Finanzielle Ressourcen für FuE

In Deutschland liegen die Bruttoinlandsausgaben für FuE auf einem neuen Höchststand. Allein die Ausgaben des Bundes für FuE haben sich seit 2005 fast verdoppelt. Die gemeinsame Förderung von Bund und Ländern zur Finanzierung von FuE-Aktivitäten in Hochschulen und Forschungseinrichtungen konnte ausgebaut werden.

FuE-Ausgaben umfassen die Finanzierung systematischer und schöpferischer Arbeit zur Erweiterung des vorhandenen Wissens. Dieses Wissen wird dafür genutzt, neue Anwendungsmöglichkeiten zu erschließen und damit Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft hervorzubringen. FuE-Ausgaben umfassen im Unterschied zu den Wissenschaftsausgaben keine Ausgaben für die wissenschaftliche Lehre und Ausbildung (siehe auch Infobox Frascati Manual).

Die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung sind eine zentrale Kennzahl für die absolute Höhe finanzieller Mittel, die in einer Volkswirtschaft für FuE zur Verfügung stehen. Die FuE-Intensität bezeichnet den Anteil der Bruttoinlandsausgaben für FuE am Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Seit der Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) 2014 werden Ausgaben für FuE als Investitionen gewertet und erhöhen damit das BIP. Ein Vergleich mit früher gemeldeten Zahlen ist daher nicht mehr uneingeschränkt möglich (siehe auch Infobox Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung). Die in diesem Bericht präsentierten Zahlen wurden entsprechend der neuen Methode zurückgerechnet.

Frascati Manual

Das Frascati Manual ist ein Handbuch der OECD, das als Basis für die Messung von Forschung und Entwicklung genutzt wird. Damit ist es ein entscheidendes Werkzeug für Statistiker, Wissenschaftler und Politiker. Das Handbuch legt grundlegende Konzepte und Richtlinien für die Erhebung von Daten und Klassifikationen für Statistiken fest. Es stellt sicher, dass Begriffe aus Forschung und Entwicklung einheitlich benutzt werden, und ermöglicht dadurch internationale Vergleiche. Das Frascati Manual wurde zuletzt 2015 aktualisiert. Bei dieser Revision wurden die Definitionen an die Anforderungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung angepasst sowie zum Teil aktualisiert, klarer gefasst und mit Beispielen unterlegt. Anfang 2018 erschien eine deutsche Übersetzung des Frascati Manuals 2015.

Quelle: OECD (2015): Frascati Manual 2015. Guidelines for Collecting and Reporting Data on Research and Experimental Development: oecd.org/sti/inno/frascati-manual.htm

Entwicklung der Bruttoinlandsausgaben für FuE

Im Jahr 2015 haben Staat und Wirtschaft insgesamt 88,8 Mrd. Euro in FuE investiert. Im Jahr 2016 erhöhten Staat und Wirtschaft die Ausgaben für die Durchführung von FuE auf 92,2 Mrd. Euro.[1] Die FuE-Ausgaben haben in Deutschland kontinuierlich zugenommen und sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Insbesondere nach 2005 sind die FuE-Ausgaben dynamisch angestiegen (siehe auch Abb. D-1, vgl. Tabelle 1).

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Abb. D-1: Entwicklung der Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland

BMBF

In Deutschland werden jährlich knapp 3 % der Wirtschaftsleistung in FuE investiert. Seit Mitte der 1990er Jahre ist der Anteil der Bruttoinlandsausgaben für FuE am BIP von unter 2,2 % auf 2,93 % im Jahr 2016 gestiegen. Deutschland hat damit das Drei-Prozent-Ziel der europäischen Wachstumsstrategie Europa 2020 praktisch erreicht.

Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

Im Jahr 2014 wurde die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) europaweit einer Revision unterzogen. Grund dafür war eine Neufassung des Europäischen Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (ESVG), das auf dem international gültigen System of National Accounts (SNA) der Vereinten Nationen beruht. Forschung und Entwicklung (FuE) wurde in der vorherigen Methode als eine Vorleistung behandelt, die im Produktionsprozess im Laufe eines Jahres verbraucht wird. Seit der Revision der VGR wird FuE als Investition behandelt. Damit ist FuE relevant für die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Eine unmittelbare Folge der Umstellung war ein Anstieg des BIP um rund 3 % gegenüber der alten Berechnungsmethode. Die Korrektur des BIP wirkte sich auf eine Reihe von wirtschaftspolitischen Kennzahlen aus, die sich in Relation zum BIP berechnen. Dazu zählt auch das Drei-Prozent-Ziel für FuE. Die Relation zwischen Forschungsausgaben und BIP wurde bis 1991 zurück angepasst. Bei einem Vergleich mit früher gemeldeten Zahlen (z. B. frühere Ausgaben des Bundesberichts Forschung und Innovation) ist daher die Revision der VGR zu beachten.

Quelle: Statistisches Bundesamt (2014): Forschung und Entwicklung in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen: destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/VGR/ForschungEntwicklungVGR_122014.pdf


[1] Hier und im Folgenden werden Nominalwerte dargestellt.

FuE-Ausgaben nach Sektoren

FuE wird in einer Vielzahl verschiedener öffentlicher und privater Institutionen betrieben (siehe auch Hauptband II 1 Überblick über das deutsche Forschungs- und Innovationssystem). Die Ausgaben für FuE werden statistisch entweder bei den finanzierenden Institutionen (Finanzierungsbetrachtung) oder der forschenden Einrichtung (Durchführungsbetrachtung) erfasst (siehe auch Infobox Finanzierungs- und Durchführungsbetrachtung).

Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der privaten Wirtschaft, des Staats und privater Institutionen ohne Erwerbszweck sowie der Hochschulen werden in Deutschland überwiegend von der Wirtschaft und dem Staat finanziert. Der Wirtschaftssektor stellt den Großteil der Mittel bereit. Im Jahr 2015 war der Wirtschaftssektor mit rund 58,2 Mrd. Euro zu ungefähr zwei Dritteln an der Finanzierung der Bruttoinlandsausgaben für FuE beteiligt. Dieser Wert ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Die Angaben beziehen sich auf die Gesamtheit der FuE-Ausgaben der Wirtschaft, das heißt unabhängig davon, ob die FuE-Arbeiten von der Wirtschaft selbst oder von öffentlichen Einrichtungen wie etwa Hochschulen durchgeführt wurden. Der hohe Anteil der Wirtschaft an der Finanzierung von FuE gilt als charakteristisches Merkmal des deutschen Forschungs- und Innovationssystems. Der Staat stellt mit 24,8 Mrd. Euro ungefähr ein Drittel der Bruttoinlandsausgaben für FuE zur Verfügung. Daneben gewinnt die Finanzierung aus dem Ausland seit einigen Jahren an Bedeutung. Dies ist ein Indiz für die zunehmende Attraktivität des Standorts Deutschland für internationale Investoren und für einen zunehmend globalen Wissenstransfer. Der Großteil der FuE-Finanzierung aus dem Ausland entfällt auf FuE-Ausgaben von multinationalen Unternehmen. Zudem spielt die EU-Forschungsförderung eine wichtige Rolle (siehe auch Abb. D-2, vgl. Tabelle 1).

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Abb. D-2: Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung 2015 (Durchführungsbetrachtung in Mio. Euro)

BMBF

Die Bruttoinlandsausgaben für FuE verteilen sich unterschiedlich auf die einzelnen Sektoren, in denen FuE durchgeführt wird (vgl. Tabelle 1). Im Jahr 2015 verwendete die Wirtschaft 61,0 Mrd. Euro für die Durchführung von FuE. Dies entspricht einem Anteil von 69 % an den gesamten Bruttoinlandsausgaben für FuE. Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen (einschließlich bundes-, landes- und gemeindeeigener Forschungseinrichtungen sowie privater Institutionen ohne Erwerbszweck), die im Wesentlichen öffentlich gefördert werden, wendeten 2015 rund 12,5 Mrd. Euro für FuE auf (14 %). Die ebenfalls größtenteils öffentlich finanzierten Hochschulen verausgabten 15,3 Mrd. Euro für FuE (17 %) (siehe auch Abb. D-3, vgl. Tabelle 1).

Interne FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors bezeichnen die Mittel für FuE-Aktivitäten, die vom Forschungspersonal der Unternehmen selbst durchgeführt werden. Unter externen FuE-Aufwendungen werden Forschungsaufträge an andere Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute subsummiert.

