Karliczek: Innovation ist Kern wirksamer Klimapolitik

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, hat am 26.06.2019 die Klimaschutzprojekte ihres Hauses vorgestellt.

Neue Akzente in der Wasserstoffforschung

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, hat am 26.06.2019 die Klimaschutzprojekte ihres Hauses vorgestellt. Dazu erklärt Anja Karliczek:

„Forschung, Innovation und Bildung sind Kernbestandteile einer wirksamen und glaubwürdigen Klimapolitik. Ohne intensive Forschung, Innovation und Bildung werden wir die Klimaziele nicht erreichen. Wir brauchen eine Mischung aus Reduktionszielen und Innovation.

Unsere Art zu wirtschaften stößt an ihre natürlichen Grenzen. Um unseren Wohlstand, unsere Umwelt und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, müssen wir Wirtschaft neu denken – hin zu einer Kreislaufwirtschaft auf einer neuen technologischen Stufe einschließlich der Klimaneutralität. Das Ziel ist eine bessere Lebensqualität in einem umfassenden Sinn – also kein Rückschritt, sondern Fortschritt.

Als BMBF wollen wir auch in den nächsten Jahren Forschung, Innovation und Bildung als Beitrag für den Klimaschutz vorantreiben. Der heute vom Bundeskabinett verabschiedete Haushalt gibt mir und meinem Haus dazu die Möglichkeiten. In der laufenden Legislaturperiode werden wir nach der aktuellen Haushaltsplanung 2,3 Milliarden Euro zur Förderung von Projekten im Bereich Nachhaltigkeit, Klima und Energie ausgeben. Das sind rund 50 Prozent mehr als in der vergangenen Wahlperiode mit Ausgaben auf dem Gebiet in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

Derzeit bereitet die Bundesregierung ein Klimaschutzgesetz vor. Mein Haus bringt sich in zweifacher Hinsicht in die Diskussion ein. Mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze habe ich eine Wissenschaftsplattform gegründet. Der Kern dieser Wissenschaftsplattform ist ein Lenkungskreis von führenden Wissenschaftlern, die ein breites Spektrum an Disziplinen abdecken. Sie wird Bewertungen zu klimaschutzrelevanten Themen erarbeiten und Orientierungs- und Entscheidungswissen für die Überprüfung und Fortschreibung des Klimaschutzplans der Bundesregierung und der auf ihn aufbauenden Programme liefern.

Zweitens haben wir ein Forschung- und Innovationsprogramm zum Klimaschutz aufgelegt. In den konkreten Projekten geht es um die Vermeidung von Kohlendioxid, die Nutzung und Umwandlung von Kohlendioxid sowie die Rückholung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre.

Dabei wollen wir die Forschung zur Nutzung von Wasserstoff verstärken. Dabei geht es um sogenannten grünen Wasserstoff. Grüner Wasserstoff ist nachhaltig erzeugter Wasserstoff, den wir mit Erneuerbaren Quellen herstellen. Er kann zum Beispiel in Autos, in der Produktion oder beim Heizen genutzt werden. Heizen läuft über eine Brennstoffzelle. Das ist eine klimafreundliche Alternative zu Öl, Kohle und Gas mit großem Zukunftspotenzial.

Das CO2-Vermeidungspotential ist riesig. Dazu nur ein Beispiel: Allein in der deutschen Chemieindustrie und bei Raffinerien können wir bis zu 15 Millionen Tonnen CO2 im Jahr vermeiden, wenn wir „grauen“ Wasserstoff aus Erdgas und Öl durch klimafreundlichen „grünen“ Wasserstoff ersetzen. Zum Vergleich: die gesamte deutsche Industrie emittiert rund 190 Millionen Tonnen CO2 im Jahr.“

Hintergrund:

Konkret geht es im Zusammenhang mit dem grünen Wasserstoff um folgende Initiativen:

  • „Power-to-X“: Die Erzeugung von grünem Wasserstoff marktfähig machen

Das BMBF startet im Rahmen seiner Kopernikus-Initiative die 2. Phase für das Power-to-X-Projekt im September dieses Jahres. Hier steht vor allem die Erzeugung von Wasserstoff im Fokus. Dabei soll eine hocheffiziente, langlebige und kostengünstige Elektrolyse mit einem großen Volumen zur Marktreife gebracht werden. Dafür sind 30 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren vorgesehen.

  • Beispiel „Afrika“: Afrika zum Partner der deutschen Energiewende machen

Es soll ein „Potenzialatlas zu grünem Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen“ aufgelegt werden. Der Blick geht erst nach Afrika.  Zusammen mit der deutschen Industrie sowie Forschungspartnern vor Ort sollen mögliche Standorte in Afrika, Erzeugungs- und Exportpotentiale sowie deren Erschließung analysiert werden. Damit kann Klimaschutz zu einem globalen Geschäftsmodell werden.

  • Beispiel „Deutsch-französische Forschungskooperation“: Wasserstoff in den Alltag bringen

Deutsche Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiten mit renommierten französischen Partnern zusammen an innovativen Lösungen, um grünen Wasserstoff zum Heizen nutzbarer zu machen. Vier Projekte starten zum 1. Oktober 2019. Das BMBF stellt dafür rund 4,5 Millionen Euro bereit.

Das BMBF plant, in den nächsten drei Jahren rund 180 Mio. EUR für Projekte in der Wasserstoffforschung bereitzustellen – das stellt gegenüber den letzten drei Jahren eine Verdoppelung der Mittel dar.

Dieser Text entspricht der Pressemeldung 067/2019 des BMBF.