Internationale Positionierung

Die Innovationsleistung einzelner Volkswirtschaften wird durch eine Vielzahl von Determinanten bestimmt. Einschlägige Innovationsindizes, die Input- und Outputindikatoren zusammenfassen, bestätigen die hohe Leistungsfähigkeit Deutschlands im internationalen Innovationswettbewerb. So zählt das deutsche Innovationssystem im European Innovation Scoreboard 2017 der EU zur Gruppe der sogenannten Innovation Leaders. Auch in anderen Innovationsindizes liegt Deutschland jeweils in der Spitzengruppe der innovativsten Volkswirtschaften.

In der Innovationsforschung haben sich mehrdimensionale Innovationsindizes etabliert, die die Innovationsfähigkeit und -erfolge einzelner Volkswirtschaften umfassend abbilden und vergleichen können. Solche Indizes bündeln und gewichten Input- und Outputindikatoren eines Forschungs- und Innovationssystems. Die Teilergebnisse werden in einem Gesamtindex zusammengefasst. So lassen sich komplexe forschungs- und innovationspolitische Sachverhalte empirisch verdichten (siehe auch Infobox Kompositindikatoren).

Kompositindikatoren

Für einen Vergleich verschiedener Länder scheint die Verdichtung von Informationen zu einer oder zu wenigen Kennzahlen zielführend. Hierfür werden zusammengesetzte Indikatoren, sogenannte Kompositindikatoren, genutzt. Diese erleichtern den globalen Vergleich, und aus der Positionierung innerhalb eines Rankings können forschungs- und innovationspolitische Empfehlungen abgeleitet werden. Gemeinsam ist diesen Indikatoren, dass sie komplexe Sachverhalte durch die gewichtete Bündelung von dafür relevanten Einzeldaten abzubilden versuchen. Damit wollen sie nicht nur Politik und Öffentlichkeit Orientierungspunkte geben, sondern auch die empirische Untersuchung von komplexen Sachverhalten ermöglichen, für die es andernfalls keine quantitative Basis gibt. Derartige Indikatoren und darauf aufbauende Rankings sind allerdings nicht unumstritten, da Auswahl und Gewichtung der jeweils genutzten Indikatoren das Ergebnis der Ländervergleiche beeinflussen.

Neben allgemeinen Innovationsindizes, die die Innovationsleistung ganzer Volkswirtschaften in den Blick nehmen, werden zunehmend Indikatorensysteme für spezifische Technologiefelder entwickelt. Beispielsweise gewinnt die Digitalisierung in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der Innovationssysteme wesentlich an Bedeutung (siehe auch Infobox Technologiespezifische Indikatorik – die Digitalisierung).

Technologiespezifische Indikatorik – die Digitalisierung

Die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen sowohl für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik als auch für die Forschungs- und Innovationspolitik. Daher ist es wichtig, die Positionierung Deutschlands in diesem Themenfeld international einzuordnen.

Seit 2000 lässt das BMWi jährlich den Entwicklungsstand der deutschen Informations- und Kommunikationsindustrie im internationalen Vergleich beobachten. Für das Berichtsjahr 2017 werden zehn ausgewählte Länder in Europa, Asien und Amerika verglichen, die im Themenbereich Digitalisierung eine starke Wettbewerbsrelevanz für den Standort Deutschland aufweisen. Der Index bestimmt anhand von 48 Indikatoren die globale Leistungsfähigkeit dieser Länder im Bereich der Digitalisierung.

Weitere Informationen zum Monitoring-Report Wirtschaft Digital 2017 im Internet: bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/monitoring-report-wirtschaft-digital-2017.html

Die Bundesregierung fördert darüber hinaus explizit Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung der Indikatorik im Bereich Forschung und Innovation (siehe auch Infobox Weiterentwicklung der Indikatorik für Forschung und Innovation).

Etablierte Innovationsindizes sind das European Innovation Scoreboard (EIS), der Global Innovation Index (GII) und der Global Competitiveness Index (GCI). Nachfolgend werden diese kurz vorgestellt. Die Gesamtergebnisse und die Position des deutschen Forschungs- und Innovationssystems werden aufgezeigt. Renommierte Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen ermitteln die Indizes in der Regel jährlich, sie umfassen eine Vielzahl von Indikatoren und Vergleichsländern.

Weiterentwicklung der Indikatorik für Forschung und Innovation

Fortschritte in der Innovationsfähigkeit können nur eingeschätzt werden, wenn Forschung und Innovation bestmöglich quantitativ, aber auch qualitativ erfasst werden. Im Kontext des digitalen Wandels und der Veränderung des Innovationsbegriffs vom klassischen technischen Fortschritt hin zu neuen Formen der Innovation ist es wesentlich, dass die Indikatorik mit diesen Herausforderungen Schritt hält.

Entsprechend unterstützt das BMBF mit der Fördermaßnahme zur „Weiterentwicklung der Indikatorik für Forschung und Innovation“ den Kapazitätsaufbau in der Innovationsforschung. Zweck dieser Förderung ist es, Lücken in der bestehenden Innovations- und FuE-Indikatorik zu schließen, neue Forschungsansätze zu erproben und neue Evaluationsmethoden zu entwickeln. Die geförderten Projekte sollen die Grundlagen einer evidenzbasierten Forschungs- und Innovationspolitik erweitern, das Instrumentarium zur Erfassung von Innovationen und der Leistungsfähigkeit des Forschungs- und Innovationssystems verbessern und neue empirische Zugänge erschließen.