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Abb. D-3: Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung nach durchführenden Sektoren (in Mio. Euro und in Prozent)

BMBF

Finanzierungs- und Durchführungsbetrachtung

Die Statistiken zu den Ausgaben für FuE werden sowohl bei den finanzierenden Institutionen (Finanzierungsbetrachtung), also den Mittelgebern, als auch bei den forschenden Einrichtungen (Durchführungsbetrachtung) erhoben. Beide Betrachtungsweisen können aufgrund der unterschiedlichen Erhebungsarten und -zeitpunkte zu abweichenden Ergebnissen führen (siehe auch Hauptband II 2 Finanzierung und Durchführung von Forschung und Entwicklung).

Die Finanzierungsbetrachtung liefert Informationen über die Finanzierungsbeiträge von Staat und Wirtschaft, in der Regel unabhängig vom Empfänger. Für die staatliche Seite sind das primär Haushaltsdaten (Finanzstatistiken) (vgl. Tabelle 2).

Die Durchführungsbetrachtung erfasst Mittel für FuE-Aktivitäten dort, wo die Forschung letztlich durchgeführt wird, das heißt in Unternehmen, in Forschungseinrichtungen oder Hochschulen. Die Daten stammen aus Erhebungen, in denen die forschenden Einrichtungen zu ihren Ausgaben für FuE befragt werden. Zusätzlich werden bei der Durchführungsbetrachtung die Finanzierungsquellen der Forschung erhoben (vgl. Tabelle 1).

In den vergangenen 20 Jahren haben sich die internen FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor mehr als verdoppelt auf zuletzt 61 Mrd. Euro im Jahr 2015. Auch die externen FuE-Ausgaben haben sich positiv entwickelt und lagen 2015 bei 17 Mrd. Euro. Hier zeigt sich, dass die forschenden Unternehmen intensiv in FuE-Kooperationen mit anderen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen eingebunden sind.

FuE im Wirtschaftssektor wird in Deutschland überwiegend von Großunternehmen finanziert und durchgeführt (siehe auch Hauptband II 2 Finanzierung und Durchführung von Forschung und Entwicklung). Etwa 87 % der internen FuE-Ausgaben entfallen auf Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Nach Angaben des EU Industrial R&D Investment Scoreboard haben allein fünf der zehn europäischen Unternehmen mit den größten FuE-Budgets ihren Unternehmenssitz in Deutschland. Dies sind Großunternehmen der Automobil- und Elektroindustrie.

Rund ein Viertel der FuE-Ausgaben der Wirtschaft entfällt auf Spitzentechnologien und etwa die Hälfte auf die hochwertige Technik (siehe auch Infobox Erhebung von Daten zu Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft).

Im Wirtschaftssektor konzentriert sich die Durchführung von FuE traditionell auf das verarbeitende Gewerbe. Dieses vereint im Jahr 2015 mehr als 85 % der gesamten internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft. Der Fahrzeugbau, die Elektroindustrie, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie der Maschinenbau sind besonders forschungsintensiv. Diese Branchen stehen für rund drei Viertel der gesamten internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft (siehe auch Abb. D-4, vgl. Tabelle 22).

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Abb. D-4: Interne FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor insgesamt und nach Branchen (in Mio. Euro und in Prozent)

BMBF

Erhebung von Daten zu Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft

Im Auftrag des BMBF erhebt die Wissenschaftsstatistik GmbH, eine Tochtergesellschaft des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft e. V., jedes Jahr die Zahlen zu FuE der Unternehmen des Wirtschaftssektors und der Institutionen für Gemeinschaftsforschung nach einheitlichen OECD-Vorgaben. Damit stellt sie Daten bereit, die für Unternehmen, Verbände, Politik und Wissenschaft wichtige Entscheidungs- und Planungsgrundlage sind.

Zudem ist die FuE-Statistik seit vielen Jahren Bestandteil der FuE-Berichterstattung des BMBF für Deutschland. Sie fließt in die offiziellen FuE-Meldungen Deutschlands an internationale Organisationen (Eurostat, OECD) ein und ist somit Basis für den internationalen Vergleich der FuE-Tätigkeit der deutschen Wirtschaft.

