Innovative Start-ups

Gründungen aus forschungs- und wissensintensiven Sektoren verfügen oft über ein hohes Innovations- und Marktpotenzial. Gerade für solche Gründungen steht nicht immer eine ausreichende private Finanzierung, zum Beispiel über Wagniskapital, bereit. Junge und innovative Start-ups sind in der Gründungs- und Wachstumsphase aber auf eine hinreichende Finanzierung und Beratung angewiesen.

Um die strukturellen Nachteile – das Fehlen von Sicherheiten, hohe Risiken hinsichtlich Management, Märkten und Technologien – bei der Kapitalaufnahme für innovative Vorhaben auszugleichen, existiert ein breites Instrumentarium an Unterstützungsmaßnahmen. Ziel ist es, die Zahl der innovativen Start-ups in Deutschland zu erhöhen, indem die vorhandenen Instrumente verbessert und Start-ups mit den globalen Wachstums- und Wertschöpfungszentren vernetzt werden. Die Finanzierungsinstrumente bieten passgenaue Unterstützung in den wichtigsten Entwicklungsstadien junger Unternehmen.

Mehr Chancen für Gründungen - Fünf Punkte für eine neue Gründerzeit

Mit dem Fünf-Punkte-Konzept Mehr Chancen für Gründungen entwickelt das BMBF seit September 2017 die Gründungsförderung dort weiter, wo vielversprechende Gründungsvorhaben bislang nicht weiterverfolgt wurden oder ihnen wichtige Unterstützung fehlte. Mit der Forschungs- und Innovationsförderung unter dem Dach der Hightech-Strategie wurden die Innovations-„Pipelines“ gefüllt und tragfähige Forschungsnetzwerke aufgebaut. Des Weiteren wurde eine anwendungsorientierte Infrastruktur in der Forschungslandschaft aufgebaut, die es jetzt für die Dynamisierung des Gründungsgeschehens zu nutzen gilt.

In fünf Handlungsfeldern fördert das BMBF die Gründungskultur in Wissenschaft und Forschung. Hierzu werden beispielsweise Verfahren entwickelt und erprobt, mit denen Forschende und Studierende frühzeitig für eine Unternehmensgründung als Option für die Verwertung von Forschungsergebnissen sensibilisiert werden können.

Das BMBF wird in den nächsten Jahren sein Förderangebot für Start-ups ausbauen und für die verschiedenen Technologie- und Anwendungsfelder sukzessive maßgeschneiderte gründungsfördernde Module in die Forschungsförderprogramme integrieren. Dabei soll auch der Zugang zu Fachprogrammen für junge innovative Unternehmen erleichtert werden und das FuE-Förderangebot für Start-ups attraktiver gestaltet werden. Gründungsfördernde Strukturen wie Kompetenzzentren, Netzwerke und Cluster sollen weiterhin gestärkt und in die Gründungs- und Start-up-Förderung integriert werden.

Als erste Maßnahme des Fünf-Punkte-Programms wird Young Entrepreneurs in Science (YES) zusammen mit Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Wirtschaft eine Maßnahme zur Gründungssensibilisierung für Doktorandinnen und Doktoranden entwickeln, um das Gründungspotenzial innerhalb des wissenschaftlichen Nachwuchses an deutschen Hochschulen besser zu erschließen. Eine Pilotphase startet 2018 an ausgewählten Universitäten.

Mit StartUpSecure fördert das BMBF die Einrichtung von Gründungsinkubatoren im Bereich IT-Sicherheit. Diese werden seit Ende 2017 an den drei Kompetenzzentren für IT-Sicherheitsforschung CISPA in Saarbrücken, CRISP in Darmstadt und KASTEL in Karlsruhe sowie an der Ruhr-Universität Bochum eingerichtet. Die dort tätigen Expertinnen und Experten sollen Gründungsinteressierte umfassend beraten und sie bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien unterstützen. Im Inkubator wird die jeweilige Idee mit wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Expertise so weit entwickelt, dass Erfolg versprechende Ausgründungen ermöglicht werden. Zudem sollen ausgewählte Gründungsprojekte in der Phase der Produktentwicklung oder während der Unternehmensgründung gefördert werden.

