Innovativer Mittelstand

Für kleine und mittlere Unternehmen ist es häufig schwierig, eigene Forschungs- und Innovationsvorhaben zu finanzieren. Das bremst die Entwicklung neuer Produkte und effizienterer Prozesse. Unter anderem durch die Zusammenarbeit in Netzwerken und im Verbund mit Forschungseinrichtungen wird angestrebt, gemeinsame Kapazitäten für Innovationen sowie Forschung und Entwicklung zu schaffen.

Der Mittelstand ist die Triebfeder einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Die Steigerung der Innovationskraft der mittelständischen Wirtschaft ist daher ein wesentliches Ziel der Bundesregierung. Die Innovationsförderung für den Mittelstand setzt sowohl auf technologiespezifische als auch auf themen- bzw. technologieoffene Förderangebote. Die technologieoffene Förderung bietet transparent, leicht zugänglich und unkompliziert die Chance, neue Ideen oder unkonventionelle Lösungen rasch in marktfähige Produkte oder Dienstleistungen umzusetzen. Ein breites Spektrum an Maßnahmen unterstützt KMU sowohl bei der Entwicklung tragfähiger Finanzierungs- und Kooperationskonzepte als auch mit themenspezifischer oder allgemein Orientierung gebender Beratung und Information.

Mit dem 2016 verabschiedeten Zehn-Punkte-Programm Vorfahrt für den Mittelstand stärkt das BMBF KMU in Deutschland, indem es diese dabei unterstützt, FuE zu betreiben, innovative Anwendungsmöglichkeiten zu erproben und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dabei steht eine weite Verbreitung und Nutzung von Forschungsergebnissen und Modelllösungen unter den KMU im Fokus: Neben dem Ausbau bewährter Instrumente wie der Förderinitiative KMU-innovativ tragen neue themenoffene Förderformate wie KMU-NetC und die Innovationsforen Mittelstand zur Stärkung der Innovationsorientierung im Mittelstand bei. Das BMBF hat mit dem Jahr 2017 seine direkte jährliche Förderung von KMU auf rund 320 Mio. Euro gesteigert.

Auch auf europäischer Ebene werden KMU durch gezielte Förderangebote angesprochen. Horizont 2020 unterstützt mit dem Förderprogramm Innovation in KMU ausschließlich KMU bei Projekten und deren Entwicklung zur Marktreife. Das KMU-Programm EUROSTARS fördert grenzüberschreitend Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die von forschungstreibenden KMU koordiniert werden. EUROSTARS ergänzt den KMU-Schwerpunkt von Horizont 2020, indem es sehr viel früher im Innovationszyklus ansetzt (siehe auch IV 2 Deutschlands Rolle in Europa).

Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand

Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des BMWi wendet sich als technologie- und branchenoffenes Förderprogramm an mittelständische Unternehmen und mit ihnen kooperierende Forschungseinrichtungen. Ziel ist die nachhaltige Förderung der Innovationskraft und der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen. Über das ZIM werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte bezuschusst, die einen hohen Innovationsgehalt, ein technisches Risiko und gute Marktverwertungschancen aufweisen.

ZIM bietet verschiedene Optionen für eine passgenaue Förderung:

  • Forschung und Entwicklung kann entweder im Betrieb mit eigenem Personal durchgeführt werden (ZIM-Einzelprojekte) oder
  • in Kooperation mit anderen KMU oder Forschungseinrichtungen wie Universitäten oder Fraunhofer-Instituten (ZIM-Kooperationsprojekte).
  • Darüber hinaus werden die Entwicklung und das Management von innovativen Netzwerken sowie daraus resultierende FuE-Projekte gefördert (ZIM-Kooperationsnetzwerke).

In jeder der drei Förderlinien können, begleitend zum bewilligten Projekt, Zuschüsse für Beratung und Dienstleistungen beantragt werden, die die Markteinführung der Projektergebnisse unterstützten.

