Innovationen in die Breite tragen

Das Innovationsgeschehen in Deutschland ist geprägt von einer lebendigen Kooperations- und Vernetzungskultur. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und in immer stärkerem Maße der Gesellschaft ist eine der wesentlichen Stärken unseres Innovationssystems. Mit der HTS befördert die Bundesregierung die themenübergreifende und interdisziplinäre Vernetzung und den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer entlang der gesamten Innovationskette. Klassische Transferstrukturen werden dabei um neuartige, offene Formen der Zusammenarbeit erweitert. Der Transfer ist eine zentrale Säule unseres Forschungs- und Innovationssystems, den wir nachhaltig stärken und substanziell steigern werden.

Vernetzung intensivieren

Aufbauend auf dem Erreichten ist es das Ziel der Bundesregierung, die vorhandenen Stärken in Wissenschaft und Wirtschaft noch besser zu bündeln und dadurch neue Kräfte freizusetzen. Wir legen viel Wert darauf, das Entstehen von Clustern und Netzwerken unter besonderer Beteiligung von KMU zu fördern. Dementsprechend hat sich die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Unternehmen in den vergangenen Jahren spürbar intensiviert. Die Spitzencluster aus dem Spitzencluster-Wettbewerb, die Forschungscampi, die KMU-NetC-Verbünde, die Innovationsforen Mittelstand, die Innovationscluster aus dem Programm go-cluster, branchenübergreifende Initiativen wie INNOspace sowie die vielen von KMU geprägten Netzwerke beim Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) stehen beispielhaft für eine Vielzahl leistungsfähiger regionaler Partnerschaften. Auch in der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) erzeugen Verbünde Synergien und sind somit ein Garant für eine erfolgreiche industrienahe Forschung insbesondere für KMU. Mit Kompetenznetzen zum maschinellen Lernen oder dem Future Work Lab sollen Wissenschaft und Wirtschaft, insbesondere KMU, besser vernetzt werden und voneinander lernen.

Potenziale der Hochschulen für Kooperationen mit Wirtschaft und Gesellschaft stärken

Die Bund-Länder-Initiative Innovative Hochschule nimmt die – neben Forschung und Lehre – dritte Mission „Transfer und Innovation“ in den Blick. Bund und Länder stellen dafür in zwei Auswahlrunden bis zu 550 Mio. Euro für zehn Jahre zur Verfügung. Die Fördermittel werden im Verhältnis 90 : 10 vom Bund und dem jeweiligen Sitzland getragen. Es handelt sich um ein fortlaufendes Programm auf Basis einer Bund-Länder-Vereinbarung nach Art. 91b GG. Das BMBF trägt sämtliche unmittelbaren programmrelevanten Ausgaben, die Länder übernehmen die Finanzierung der Grundausstattung der Forschung an den Fachhochschulen (FH). Insbesondere FH sowie kleine und mittlere Universitäten stehen im Fokus. Aktuell werden 48 Hochschulen in 19 Einzel- und 10 Verbundvorhaben gefördert. Darunter sind 35 FH, eine Kunst- und Musikhochschule sowie 12 Universitäten und pädagogische Hochschulen. Hochschulen soll so ermöglicht werden, ihre strategische Rolle im regionalen Innovationssystem zu stärken. Die Innovative Hochschule nimmt damit Empfehlungen von vielen Seiten – etwa der EFI – auf, um den Kulturwandel in Hochschulen hin zu einer besseren Verwertung von Erkenntnissen zu forcieren sowie Strategien für den Transfer zu erarbeiten und konsequent umzusetzen.

Mit der Förderung von Forschung an FH mit Unternehmen (FHprofUnt) unterstützt das BMBF FuE-Projekte, die eine FH und Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Kooperation durchführen. Daraus sollen sich auf Dauer angelegte Forschungskooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft etablieren. Innovative, neuartige Lösungen können gemeinsam mit den Partnern entwickelt und umgesetzt werden. Die forschungstechnischen Rahmenbedingungen der FH können zugleich optimiert werden. Die kooperierenden Unternehmen müssen sich an den Ausgaben des Projekts beteiligen und stellen auf diese Weise ihr nachdrückliches Interesse an den FuE-Projekten unter Beweis.

Die Bundesregierung wird zukünftig ihre direkte Forschungsförderung stärker auf den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer in die Wirtschaft ausrichten. In ausgewählten Forschungsfeldern sollen starke Anreize für die Zusammenarbeit der Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen mit der Wirtschaft gesetzt werden.