EXIST - Existenzgründung aus der Wissenschaft

Mit dem seit 1998 bestehenden technologieoffenen Förderprogramm EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft fördert das BMWi technologieorientierte Gründerteams in den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. EXIST unterstützt die Ausbildung einer Kultur unternehmerischer Selbstständigkeit an Hochschulen und in außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Das Förderprogramm besteht aus drei Maßnahmen und wird vom Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert:

  • Der 2010 gestartete Wettbewerb EXIST-Gründungskultur – Die Gründerhochschule unterstützt 21 Hochschulen dabei, eine hochschulweite Strategie zu Gründungskultur und Unternehmergeist herauszubilden. 2016 wurde mit der Anreizprämie ein zusätzlicher marktwirtschaftlich orientierter Ansporn zum Aufbau und zum Erhalt von Gründungsexpertise an Hochschulen geschaffen. Sie wird für erfolgreiche Anträge in den Förderrichtlinien EXIST-Gründerstipendium und EXIST-Forschungstransfer gewährt und dient der intensiven Beratung und Unterstützung der Ausgründungen.
  • Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten. Die Gründerinnen und Gründer erhalten als Team ein einjähriges Stipendium sowie Sach- und Coachingmittel. Das Gründerstipendium adressiert zunehmend auch internationale Gründerinnen und Gründer und stärkt damit die Internationalisierung technologieorientierter Gründungen in Deutschland. Darüber hinaus wird seit 2015 im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit Hochschulen in Berlin und München über EXIST Start-up Germany die Ansiedlung israelischer Technologiegründungen in Deutschland gefördert (siehe Infobox Deutscher Gründerpreis für EXIST-Start-up).
  • Der EXIST-Forschungstransfer erleichtert technisch besonders anspruchsvollen Gründungsvorhaben den oft nur schwer finanzierbaren Weg vom Labor zum Markt. Pro Jahr werden bundesweit 30 bis 40 – seit 2008 insgesamt bereits 300 – forschungsbasierte Ausgründungsvorhaben aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in zwei 18-monatigen Förderphasen unterstützt.

Seit 2007 wurden mit dem EXIST-Gründerstipendium 1.800 Gründungsprojekte an 220 Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gefördert. Jedes Jahr kommen ca. 200 neue Projekte hinzu.

Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio

Seit 2005 fördert das BMBF mit der Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio gründungsbereite Forschungsteams in den Lebenswissenschaften, um technisch anspruchsvolle Ideen zu einer tragfähigen Unternehmensgründung reifen zu lassen. GO-Bio ermöglicht innovativen Gründungsteams den späteren Zugang zum Wagniskapitalmarkt. Die Förderung umfasst die Vorgründungsphase an der wissenschaftlichen Einrichtung und die anschließende Gründungsphase von maximal drei weiteren Jahren.

Seit dem Start der Förderinitiative wurden acht Auswahlrunden durchgeführt und in einem hochselektiven Auswahlprozess aus über 700 eingereichten Gründungsideen insgesamt 55 Vorhaben für eine Förderung ausgewählt. In bisher 25 Fällen führte die GO-Bio-Förderung zu einer Firmengründung bzw. zur Aufnahme der operativen Geschäftstätigkeit. Weitere Gründungen sind in Vorbereitung. Die gegründeten Unternehmen entwickeln sich überwiegend positiv. Inzwischen arbeiten über 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gründungsunternehmen, und mehr als 500 Mio. Euro konnten von Investoren für die weitere Unternehmensentwicklung mobilisiert werden.
 

