Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft

Forschung und Entwicklung in Unternehmen sind Treiber von Wohlstand und Beschäftigung. Die FuE-Aktivitäten des Wirtschaftssektors führen zu neuen, verbesserten Produkten, Prozessen und Dienstleistungen. FuE wird in Deutschland zu gut zwei Dritteln in Unternehmen durchgeführt und weitgehend von der Wirtschaft selbst finanziert. Ein wesentlicher Teil entfällt auf international tätige Großunternehmen, die über eigene Forschungsabteilungen verfügen. Gleichwohl haben forschungsintensive kleine und mittlere Unternehmen große Bedeutung als Impulsgeber für das regionale Innovationsgeschehen.

Die internen FuE-Ausgaben der deutschen Wirtschaft summierten sich 2015 auf insgesamt nahezu 61 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anteil von etwa 2 % des Bruttoinlandsprodukts. Der überwiegende Teil dieser Ausgaben (54,7 Mrd. Euro im Jahr 2015) wird vom Wirtschaftssektor selbst getragen, der damit einen Eigenfinanzierungsanteil von nahezu 90 % erzielt. Die deutsche Wirtschaft beteiligt sich darüber hinaus an der Finanzierung von FuE-Aktivitäten des öffentlichen Sektors. 2015 erreichte der Finanzierungsanteil der Wirtschaft an den FuE-Aktivitäten der Hochschulen bzw. außeruniversitären Einrichtungen 14 % bzw. 11 %.

Intensive Kooperationen sind neben dem starken Engagement der Wirtschaft für FuE entscheidend für den Innovationserfolg der deutschen Unternehmen. Diese Kooperationen ermöglichen den Transfer von Forschungsergebnissen in innovative Produkte und Dienstleistungen. Ein Indikator, an dem sich diese Einbindung in Forschungskooperationen ablesen lässt, ist das Verhältnis von interner zu externer FuE. Interne FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors bezeichnen die Mittel für FuE-Aktivitäten, die vom Forschungspersonal der Unternehmen selbst durchgeführt werden. Unter externen FuE-Aufwendungen werden Forschungsaufträge an andere Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute subsumiert. Die internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft betrugen nahezu 61 Mrd. Euro im Jahr 2015. Etwa 17 Mrd. Euro wurden 2015 in externe FuE investiert. Cirka 12 % dieser Mittel wurden von der Wirtschaft an Hochschulen und Forschungseinrichtungen vergeben.

FuE im Wirtschaftssektor wird in Deutschland überwiegend von größeren Unternehmen finanziert und durchgeführt. Etwa 87 % der internen FuE-Ausgaben in Deutschland entfallen auf Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten (siehe auch Abb. II-9, vgl. Tabelle 22). Kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten können etwa 9 % der internen FuE-Ausgaben auf sich vereinen. Die internen Ausgaben der KMU (bis zu 250 Beschäftigte) für FuE beliefen sich im Jahr 2015 auf etwa 5,3 Mrd. Euro.

 

Abbildung II-9: Entwicklung der internen Forschungs und Entwicklungsausgaben im Wirtschaftssektor - in Millionen Euro

Abb. II-9: Entwicklung der internen FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor (in Mio. Euro)

BMBF

Gleichzeitig haben KMU etwa 827 Mio. Euro für externe FuE-Aufträge ausgegeben. Der größte Teil der externen FuE-Ausgaben der KMU verblieb im Wirtschaftssektor (rund 45 %). Im Vergleich zu großen Unternehmen vergeben in Deutschland KMU häufiger externe FuE-Aufträge an Hochschulen und Einrichtungen der außeruniversitären Forschung (rund 27 %). Bei großen Unternehmen betrug der entsprechende Anteil rund 7 %.

Kennzeichnend für die FuE-Struktur der deutschen Wirtschaft ist die hohe Konzentration auf Branchen der forschungsintensiven Industrie, die 2015 für drei Viertel der betrieblichen FuE-Ausgaben verantwortlich waren. Zur forschungsintensiven Industrie zählen der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Chemie- und Pharmaindustrie sowie die Elektroindustrie. In der forschungsintensiven Industrie haben die Wirtschaftszweige eine besondere Bedeutung, die der hochwertigen Technik zugerechnet werden. Sie stellen etwa gut die Hälfte (rund 53 %) der internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft. Der Automobilbau hat hier eine herausragende Stellung. Die Branchen der Spitzentechnologien haben mit etwa einem Viertel (rund 22 %) der internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft im internationalen Vergleich eine geringere Bedeutung. Gleiches gilt für die forschungsintensiven Dienstleistungen, die zusammengenommen rund 12 % der internen FuE-Ausgaben der deutschen Wirtschaft ausmachen.

Gut ein Drittel (rund 35 %) aller internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft kommt dem Automobilbau zugute (siehe auch Abb. II-10, vgl. Tabelle 22).

 

Abbildung II-10: Interne Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Wirtschaftssektor nach Branchen 2015 - in Millionen Euro

Abb. II-10: Interne FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor nach Branchen 2015 (in Mio. Euro)

BMBF

Der Wirtschaftssektor beschäftigt mit rund 405.000 VZÄ (2015) den überwiegenden Teil (rund 63 % des in Deutschland tätigen FuE-Personals. Der Frauenanteil lag bei etwa 19 % (rund 75.400 VZÄ). Wie in den Hochschulen und in der außeruniversitären Forschung ist auch hier schon seit vielen Jahren ein deutlicher Zuwachs des FuE-Personals zu beobachten. Gleiches gilt für die Zunahme des Anteils der Forscherinnen und Forscher am gesamten FuE-Personal, im Jahr 2015 lag dieser Anteil bei 57 %. Die meisten Forscherinnen und Forscher waren im Automobilbau (rund 68.500 VZÄ), in der Elektroindustrie (rund 53.000 VZÄ) und im Maschinenbau (rund 22.000 VZÄ) beschäftigt.