Innovationspotenziale der Regionen

Innovationen sind der Schlüssel für einen erfolgreichen Strukturwandel und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in allen Regionen Deutschlands. Es gilt daher, insbesondere in strukturschwachen Regionen die Innovationskraft von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu stärken. Durch qualifizierte Innovationsakteure und -partnerschaften in den Regionen werden der regionale Arbeitsmarkt und die regionale Wertschöpfung nachhaltig gestärkt. Neue Innovationspfade und eine breitere Innovationsbasis erhöhen die Innovationskraft von Deutschland insgesamt.

Innovationskraft und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unterscheiden sich stark in den Regionen Deutschlands. In den letzten Jahren wurde mit einer gezielten Förderung die Innovationsdynamik in Ostdeutschland, aber auch in strukturschwachen Regionen Westdeutschlands gesteigert. Für die Zeit ab 2020 entwickelt der Bund das Fördersystem für strukturschwache Regionen weiter. Die regionenorientierte Innovationförderung ist dabei ein zentrales Element. Bisher auf Ostdeutschland begrenzte Förderansätze sollen weiterentwickelt und für strukturschwache westdeutsche Regionen geöffnet werden.

Unternehmen Region – Innovationsinitiative für die Neuen Länder

Unter der Dachmarke Unternehmen Region nutzt das BMBF seit 1999 ein Förderinstrumentarium, das die Besonderheiten der ostdeutschen Innovationsstrukturen berücksichtigt. Bisher wurden mehr als 4.000 Vorhaben von über 500 regionalen Innovationsbündnissen aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen gefördert. Bewerbungen für eine Förderung aus Unternehmen Region waren bis Ende 2017 möglich. In vier Programmen werden ausgewählte und laufende Vorhaben noch bis längstens 2022 gefördert. Insgesamt investiert der Bund damit über 2 Mrd. Euro, um Forschung und Innovation in Ostdeutschland zu stärken.

Die Einzelprogramme von Unternehmen Region setzen an verschiedenen Stellen des Innovationsprozesses an. Interdisziplinäre und strategisch ausgerichtete Kooperation hat in allen Programmen einen hohen Stellenwert. Die Förderinitiative Zentren für Innovationskompetenz (ZIK). Exzellenz schaffen – Talente sichern zielt seit 2002 darauf ab, an Hochschulen und Forschungseinrichtungen Zentren der Spitzenforschung mit innovativen Ansätzen zur Nachwuchsförderung zu etablieren. Bis 2022 werden 14 solcher Zentren mit insgesamt rund 355 Mio. Euro gefördert. InnoProfile-Transfer fördert mit 137 Mio. Euro bis 2019 die Kooperation von Nachwuchsforscherinnen und -forschern mit regionalen Unternehmen. Unternehmensfinanzierte Stiftungsprofessuren und von ihnen geleitete Forschungsgruppen schlagen die Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Mit den Programmen Innovative regionale Wachstumskerne und Wachstumskern-Potenzial werden marktorientierte regionale Bündnisse gefördert. Über 100 Bündnisse mit besonderen Kernkompetenzen arbeiten an Technologien und Problemlösungen, die Alleinstellungsmerkmale für die Region schaffen. In verschiedenen ostdeutschen Regionen vorhandene wissenschaftliche und wirtschaftliche Kompetenzen werden mit dem Programm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation überregional und auch mit westdeutschen Partnern zusammengeführt. Das BMBF stellt den zehn ausgewählten Konsortien jeweils bis zu 45 Mio. Euro zur Verfügung (siehe Infobox Zwanzig20-Konsortium C³ – Carbon Concrete Composite gewinnt den Deutschen Zukunftspreis 2016).

Unternehmen Region hat dazu beigetragen, dass in vielen Regionen Ostdeutschlands sichtbare Innovationserfolge und Wertschöpfungseffekte erzielt werden. Dies bestätigen Evaluationen der einzelnen Programme.

