Innovationsdynamik in der Wirtschaft stärken

Unternehmen sind die zentralen Akteure des Innovationsgeschehens. Auf sie richtet die HTS ein besonderes Augenmerk. Die deutsche Wirtschaft ist im internationalen Vergleich durch eine hohe Innovationsorientierung gekennzeichnet. Die Bundesregierung verfolgt mit der HTS das Ziel, diese Stärke auszubauen und die deutschen Unternehmen angesichts wachsender Herausforderungen durch Globalisierung und digitalen Wandel weiter zu unterstützen.

 

Innovationskraft des Mittelstandes stärken und Potenziale der Schlüsseltechnologien nutzen

Besondere Beachtung gilt dem Mittelstand. Die Digitalisierung, die Veränderung klassischer Wertschöpfungsketten und die Globalisierung stellen den Mittelstand vor erhebliche Herausforderungen. Große Unternehmen haben ihre Innovationsausgaben infolge des weltweiten Wettbewerbs und einer neuen internationalen Arbeitsteilung spürbar gesteigert. Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft, die neben Ausgaben für FuE etwa Ausgaben für den Erwerb von Anlagen und Software, für Konstruktion, Design, Schulung oder Markteinführung umfassen, sind 2016 um 2 % gewachsen. Großunternehmen erhöhten ihre Innovationsausgaben im Jahr 2016 im Durchschnitt um 2,1 %, während KMU nur einen Zuwachs von 1,6 % meldeten. Gleichzeitig sinkt die Innovatorenquote – also der Anteil der Unternehmen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums neue Produkte oder neue Prozesse eingeführt haben – seit Jahren. Obwohl sie im Jahr 2016 wieder leicht auf 36,1 % angestiegen ist, muss diese Entwicklung ernst genommen werden. Denn auch der Anpassungsdruck durch neue Technologien, Geschäftsmodelle und Produktionsstandorte wächst.

Um den Mittelstand für den intensiver werdenden internationalen Wettbewerb fit zu machen und mehr KMU für die Teilnahme am Innovationsgeschehen zu gewinnen, steigert die Bundesregierung ihre Förderung von Forschung und Innovation zugunsten von KMU kontinuierlich. Zudem entwickelt sie ihr innovationspolitisches Instrumentarium für den Mittelstand stetig weiter.

Die Bundesregierung begleitet die Unternehmen entlang des Innovationszyklus mit ihrem Konzept Von der Idee bis zum Markterfolg. Die unterschiedlichen Bedarfe und Phasen der Unternehmen werden mit passgenauen Instrumenten abgedeckt. In vier Programmfamilien werden innovative Gründungen, Innovationskompetenzen in den Unternehmen, vorwettbewerbliche Forschung und marktnahe FuE von innovativen Produkten und Verfahren gefördert. Die Programme sind themen- und technologieoffen gestaltet, damit die Unternehmen entscheiden können, in welche Technologie sie investieren.

Mit ZIM werden neben anspruchsvollen Einzelprojekten insbesondere Kooperations- und Netzwerkprojekte unterstützt, die KMU und Forschungseinrichtungen zusammenbringen. Die breitenwirksame, technologieoffene Förderung zielt auf marktorientierte FuE-Projekte von KMU. ZIM verfügt u. a. durch die Erhöhung der förderfähigen Kosten, die Erweiterung der Antragsberechtigung auf größere mittelständische Unternehmen und die Erhöhung des Förderbonus für internationale Projekte auf bis zu 10 % über ein gesteigertes Budget.

Komplementär dazu stärkt das Zehn-Punkte-Programm Vorfahrt für den Mittelstand anhand von vier Handlungsfeldern kleine und mittlere Unternehmen. Es zielt auf mehr Beteiligung von KMU an den thematischen Fachprogrammen der Forschungsförderung, auf die Vernetzung mit starken Partnern wie anderen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, auf die Sicherung der Fachkräfte und Qualifikationsbedarfe sowie auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen und die Vereinfachung von Förderverfahren. Dabei steht eine weite Verbreitung und Nutzung von Forschungsergebnissen und Modelllösungen unter den KMU im Fokus: Neben dem Ausbau bewährter Instrumente wie der Förderinitiative KMU-innovativ tragen neue themenoffene Förderformate wie die Innovationsforen Mittelstand und KMU-NetC zur Stärkung der Innovationsorientierung im Mittelstand bei.

Die Bundesregierung fördert KMU dabei, Schlüsseltechnologien für neue Produkte und Dienstleistungen breit zu nutzen. Die Förderinitiative KMU-innovativ ermöglicht ihnen einen passgenauen Einstieg in die themenspezifischen Fachprogramme und spricht vor allem mittelständische Unternehmen mit Spitzenforschung an. Über ein Einstiegsmodul werden KMU unterstützt, die bisher noch keine oder wenig Erfahrung mit dem Aufsetzen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten in Fachprogrammen haben. Die Förderinitiative KMU-innovativ steht für etwa ein Viertel der KMU-Förderung des BMBF.

Die EFI spricht sich zur Intensivierung der FuE-Aktivitäten insbesondere der KMU für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung aus. Im Koalitionsvertrag ist die Einführung einer steuerlichen Forschungs- und Entwicklungsförderung vereinbart. Gegenwärtig prüft die Bundesregierung Möglichkeiten, wie diese insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen eingeführt werden kann. Die Bundesregierung setzt auch weiterhin auf die bewährte technologiespezifische und technologieoffene Projektförderung.