Die Grundgesamtheit umfasst alle FuE-treibenden Unternehmen in Deutschland. Befragt werden alle Unternehmen, von denen angenommen wird, dass sie FuE betreiben.

FuE-Datenreport: stifterverband.org/arendi-analysen_2017

FuE-Zahlenwerk: stifterverband.org/arendi-zahlenwerk_2017

Bundesausgaben für FuE

Die Bundesausgaben für FuE beliefen sich 2017 auf 17,1 Mrd. Euro (Soll). In den vergangenen Jahren hat der Bund seine Zukunftsinvestitionen in FuE kontinuierlich gesteigert. In den vergangenen Jahren sind die Bundesausgaben für FuE deutlich dynamischer gestiegen als in den 1990er-Jahren und Anfang der 2000er-Jahre. Im Zeitraum von 2005 bis 2017 (Soll) haben sich die FuE-Ausgaben des Bundes fast verdoppelt (siehe auch Abb. D-5, vgl. Tabelle 4).

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Abb. D-5: Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung (in Mio. Euro)

BMBF

Basierend auf den Ressortzuschnitten der 18. Legislaturperiode vereinen die drei Bundesministerien BMBF, BMWi und BMVg mehr als 86 % der Gesamtausgaben des Bundes für FuE im Jahr 2017 (Soll) (siehe auch Abb. D-6, vgl. Tabelle 4).

Die FuE-Ausgaben des Bundes fließen größtenteils in die Projektförderung, die Ressortforschung sowie die institutionelle Förderung. Die Ausgaben für die Projektförderung (direkte Projektförderung und indirekte Forschungs- und Innovationsförderung) und die Ressortforschung liegen zusammen bei 8,3 Mrd. Euro (Soll 2017). Die institutionelle Förderung des Bundes (langfristige Finanzierung des Betriebs und von Investitionen der Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen) beläuft sich auf rund 7,7 Mrd. Euro (Soll 2017) (vgl. Tabelle 8).

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Abb. D-6: Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung nach Ressorts 2017 (Soll in Mio. Euro)

BMBF

Die Ausgaben des Bundes für FuE in der direkten Projektförderung und Ressortforschung stiegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich und summierten sich im Jahr 2017 auf rund 7,4 Mrd. Euro (Soll). Allein das BMBF finanziert davon rund 3,9 Mrd. Euro. Auf das BMBF, das BMWi und das BMVg entfallen zusammengenommen mehr als 80 % der direkten Projektförderung und Ressortforschung. Die Ausgaben des Bundes für FuE im Rahmen der indirekten Forschungs- und Innovationsförderung betrugen rund 944 Mio. Euro im Jahr 2017 (Soll).

Die Zuordnung der FuE-Ausgaben des Bundes nach Förderbereichen basiert auf der Leistungsplansystematik. Sie gruppiert die Ausgaben nach forschungsthematischen Gesichtspunkten unabhängig vom finanzierenden Ressort (siehe auch Infobox Leistungsplansystematik). Die Förderbereiche des Bundes mit den meisten FuE-Ausgaben (Soll 2017) sind Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft; Luft- und Raumfahrt; Energieforschung und Energietechnologien sowie Klima, Umwelt, Nachhaltigkeit. Knapp dahinter kommen die Förderbereiche Großgeräte der Grundlagenforschung; Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; Innovationsförderung des Mittelstandes sowie Informations- und Kommunikationstechnologien (siehe auch Abb. D-7, vgl. Tabelle 5).

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Abb. D-7: Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung nach Förderbereichen 2017 (Soll in Mio. Euro)

BMBF

Eine Betrachtung nach Empfängergruppen zeigt, dass der Großteil der FuE-Ausgaben des Bundes auf Organisationen ohne Erwerbszweck entfällt. Im Jahr 2016 flossen mit 8,7 Mrd. Euro über 55 % der Bundesmittel an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft (Fraunhofer), die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF), die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Diese Gruppe konnte in den vergangenen Jahren die größte Steigerung der Mittelzuflüsse des Bundes verzeichnen. Weitere Empfängergruppen der FuE-Ausgaben des Bundes sind Gebietskörperschaften (20 %) und Gesellschaften und Unternehmen der Wirtschaft (15 %). FuE findet zunehmend in internationalen Kooperationen statt. Ein Teil der Bundesmittel für FuE fließt daher ins Ausland (9 %). Der größte Teil entfällt auf Beiträge an internationale wissenschaftliche Organisationen und an zwischenstaatliche Forschungseinrichtungen (siehe auch Abb. D-8, vgl. Tabelle 9).

