FuE-Ressourcen im internationalen Vergleich

Deutschland zählt zu den forschungsintensivsten Volkswirtschaften weltweit. Seit 2006 nahm die FuE-Intensität stetig zu. Sie liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt. In den vergangenen Jahren hat sich Deutschland mit Blick auf die FuE-Ausgaben von Staat und Wirtschaft und das in FuE beschäftigte Personal im internationalen Vergleich weiter positiv entwickelt.

Die weltweiten Ausgaben für FuE sind in den letzten Jahren stark angewachsen. Nach aktuell verfügbaren Statistiken der UNESCO liegen sie bei fast 1.600 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015 (in Kaufkraftparitäten). Weltweit haben sich in den vergangenen 20 Jahren die jährlichen Investitionen in FuE mehr als verdoppelt. Außerdem sind die weltweiten Bruttoinlandausgaben für FuE seit 2007 wesentlich dynamischer gewachsen als das globale BIP (siehe auch Infobox UNESCO-Wissenschaftsbericht).

UNESCO-Wissenschaftsbericht

Alle fünf Jahre untersucht die UNESCO globale Trends und aktuelle Entwicklungen in Hochschulbildung sowie Forschung und Innovation. Der 2015 herausgegebene UNESCO Science Report: towards 2030 zeigt, dass derzeit viele Länder Wissenschaft und Technologie sowie eine diese berücksichtigende Forschungs- und Technologiepolitik in ihre nationalen Entwicklungsstrategien integrieren, um ihre Wirtschaft unabhängiger von natürlichen Ressourcen zu machen und stärker auf Wissen und Fortschritt zu begründen.

Weltweit werden die höchsten absoluten Investitionen in FuE in Südostasien (38 %), in Nordamerika (28 %) und in Europa (22 %) getätigt. Die USA sind mit einem Anteil von über 26 % der weltweiten Bruttoinlandsausgaben für FuE die größte FuE-durchführende Volkswirtschaft. Es folgen China (22 %) und Japan (9 %). Deutschland zeichnet sich für ca.% der weltweiten Bruttoinlandsausgaben für FuE verantwortlich. Damit gehört Deutschland zur Spitzengruppe der Volkswirtschaften mit den höchsten FuE-Ausgaben pro Einwohner.

Abb. D-22 zeigt den Ressourceneinsatz für FuE in ausgewählten Industriestaaten und aufstrebenden Volkswirtschaften auf Basis aktueller OECD-Statistiken. Dargestellt werden zwei Dimensionen: FuE-Intensität (horizontale Achse) und Forscherinnen und Forscher je 1.000 Erwerbstätige (vertikale Achse) für 2016. Es wird deutlich, dass die FuE-Intensität und der Einsatz von Forscherinnen und Forschern in einem positiven Zusammenhang stehen.

Dieses Bild zeigt Ausgaben für Forschung und Entwicklung und Zahl der Forscherinnen und Forscher im internationalen Vergleich 2016

Abb. D-22: Ausgaben für Forschung und Entwicklung und Zahl der Forscherinnen und Forscher im internationalen Vergleich 2016

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FuE-Intensität

Die FuE-Intensität ist ein wesentlicher Indikator für den internationalen Vergleich der FuE-Ausgaben. Die Kennzahl misst den Anteil der Bruttoinlandsausgaben von Staat und Wirtschaft für Forschung und Entwicklung am jährlichen Bruttoinlandsprodukt einer Volkswirtschaft (Anteil der Bruttoinlandsausgaben für FuE am BIP). Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht halbjährlich Statistiken zu zentralen FuE-Kennzahlen (siehe auch Infobox OECD-Publikationen zu Wissenschaft, Technologie und Innovation).

Deutschland gehört weltweit zu den zehn forschungsintensivsten Volkswirtschaften. Im globalen Vergleich erreicht Deutschland mit einem Anteil der Bruttoinlandsausgaben für FuE am BIP von 2,93 % im Jahr 2016 einen Spitzenplatz. Die FuE-Intensität in Deutschland hat seit 2006 stetig zugenommen, sie liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt (2,35 %) und dem Wert der USA (2,74 %). Vergleichsweise hohe FuE-Intensitäten weisen die asiatischen Staaten Südkorea (4,24 %) und Japan (3,14 %) auf. China (2,12 %) konnte im vergangenen Jahrzehnt einen dynamischen Anstieg seiner finanziellen Ressourcen für FuE verzeichnen (siehe auch Abb. D-23).