Gründerwettbewerb - Digitale Innovationen

Digitale Innovationen wandeln die Arbeitswelt und haben Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Sie sind Treiber von Wachstum und Beschäftigung. Eine besondere Rolle spielen Unternehmensgründungen innerhalb der IKT-Branche. Sie zählen aufgrund ihrer Innovationskraft und ihrer internationalen Relevanz zu den wichtigsten Motoren der deutschen Wirtschaft. Das BMWi unterstützt mit dem Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen Unternehmensgründungen, bei denen innovative Informations- und Kommunikationstechnologien zentraler Bestandteil des Produkts oder der Dienstleistung sind. Der Gründerwettbewerb orientiert sich thematisch an der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Im Mittelpunkt stehen deshalb Themen wie Industrie 4.0, Smart Services, Kultur- und Kreativwirtschaft oder auch Digitalisierungskonzepte in Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Logistik. Der Gründerwettbewerb ist offen für alle innovativen Konzepte aus der Informations- und Kommunikationstechnik. Teams, die ihr auf einer innovativen Idee basierendes Gründungskonzept einreichen, haben die Chance, einen Geldpreis sowie Beratung und weitere Unterstützung zur Realisierung ihrer Gründungsidee zu erhalten.

Der Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen ist ein Ideenwettbewerb in zwei Phasen. In der ersten Phase können sich IKT-Start-ups mit einer kurzen Ideenskizze bewerben. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine schriftliche Einschätzung ihrer Gründungsidee hinsichtlich Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken. Die besten 50 der ersten Runde haben in Phase zwei die Möglichkeit, ihr Konzept zu überarbeiten. Gewürdigt werden schließlich bis zu sechs Gründungsideen mit Hauptpreisen von jeweils 32.000 Euro. Darüber hinaus werden bis zu 15 weitere Gründungsideen mit jeweils 7.000 Euro ausgezeichnet. Jährlich finden zwei Wettbewerbsrunden statt.

Seit der ersten Runde 2010 wurden über 2.400 Beiträge eingereicht und bereits 670 Gründungsvorhaben unterstützt. Fast alle Neugründungen sind auch nach den ersten Geschäftsjahren weiter am Markt aktiv (siehe auch III 1.1. Digitalisierung und Schlüsseltechnologien).

INVEST - Zuschuss für Wagniskapital

INVEST – Zuschuss für Wagniskapital wendet sich an private Investorinnen und Investoren, vor allem Business Angels. Ziel ist es, mehr unternehmerisch interessierte Menschen für Investitionen in Wagniskapital zu gewinnen, um so die Kapitalausstattung junger, kleiner und innovativer Unternehmen zu verbessern. Im Rahmen der Antragstellung wird den jungen Unternehmen ihre grundsätzliche Förderfähigkeit bescheinigt; damit können sie bei potenziellen Beteiligungsgebern um zusätzliche Mittel werben.

Ein Business Angel erhält 20 % der Investition vom Staat steuerfrei als Erwerbszuschuss erstattet, wenn die Beteiligung mindestens drei Jahre aufrechterhalten wird und es sich um voll risikotragende Gesellschaftsanteile handelt. Business Angels müssen dem Unternehmen mindestens 10.000 Euro zur Verfügung stellen. Jede Investorin und jeder Investor kann pro Jahr Zuschüsse für Anteilskäufe in Höhe von bis zu 500.000 Euro beantragen. Seit 2017 ist es zusätzlich möglich, die Steuer, die auf einen Veräußerungsgewinn anfällt, pauschal mit dem Exitzuschuss zu kompensieren. Der Investor erhält dabei eine pauschale Steuerkompensation in Höhe von 25 % des Gewinns, der aus der Veräußerung seiner mit dem Erwerbszuschuss geförderten Anteile erzielt wurde.