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Abb. D-8: Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung nach Empfängergruppen (in Mio. Euro und in Prozent)

BMBF

Auf die ostdeutschen Länder einschließlich Berlin entfallen 3,8 Mrd. Euro, mehr als ein Viertel (27,1 %) der im Inland vom Bund finanzierten FuE im Jahr 2016 (vgl. Tabelle 14). Dies ist ein überproportionaler Wert im Verhältnis zur Einwohnerzahl Ostdeutschlands.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besonders zu fördern. Entsprechend wurde die FuE-Förderung des Bundes an und zugunsten von KMU in den letzten zwei Jahren nochmals deutlich ausgebaut. Die Förderung konnte gegenüber 2007 verdoppelt werden, sie stieg von 783 Mio. Euro auf 1.550 Mio. Euro im Jahr 2017.

Die Bundesmittel für KMU werden aus technologie-offenen Programmen des BMWi und aus Fachprogrammen aller Ressorts finanziert. Die Formulierung „zugunsten von KMU“ bezeichnet die Ist-Ergebnisse der entsprechenden Titel des BMWi aus technologieoffenen Programmen (z. B. Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand). Von diesen Mitteln geht ein erheblicher Teil direkt an KMU. Im Jahr 2017 wurden 954 Mio. Euro zugunsten von KMU aus technologie-offenen Programmen des BMWi verausgabt. Die Formulierung „an KMU“ umfasst alle Fördermittel, die im Rahmen der Fachprogramme der Ressorts an KMU ausgezahlt werden. 2017 flossen innerhalb der Fachprogramme aller Ressorts (ohne BMVg) 596 Mio. Euro direkt an KMU, drei Viertel davon kamen vom BMBF und vom BMWi. Der Anteil der KMU an der gesamten Unternehmensförderung im Rahmen der Projektförderung in Fachprogrammen des Bundes liegt deutlich über 40 % und ist damit weit überproportional zum Anteil der KMU an den FuE-Aufwendungen der Wirtschaft.

Aktuelle Erhebungen des Stifterverbands zeigen darüber hinaus, dass auch von allen staatlichen Mitteln zur Finanzierung von FuE in der Wirtschaft etwa 45 % auf KMU mit weniger als 250 Beschäftigten entfallen. Diese Gruppe finanziert etwa 17 % ihrer FuE-Ausgaben aus staatlichen Fördermitteln. Bei großen Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten macht die staatliche Förderung nur 1,9 % der FuE-Ausgaben aus. Die staatliche FuE-Förderung in Deutschland kommt also überproportional KMU zugute.

Leistungsplansystematik

Die Leistungsplansystematik des Bundes gruppiert die Forschungsausgaben des Bundes nach forschungsthematischen Gesichtspunkten. Sie unterscheidet dabei übergeordnete Forschungsbereiche, die jeweils mehrere Forschungsschwerpunkte umfassen. Mit der Leistungsplansystematik werden die FuE-Ausgaben des Bundes unabhängig vom finanzierenden Ressort einzelnen Forschungsthemen zugeordnet. Auch die institutionellen Mittel der außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden in der Leistungsplansystematik berücksichtigt. Die Leistungsplansystematik sorgt für Transparenz der FuE-Aktivitäten aller Ressorts und ist zugleich Grundlage für die Forschungskoordinierung innerhalb der Bundesregierung.

Die Zuordnung der FuE-Projekte bzw. -Ausgaben erfolgt nach dem Schwerpunktprinzip, das heißt, eine Mehrfachzuordnung zu verschiedenen Förderbereichen ist nicht möglich. Dies kann zu Unschärfen führen, da Forschungsprojekte häufig interdisziplinär ausgerichtet sind. Zudem sind Querschnittsthemen wie die Digitalisierung kaum über die Leistungsplansystematik abbildbar.