ZIM-Kooperationsprojekte können auch mit ausländischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen durchgeführt werden. Deutsche Unternehmen in internationalen ZIM-Projekten erhalten einen um bis zu 10 % erhöhten Fördersatz. Um die internationale Zusammenarbeit zu erleichtern, schließt das BMWi zudem mit einer wachsenden Zahl von Ländern Vereinbarungen zur Verzahnung der Förderung. Die Projektpartner werden nach den Förderrichtlinien ihres jeweiligen Landes mit nationalen Mitteln unterstützt, die beteiligten deutschen Unternehmen werden nach der ZIM-Richtlinie gefördert. Damit werden sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Internationalisierung von KMU gefördert. Länderspezifische Ausschreibungen erfolgten 2017 u. a. für bilaterale Kooperationen mit Singapur, Brasilien, Kanada, Südkorea, Japan, Frankreich und Schweden. Am 1. Januar 2018 startete zudem eine zweijährige Pilotförderung für die Internationalisierung von ZIM-Netzwerken.

2017 wurden über 500 Einzelprojekte, rund 3.000 Kooperationsprojekte und über 100 Kooperationsnetzwerke im Umfang von über 550 Mio. Euro bewilligt.

Interdisziplinär in die Tiefsee – ZIM-Netzwerk des Jahres 2017

In Deutschland gibt es viele kleine und mittelständische Unternehmen, die sich mit Technologien und Komponenten für die Tiefsee beschäftigen. Unter anderem wegen ihrer geringen Größe werden deutsche Unternehmen jedoch bisher international kaum beachtet. Gleichzeitig bergen der Ausbau der Offshore-Windkraft und andere aktuelle Entwicklungen großes Wachstums-potenzial für die Branche. Um es auszuschöpfen, haben sich im ZIM-Netzwerk „Subsea-Monitoring“ eine Vielzahl von Akteuren interdisziplinär vernetzt.

Der Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Biologie, Robotik, Messtechnik, Ozeanografie sowie der Offshore-Technologie und
einer Reihe weiterer versierter Spezialistinnen und Spezialisten trägt in vielen Innovationsprojekten Früchte. Das Netzwerk nutzt die crosssektoralen Qualitäten der technologieoffenen Förderung zur Erschließung chancenreicher Nischen des Weltmarkts. Auch weil es dieses traditionelle Erfolgsrezept des deutschen Mittelstands sehr zukunftsorientiert umsetzt, wurde es 2017 zum „ZIM-Netzwerk des Jahres“ gekürt.

KMU-innovativ

Ein wichtiger Eckpfeiler im Rahmen der KMU-Förderstrategie des BMBF ist die Förderinitiative KMU-innovativ. Diese ermöglicht kleinen und mittleren Unternehmen seit 2007 den Einstieg in die anspruchsvolle Forschungsförderung der Fachprogramme und bindet sie damit in die jeweilige Spitzenforschung ein. Die durch KMU-innovativ geförderten Unternehmen sind sehr forschungsstark, jung und dynamisch. Die Maßnahme erreicht gleichzeitig in hohem Maße Förderneulinge. Auf elf wichtigen Zukunftsfeldern werden besonders risikoreiche Vorhaben der Spitzenforschung ohne thematische Vorgaben gefördert: autonomes elektrisches Fahren, Biotechnologie, Elektronik, Forschung für die zivile Sicherheit, Medizintechnik, Informations- und Kommunikationstechnologien, Materialforschung, Mensch-Technik-Interaktion, Photonik, Produktionstechnologie sowie Ressourceneffizienz und Klimaschutz. Die bisher bewilligte Fördersumme beträgt 1.064 Mio. Euro für mehr als 1.500 Einzel- und Verbundvorhaben unter Beteiligung von etwa 2.500 kleinen und mittleren Unternehmen.

Ergänzend fördert das BMBF mit KMU-innovativ:
Einstiegsmodul seit 2017 Projekte im Vorfeld von industriellen Forschungs- und experimentellen Entwicklungsvorhaben. Dieser experimentelle Ansatz im Rahmen des Zehn-Punkte-Programms Vorfahrt für den Mittelstand richtet sich an KMU, die keine oder wenig Erfahrung mit Forschungs- und Entwicklungsförderung haben. Vorprojekte und Durchführungsstudien können mit maximal 50.000 Euro über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten gefördert werden.

KMU-innovativ schließt die Lücke zwischen betont anwendungsnahen, breitenwirksamen Maßnahmen und der Beteiligung an den sehr anspruchsvollen Verbundvorhaben der Fachprogramme. Ein zentraler Lotsendienst berät die KMU bei allen Antragsfragen; kurze Bearbeitungsfristen geben Planungssicherheit.

