Europäische Initiativen und Programme

Ergänzend zu Horizont 2020 existieren weitere europäische Initiativen und Programme zur Förderung von Forschung und Innovation im Europäischen Forschungsraum. Im Fokus stehen grenzüberschreitende Zusammenarbeit, europäische Vernetzung sowie kleine und mittlere Unternehmen.

EUREKA und COST sind lang etablierte zwischenstaatliche Initiativen bzw. Netzwerke zur Förderung von grenzüberschreitenden bzw. europäischen Forschungsverbünden. Der Fokus von COST liegt auf der Förderung der europäischen und internationalen Zusammenarbeit von Forschenden in Netzwerken und beinhaltet auch Mobilitätshilfen und Konzertierungskosten. Eurostars – eines der EUREKA-Instrumente – unterstützt KMU dabei, Kooperationsprojekte mit europäischen Partnern durchzuführen und daraus entstehende innovative Produkt- oder Prozessideen schnellstmöglich zu kommerzialisieren. Im Rahmen des Programms Erasmus+ werden europäische Lernmobilität sowie die europäische Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen und Jugendorganisationen gefördert. Durch die Jean-Monnet-Aktivitäten unterstützt Erasmus+ Spitzenleistungen in akademischer Lehre und Forschung zur Europäischen Union.

EUREKA – Die europäische Forschungsinitiative

Ein bedeutendes Instrument im Europäischen Forschungsraum ist EUREKA, das europäische Netzwerk zur Förderung von Forschung und Innovation. Anders als das Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union ist EUREKA eine Initiative der Regierungen von über 40 beteiligten Mitgliedsländern und der Europäischen Kommission, das europäischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen einen Rahmen für grenzüberschreitende, anwendungsorientierte Forschungsvorhaben bietet. Mit seinem technologieübergreifenden, marktorientierten und dezentralen Ansatz stellt EUREKA eine wichtige Ergänzung zu den Forschungs- und Innovationsprogrammen der Europäischen Union dar. Die in den beteiligten Ländern vorhandenen finanziellen und fachlichen Ressourcen werden durch EUREKA vernetzt.

Das BMBF unterstützt mit EUREKA die internationale Kooperation von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) durch das Förderprogramm Eurostars, durch gezielte bi- oder multilaterale Bekanntmachungen für EUREKA-Netzwerkprojekte mit anderen EUREKA-Mitgliedsländern, durch EUREKA-Cluster und das neue Instrument Globalstars.

EUREKA-Cluster sind strategische, langfristig angelegte und industriegeführte Initiativen mit einem thematischen Fokus auf Technologiebereiche von besonderem Interesse. Es werden marktnahe und innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte initiiert und realisiert. Das BMBF fördert derzeit deutsche Projektpartner in den EUREKA-Clustern ITEA3 (softwareintensive Systeme), PENTA (Mikro-/Nanoelektronik) und Celtic-Plus (Telekommunikation). KMU sind als Kooperationspartner in Cluster-Projekten sehr willkommen und machen derzeit ca. 40 % der Projektpartner aus.

Das Instrument Globalstars steht für die angestrebte stärkere globale Ausrichtung von EUREKA. Es wird von Deutschland unterstützt, da es die gezielte Zusammenarbeit deutscher Unternehmen mit Partnern aus Drittstaaten erleichtert.

Seit 2016 beteiligt sich Deutschland aktiv am InnoVest-Programm von EUREKA. Dieses Programm unterstützt erfolgreiche EUREKA-Projektteilnehmer dabei, ihre Fähigkeiten zur Einwerbung einer Anschlussfinanzierung zu verbessern. Schulungs- und Trainingsangebote online und in Form von direktem Coaching spielen dabei eine wichtige Rolle.

Im Juni 2017 wurde unter spanischem EUREKA-Vorsitz die Internationalisierungsstrategie 2025 beschlossen. Sie hat das Ziel, EUREKA langfristig zum bevorzugten Programm der europäischen Industrie für globale Kooperation in Forschung, Entwicklung und Innovation auszubauen.

Dieses Bild zeigt Projektstatistik EUREKA

Abb. IV-7: Projektstatistik EUREKA

BMBF

Unter spanischem EUREKA-Vorsitz wurde außerdem ein Assoziierungsabkommen mit Chile als erstem lateinamerikanischem Land unterzeichnet. Weitere EUREKA-assoziierte Länder sind Südafrika, Südkorea und Kanada.