Länderausgaben für FuE

Im Jahr 2015 betrugen die Ausgaben der Länder für FuE 11,3 Mrd. Euro (ohne Gemeinden). Auch die Länderausgaben haben sich in der vergangenen Dekade positiv entwickelt (siehe auch Abb. D-9, vgl. Tabelle 4vgl. Tabelle 17).

Den absolut größten Beitrag zu den FuE-Ausgaben der Länder leisteten 2015 die Flächenländer Nordrhein-Westfalen (20,7 %), Bayern (16,7 %) und Baden-Württemberg (14,6 %) (siehe auch Abb. D-10, vgl. Tabelle 17).

Dieses Bild zeigt Ausgaben des Bundes und der Länder für Forschung und Entwicklung (in Mio. Euro)

Abb. D-9: Ausgaben des Bundes und der Länder für Forschung und Entwicklung (in Mio. Euro)

BMBF

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Abb. D-10: Regionale Aufteilung der staatlichen FuE-Ausgaben der Länder 2015 (in Mio. Euro)

BMBF

Wie in allen Industrieländern ist in Deutschland eine regional unterschiedliche Verteilung von FuE-Kapazitäten der Sektoren zu beobachten. Die föderale Struktur der Bundesrepublik ermöglicht es, die regionalen Fähigkeiten, Ressourcen und Infrastrukturen der 16 Länder unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten zu entwickeln und zu nutzen (siehe auch Hauptband VI Die Forschungs- und Innovationspolitik der Länder).

Die Länder führen – neben den Aktivitäten des Bundes – eine Vielzahl an landeseigenen forschungs-, technologie- und innovationsorientierten Fördermaßnahmen durch. Dabei werden räumliche Strukturen und Besonderheiten berücksichtigt und spezifische Stärken der einzelnen Regionen hinsichtlich Technologie-, Wirtschafts- und Innovationskompetenz aufgegriffen (siehe auch Länderband).

Mit Blick auf die gesamten Wissenschaftsausgaben Deutschlands wird mehr als die Hälfte der Wissenschaftsausgaben der öffentlichen Hand von den Ländern getätigt (siehe auch Infobox Wissenschaftsausgaben).

Wissenschaftsausgaben

Wissenschaftsausgaben umfassen Ausgaben für FuE, für wissenschaftliche Lehre und Ausbildung sowie für sonstige verwandte wissenschaftliche und technologische Tätigkeiten.

Die gesamten Wissenschaftsausgaben summierten sich in Deutschland im Jahr 2015 auf 111 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 3,6 %. Die gesamten Wissenschaftsausgaben sind in den letzten Jahren – genauso wie die Ausgaben für FuE – deutlich gestiegen (vgl. Tabelle 20).

Die Wissenschaftsausgaben werden vom Wirtschaftssektor (55 %) und aus Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden sowie wissenschaftlichen Organisationen ohne Erwerbszweck (45 %) finanziert. Mehr als die Hälfte der Wissenschaftsausgaben der öffentlichen Hand kommt von den Ländern. Im Jahr 2015 verausgabten die Länder 26,9 Mrd. Euro für die Wissenschaft. Der Bundesanteil lag bei 19,6 Mrd. Euro. In den Jahren nach 2005 sind die Wissenschaftsausgaben des Bundes stärker als die der Länder gestiegen.

Die Wissenschaftsausgaben der Länder kommen hauptsächlich den Hochschulen zugute – sowohl in Form von Grundmitteln für Forschung und Lehre als auch in Form von Drittmitteln aus dem Länderanteil an der Finanzierung der DFG und der Graduiertenförderung.

Gemeinsame Förderung durch Bund und Länder

Bund und Länder arbeiten bei der Finanzierung von Wissenschaft und Forschung eng zusammen (siehe auch Hauptband V Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern). Das Volumen der gemeinsamen Förderung durch Bund und Länder auf der Grundlage von Art. 91b Abs. 1 GG betrug insgesamt 15,3 Mrd. Euro im Jahr 2017 (Soll). Diese Ausgaben wurden zu ca. zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel von den Ländern getragen. Seit 2005 ist das Gesamtvolumen der gemeinsamen Förderung von Bund und Ländern um 10,1 Mrd. Euro gestiegen. Das ist ein Plus von über 190 %.