Dieses Bild zeigt Anteil Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt im internationalen Vergleich (in Prozent)

Abb. D-23: Anteil Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt im internationalen Vergleich (in Prozent)

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In Europa gehört Deutschland zu den Ländern mit der höchsten FuE-Intensität. Wie in der Wachstumsstrategie Europa 2020 festgehalten, streben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union an, 3 % ihres BIP in Forschung und Entwicklung zu investieren. Im Jahr 2016 betrug die durchschnittliche FuE-Intensität der EU-28-Länder 2,03 % (nach aktuellen Schätzungen von Eurostat). Von den EU-28-Staaten erreichen nur Schweden und Österreich eine höhere FuE-Intensität als Deutschland.

OECD-Publikationen zu Wissenschaft, Technologie und Innovation

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl. Organisation for Economic Co-operation and Development – OECD) bietet Regierungen ein Forum zur Zusammenarbeit, hier können sie Erfahrungen austauschen und Lösungen für gemeinsame Probleme in verschiedenen Politikfeldern suchen. Die Anfänge der OECD reichen bis in die 1960er-Jahre zurück. Sitz der Organisation ist Paris. Aktuell hat die OECD 35 Mitglieder. Neben den meisten hoch entwickelten Wirtschaftsnationen gehören heute auch Schwellenländer zu den Mitgliedern. Darüber hinaus arbeitet die OECD eng mit China, Indien und Brasilien sowie einer Reihe von anderen aufstrebenden Volkswirtschaften zusammen. Die OECD publiziert jedes Jahr über 300 Studien und Statistiken zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, in denen sie ihre Arbeit dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Sie liefert damit wichtige statistische Grundlagen für international vergleichende Analysen.

Schlüsseltrends zu Wissenschaft, Technologie und Innovation (Science, Technology and Innovation – STI) veröffentlicht die OECD mit den halbjährlich aktualisierten Main Science and Technology Indicators (MSTI) und dem zweijährig erscheinenden Science, Technology and Industry Scoreboard (STI Scoreboard).

Main Science and Technology Indicators (Englisch): oecd.org/sti/msti.htm

Science, Technology and Industry Scoreboard (Englisch): oecd.org/sti/scoreboard.htm

FuE-Ausgaben nach Sektoren

Das Verhältnis von FuE-Ausgaben im privaten und im öffentlichen Sektor ist in hoch entwickelten Volkswirtschaften unterschiedlich. Die Bruttoinlandsausgaben für FuE verteilen sich auf den Wirtschaftssektor, den Hochschulsektor und den Staatssektor.

Der Anteil des Wirtschaftssektors an den gesamten Bruttoinlandsausgaben für FuE ist in Japan, Südkorea und China am höchsten. In Deutschland entfielen 2015 rund 69 % der Bruttoinlandsausgaben für FuE auf den privaten Sektor (siehe auch Abb. D-24).

Dieses Bild zeigt Anteil Bruttoinlandsausgaben für FuE nach Sektoren und Bruttoinlandsausgaben für FuE als Anteil am BIP im internationalen Vergleich 2015 (in Prozent)

Abb. D-24: Anteil Bruttoinlandsausgaben für FuE nach Sektoren und Bruttoinlandsausgaben für FuE als Anteil am BIP im internationalen Vergleich 2015 (in Prozent)

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Die FuE-Ausgaben im Hochschulsektor sind in Deutschland in den letzten Jahren sowohl absolut als auch im Verhältnis zum BIP merklich gestiegen, was u. a. auf die Impulse der Exzellenzinitiative und des Hochschulpakts 2020 zurückzuführen ist (siehe auch Hauptband V Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern). Rund 17 % der Bruttoinlandsausgaben für FuE entfielen 2015 in Deutschland auf den Hochschulsektor.

Auch im Staatssektor haben in Deutschland die Ausgaben für FuE kontinuierlich zugenommen. Hierzu gehören die außeruniversitären Forschungseinrichtungen und die Ressortforschungseinrichtungen. Der Zuwachs in der vergangenen Dekade resultierte zuvorderst aus der Stärkung der außeruniversitären Forschung, u. a. durch die Erhöhung der gemeinsam von Bund und Ländern getragenen institutionellen Grundfinanzierung der Wissenschafts- und Forschungsorganisationen um jährlich 3 % im Rahmen des Pakts für Forschung und Innovation (siehe auch Hauptband V Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern). In Deutschland verzeichnete der Staatsektor 2015 rund 14 % der Bruttoinlandsausgaben für FuE.