Innovationslücken schließen und Diffusion beschleunigen

Eine frühzeitige Validierung von Forschungsergebnissen kann entscheidend dazu beitragen, dass gute Ideen aus der Wissenschaft schneller in innovative Produkte, Dienstleistungen und Innovationen für die Gesellschaft überführt werden. Die Validierungsförderung ist daher ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung. Die Fördermaßnahme Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+ setzt genau hier an. Mit ihr überbrückt die Bundesregierung wirksam die Lücke zwischen der Forschung in allen Wissenschaftsdisziplinen und ihrer wirtschaftlichen Verwertung bzw. Anwendung in der Gesellschaft. Als Grundlage dient ein erweiterter Innovationsbegriff, der technologische und gesellschaftliche Innovationen gleichermaßen umfasst.

Mit der Maßnahme WIPANO – Wissens- und Technologietransfer durch Patente und Normen fördert die Bundesregierung öffentliche Forschung und Unternehmen bei der Patentierung und Verwertung marktrelevanter neuer Technologien und unterstützt innovative FuE-Projekte für die Normung – und somit eine rasche Marktdiffusion. Über WIPANO besteht auch die Option, noch marktferne patentgeschützte Technologien weiterzuentwickeln, beispielsweise durch die Erstellung von Prototypen oder Funktionsmustern.

Innovationskraft durch Internationalisierung stärken

Europäische und internationale FuE-Kooperationen bieten große Wertschöpfungspotenziale. Die Bundesregierung fördert deshalb den Ausbau der Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit internationalen Partnern.

Schon heute stehen nationale Förderprogramme für die Vernetzung mit internationalen Partnern zur Verfügung, um deutschen KMU ein Sprungbrett für intensivere Auslandsaktivitäten zu bieten. Mit der Maßnahme zur Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken wird vor allem KMU die Möglichkeit gegeben, in internationalen Partnerschaften mitzuwirken. Partnerregionen gibt es weltweit, und die ersten internationalen Forschungs- und Innovationsprojekte haben bereits ihre Arbeit aufgenommen. Mit der Weiterentwicklung des ZIM wurden zusätzliche Anreize für internationale Kooperationen deutscher KMU gesetzt. Unter dem Dach von KMU-international fördert die Bundesregierung den Zugang von KMU zu den Wertschöpfungspotenzialen, die in europäischen und internationalen Kooperationen und Wirtschaftsbeziehungen liegen.

Offene Innovationskultur etablieren

Wir wollen eine Innovationskultur schaffen, die kreative Ideen und deren rasche Umsetzung fördert. Wir wollen Open-Innovation-Ansätze, soziale Innovationen sowie inter- und transdisziplinäre Ansätze fördern und Experimentierräume einrichten, um innovative technische Systeme und neue Geschäftsmodelle zu erproben. Deshalb wird die Bundesregierung den Transfer von der Grundlagenforschung in die Anwendung weiter forcieren und die Öffnung von Innovationsprozessen unterstützen. Auch die EFI rät, die Grundlagenforschung als wichtige Innovationsquelle weiter zu stärken und auf den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer zu setzen. In Demonstrationsvorhaben und Innovationslaboren sollen Unternehmen erproben, sich für externes Wissen zu öffnen und neue Akteure in die Innovationsprozesse einzubinden. Dazu soll eine Zukunftscluster-Initiative, aufbauend auf dem Spitzencluster-Wettbewerb, entwickelt, die Forschungscampi ausgebaut und neue Modelle der Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups, beispielsweise Open-Innovation-Campi, gefördert und alle Maßnahmen unter einer sichtbaren Marke zusammengeführt werden.

Um langfristig international konkurrenzfähig zu bleiben, wird die Bundesregierung die Entstehung von Sprunginnovationen in Deutschland fördern. Komplementär zu den erfolgreichen Förderangeboten der Bundesregierung sollen dafür neue Instrumente geschaffen werden. So sollen exzellente Forschungsergebnisse mit hohem Potenzial für grundlegend neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsideen in die Anwendung, in Wertschöpfung und gesellschaftlichen Nutzen überführt werden. Die EFI befürwortet die Einrichtung einer Agentur für Sprunginnovationen, die Bundesregierung befindet sich dazu bereits im Stadium intensiver Planungen.