten.

Die Bundesregierung hat ihre Aktivitäten zur Förderung der Forschung für ein gesundes, aktives und selbstbestimmtes Leben im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung gebündelt. Schwerpunkte des Programms sind die Bekämpfung von Volkskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Lungen- und neurodegenerativen Erkrankungen, von Infektionskrankheiten und seltenen Erkrankungen. Prävention und Früherkennung bzw. Vorsorge und Zugang zu medizinischer Versorgung und Medizinprodukten werden als wichtige Bausteine für ein langes und gesundes Leben intensiv vorangetrieben.

Die Personalisierung und die digitale Vernetzung der Medizin sind zentrale Treiber für den Fortschritt in der Patientenversorgung. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist eine der größten Herausforderungen des Gesundheitswesens in den nächsten Jahren. Die Bundesregierung hat für diese Entwicklungen entscheidende Weichen gestellt. Die Potenziale für innovative, maßgeschneiderte Therapien und Diagnostika werden mit dem Aktionsplan Individualisierte Medizin adressiert. Die Vernetzung von Lebenswissenschaften und Informationstechnik wird u. a. mit dem Förderkonzept Medizininformatik unterstützt, denn die Chancen – ebenso wie die Risiken und Herausforderungen – der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung sind enorm. Strategische Ziele für die Zukunft sind die Erforschung und Entwicklung der verantwortungsvollen Nutzung von E-Health und Big Data im Gesundheitswesen bis hin zur elektronischen Forschungsakte.

Deutschland soll zum Vorreiter bei der Einführung digitaler Innovationen im Gesundheitssystem werden. Die Bundesregierung wird eine Roadmap zur Entwicklung und Umsetzung innovativer E-Health-Lösungen erarbeiten.

Die Bundesregierung wird die Telematikinfrastruktur weiter ausbauen und eine elektronische Patientenakte für alle Versicherten in dieser Legislaturperiode einführen. Wir wollen neue Zulassungswege für digitale Anwendungen schaffen, die Interoperabilität herstellen und die digitale Sicherheit im Gesundheitswesen stärken. Die einschränkenden Regelungen zur Fernbehandlung werden wir auf den Prüfstand stellen. Die pflegerische Versorgung wollen wir mit den Möglichkeiten der Digitalisierung weiterentwickeln, sodass sowohl Pflegekräfte als auch pflegebedürftige Menschen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie neue technische Anwendungen besser nutzen können und sich die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte – das sind ganz überwiegend Frauen – dadurch verbessern. Technische Assistenzsysteme können auch zu einer besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf beitragen. Dazu gehört, die Pflege in die Telematikinfrastruktur einzubeziehen. Die Anwendung und Abrechenbarkeit telemedizinischer Leistungen soll ausgebaut werden. Es wird sichergestellt, dass die Datenspeicherung den strengen Anforderungen des Datenschutzes unterliegt. Die gespeicherten Daten sind Eigentum der Patientinnen und Patienten.

Der schnellere Einsatz von neuem Wissen und innovativen Produkten zum Wohle der Patientinnen und Patienten bleibt ein strategisches Ziel der Bundesregierung. Dafür arbeiten in den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Ressortforschungseinrichtungen interdisziplinär zusammen. Die Überführung von Forschungsergebnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung ist auch das Ziel des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung. Auch das Paul-Ehrlich-Institut sowie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte unterstützen mit ihren Innovationsbüros in besonderer Weise die Translation in der Gesundheitsforschung. Mit dem beim Gemeinsamen Bundesausschuss angesiedelten Innovationsfonds werden neue Versorgungsformen und die Versorgungsforschung weiter vorangebracht. Das Fachprogramm Medizintechnik, das stark am Versorgungsbedarf ausgerichtet ist, unterstützt die überwiegend von KMU geprägte Branche darin, schneller anwendungsfähige Innovationen zum Wohle der Patientinnen und Patienten hervorzubringen.

Intelligente Mobilität

Mobilität ist eine wichtige Voraussetzung für volkswirtschaftlichen Wohlstand und soziale Teilhabe und damit ein maßgeblicher Faktor für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, Modelle für eine nachhaltige Mobilität zu entwickeln, die gleichzeitig Emissionen mindern und die Umwelt schonen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärken sowie für alle zugänglich sind.

Vor allem alternative Antriebe, und hier insbesondere die Elektromobilität, sind entscheidende technologische Beiträge zur klimafreundlichen Umgestaltung des Verkehrs. Die Bundesregierung stärkt mit der Nationalen Plattform Elektromobilität daher den strategischen Dialog von Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Verbänden und will diese zu einer Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität umgestalten, die sich u. a. mit der Weiterentwicklung der Automobilindustrie beschäftigt. Um die Energieeffizienz und Reichweite von Elektrofahrzeugen weiter zu steigern, setzt die Bundesregierung Förderschwerpunkte in der Batterieforschung, der Ladeinfrastruktur und der Netzintegration sowie in der Entwicklung energieeffizienter Gesamtfahrzeugkonzepte. Darüber hinaus wollen wir die Effizienz steigern, indem Schnittstellen zwischen den einzelnen Verkehrsträgern optimiert werden, z. B. durch die Förderung einer möglichst nahtlosen Reisekette mit Fahrgastinformationen und Ticketing von Tür zu Tür und durch die Förderung von zukunftsweisenden Projekten an der Schnittstelle öffentlicher Personennahverkehr – Carsharing – Fahrrad. Bei der Entwicklung intelligenter Mobilitätssysteme ist zudem die Automatisierung und Vernetzung der Fahrzeuge von zentraler Bedeutung. Hierauf zielen die Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren, das Programm Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien sowie weitere Fachprogramme der Bundesregierung.