Die von einer unabhängigen Expertenjury ausgewählten Forschungsprojekte befassen sich u. a. mit der Entwicklung von Indikatoren zur Abbildung aktueller Innovationstrends, zur Erfassung der Vernetzungsstruktur und -dynamik im deutschen Innovationssystem sowie zur Messung sozialer Innovationen.

Weitere Informationen zur Weiterentwicklung der Innovationsindikatorik im Internet: bmbf.de/de/wie-misst-man-fortschritt-4886.html

European Innovation Scoreboard

Das European Innovation Scoreboard (EIS) ist ein Instrument der Europäischen Kommission, mit dem der Fortschritt bei der Erreichung der Ziele der europäischen Wachstumsstrategie Europa 2020 erfasst und beurteilt wird. Das seit 2001 bestehende EIS unterscheidet vier Haupttypen von Indikatoren (Rahmenbedingungen, Investitionen, Innovationsaktivitäten und Innovationsergebnisse). Diese erstrecken sich auf zehn Innovationsdimensionen, die sich aus 27 Indikatoren zusammensetzen. Die Indexwerte werden für die 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union berechnet. Zusätzlich werden weitere europäische Staaten berücksichtigt. Durch den Schwerpunkt auf Europa betrachtet das EIS im Vergleich zu den anderen Innovationsindizes nur eine geringe Zahl an Ländern.

Deutschland wird im EIS 2017 der Ländergruppe der Innovationsführer („Innovation Leaders“) zugeordnet und gehört damit der Spitzengruppe an. Im EIS nimmt Deutschland die sechste Stelle aller EU-28-Länder ein. Deutschland konnte seine gute Position seit mehreren Jahren halten. Das EIS betont die Attraktivität und die hohe Leistungsfähigkeit des Wissenschafts- und Innovationsstandorts Deutschland. Die relativen Stärken des deutschen Innovationssystems liegen in den Dimensionen Unternehmensinvestitionen, Innovatoren, Vernetzung, geistiges Eigentum und Umsatz durch Innovationen. Ausbaufähig sind laut EIS u. a. ausgewählte Rahmenbedingungen und einzelne Finanzierungs- und Förderaspekte wie die Wagniskapitalinvestitionen (siehe auch Hauptband II 3 Ergebnisse von Forschung, Entwicklung und Innovation).

Global Innovation Index

Der Global Innovation Index (GII) wird seit 2007 von der amerikanischen Cornell University, der französischen Business School INSEAD und der World Intellectual Property Organization (WIPO) erstellt. Der GII nutzt mit Blick auf die Zahl der Indikatoren den umfassendsten methodischen Ansatz zur Messung der Innovationsfähigkeit und -leistung nationaler Forschungs- und Innovationssysteme. Auf Basis von 81 Indikatoren werden Indexwerte für 127 Staaten ermittelt. Die Methodik zur Berechnung der Indexwerte wurde mehrfach umgestellt, sodass die zeitliche Entwicklung nicht uneingeschränkt vergleichbar ist.

Der GII 2017 weist Deutschland mit Rang neun eine weltweit führende Position zu. Zudem kann Deutschland seit 2012 steigende Indexwerte und Rangplätze verzeichnen. Die Schweiz, Schweden und die Niederlande liegen auf den ersten Plätzen des Gesamtindex. Im Subindex Innovation Output ist Deutschland mit Platz sieben von 127 Staaten stark positioniert. Hier spiegelt sich die Fähigkeit des deutschen Forschungs- und Innovationssystems wider, Forschungsergebnisse in marktfähige Innovationen umzusetzen. Als besondere Stärken Deutschlands werden der hohe Anteil der Wirtschaft an den FuE-Ausgaben sowie die Patentierungsaktivitäten herausgestellt. Des Weiteren wird die Arbeit von Clustern positiv eingeschätzt. Verbesserungspotenziale liegen laut GII im Anteil des Auslands an der Finanzierung von FuE-Aktivitäten und in der verhaltenen Gründungsdynamik am Standort Deutschland.

Global Competitiveness Index

Der Global Competitiveness Index (GCI) des World Economic Forum ermittelt seit 2004 die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit von ca. 140 Volkswirtschaften. Die Ergebnisse werden im Global Competitiveness Report veröffentlicht. Für die Berechnung des Gesamtindex werden 114 Indikatoren herangezogen. Neben Sekundärdaten beruht die Mehrzahl der Indikatoren auf Experteneinschätzungen, die alljährlich im sogenannten Executive Opinion Survey (EOS) eingeholt werden. Befragt werden im Durchschnitt 90 Expertinnen und Experten pro Land.

Im GCI 2017 werden die Indikatoren zur Messung der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit zwölf übergeordneten Themen (sogenannten Pillars) zugeordnet. Bezogen auf die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit liegt Deutschland im Gesamtindex auf Rang fünf. Einer der Subindikatoren des GCI adressiert explizit den Bereich Innovation (Pillar „Innovation“). Hier gehört Deutschland weltweit zur Spitzengruppe und nimmt beim Subindikator Innovation ebenfalls Rang fünf ein. Die Schweiz führt das Innovationsranking an. Deutschland liegt auf einem Niveau mit entwickelten Volkswirtschaften wie den USA, Japan und Schweden sowie vor China und Südkorea. Im Gegensatz zum Großteil der genannten Vergleichsländer haben sich seit 2009 die Indexwerte Deutschlands beim Subindikator Innovation positiv entwickelt (siehe auch Abb. D-30).

Dieses Bild zeigt Global Competitiveness Index – Indexwerte des Subindikators Innovation und Positionierung ausgewählter Länder 2017

Abb. D-30: Global Competitiveness Index – Indexwerte des Subindikators Innovation und Positionierung ausgewählter Länder 2017

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