Fortschritt durch Internationalisierung fördern

Nur wer über Ländergrenzen hinweg blickt, kann von globalem Wissen profitieren. Für Deutschland ist Internationalität zum entscheidenden Standortfaktor und Wettbewerbsvorteil geworden. Die Bundesregierung treibt diese Entwicklung mit der Internationalisierungsstrategie gezielt voran.

Globale Herausforderungen können nur partnerschaftlich bewältigt werden. Deutschland ist global vernetzt und profitiert von offenen Märkten, internationalem Wissensaustausch und freiem Handel ebenso wie von einer Europäischen Union ohne Schranken. Eine unserer Zukunftsaufgaben ist es, die Offenheit des deutschen und europäischen Forschungs- und Innovationssystems zu erhalten und weiter zu stärken sowie freie Wissensflüsse und Mobilität zu stützen.

Als einer der weltweit führenden Innovationsstandorte hat Deutschland sowohl das Potenzial als auch die Verantwortung, international aktiv Zukunftsfragen mitzugestalten. Wir sind uns unserer Aufgabe bewusst, dazu beizutragen, wegweisende Antworten auf die globalen Herausforderungen unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften zu suchen. Wir wissen auch, dass Lösungen vor allem in internationaler Kooperation gefunden werden müssen.

Herausforderungen wie beispielsweise der Klimawandel, die weltweite Gesundheit und Sicherheit können nicht allein auf nationalstaatlicher Ebene bewältigt werden: Die Auswirkungen von Umweltverschmutzung werden teilweise lokal sichtbar, beeinflussen im System Erde aber auch weit entfernt liegende Regionen. In der eng vernetzten, globalisierten Welt gilt das ebenso für das Thema Gesundheit. Schutz vor Krankheiten kann nie nur national gedacht werden, wie beispielsweise die Ausbreitung von Ebola gezeigt hat. Gleiches gilt für die Sicherheit. Die körperliche Sicherheit und der Schutz vor Angriffen im digitalen Raum können nur in Kombination von nationaler Aktion und internationaler Zusammenarbeit garantiert werden.

In diesem Sinne macht sich die Bundesregierung dafür stark, die Kooperation in FuE-Aktivitäten auszubauen und Lösungen für drängende gesellschaftliche Herausforderungen zu finden. Die internationale Vernetzung aller deutschen Akteure aus Wissenschaft und Forschung und ihre Integration in transnationale Wissensflüsse können dazu entscheidende Beiträge leisten.

Internationale Vernetzung sichert zugleich die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft und wird deshalb von der Bundesregierung konsequent gefördert. Europa bleibt dabei stets ein zentraler Pfeiler des internationalen Engagements Deutschlands.

Im Zuge der Globalisierung und der wachsenden internationalen Verflechtung befinden sich Bildung, Forschung und Innovation in einem ständigen Wandel. In Anbetracht zunehmend transnationaler Prozesse der Wissenserzeugung und -verwertung gilt es mehr denn je, sich als leistungsstarker Innovationsstandort zu positionieren. Zahlreiche Indikatoren belegen, dass sich Deutschland in der internationalen Spitzengruppe befindet und von der Globalisierung profitiert:

  • Im Handel mit forschungs- und entwicklungsintensiven Waren konnte Deutschland mit einem Weltmarktanteil von rund 12 % im Jahr 2015 seine hervorragende globale Wettbewerbsposition hinter China und vor den USA halten.
  • Die Zahl weltmarktrelevanter Patente pro Million Einwohnerinnen und Einwohner liegt in Deutschland mit 371 deutlich über dem EU-Durchschnitt von 156.
  • In Deutschland entstanden 2016 insgesamt 58 % der Publikationen in Kooperation von Forscherinnen und Forschern aus mehreren Ländern. Damit weist die Wissenschaft in Deutschland einen überdurchschnittlich hohen Vernetzungsgrad auf.
  • Laut EU Industrial R&D Investment Scoreboard haben fünf der zehn innovationsstärksten Unternehmen Europas ihren Unternehmenssitz in Deutschland.
  • Im European Innovation Scoreboard 2017 der Europäischen Kommission befindet sich Deutschland an sechster Stelle von 28 Ländern und ist damit einer der europäischen Innovationsführer.
  • Deutschland gilt als attraktiver Studien- und Forschungsstandort und gehört zu den fünf beliebtesten Zielländern internationaler Studierender der OECD-Länder.

