Internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung

Eine gute Berufsausbildung ist wesentliche Voraussetzung für Wohlstand, Beschäftigungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Der Ausbildung im Betrieb kommt dabei eine besondere Rolle zu, ist sie doch ausschlaggebend für die hohe Qualität und Praxisnähe der deutschen Berufsbildung. Das duale System der Berufsbildung in Deutschland, bei dem Theorie und Praxis in der Ausbildung Hand in Hand gehen, ist für viele Länder weltweit Vorbild für die Reform ihrer eigenen Berufsbildungssysteme. Der Bedarf an entsprechendem Know-how und an Kooperationen in der Berufsbildung hat stetig zugenommen.

Die Strategie der Bundesregierung für eine Internationale Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand von 2013 zielt auf diesen Bedarf. Sie bildet den Rahmen für ein gemeinschaftliches und kohärentes Handeln der Akteure aus Bildung, Forschung, Politik und Wirtschaft. Grundlage sind fünf Kernprinzipien:

  • Zusammenarbeit zwischen Sozialpartnern, Wirtschaftsorganisationen und Staat,
  • lernen im Arbeitsprozess,
  • Akzeptanz von nationalen Standards,
  • qualifiziertes Berufsbildungspersonal,
  • institutionalisierte Berufsbildungsforschung und Berufsbildungsberatung.

Die vom BMBF geförderten bilateralen Berufsbildungskooperationen auf Regierungsebene mit derzeit 19 Ländern unterstützen deutsche Unternehmen im Ausland bei der Gewinnung von qualifizierten Fachkräften und leisten einen Beitrag zur bilateralen Kooperation mit Partnerstaaten auf sozioökonomischer und politischer Ebene. Daraus resultieren wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in Deutschland. Die BMBF-Berufsbildungszusammenarbeit mit den EU-Ländern Portugal, Italien, Frankreich, Griechenland, Slowakei und Lettland ist zudem ein stetiger Beitrag zur Kohäsion der EU. Auch die deutschen Anbieter von Aus- und Weiterbildung werden gestärkt: Das BMBF unterstützt sie mit der Fördermaßnahme Internationalisierung der Berufsbildung dabei, ihre Dienstleistungen für ausländische Märkte zu adaptieren und dort zu implementieren. Neben der Unterstützung deutscher Unternehmen bei der Bewältigung des Fachkräftemangels an Auslandsstandorten wird der Technologietransfer befördert. Denn innovative deutsche Produkte können im Ausland nur dann produziert oder gewartet werden, wenn dort qualifiziertes Personal vorhanden ist. Seit Juni 2017 werden weltweit elf Projekte gefördert; weitere Projekte sind in Vorbereitung.

Das BMBF schafft die Bedingungen dafür, dass die deutschen Berufsbildungsakteure in die internationale Berufsbildungszusammenarbeit einbezogen werden:

Unter Leitung des BMBF tagt seit 2013 regelmäßig der Runde Tisch für internationale Berufsbildungszusammenarbeit; einbezogen sind die sich in der Berufsbildungszusammenarbeit engagierenden Bundesressorts und relevante Durchführungsorganisationen auf Arbeitsebene. Hiermit wird eine enge Abstimmung über Verantwortlichkeiten und Aktivitäten und damit ein kohärentes Auftreten im Ausland sowie ein effizientes, kooperatives Handeln sichergestellt.

GOVET (German Office for International Cooperation in Vocational Education and Training) wurde im Jahr 2013 im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) als Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation der Bundesregierung eingerichtet. Sie fungiert als Erstanlaufstelle für Anfragen zur internationalen Berufsbildungskooperation und als Geschäftsstelle des Runden Tisches. GOVET hat darüber hinaus die Aufgabe, die Berufsbildungskooperation des BMBF mit dem jeweiligen Partnerland umsetzend zu begleiten.

Berufliche Bildung spielt für das Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen eine zentrale Rolle. Deshalb ist berufliche Bildung ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik und wurde in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut: Seit 2013 hat das BMZ seine Zusagen für Berufsbildung mehr als verdoppelt (auf rund 245 Mio. Euro im Jahr 2017). Damit ist Deutschland der weltweit größte bilaterale Geber in der beruflichen Bildung. Im Rahmen der bilateralen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit werden derzeit in mehr als 70 Ländern über 180 eigenständige Berufsbildungsmaßnahmen durchgeführt. Darüber hinaus fördert das BMZ das Engagement nicht staatlicher Akteure und der verfassten Wirtschaft in der entwicklungspolitischen Berufsbildungszusammenarbeit, etwa über Berufsbildungspartnerschaften.

