Karliczek: "Wir wollen Bürgerwissenschaften als selbstverständliche Forschungsmethode etablieren"

8,7 Mio. Euro zusätzlich für Bürgerforschung: Neue Förderrichtlinie stärkt Zusammenarbeit von Wissenschaft und Gesellschaft

Bürgerforscher: Viele Menschen begeistern sich für das Beobachten von Vögeln

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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verstärkt sein Engagement für Bürgerwissenschaften. Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: "Wir wollen einen selbstverständlichen und alltäglichen Kontakt zwischen Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürgern aufbauen. Deswegen regen wir mit der jetzigen Förderung Forschungseinrichtungen und Forschende dazu an, dauerhafte Modelle für eine Zusammenarbeit zu etablieren – denn nur eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern über einen längeren Zeitraum schafft optimale Voraussetzungen für gegenseitiges Lernen und den Wissenstransfer.

Die Bürgerforschung wächst. Ob durch das Sammeln von Vogelstimmen, die Erforschung des eigenen Wohnumfelds oder das Auswerten von Wetterdaten – immer mehr Projekte aus vielen verschiedenen Disziplinen zeigen, wie Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam mit Expertise, Spaß und Neugier wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse schaffen können. Diesen Trend wollen wir weiter stärken. Citizen Science zu fördern, ist daher für uns selbstverständlich. Wir wollen dabei vor allem engagierte Initiativen, Vereinen und anderen zivilgesellschaftlichen Vereinigungen stärken. Unser Ziel ist es, die Bürgerwissenschaften dauerhaft in der Forschung und Kommunikation zu verankern. Denn das Miteinander stärkt das Vertrauen in die Wissenschaft."

Zivilgesellschaftliche Akteure sind schon seit vielen Jahren im Bereich Bürgerwissenschaften aktiv. Sie haben einen reichen Erfahrungsschatz, von dem die Forschung profitieren kann. Erstmalig sind daher auch gesellschaftliche Vereinigungen gefragt, sich als Projektkoordinatoren im Verbund mit Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu bewerben.

Die Förderung schließt sich an die im kommenden Jahr auslaufende erste Förderrichtlinie Bürgerwissenschaften an. Nachdem auf dieser Grundlage eine Reihe spannender und ertragreicher Projekte entstanden ist, gilt es nun den Blick auf die langfristige Verankerung von Citizen Science im Wissenschaftssystem zu richten. Die Erfahrungen der ersten Förderphase haben gezeigt, dass Projekte der Bürgerforschung Zeit zum Zusammenwachsen benötigen: Netzwerke müssen geknüpft, Kompetenzen aufgebaut und gemeinsame Ziele erarbeitet werden. Daher wird der Förderzeitraum von drei auf vier Jahre ausgeweitet.

Laut dem Wissenschaftsbarometer 2017 sind mehr als 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger daran interessiert, sich an einem Forschungsprojekt zu beteiligen. Doch sie müssen erst von den Projekten erfahren. Daher wird bei der neuen Förderrichtlinie besonderer Wert auf ein überzeugendes Kommunikationskonzept der Antragssteller gelegt.

Hintergrundinformationen:

Das Bundesforschungsministerium ist einer der wichtigsten Förderer von Citizen Science in Deutschland. Seit Sommer 2016 fördert es mit knapp 5 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 13 Citizen Science Projekte. Das thematische Spektrum ist breit: Es reicht von Projekten aus dem Umwelt- und Naturbereich bis hin zu Vorhaben aus der Medizin, aus technischen und ingenieur-wissenschaftlichen Gebieten sowie aus den Sozial-wissenschaften. Im Rahmen der zweiten Förderrichtlinie fördert das Bundesforschungsministerium die Bürgerforschung mit knapp 9 Millionen Euro über 4 Jahre.

Neben der Förderrichtlinie unterstützt das BMBF die strukturelle Verankerung von Bürgerforschung durch die seit 2013 bestehende Förderung der Plattform www.buergerschaffenwissen.de. In den vergangenen Jahren hat sich die Plattform zu einer zentralen Anlaufstelle für Bürgerforschung in Deutschland entwickelt und leistet wichtige Arbeit in der Vernetzung der Akteure. Die Förderung der Plattform wird nun bis 2022 mit einem Schwerpunkt auf Qualitätssicherung, Capacity Building und Netzwerkstärkung verlängert.

Dieser Text entspricht der Pressemeldung 122/2019 des BMBF.