 

Potenziale internationaler Zusammenarbeit nutzen

Die Bundesregierung will die Potenziale und Chancen internationaler Kooperation für Deutschland künftig weiter ausschöpfen. Internationale Kooperation stärkt die Rolle Deutschlands und die Präsenz der deutschen Wissenschaft und Forschung in den zusammenwachsenden Wirtschafts-, Wissenschafts- und Ballungsräumen. Die Instrumente der Bundesregierung reichen von der Sondierung und Initiierung künftiger Zusammenarbeit über die Durchführung konkreter Forschungs-, Innovations- und Bildungsprojekte, die Erarbeitung gemeinsamer Förderprogramme bis zum Betrieb gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen.

Wir wollen gemeinsam – auch in Zeiten des anstehenden Brexit – in der Welt handeln und wirtschaftlich bestehen. Die Einbettung in den europäischen Kontext wird von der Bundesregierung deshalb besonders vorangetrieben. Durch die Schaffung des Europäischen Forschungsraums (European Research Area, ERA) wird Europa zum bestimmenden Faktor bei der Ausrichtung der internationalen Forschungspolitik. Das gemeinsame Vorgehen führender EU-Mitgliedstaaten verleiht Europa höhere Sichtbarkeit und größeres Gewicht gegenüber den anderen großen Innovationsräumen der Welt. In Ergänzung zu nationalen Forschungsprogrammen ist Horizont 2020 (Laufzeit 2014 - 2020) mit einem Gesamtfördervolumen von 77 Mrd. Euro das weltweit größte Programm. Die Bundesregierung wird das 9. Forschungsrahmenprogramm aktiv mitgestalten.

Darüber hinaus stärkt Deutschland die bilaterale Zusammenarbeit mit wichtigen Partnerländern weltweit, um kreative Potenziale zum gemeinsamen Nutzen weiter zu entfalten. Dies gilt in erster Linie für Länder mit hoher Entwicklungsdynamik und bedeutenden Zukunftsmärkten und ist im Hinblick auf attraktive Wissenschafts- und Technologieressourcen von strategischer Bedeutung.

Die Ursachen von Flucht und Migration müssen vor Ort bekämpft werden. Ziel der Bundesregierung ist es deshalb, die Forschungs- und Innovationsfähigkeit in den Ausgangsregionen von Flucht und Migration zu stärken. Wir wollen zu angemessenen Lebensbedingungen vor Ort beitragen. Hierzu gehört nicht zuletzt, Menschen einen Zugang zu angemessenen Gesundheitsleistungen zu verschaffen und eine Absicherung gegen Krankheitsrisiken zu gewährleisten.

Die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes zeichnen sich durch ihre internationalen Kontakte und ihre spezifischen Aufgaben an der Schnittstelle von Politik, Wissenschaft und Praxis aus. Sie nehmen dadurch eine entscheidende Rolle ein, wenn es um die Entwicklung und internationale Harmonisierung von Methoden, Standards, Normen und Regelungen sowie die Zulassung innovativer Produkte geht. Damit schaffen sie die Voraussetzungen, um Innovationsprozesse erfolgreich und effizient zu gestalten und globale gesellschaftliche Herausforderungen, wie beispielsweise die Ebola-Epidemie oder die Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen, international gemeinsam anzugehen.