Innovationspotenziale strukturschwacher Regionen stärken

Die Bundesregierung trägt mit ihren innovationspolitischen Instrumenten dazu bei, die vorhandenen Innovationspotenziale in strukturschwachen Regionen zu erschließen und so neue Perspektiven für den innovationsbasierten Strukturwandel zu eröffnen.

Mit fünf unter der Dachmarke Unternehmen Region zusammengefassten Maßnahmen, die an unterschiedlichen Stellen des Innovationsprozesses ansetzen, fördert die Bundesregierung den Auf- und Ausbau besonderer technologischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Kompetenzen in den neuen Ländern. Dabei werden die strukturellen Besonderheiten der Forschungslandschaft in Ostdeutschland berücksichtigt. Mit dem Programm Zwanzig20 - Partnerschaft für Innovation wird die Entstehung neu vernetzter Innovationsstrukturen über Ostdeutschland hinaus unterstützt. Den zehn ausgewählten, interdisziplinär arbeitenden Konsortien stehen bis zum Jahr 2021 jeweils bis zu 45 Mio. Euro zur Umsetzung ihrer Strategien zur Verfügung; all diese Konsortien sind offen für neue Partner aus dem gesamten Bundesgebiet.

Aufbauend auf den positiven Erfahrungen mit Unternehmen Region entwickelt die Bundesregierung das neue Förderkonzept Innovation & Strukturwandel, das sich an strukturschwache Regionen in Ost- und Westdeutschland richtet. Mit WIR! – Wandel durch Innovation in der Region wird derzeit das erste Förderprogramm im Rahmen des Konzepts umgesetzt. Gefördert werden breit aufgestellte regionale Bündnisse, die innovative strategische Ansätze für ihre Region entwickeln und umsetzen. Für das Programm, das als Pilotmaßnahme noch auf Ostdeutschland begrenzt ist, stehen 150 Mio. Euro zur Verfügung.

Auch die FuE-Förderung gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen – Innovationskompetenz (INNO-KOM) – steht strukturschwachen Regionen in ganz Deutschland offen. Industrieforschungseinrichtungen, die ihre Forschungsergebnisse KMU zur Verfügung stellen, werden damit adressiert.

Gründungen fördern

Unternehmensgründungen sind ein wichtiger Motor, um das Innovationssystem zu erneuern. Junge Unternehmen stellen bekannte Erfolgsmodelle infrage und setzen innovative Technologien schnell in erfolgreiche Geschäftsmodelle um. In Deutschland ziehen Metropolen wie Berlin und München inzwischen Gründerinnen und Gründer aus der ganzen Welt an. Trotzdem ist die Gründungsdynamik in Deutschland nach wie vor zu gering, besonders die von Frauen. Deshalb stellt die Bundesregierung wesentliche Weichen bei der Gründungsförderung neu. Mit der HTS wird die Unterstützung für Gründungsvorhaben aus der Wissenschaft deutlich intensiviert.

Dazu wurden das EXIST-Gründerstipendium und der EXIST-Forschungstransfer ausgeweitet. Zudem wurde ein neuer bundesweiter Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen initiiert. Jedes Jahr kommen 200 bis 250 neue EXIST-Gründungsprojekte hinzu. Auch die außeruniversitären Forschungsorganisationen stärken durch eine Reihe von Maßnahmen die Gründungskultur an ihren Einrichtungen. Der German Accelerator fungiert als Sprungbrett für deutsche Start-ups in die USA und seit März 2018 auch in die ASEAN-Region und schließt Gründungsideen aus den Lebenswissenschaften ein. Für Raumfahrttechnologien gibt es mit den ESA Business Incubation Centres erfolgreiche Akzeleratoren für Unternehmensgründungen.

Die Bundesregierung entwickelt die Gründungsförderung an den Stellen weiter, an denen vielversprechende Gründungsvorhaben aus Wissenschaft und Forschung bislang nicht weiterverfolgt wurden oder ihnen wichtige Unterstützung fehlte, u. a. mit dem Konzept Mehr Chancen für Gründungen – Fünf Punkte für eine neue Gründerzeit. Mit der Forschungs- und Innovationsförderung unter dem Dach der HTS werden die "Innovations-Pipelines" gefüllt und tragfähige Forschungsnetzwerke aufgebaut. Parallel dazu werden anwendungsorientierte Infrastrukturen in der Forschungslandschaft aufgebaut.

Diese gute Grundlage gilt es jetzt für die Dynamisierung des Gründungsgeschehens zu nutzen. Als erste neue Maßnahme des Fünf-Punkte-Konzepts wird mit Young Entrepreneurs in Science zusammen mit Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Wirtschaft ein Angebot entwickelt, um Doktorandinnen und Doktoranden für das Thema Gründung zu sensibilisieren. Young Entrepreneurs in Science ist darauf ausgerichtet, das Gründungspotenzial innerhalb des wissenschaftlichen Nachwuchses an deutschen Hochschulen verstärkt zu erschließen. Eine Pilotphase startet 2018 an ausgewählten Universitäten.