Die Maßnahme läuft seit Mai 2013. Seitdem wurden mehr als 4.700 Investments bewilligt; außerdem konnten mehr als 367 Mio. Euro Wagniskapital von Business Angels mobilisiert werden (Stand Anfang 2018). Fast zwei Drittel aller beteiligten Unternehmen kommen aus der IKT-Branche.

High-Tech Gründerfonds

Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) investiert Risikokapital in neu gegründete, chancenreiche Technologieunternehmen. Er schließt damit eine in diesem Gründersegment bestehende Finanzierungslücke. Der High-Tech Gründerfonds richtet sich an junge, innovative Technologieunternehmen aller Branchen, deren Kern ein FuE-Vorhaben ist und bei denen die Eintragung ins Handelsregister nicht länger als drei Jahre zurückliegt. Zudem muss das Start-up die Kriterien der Europäischen Union für kleine Unternehmen erfüllen. Im Grundmodell stellt der High-Tech Gründerfonds dem jungen Unternehmen bis zu 600.000 Euro in einer Kombination von Eigenkapital und Wandeldarlehen zur Verfügung und erwirbt dafür 15 % der Unternehmensanteile. Private Investoren und öffentliche Wagniskapitalfonds können ebenfalls Mittel beisteuern. Mit Auflage des dritten Fonds ist der HTGF noch flexibler geworden. In der ersten Finanzierungsrunde kann der HTGF aus eigenen Mitteln bis zu 1 Mio. Euro investieren. Zusätzlich legt der HTGF weitere 2 Mio. Euro Risikokapital für Anschlussfinanzierungen für das Unternehmen zurück. Daneben unterstützt der High-Tech Gründerfonds die Start-ups mit unternehmerischem Know-how. Ein deutschlandweites Netzwerk an akkreditierten Coaches berät die Gründerinnen und Gründer bei der strategischen und operativen Unternehmensführung und hilft beim Knüpfen relevanter Kontakte. Der HTGF steht mit fast allen größeren Investoren aus der Wagniskapitalszene (Venture Capital, vermögende Business Angels) in Verbindung, um so Anschlussfinanzierungen für das zukünftige Wachstum von Unternehmen zu ermöglichen. Über seine Kontakte zur deutschen Industrie (insbesondere zu den am High-Tech Gründerfonds beteiligten Investoren) vermittelt er Kooperationen, Aufträge und Finanzierungen.

Der erste High-Tech Gründerfonds wurde 2005 als Public-Private-Partnership des BMWi, der KfW-Bankengruppe sowie von sechs Industrieunternehmen aufgelegt und mit insgesamt 272 Mio. Euro ausgestattet. Der Bund hat dabei Haushaltsmittel von 240 Mio. Euro eingebracht. Nach Auslaufen der Investitionsphase des HTGF I im Herbst 2011 wurde mit dem HTGF II ein ähnlich ausgestalteter Anschlussfonds mit einem Volumen von 304 Mio. Euro gegründet. Die Evaluation der High-Tech-Gründerfonds I und II hat gezeigt, dass dieses Instrumentarium den Markt für erste Wagniskapitalfinanzierungen mit mittlerweile rund 490 Investments nachhaltig belebt hat. Insgesamt konnten mehr als 1,7 Mrd. Euro für Anschlussfinanzierungen eingeworben werden, davon fast 75 % von privaten Investoren. In den Portfoliounternehmen des Fonds sind bereits 4.400 Arbeitsplätze entstanden. Derzeit ist der HTGF – gemessen an der Zahl der finanzierten Start-ups – der größte Venture-Capital-Fonds in Europa.