Deutschland ist Innovationsführer für sichere und nachhaltige Mobilitätslösungen. Erforderlich für die Mobilität der Zukunft sind die umweltfreundliche Ausgestaltung und Vernetzung der Verkehrsträger und Fahrzeuge, die Entwicklung neuer Fahrzeuge und Antriebssysteme sowie nachhaltiger Kraftstoffe für die verschiedenen Verkehrsträger. Ziel muss es sein, Mobilität zu einem intelligenten Gesamtsystem weiterzuentwickeln. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, technische Lösungen für die Echtzeitvernetzung von Fahrzeugen, aber auch Fragen zur IT-Sicherheit und zum Datenschutz werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Bundesregierung trägt u. a. mit der Initiative Raumfahrt bewegt! dazu bei, satellitenbasierte Anwendungen der Navigation und Kommunikation für die Mobilität der Zukunft nutzbar zu machen.

Deutschland wird die großen Chancen von digitalen Innovationen wie automatisiertes und vernetztes Fahren nutzen. Die Digitalisierung des Verkehrssystems erfordert neben hohen Investitionen in die Verkehrstechnik den Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnik. Wir wollen ein Mobilitätsforschungsprogramm inklusive der Erforschung der autonomen Mobilität auflegen. Damit autonome Fahrzeuge im öffentlichen Raum rechtssicher getestet und eingesetzt werden können, werden wir Experimentierklauseln bzw. Ausnahmeregelungen schaffen. Bis zum Ende der Legislaturperiode werden wir die rechtlichen Voraussetzungen für vollautonome Fahrzeuge (Stufe 5) auf geeigneten Infrastrukturen schaffen. Wir wollen die Haftungsregelungen beim Einsatz autonomer Systeme (z. B. selbstfahrende Kfz, Roboter) auf den Prüfstand stellen. Das Ziel dabei ist, gegebenenfalls drohende Haftungslücken zu schließen. Wir wollen den erfolgreichen Aufbau der „Digitalen Testfelder Autobahnen“ weiterführen und digitale Testfelder auf der Straße (insbesondere in den Städten), Schiene und Wasserstraße unterstützen. Wir wollen effektive politische Rahmenbedingungen erproben, damit die Potenziale des autonomen Fahrens ihre Wirkung für eine nachhaltige Stadtentwicklung entfalten können.

Forschung für zivile Sicherheit sowie IT- und Cybersicherheit

Die Gewährleistung von Sicherheit und Freiheit ist für unsere Gesellschaft von herausragender Bedeutung. Ob bei kritischen Infrastrukturen wie der Energieversorgung, Informations- und Kommunikationstechnik, dem Transport und Verkehrswesen: Technische Sicherheit und das reibungslose Ineinandergreifen komplexer Systeme und Infrastrukturen spielen in unserem Alltag eine zunehmende Rolle. Bereits geringe Störungen können Versorgungsengpässe und hohe volkswirtschaftliche Schäden hervorrufen. Naturkatastrophen, der weltweit operierende Terrorismus und die organisierte Kriminalität sind weitere Risikofaktoren.

Um die freiheitliche Lebensweise der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu schützen, fördert die Bundesregierung mit dem Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit umfassende Sicherheitslösungen. Die Bedeutung einer leistungs- und wettbewerbsfähigen deutschen zivilen Sicherheitsindustrie unterstreicht die Bundesregierung zudem mit einer Strategie zur Stärkung dieses Industriezweigs.

Mit dem Grad der Digitalisierung nehmen die Anforderungen an die Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit sowie an die Zuverlässigkeit digitaler Infrastrukturen und Dienstleistungen zu. Exponentiell steigende Datenmengen bringen uns enorme Wissenszuwächse. Sie schaffen aber auch neue Risiken, besonders für das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung.

Die Bundesregierung bewertet IT- und Cybersicherheit als ein zentrales Element für Innovation und Wachstum in Deutschland und Europa. Davon zeugen das Forschungsrahmenprogramm Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015-2020, ein ressortübergreifendes Maßnahmenpaket zur Entwicklung sicherer und innovativer IT-Lösungen sowie die Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland zur Gewährleistung der zivilen Sicherheit sowie die im Rahmen einer gemeinsamen Absichtserklärung,  die im ersten Halbjahr 2018 unterzeichnet werden soll, vorgesehene enge Zusammenarbeit mit Frankreich auf dem Gebiet der industriegetriebenen IT- und Cybersicherheitsforschung.

Sich sicher und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen setzt Strategien und wirksame Instrumente voraus. Wissenschaft und Forschung können dazu entscheidende Beiträge leisten. Drei leistungsstarke Kompetenzzentren für IT-Sicherheit an den Standorten Darmstadt, Karlsruhe und Saarbrücken fokussieren die wichtigsten Herausforderungen auf dem Gebiet der IT-Sicherheit thematisch und organisatorisch. Die Zentren forschen beispielsweise an Verschlüsselungsverfahren für das Bezahlen oder Verschicken von Nachrichten im Internet, an sicherem Cloud Computing sowie an ganzheitlichen Sicherheitslösungen für große Systeme. Wir setzen uns für die Verstetigung und den Ausbau dieser Kompetenzzentren ein und überführen deshalb u. a. das Zentrum CISPA in Saarbrücken in ein Helmholtz-Zentrum. Wir wollen die Kompetenzzentren der IT-Sicherheitsforschung zu international sichtbaren Forschungs- und Beratungszentren, nicht zuletzt für technologieorientierte Unternehmensgründungen, weiterentwickeln. Wissenschaft, Wirtschaft, Sicherheitsbehörden und Einsatzkräfte sollen zusammenarbeiten. Um Sicherheit und Ordnung in der vernetzten Welt zu fördern, legen wir ein neues Rahmenprogramm für die zivile Sicherheitsforschung auf.