Finnland hat von Juli 2017 bis Juni 2018 den Vorsitz von EUREKA inne. Die finnische Präsidentschaft befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen „Smart EUREKA“, „Extensive EUREKA“ und „EUREKA in the European Innovation Policy“. Das Vereinigte Königreich wird ab Juli 2018 den EUREKA-Vorsitz übernehmen. Als zwischenstaatliches Netzwerk ist EUREKA nicht von einem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU (Brexit) betroffen.

Ein umfangreiches „Impact Assessment“ der EUREKA-Netzwerk- und -Cluster-Projekte für den Zeitraum 2001-2015 ergab, dass Teilnehmer von EUREKA-Netzwerkprojekten ein Jahr nach Ende der Projekte ein zusätzliches jährliches Umsatzwachstum von 15 % und bei Clusterprojekten von 13 % im Vergleich zu nicht teilnehmenden Unternehmen aufweisen. Die empirische Arbeit basierte auf einer europaweiten Umfrage, einer ökonometrischen Analyse und eingehenden Fallstudien. Eine positive Entwicklung bei den Beschäftigtenzahlen konnte ebenfalls nachgewiesen werden.

Seit seiner Gründung im Jahr 1985 sind durch EUREKA über 6.000 Kooperationsprojekte mit einem Gesamtvolumen von fast 38 Mrd. Euro zustande gekommen, davon über 1.600 mit deutscher Beteiligung. Der deutsche Anteil betrug ca. 4,7 Mrd. Euro. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer sind Unternehmen, davon wiederum zwei Drittel KMU. Diese Zahlen belegen, dass das Ziel, mit EUREKA Unternehmen zu internationaler Forschung und Innovation zu motivieren, in hohem Maße erreicht wurde.

EUREKA-Cluster-Projekt NewPass

NewPass ist ein erfolgreiches Projekt aus dem EUREKA-Cluster CATRENE zum Themenbereich Mikro- und Nanoelektronik. Aufgabe war die Entwicklung sicherer Plattformen für die dritte und vierte Generation elektronischer Pässe. 15 Projektpartner aus Frankreich, Österreich, Ungarn, Portugal und Deutschland entwickelten Datenstrukturen und neue Sicherheitschip-Architekturen für elektronische Reisedokumente. Biometriedaten der Ausweisinhaber, Visadaten sowie Ein- und Ausreisestempel können elektronisch erfasst werden; eine geschützte Verwaltung der Daten im Dokument wird möglich. Erforscht und erprobt wurde auch die sichere mobile Nutzung von digitalen Identitätsdokumenten für Smartphones und Tablet-Computer.

Die entwickelten Datenstrukturen und neuen Sicherheitschip-Architekturen fließen in die neuesten, weltweit gültigen Standards für Reisedokumente ein. In Serie gefertigt wurde bereits 2015 die dritte Generation der elektronischen Pässe. 2018 soll die vierte Generation folgen.

Eurostars - Das Förderprogramm für KMU

KMU stellen einen Großteil der Arbeitsplätze und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftskraft Europas. Mit Fortführung des Förderprogramms Eurostars unter Horizont 2020 (Laufzeit 2014-2020) sollen KMU weiterhin dabei unterstützt werden, in Kooperationsprojekten gemeinsam mit europäischen Partnern zu forschen und ihre Innovationen schnellstmöglich in den Markt zu bringen. Das große Interesse an Eurostars zeigt, dass mit der Programmgestaltung der richtige Weg gewählt worden ist. Themenoffene Ausschreibungen, zügige Förderverfahren, eine schlanke Administration und eine hohe Erfolgsquote machen das Programm für KMU attraktiv. Eurostars hat sich als wichtiges Förderinstrument für die Unterstützung von KMU in europäischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten fest etabliert. Mit der Aufnahme von Kanada, Südafrika und Südkorea als assoziierte Partner leistet Eurostars einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung des Europäischen Forschungsraums.

Eurostars ist als gemeinsames Förderprogramm von EUREKA und der Europäischen Kommission eine Maßnahme nach Artikel 185 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Die Förderung der Projektteilnehmer erfolgt jeweils aus nationalen Mitteln, die Europäische Kommission vergibt an teilnehmende Staaten je nach Höhe ihrer Beteiligung zusätzliche Fördermittel (Top-up). Das Programm verzeichnet hohe Antragszahlen mit steigender Tendenz. Jährlich gehen – bei zwei Stichtagen im Frühjahr und Herbst – etwa 700 Anträge ein. Deutschland weist nicht nur die höchste Anzahl an Antragstellern auf, sondern realisiert auch – durch die Budgeterhöhung des BMBF – die meisten erfolgreichen Projekte.