Rahmenkonzept Innovation und Strukturwandel

Als Weiterentwicklung von Unternehmen Region wird in den nächsten Jahren das Rahmenkonzept Innovation & Strukturwandel umgesetzt. Spätestens ab 2020 werden damit Regionen mit besonderen Herausforderungen beim Strukturwandel in Ost- und Westdeutschland gefördert. Mehrere, sich ergänzende Programme sollen mit spezifischen Ansätzen dazu beitragen, die Innovationskompetenz regionaler Hochschulen und Forschungseinrichtungen weiter zu stärken, unternehmensgetriebene Innovationsfelder in den Regionen aus- oder aufzubauen und hoch qualifizierte Nachwuchskräfte für die regionale Wissenschaft und Wirtschaft zu gewinnen.

Als erstes Programm des neuen Rahmenkonzepts startete im August 2017 WIR! – Wandel durch Innovation in der Region. Gefördert werden breit aufgestellte regionale Bündnisse, die neue strategische Ansätze für einen innovationsbasierten Strukturwandel in ihrer Region entwickeln und umsetzen. Für die laufende, noch auf Ostdeutschland begrenzte Pilotphase stellt das BMBF 150 Mio. Euro zur Verfügung. Weitere Förderrunden sollen für westdeutsche Regionen geöffnet werden.

INNO-KOM

Das BMWi-Programm Innovationskompetenz (INNO-KOM) stärkt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in West und Ost durch die Förderung des Transfers von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen für KMU. Zuwendungsempfänger sind gemeinnützige externe Industrieforschungseinrichtungen, die weder einer Hochschule noch einer institutionell geförderten Wissenschaftsgemeinschaft angehören und ihren Sitz in einer strukturschwachen Region Deutschlands haben. Gefördert werden jährlich rund 450 Vorhaben der Vorlaufforschung, marktorientierte FuE-Vorhaben sowie investive Vorhaben zur Verbesserung der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur, die bei Forschung und Entwicklung einen international angemessenen Leistungsstandard ermöglichen. Das Programm ist technologieoffen. Seit 2009 förderte das Vorläuferprogramm INNO-KOM-Ost innovative Projekte in Ostdeutschland. Am 1. Januar 2017 wurde das erfolgreiche Programm unter dem neuen Namen INNO-KOM auf strukturschwache Regionen in ganz Deutschland ausgeweitet und das Fördervolumen auf 71 Mio. Euro erhöht.

Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur

Die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) fördert gewerbliche Investitionen sowie wirtschaftsnahe kommunale Infrastrukturmaßnahmen in strukturschwachen Gebieten. Die Förderung erfolgt auf Basis des zwischen Bund und Ländern vereinbarten Koordinierungsrahmens, der die grundsätzlichen Leitlinien, die Instrumente und das Fördergebiet festschreibt. Seit Juli 2014 gilt eine neue gesamtdeutsche Fördergebietskarte, die die GRW-Fördergebiete im Einklang mit dem EU-Beihilferecht bis zum 31. Dezember 2020 verbindlich festlegt.

Die gewerbliche Investitionsförderung der GRW trägt zur Implementierung von Prozess- und Produktinnovationen in Unternehmen bei. Auch investive Maßnahmen in forschungs- und technologieorientierten Betrieben wie der Ausbau und die Modernisierung von Forschungs- und Laboreinrichtungen können bezuschusst werden. KMU werden bei der Forschung, der Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte, der Verbesserung von Produktionsverfahren, Prozessinnovationen oder Dienstleistungen unterstützt. Die Förderung von Beratungen und Schulungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbessert die Personalstruktur von KMU. Hauptzielgruppe der GRW sind gewerbliche Unternehmen, Kommunen oder Kommunalverbände, öffentliche Einrichtungen und öffentliche Unternehmen. GRW-Maßnahmen zur Vernetzung und Kooperation, z. B. durch Aufbau von Kooperationsnetzwerken und Innovationsclustern, unterstützen die regionale und überregionale Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und lokalen Einrichtungen. So sollen vorhandene Potenziale besser ausgeschöpft und die Wettbewerbsfähigkeit schwacher Regionen langfristig gestärkt werden. Durch die Infrastrukturförderung, z. B. von Gewerbe- und Technologiezentren, werden die Gründung innovativer Unternehmen, die Entstehung und Anwendung von neuem technischen Wissen sowie die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte gefördert.

2017 wurde die Neuausrichtung der GRW fortgesetzt. Ziel ist ein optimiertes gesamtdeutsches Fördersystem für strukturschwache Regionen ab 2020.