Die Programmevaluierung hat gezeigt, dass KMU-innovativ breit über Deutschland verteilt genutzt wird und auf einen spezifischen Bedarf bei jenen KMU trifft, die technologisch anspruchsvolle und risikoträchtige Spitzenforschung betreiben wollen. Die Förderung durch KMU-innovativ führte zu einer signifikanten Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben geförderter Unternehmen. Wie die Systemevaluierung von KMU-innovativ zeigt, wurden je Euro an Fördermitteln zusätzliche FuE-Ausgaben der KMU in Höhe von 1,50 Euro bewirkt. Der Großteil der Unternehmen befasst sich infolge der Förderung eines Projekts mit Technologien bzw. technologischen Fragestellungen, die für sie neu sind. Damit unterstützt KMU-innovativ effektiv den Einstieg in neue Technologie- und Anwendungsbereiche (siehe Infobox Bahnschwellen aus Kunststoffrecyclat).

Innovationsforen Mittelstand

Mit der themenoffenen Fördermaßnahme Innovationsforen Mittelstand regt das BMBF den Auf- und Ausbau nachhaltiger Innovationspartnerschaften von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft an. Angesprochen sind interdisziplinäre Bündnisse in unterschiedlichsten Innovationsfeldern, von Hochtechnologie über die Kultur- und Kreativwirtschaft bis zu sozialen Dienstleistungen. Gemeinsam entwickeln die Partner neue Innovations- und Geschäftsideen, bestimmen ihre Position im Wettbewerb, binden noch fehlende Akteure ein und entwickeln Strategien für die Zusammenarbeit. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sollen von den entstehenden Innovationsimpulsen und Allianzen profitieren. Die Förderung beträgt max. 100.000 Euro mit einer Laufzeit von bis zu neun Monaten und beinhaltet als zentrales Element ein zweitägiges Innovationsforum.

KMU-NetC

Mit der themenoffenen Pilotinitiative KMU-NetC stärkt das BMBF kleine und mittlere Unternehmen in regionalen Netzwerken und Clustern. Ziel ist die Förderung anwendungsorientierter Innovationsverbünde, in denen bislang weniger innovationsaktive KMU neue Ideen entwickeln und aktuelle Forschungsergebnisse für sich nutzen können. Cluster- und Netzwerkmanagement setzen dabei als Verbundkoordinatoren ihre strategischen und organisatorischen Kompetenzen ein, um nachhaltige Kooperationen aufzubauen und die Ziele der beteiligten Partner entlang einer gemeinsamen Innovationsstrategie zu koordinieren. Erfahrungen und Kompetenzen werden geteilt und so Innovationen im Mittelstand erleichtert und beschleunigt.

In zwei Auswahlrunden wurden insgesamt 30 Verbundvorhaben mit einem Gesamtfördervolumen von 50 Mio. Euro für eine Förderung ausgewählt. Insgesamt beteilgen sich fast 100 KMU an der Initiative. Alle Verbünde haben mittlerweile die Arbeit aufgenommen. Die Wirkungsweise und die Ergebnisse der neuen Pilotinitative werden in einer begleitenden Evaluierung untersucht.

Mittelstand-Digital

Im Rahmen des Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital informiert das BMWi seit 2012 KMU und das Handwerk über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Förderziele sind die Sensibilisierung der KMU und die Unterstützung bei der Erschließung der technologischen und wirtschaftlichen Potenziale der Digitalisierung. Die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit von KMU wird durch thematische Vernetzung (Branchen/ Querschnittsthemen) relevanter Akteure und durch die Eröffnung neuer, kooperativer Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle gestärkt. Ziel ist außerdem die Förderung technologischer, organisatorischer und arbeitsgestaltender Kompetenzen, darüber hinaus geht es um die Stärkung von Sicherheit und Vertrauen durch interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Der Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital setzt sich aus verschiedenen Förderinitiativen zusammen. Mit den Initiativen eStandards: Geschäftsprozesse standardisieren, Erfolg sichern werden KMU und Verwaltungsorganisationen bei der Nutzung von E-Business-Standards in Geschäftsprozessen unterstützt. Mit Einfach intuitiv – Usability für den Mittelstand werden Know-how und mittelstandsgerechte Methoden bereitgestellt, die Nutzerfreundlichkeit und Gebrauchstauglichkeit von Produkten sichern.