Bei der Betrachtung nach Förderbereichen zeigt sich, dass der Hochschulpakt 2020 mit rund 4,9 Mrd. Euro den größten Anteil an der gemeinsamen Förderung von Bund und Ländern im Jahr 2017 (Soll) ausmacht. Die am Pakt für Forschung und Innovation beteiligten Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen (DFG, Fraunhofer, HGF, Leibniz-Gemeinschaft, MPG) wurden mit 8,9 Mrd. Euro von Bund und Ländern unterstützt (siehe auch Abb. D-11, vgl. Tabelle 1.2.6).

Die institutionelle Forschungsförderung durch Bund und Länder beläuft sich auf 9,9 Mrd. Euro (Soll 2017). Davon entfallen 7,1 Mrd. Euro auf den Bund und 2,7 Mrd. Euro auf die Länder (vgl. Tabelle 15).

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Abb. D-11: Gemeinsame Forschungsförderung durch Bund und Länder 2017 (Soll in Mio. Euro)

BMBF

FuE-Ressourcen der Hochschulen

Die finanzielle Ausstattung der Hochschulen ist seit 2005 deutlich gestiegen. Die Gesamtausgaben der Hochschulen für Lehre und Forschung lagen im Jahr 2015 bei 34,1 Mrd. Euro. Sie werden überwiegend vom Staat finanziert. Auf Fach- und Verwaltungsfachhochschulen entfallen knapp 20 % der Ausgaben aller Hochschulen. Für FuE haben die Hochschulen 15,3 Mrd. Euro verwendet – das sind 45 % der Gesamtausgaben (siehe auch Abb. D-12, vgl. Tabelle 25).

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Abb. D-12: Ausgaben der Hochschulen für Lehre und Forschung (in Mio. Euro)

BMBF

Die FuE-Ausgaben der Hochschulen werden, in Abgrenzung zu Ausgaben für die Lehre, mithilfe von sogenannten FuE-Koeffizienten auf Basis der Gesamtausgaben der Hochschulen ermittelt. Als weitere Faktoren werden u. a. die Anzahl der betreuten Studierenden, die abgelegten Prüfungen und die Arbeitszeitbudgets des Personals berücksichtigt. An-Institute sind rechtlich selbstständige Einrichtungen an Hochschulen, die zwar organisatorisch, personell und räumlich mit diesen verflochten sind, ohne jedoch einen integralen Bestandteil der jeweiligen Hochschule zu bilden. Daher zählen sie nach den Kriterien der OECD nicht zum Hochschulsektor.

FuE an Hochschulen wird mittlerweile zu fast 50 % durch Drittmittel finanziert (siehe auch Infobox Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft). Im Vergleich zu 1995 hat sich das Drittmittelaufkommen der Hochschulen mehr als verdreifacht und lag im Jahr 2015 bei 7,4 Mrd. Euro. Insbesondere seit 2008 ist ein deutlicher Anstieg des Drittmittelanteils zur Finanzierung von FuE an Hochschulen zu erkennen (siehe auch Abb. D-13, vgl. Tabelle 26).

Die Verteilung der FuE-Ausgaben nach Wissenschaftsbereichen hat sich im Vergleich zu 1995 nicht wesentlich verändert. Die meisten Mittel fließen in die Natur- und Ingenieurwissenschaften. 2015 waren das ca. 50 % der FuE-Ausgaben der Hochschulen (vgl. Tabelle 25).

Dieses Bild zeigt Ausgaben der Hochschulen für Forschung und Entwicklung nach Finanzierungsquellen (in Mio. Euro)

Abb. D-13: Ausgaben der Hochschulen für Forschung und Entwicklung nach Finanzierungsquellen (in Mio. Euro)

BMBF

Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Der Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt Kennzahlen zur öffentlich finanzierten Forschung in Deutschland und zu den Einrichtungen der Forschung nach Regionen bereit. Die Kennzahlen zeigen die fachlichen und forschungsfeldspezifischen Schwerpunktsetzungen von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. So werden Profile der Wissenschaftseinrichtungen und Regionen deutlich.

Der Förderatlas der DFG ist zugänglich unter:
dfg.de/foerderatlas