Wichtige Instrumente zur Gewährleistung koordinierten Handelns und länderübergreifender Kooperation sind die G7 und G20. Deutschland bringt sich hier maßgeblich ein. 2017 fand das Treffen der für Digitalisierung zuständigen Ministerinnen und Minister unter deutscher Präsidentschaft in Düsseldorf statt. Wesentliches Ergebnis war die "Roadmap for Digitalisation: Policies for a Digital Future", die die zukünftige digitalpolitische Agenda zur Begleitung der digitalen Transformation enthält. Themen sind Zugang zum Internet, Ausbau der Infrastruktur, Unterstützung neuer Geschäftsmodelle, Stärkung des Wettbewerbs in der digitalen Welt, Unterstützung von KMU, Weiterentwicklung von Industrie 4.0, digitale Bildung, Stärkung von Vertrauen in der digitalen Welt, Online-Verbraucherschutz, Messung der Bedeutung der digitalen Wirtschaft sowie Überwindung der digitalen Kluft zwischen den Geschlechtern. Die derzeit amtierende argentinische Präsidentschaft baut mit ihren Arbeiten darauf auf. Das Treffen der G20-Digitalminister findet im Sommer 2018 in Argentinien statt.

Beim G7-Wissenschaftsministertreffen 2015 in Deutschland wurden regelmäßige Treffen in diesem Kreis beschlossen, um die Themen nachhaltig zu verfolgen. Schwerpunkte des G7-Wissenschaftsministertreffens in Deutschland waren armutsbegünstigte Krankheiten, die Zukunft der Meere und Ozeane sowie saubere Energie. Diese Themen wurden beim Treffen in Japan 2016 wieder aufgegriffen. Italien hat die Reihe der G7-Wissenschaftsministertreffen im September 2017 fortgeführt. Auf der Agenda standen die Gewinnung exzellenter Forscherinnen und Forscher, Finanzierungsmechanismen und Politikansätze für inklusive Wissenschaft, Forschung und Innovation, globale Forschungsinfrastrukturen und Open Science. 2018 fand unter kanadischer Präsidentschaft ein G7-Innovationsministertreffen statt. Themenschwerpunkte waren künstliche Intelligenz und Innovation. Kanada baut auf der Arbeit der vorangegangenen G7-Präsidentschaften Italiens und Japans auf. Die Arbeitsgruppen im Wissenschaftsbereich setzen ihre Zusammenarbeit fort.

Das Engagement Deutschlands in multilateralen Initiativen und Institutionen wie der OECD und der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, UNESCO) sowie in der Zusammenarbeit mit internationalen Gesundheitsorganisationen wie der World Health Organization (WHO) und der World Organisation for Animal Health (OIE) ist auf langfristige Wirkung angelegt. Diese multilateralen Initiativen und Institutionen bieten zum einen die Möglichkeit, um auf globaler Ebene gemeinsame Forschungsthemen zu identifizieren und Rahmenbedingungen zu entwickeln. Zum anderen verbessern diese internationalen Organisationen durch gezielte Datenaufbereitung und Analysen die Entscheidungsgrundlage nationaler und internationaler Politik. Beispiele hierfür sind der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) und die Zusammenarbeit von deutschen Forschungseinrichtungen mit internationalen Gesundheitsorganisationen und internationalen Fördermittelgebern bei der Bewältigung von globalen Gesundheitskrisen wie der Ebola- und der Zika-Epidemie.

Den Europäischen Forschungsraum weiter ausbauen

Europa steht für gemeinsame Werte, auch in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und der Innovationskooperation. Der Europäische Forschungsraum stellt einen offenen Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher sicher und verbessert den Austausch und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Im Sinne von "Open Science" spielen digitale Infrastrukturen und die digitale Verfügbarkeit von Publikationen und Forschungsdaten hier eine zunehmende Rolle.

Die Bundesregierung setzt sich in der EU für eine Stärkung der strategischen Forschungspolitik, der Innovationsfähigkeit und des Europäischen Forschungsraums ein. Um das Potenzial des europäischen Wissensstandorts auszuschöpfen, koordinieren die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten ihre Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationspolitik. Dabei ist es Deutschland ein besonderes Anliegen, die Länder Mittel- und Osteuropas sowie Südosteuropas stärker in den Europäischen Forschungsraum einzubinden. Da die nationalen Forschungsbudgets den Löwenanteil der Forschungsförderung in Europa ausmachen, ist die Abstimmung von Forschungszielen und Förderlinien ein wichtiger Baustein des Europäischen Forschungsraums. Den großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Energieversorgung und der Bekämpfung von Volkskrankheiten kann so wirkungsvoll begegnet werden.