Mit 23 Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren und vier Mittelstand 4.0 Agenturen (Stand Anfang 2018) ist ein bundesweites Netzwerk an kompetenten und anbieterneutralen Anlaufstellen geschaffen worden. Die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren sind Konsortien aus Forschungs-, Netzwerk- und Transferpartnern sowie Multiplikatoren, sie unterstützen durch eine Vielzahl von kostenfreien, nutzerzentrierten Angeboten und Leistungen den Wissens- und Technologietransfer in die Fläche. Die regionalen und thematischen Zentren arbeiten entlang einer Befähigungskette (Informieren & Sensibilisieren, Demonstrieren & Ausprobieren, Qualifizieren, Konzipieren, Umsetzen) und bieten individuelle, branchen- und themenübergreifende Unterstützung für alle Digitalisierungsreifegrade. Eine fortlaufende Evaluierung und Anpassung der Angebote sichert die hohe Qualität und sorgt für bedarfsgerechte Leistungen.

Die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren werden im Schnitt mit 3 bis 5 Mio. Euro pro Zentrum gefördert. Erste Evaluationsergebnisse zeigen, dass:

  • pro Zentrum ca. 5.000 bis 15.000 Personen erreicht werden,
  • die Webseiten der Kompetenzzentren 50.000 bis 150.000 Aufrufe erreichen,
  • eine Vielzahl von bedarfsgerechten Angebotsformaten entwickelt werden, welche zu über 80 % als gut bis sehr gut und hilfreich bewertet werden,
  • bei knapp der Hälfte der Unternehmen, welche Leistungen eines Zentrums in Anspruch genommen haben, Veränderungen im eigenen Unternehmen angestoßen wurden,
  • gute Praxisbeispiele aufbereitet und kommuniziert werden, welche zu einer kaskadenartigen Verstärkung der Effekte beitragen.

Ein Begleitforschungsprojekt sichert eine möglichst effiziente Umsetzung des Förderschwerpunkts. Es vernetzt die einzelnen Projekte, gewährleistet einen breiten Transfer valider Ergebnisse in den Markt und organisiert den wissenschaftlichen Dialog innerhalb und außerhalb des Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital. Branchen- und anwendungsbezogene Good-Practice-Beispiele mit Vorbildcharakter und wichtige verallgemeinerbare Erfahrungen und Ergebnisse stellt die Website von Mittelstand-Digital bereit.

go-digital

Die zunehmende Digitalisierung des Geschäftsalltags ist eine der größten Herausforderungen für KMU und das Handwerk. Die digitale Transformation betrifft alle Branchen und Geschäftsbereiche. Um sich im Wettbewerb nachhaltig behaupten zu können, ist es wichtig, die Digitalisierung in allen Geschäftsprozessen im Unternehmen fest zu etablieren.

Hier setzt das Förderprogramm go-digital an: Mit seinen drei Modulen – Digitalisierte Geschäftsprozesse, Digitale Markterschließung und IT-Sicherheit – richtet sich go-digital gezielt an kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und an das Handwerk. Das Programm bietet eine praxisorientierte Beratung sowie eine konkrete Umsetzungsleistung der Beratung, zugeschnitten auf das jeweilige Unternehmen.

Um KMU und Handwerk bürokratisch zu entlasten, übernehmen autorisierte Beratungsunternehmen die Antragstellung, die Abrechnung und die Erstellung des Verwendungsnachweises für die Förderung. Die Beratungsleistung der vom BMWi autorisierten Beraterinnen und Berater wird mit bis zu 50 % der Kosten gefördert.

go-Inno

Das BMWi-Förderprogramm Innovationsgutscheine (go-Inno) ebnet KMU den Weg, qualifizierte externe Beratung zur Professionalisierung des betrieblichen Innovationsmanagements in Anspruch zu nehmen. Die Förderung deckt bis zu 50 % der Ausgaben für die vom BMWi autorisierten Beratungsunternehmen. Mehr als 80 % der Innovationsgutscheine führen zu mittelständischen FuE-Projekten.

ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit, ERP-Mezzanine für Innovation

Der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit ermöglicht die Finanzierung von Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben sowie von Investitionen und Betriebsmitteln innovativer Unternehmen. Aus diesem Programm können etablierte Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit einem Gruppenumsatz von bis zu 500 Mio. Euro sowie Freiberuflerinnen und Freiberufler zinsgünstige und langfristige Kredite der KfW in Höhe von bis zu 25 Mio. Euro pro Vorhaben erhalten.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit der Förderung durch das Programm ERP-Mezzanine für Innovation. Das Programm unterstützt marktnahe Forschung und Entwicklung neuer Produkte, Verfahren, Prozesse und Dienstleistungen. Gefördert wird experimentelle Entwicklung mit genau definierter Aufgabe und klar festgelegten Zielen. Betriebsmittel sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung können mitfinanziert werden.

Industrielle Gemeinschaftsforschung

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) schlägt die Brücke zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Anwendung. Als Förderinstrument des BMWi unterstützt die IGF vorwettbewerbliche Forschungsprojekte, um Unternehmen, vor allem KMU, den Zugang zu Forschungsergebnissen zu erleichtern und ihr Innovationspotenzial zu steigern. Die Forschungsvereinigungen schlagen in Abstimmung mit Unternehmen branchenrelevante, branchenübergreifende oder technologiefeldrelevante Forschungsvorhaben vor. Unabhängige Gutachterinnen und Gutachter wählen die besten Vorhaben aus. Sie werden durch das BMWi gefördert und von Hochschulen oder gemeinnützigen Forschungseinrichtungen bearbeitet. Die projektbegleitenden Ausschüsse, in denen Unternehmen mitarbeiten, stellen sicher, dass die Ergebnisse insbesondere für mittelständische Unternehmen anwendbar sind.

Die Resultate der Vorhaben stehen allen Unternehmen ohne Einschränkung zu jeweils gleichen Bedingungen zur Verfügung. Wichtige Forschungsergebnisse können somit direkt in Verfahrens- und Produktverbesserungen umgesetzt werden. Der Transfer der Ergebnisse in die Wirtschaft ist ein wichtiges Element der IGF.

Die IGF unterstützt eine sehr große Bandbreite an Trendentwicklungen. Über 20 % der IGF-Projekte zählen sogar zu den Trendsettern, d. h., der neue wissenschaftlich-technische Ansatz ist eine Initialzündung für die Diskussion in der Fachcommunity. So begann z. B. die Erfolgsgeschichte des Projekts Carbonbeton, das mit dem Zukunftspreis 2016 ausgezeichnet wurde, vor 20 Jahren mit einem IGF-Projekt (siehe auch III 3.3 Innovationspotenziale der Regionen).

Mit der IGF-Fördervariante CORNET (Collective Research Network) werden transnationale Projekte der Gemeinschaftsforschung gefördert, da in vielen Bereichen ein über nationale Grenzen hinausgehender Forschungsbedarf besteht.

Durch die IGF entstehen Netzwerke zwischen der mittelständischen Wirtschaft und Forschungseinrichtungen. Diese Netzwerke bestehen häufig über die Projektdauer hinaus und nehmen weitere, auch eigenfinanzierte Forschungsvorhaben in Angriff.

Otto von Guericke-Preis 2017 für IGF-Projekt

Bei Getränkedosen, Karossierieteilen und vielem mehr kommen Blechbauteile zum Einsatz, die einen Tiefziehprozess durchlaufen. Bislang waren immer zusätzliche Schritte im weiteren Herstellungsprozess nötig. Bei Schalldämpfern für Autos, die typischerweise von mittelständischen Zulieferern gefertigt werden, waren es fünf Einzelschritte. Das Problem waren Spritzer beim Schweißen.

Am Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM) der Leibniz Universität Hannover konnte im Rahmen eines IGF-Projekts dieser mehrstufige und deshalb aufwendige Prozess nun entscheidend verbessert werden. Entwickelt wurde ein Werkzeugsystem, mit dem Blechbauteile während des einstufigen Tiefziehens ohne zusätzliche Verweilzeit in der Presse mit einem weiteren Bauteil verschweißt werden können. Das neue Werkzeugsystem kann in jeder konventionellen Presse angewendet werden. Tiefziehen, Fügen und Kalibrieren von Baugruppen dauern nur noch wenige Sekunden, gleichzeitig sinken die Kosten signifikant. Zudem ist das Verfahren hochpräzise und kann deshalb beispielsweise für die Baugruppenfertigung im Bereich der Elektromobilität verwendet werden. Diese Entwicklung wurde mit dem Otto von Guericke-Preis 2017 ausgezeichnet.