Der dritte Fonds, HTGF III, investiert seit 2017. Er hat ein Volumen von ca. 310 Mio. Euro mit einem Anteil privater Wirtschaftsinvestoren von über 30 %. Finaler Zeichnungsschluss ist im Frühjahr 2018. Hauptgesellschafter ist weiterhin der Bund (170 Mio. Euro), gefolgt von der KfW (40 Mio. Euro) und 32 Industrieinvestoren (gut 100 Mio. Euro).

coparion

Der Ko-Investmentfonds coparion ist eine Gründung des ERP-Sondervermögens und der KfW-Bankengruppe. Er beteiligt sich in gleicher Höhe und zu gleichen wirtschaftlichen Konditionen wie die beteiligten privaten Leadinvestoren an jungen, innovativen Unternehmen. So ist es möglich, das bereitgestellte Kapital zu verdoppeln. Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Technologieunternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Betriebssitz in Deutschland. Die Unternehmen müssen die Kriterien der KMU-Definition der EU erfüllen.

Die Förderung erfolgt als Beteiligung; die Beteiligungsform von coparion richtet sich vorrangig nach der Beteiligungsform des Leadinvestors. Die Höhe der Beteiligung beträgt bis zu 10 Mio. Euro pro Unternehmen. Es sind mehrere Finanzierungsrunden möglich. Vor Abschluss eines Beteiligungsvertrags zwischen Leadinvestor und Technologieunternehmen ist ein Beteiligungsantrag bei coparion einzureichen. Der Fonds hat eine Gesamtgröße von 225 Mio. Euro.

ERP/EIF-Fonds

Der gemeinsam vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) und dem ERP-Sondervermögen finanzierte Dachfonds beteiligt sich mit einem Volumen von 2,7 Mrd. Euro an Wagniskapitalfonds, die vor allem in Deutschland investieren. Die Kapitalausstattung wird hälftig vom EIF und dem ERP-Sondervermögen aufgebracht und vom EIF verwaltet. Die Investitionen des Dachfonds richten sich an zwei Segmente des Risikokapitalmarkts:

  • Zum einen werden Frühphasen-Fonds mit einem Schwerpunkt auf Technologietransfer adressiert, das heißt Fonds, die über Zugang zu und Kooperationen mit wichtigen öffentlichen und privaten Forschungszentren und -einrichtungen verfügen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Erstinvestments.
  • Zum anderen richtet sich der ERP/EIF-Dachfonds an Fonds, die Anschlussfinanzierungen für Technologieunternehmen in Frühphasen sowie Wachstumsphasen (Expansion, Development Stage) anbieten. Hierbei stehen typischerweise Folgefinanzierungen im Fokus.

Antragsberechtigt sind Venture-Capital-Fonds, die maßgeblich in Deutschland investieren und deren Anlagepolitik insbesondere auf Technologieunternehmen in ihrer frühen Entwicklungsphase (Early Stage) oder auf Anschlussfinanzierungen für Technologieunternehmen in ihrer frühen oder in ihrer Wachstumsphase gerichtet ist. Die Portfoliounternehmen der Anlagefonds müssen die Merkmale kleiner und mittlerer Unternehmen nach der KMU-Definition der Europäischen Union aufweisen.

Ein Teil der Mittel aus dem ERP/EIF-Dachfonds in Höhe von 270 Mio. Euro wird für den 2012 aufgelegten European Angels Fonds (EAF) eingesetzt. Dieser kofinanziert die Investitionen ausgewählter und erfahrener Business Angels sowie anderer nicht institutioneller Investoren, die sich an innovativen Unternehmen beteiligen. Durch die bereitgestellten Kofinanzierungsmittel erhöht der Fonds die Finanzkraft der Investoren und unterstützt damit die Finanzierung innovativer Unternehmen in ihrer Gründungs-, Früh- und Wachstumsphase.

Zur Stärkung des Marktes für Mezzanin-Kapital in Deutschland haben der Europäische Investitionsfonds, das BMWi/ERP-Sondervermögen, die LfA Förderbank Bayern und die NRW.Bank 2012 einen gemeinsamen Finanzierungsfonds aufgelegt: den Mezzanin-Dachfonds für Deutschland (MDD). Der MDD 1 und der Nachfolgefonds MDD 2 sind mit insgesamt 600 Mio. Euro (ERP-Sondervermögen, EIF, LfA, NRW.Bank) dotiert und beteiligen sich an privaten professionellen Mezzanin-Fonds, die wesentlich in den deutschen Mittelstand investieren. Ziel ist es, mittelständischen Unternehmen in Deutschland den Zugang zu alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zu erleichtern.