Das BMZ engagiert sich in der beruflichen Bildung mit regionalem Schwerpunkt auf Afrika und Asien insbesondere im Zusammenhang mit Flucht und Migration und bei den Themen Gleichberechtigung der Geschlechter, informelle Wirtschaft und ländlicher Raum. Berufliche Bildung kann dazu beitragen, die Ursachen für Krisen, Migration und Flucht zu mindern. Deshalb ist sie ein zentraler Baustein u. a. in den BMZ-Sonderinitiativen Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost, Eine Welt ohne Hunger und Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren. Mit dem Aufbau Grüner Innovationszentren werden seit 2014 in 13 Ländern Aus- und Fortbildung zu Themen wie guter landwirtschaftlicher Praxis, betriebswirtschaftlichem Wissen oder der Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln gefördert, um Angehörige kleinbäuerlicher Familienbetriebe in Produktion, Verarbeitung und Vermarktung ihrer Produkte besser auszubilden.

Berufsbildungskooperationen: Das Beispiel Indien

Die seit 2009 bestehende Berufsbildungskooperation des BMBF mit Indien hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Wichtige Aktionsfelder sind kompetenzorientierte Lehr- und Ausbildungspläne, die Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Ausbildenden und beim Aufbau neuer Leiteinrichtungen für die Ausbildung von Ausbildenden. Im Mai 2017 wurden zwei Vereinbarungen zur Stärkung der deutsch-indischen Berufsbildungszusammenarbeit geschlossen. Schlüsselpersonen sollen zur Dualität in der Berufsbildung geschult werden. Außerdem soll eine neue Berufsbildungskooperation im Bereich Werkzeugmaschinenbau aufgebaut werden. Das BMZ konzentriert sich bei seinem 2014 wieder aufgenommenen Berufsbildungsengagement in Indien auf systemische Politikberatung hinsichtlich der Einbindung dualer Elemente in den indischen Ausbildungskontext. Darüber hinaus wirkt Berufsausbildung in Vorhaben zu erneuerbaren Energien als Querschnittsthema. Die Entsendung von Fachkräften und die Förderung privater Träger sind weitere Elemente des BMZ-Engagements in diesem Feld.

Im internationalen Geberkreis setzt sich die Bundesregierung für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen durch Berufsbildung ein: Das im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft vereinbarte Ziel, bis 2030 ein Drittel mehr Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern beruflich zu qualifizieren, wurde 2016 und 2017 weiter sukzessive umgesetzt. Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 hat das BMZ die Initiative „#eSkills4Girls“ zur Stärkung digitaler Kompetenzen und des Wissensaustauschs von Frauen und Mädchen ins Leben gerufen.

Die BMBF-Initiative iMove im BIBB unterstützt durch Netzwerkarbeit, Beratung, Qualifizierung und Marketing deutsche Bildungsanbieter beim Gang ins Ausland.

Um die strategischen Partner des deutschen dualen Systems der Berufsbildung systematisch in die BMBF-Berufsbildungszusammenarbeit einzubeziehen, fördert das BMBF die Strategieprojekte „VETnet“ beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und derzeit elf Auslandshandelskammern (AHKs), „UNIONS4VET“ beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sowie „SCIVET“ beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Damit wird die Expertise der zahlreichen Beteiligten mit in die Berufsbildungskooperationen eingebracht.

Die derzeit 19 Berufsbildungskooperationen des BMBF basieren auf bilateralen Kooperationsvereinbarungen. Ausgehend von den Anforderungen des jeweiligen Partnerlandes weisen die Kooperationen unterschiedliche Inhalte und Intensitäten auf. In der Regel wird eine bilaterale Arbeitsgruppe etabliert; in jährlichen Treffen auf Staatssekretärs- oder Abteilungsleitungsebene werden die Aktivitäten koordiniert und weiterentwickelt. In enger getakteten Technical Meetings auf Arbeitsebene wird die Umsetzung begleitet. Typische Aktionsfelder in den BMBF-Berufsbildungskooperationen sind:

  • Beratung zum gesetzlichen Rahmen für Berufsbildung, zu Governance und Finanzierung,
  • Entwicklung und Erprobung von dualen Ausbildungsgängen und Modellen zur Ausbildung betrieblicher Lehrkräfte sowie die pilothafte Etablierung dualer Gremien,
  • Beratung zur Weiterentwicklung der Berufsbildungsforschung, der Fachkräftevorhersage und der Kosten-Nutzen-Rechnung zur Berufsbildung.

Die Aktivitäten der Strategieprojekte sind eng in die bilateralen Berufsbildungskooperationen eingebunden.

Über Erasmus+ fördert das BMBF die bildungspolitische Zusammenarbeit in Europa, konkret mit Mobilitätsmaßnahmen in den Bereichen Erwachsenen-, Hochschul- und Schulbildung sowie Jugend und Sport. Die neue BMBF-Förderinitiative Ausbildung Weltweit unterstützt Unternehmen, ihre angehenden Fach- und Führungskräfte sowie das Ausbildungspersonal auf die Anforderungen des globalen Markts vorzubereiten. Im Fokus stehen Auslandsaufenthalte von Auszubildenden, aber auch von Ausbilderinnen und Ausbildern. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Internationalisierung und zur Steigerung der Attraktivität der dualen Berufsausbildung in Deutschland geleistet.