Ziel ist es, die exzellente europäische Forschung zu stärken, Forschungsthemen von europäischem Mehrwert gemeinsam voranzubringen und Zusammenhalt, Wettbewerbsfähigkeit und Reformbereitschaft der Forschungs- und Innovationssysteme Europas zu steigern. Exzellenz und Subsidiarität müssen weiterhin Grundprinzipien der europäischen Forschungsförderung sein. Dabei gilt es, in enger Abstimmung zwischen der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten die Herausforderungen für Europa zu identifizieren, die nur mit vereinten Kräften bewältigt werden können. Zudem gilt es, die konkreten Forschungs- und Innovationsziele zu benennen, die nur gemeinsam erreicht werden können. Die Bundesregierung wird ihre nationalen Forschungsziele in europäische Partnerschaften einbringen und die Gründung eines Europäischen Innovationsrates (European Innovation Council, EIC) mit vorantreiben. Die EFI spricht sich dafür aus, die Aufgaben und Strukturen eines EIC zeitnah zu präzisieren.

Internationalisierung priorisiert vorantreiben

Mehr als 90 % des weltweiten Wissens entsteht außerhalb Deutschlands. Um diese Wissensressourcen für Deutschland zu erschließen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort sicherzustellen, ist die internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung von essenzieller Bedeutung. Vor diesem Hintergrund verfolgt die Bundesregierung die Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung. Sie knüpft an die vorangegangene Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung an und reagiert auf die neuen Trends und Herausforderungen, die sich maßgeblich auf die internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung auswirken. Dazu gehören die zunehmende Globalisierung, die Digitalisierung, die Weiterentwicklung des ERA und die Herausbildung neuer globaler Innovationszentren außerhalb der etablierten Wissenschaftsstandorte.

Unter dem Leitmotiv "Internationale Kooperation: vernetzt und innovativ" richtet die Bundesregierung die internationale Zusammenarbeit mit der Internationalisierungsstrategie effektiv, effizient und fokussiert auf das Erreichen strategischer Ziele aus:

  • Exzellenz durch weltweite Kooperation stärken,
  • Deutschlands Innovationskraft international entfalten,
  • Bildung und Qualifizierung international ausbauen,
  • die globale Wissensgesellschaft gemeinsam mit Schwellen- und Entwicklungsländern gestalten,
  • gemeinsam globale Herausforderungen bewältigen.

Dabei werden Synergien zwischen den verschiedenen Aktivitäten der beteiligten Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik genutzt, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen.

Um die Ziele zu erreichen, setzt die Bundesregierung ein umfangreiches Instrumentarium ein. Hierzu zählen eine verstärkte Vernetzung der internationalen Aktivitäten der deutschen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen sowie Unternehmen, die Bereitstellung exzellenter Forschungsinfrastrukturen für die Forschungskooperationen im internationalen Kontext, die Unterstützung internationaler Programme der Vereinten Nationen (UN), deren Erfolg von FuE abhängt, wie das Globale Rahmenwerk für Klimadienstleistungen GFCS und das Sendai-Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge, die Förderung ausländischer Studierender sowie ausländischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die Internationalisierung der Instrumente der HTS. Damit schafft die Bundesregierung die Voraussetzungen, um die Chancen der Internationalisierung von FuE zu nutzen. Eine tragende Säule der Internationalisierungsstrategie ist der runde Tisch der Bundesregierung zur "Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung". Mit ihm werden die Bundesressorts und zentrale deutsche Akteure zusammengeführt, um strategische Fragen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung gemeinsam zu erörtern. Kernziel des runden Tisches ist es, künftige Handlungserfordernisse zu identifizieren und diese in ressortübergreifenden Synergieprojekten zu adressieren.

Ein weiterer Schwerpunkt zielt darauf ab, die internationale Sichtbarkeit Deutschlands als attraktiven Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsstandort zu verbessern. Das Forschungsmarketing, die deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser und die Stärkung der Willkommenskultur für ausländische Forscherinnen und Forscher spielen hierfür eine wesentliche Rolle.