Mit der Auflage der ERP/EIF-Wachstumsfazilität im Frühjahr 2016 mit einem Volumen von 500 Mio. Euro ergänzen ERP-Sondervermögen und EIF ihre Kooperation bei der Beteiligungs- und Mezzaninfinanzierung und eröffnen schnell wachsenden Unternehmen in effizienter Weise einen Zugang zu dringend benötigtem Wachstumskapital.

Ausgründungen aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Die vier größten außeruniversitären Forschungsorganisationen Fraunhofer, HGF, Leibniz-Gemeinschaft und MPG leisten einen erheblichen Beitrag zur Innovationsdynamik in der Wirtschaft (siehe auch II 2.5 Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen). Ihre Kompetenz im Wissens- und Technologietransfer nutzen sie auch für die Unterstützung von innovativen und technologiegetriebenen Start-ups.

Vornehmlich im Hightech-Bereich treiben sie Ausgründungen und damit die Entstehung neuer KMU voran. Gründerinnen und Gründer werden von Institutionen wie der Max-Planck Innovation umfassend beraten. Mit Fraunhofer Venture steht bei der Fraunhofer-Gesellschaft ein integrierter Förderprozess zur Verfügung, der sich an der Entwicklung von Ausgründungen orientiert. Forscherinnen und Forscher können in verschiedenen Programmen beim Entwickeln erster Geschäftsmodelle bis hin zum Coaching ausgegründeter Spin-offs profitieren. Verschiedene Inkubatoren wie z. B. der Life Science Inkubator am Forschungszentrum caesar oder der Photonik-Inkubator in Göttingen bieten ein professionelles Umfeld für die Gründerinnen und Gründer. Mit Veranstaltungen wie den „Start-up Days“ bieten die Forschungsorganisationen ihren gründungsinteressierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein umfangreiches Informationsangebot zur Unternehmensgründung und machen das Thema Ausgründung prominent sichtbar.

Hinzu kommen vielfältige interne Programme, die potenzielle Gründerinnen und Gründer unterstützen und die Verwertung von Forschungsergebnissen durch Ausgründungen zu einer attraktiven Option für die Beschäftigten machen: So stellt z.B. FFE – Fraunhofer fördert Entrepreneure finanzielle Mittel bereit, um bestehende Forschungsergebnisse mit dem Ziel einer Firmengründung bis zur Marktreife zu entwickeln. Zur Verbesserung der Managementfähigkeiten von Gründerteams ermöglicht die Initiative FFM – Fraunhofer fördert Management die Unterstützung der Gründerteams durch unternehmerische Beratung. Helmholtz Enterprise versetzt potenzielle Gründerinnen und Gründer in die Lage, das Ausgründungsvorhaben zielgerichtet weiterzuentwickeln bzw. das Spin-off auch mithilfe eines externen (Interims-)Managements erfolgreich am Markt zu positionieren. Allein mit diesem Programm wurden bis Anfang 2018 70 Projekte erfolgreich gegründet, von denen über 80 % noch heute am Markt agieren.

Insgesamt gab es seit 2005 rund 500 Ausgründungen aus den Forschungsorganisationen, davon über 50 im Jahr 2016. Dabei handelt es sich grundsätzlich um technologiegetriebene Ausgründungen, die neueste Forschungsergebnisse in neue Produkte und Dienstleistungen umsetzen. Durch den Zugang zu Technologien, Infrastruktur und Know-how der „Muttergesellschaften“ erhalten die jungen Unternehmen die Chance, sich auf dem Markt schneller und besser zu etablieren.