Der Ausbau der grundlagen- und anwendungsorientierten FuE-Kapazitäten bildet eine wichtige Basis für die weitere Steigerung der FuE-Aktivitäten des Wirtschaftssektors. Insgesamt zeigt sich, dass tendenziell diejenigen Vergleichsländer eine hohe FuE-Intensität aufweisen, die über hohe anteilige FuE-Ausgaben des Wirtschaftssektors verfügen. Der Anteil des Wirtschaftssektors ist in Japan und Südkorea besonders hoch. Beide Länder verfügen ebenfalls über eine hohe FuE-Intensität. Frankreich und das Vereinigte Königreich weisen dagegen in beiden Kenngrößen geringere Werte auf.

FuE-Personal

Weltweit waren nach Statistiken der UNESCO im Jahr 2015 etwa 8,5 Millionen Personen (in VZÄ) als Forscherinnen und Forscher tätig. In den vergangenen zehn Jahren ist ihre Zahl um mehr als 40 % gestiegen. Wie im UNESCO-Wissenschaftsbericht ausgewiesen, verfügt China (19 %) über die meisten Forscherinnen und Forscher in Staat und Wirtschaft. Es folgen die USA (16 %) und Japan (8 %). Deutschland stellt ca.% der weltweiten Forscherinnen und Forscher.

Die dynamische Entwicklung der wissensintensiven Beschäftigung lässt sich anhand der FuE-Personalintensität verdeutlichen. Sie ist definiert als FuE-Personal in VZÄ pro 1.000 Erwerbstätige. Das gesamte weltweite FuE-Personal (wissenschaftliches Personal, technisches Personal, sonstiges Personal) ist jedoch aufgrund unvollständiger statistischer Daten nur schwer zu schätzen. Ein internationaler Vergleich ist daher mit Unschärfen behaftet. Vor allem außerhalb der OECD-Staaten existieren häufig methodische Probleme bei der einheitlichen Erfassung des FuE-Personals.

Berechnungen der OECD zeigen, dass Deutschland seit Beginn der letzten Dekade einen deutlichen Anstieg der FuE-Personalintensität verzeichnen konnte. 2016 waren in Deutschland pro 1.000 Erwerbstätige mehr als 15 Personen in FuE beschäftigt. Damit liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt und vor dem Vereinigten Königreich. Im weltweiten Vergleich weist Deutschland ein ähnliches Niveau wie Japan auf. Südkorea und China konnten ihre FuE-Personalintensität im vergangenen Jahrzehnt merklich ausbauen (siehe auch Abb. D-25).
FuE findet zunehmend grenzüberschreitend statt.

Dieses Bild zeigt FuE-Personalintensität im internationalen Vergleich (FuE-Personal in Vollzeitäquivalenten je 1.000 Erwerbstätige)

Abb. D-25: FuE-Personalintensität im internationalen Vergleich (FuE-Personal in Vollzeitäquivalenten je 1.000 Erwerbstätige)

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So unterhalten deutsche Unternehmen weltweit Forschungsstandorte, und ausländische Unternehmen forschen in Deutschland. Hier zeigen sich die Verflechtung und die Internationalisierung von Forschungsaktivitäten sowie der wechselseitige Wissenstransfer zwischen den kreativsten Köpfen nationaler Forschungs- und Innovationssysteme (siehe auch Infobox Internationalisierung von privater Forschung und Entwicklung).

Internationalisierung von privater Forschung und Entwicklung

Die Internationalisierungsmuster von privater Forschung und Entwicklung (FuE) sind in forschungsstarken OECD-Ländern unterschiedlich ausgeprägt.

Die internen FuE-Aufwendungen ausländischer Unternehmen im deutschen Wirtschaftssektor lagen 2015 bei 13,1 Mrd. Euro. Davon stammen gut 7 Mrd. Euro aus den EU-Mitgliedsländern und der Schweiz sowie weitere 4,9 Mrd. Euro aus den USA. Die wichtigsten Branchen sind der Kraftfahrzeugbau, die Elektro- und die Pharmaindustrie. Die Auslandsorientierung der FuE deutscher Unternehmen ist methodisch nur schwer zu erfassen.

Die vom Stifterverband veröffentlichten Zahlen aus der FuE-Erhebung geben wichtige Anhaltspunkte.

Es zeigt sich, dass die globalen FuE-Aufwendungen der 100 forschungsstärksten deutschen Unternehmen im Zeitraum von 2013 bis 2015 um knapp 24,7 % gestiegen sind. Damit nahm die Auslands-FuE mit 38,9 % zwar stärker zu als die Inlands-FuE (18,2 %), dennoch ist dies kein Anzeichen dafür, dass vermehrt Auslands-FuE zulasten des Inlands betrieben wird. Vielmehr ist ein deutlicher Trend zu verstärkter FuE im Inland und im Ausland zu erkennen.

Quelle: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (2017): Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft: Datenreport, Essen: stifterverband.org/arendi-analysen_2017