Projektbeispiel Eurostars: Ar-Tex

Bei einem Bandscheibenvorfall reißt der äußere Ring der Bandscheibe. Teile des Bandscheibenkerns können austreten und auf die Nerven im Rückenmark drücken. Außerdem kann die Bandscheibe nicht mehr als Dämpfungselement wirken. Konservative Behandlungsmethoden sind u. a. schmerzstillende Medikamente sowie manuelle und physikalische Therapien. Wenn diese nicht mehr helfen, wird operiert; dabei werden entweder Teile der Bandscheibe entfernt, der betroffene Teil der Wirbelsäule wird versteift, oder es wird eine künstliche Bandscheibe eingesetzt.

Im Eurostars-Projekt „Ar-Tex“ verfolgten die spanische Firma NEOS und die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) die Idee, den Riss in der Bandscheibe von innen zu verschließen. Dazu entwickelten sie einen etwa zehn Quadratzentimeter großen Schirm, der während der Operation im Kern der Bandscheibe aufgespannt wird.

Inzwischen wurde die Funktionsfähigkeit des Verschlusses bewiesen. 2019 soll das Implantat auf den Markt kommen. Mit nur neun Jahren Entwicklungszeit ist das Produkt damit für die Medizintechnik äußerst schnell verfügbar.

Für die Prototypentwicklung erhielt das Konsortium eine Eurostars-Förderung, in Deutschland rund 240.000 Euro aus Mitteln des BMBF. Die Weiterentwicklung zur Marktreife wird durch das KMU-Instrument innerhalb des europäischen Rahmenprogramms für Forschung und Innovation, Horizont 2020, gefördert.

Am 30. Juni 2017 erhielt das Projekt den EUREKA-Innovationspreis in der Kategorie „Innovators of tomorrow“.

COST – Europäische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie

Die seit 1971 bestehende zwischenstaatliche Initiative für europäische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie (COST– engl. European Cooperation in Science and Technology) hat das Ziel, den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zwischen exzellenten Forscherinnen und Forschern in Europa und darüber hinaus zu fördern. Dazu unterstützt COST den Aufbau von (pan-)europäischen Netzwerken durch sogenannte COST-Aktionen. Dabei handelt es sich um Bottom-up-Initiativen, deren Inhalte die Forschenden selber vorschlagen. Im Fokus stehen große gesellschaftliche Herausforderungen, deren Bewältigung gemeinsamer europäischer oder globaler Anstrengungen bedarf, wie z. B. Gesundheitsthemen und Aspekte kultureller oder biologischer Vielfalt. Durch die offene Gestaltung von COST können die Netzwerke auch aktuellste und innovative Forschungsthemen bearbeiten. Oftmals münden die dort erarbeiteten Konzepte in europäische oder internationale Forschungsprojekte, die über Horizont 2020 gefördert werden. Somit ist COST ein initialer Baustein und Wegbereiter für die Förderung von Verbundprojekten zu künftigen und neu entstehenden Technologien oder Innovationen auf europäischer Ebene.

COST fördert über COST-Aktionen die Vernetzung, z. B. Arbeitsgruppen, Workshops, wissenschaftliche Austausche, Training Schools und gemeinsame Veröffentlichungen. Finanziert werden Reisekosten, aber keine Personal- und Forschungsmittel. COST-Aktionen haben eine Laufzeit von vier Jahren. Eine Besonderheit ist ihr offener Charakter: Während der Laufzeit können weitere Mitglieder in das Konsortium aufgenommen werden.

Die Flexibilität der COST-Aktionen erleichtert insbesondere forschungsschwächeren Staaten den Zugang zu europäischen Netzwerken. Auch fördert COST die Mobilität von Nachwuchskräften in Wissenschaft und Technologie. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Verdichtung des Europäischen Forschungsraums und zur Innovationsunion. Deutschland gehört seit jeher zu den stärksten Nutzern von COST. Deutsche Einrichtungen und Forschende sind an beinahe allen COST-Aktionen beteiligt und insbesondere in den Bereichen der nationalen Förderprioritäten erfolgreich. COST wird aus Horizont 2020 mit 300 Mio. Euro für den Zeitraum von 2014 bis 2020 gefördert. Derzeit gibt es knapp 300 laufende COST-Aktionen, pro Jahr starten bis zu 70 neue Aktionen.

Im Jahr 2016 wurde eine COST-Strategie entwickelt, die auf eine Stärkung der Zusammenarbeit mit Akteuren des Europäischen Forschungsraums zielt. Für 2018 ist die Veröffentlichung einer deutschen Evaluierung zu COST geplant. Ziel der Analyse ist es, differenzierte Kenntnisse zur Beteiligung der deutschen Forschungscommunity zu erhalten. Im Ergebnis soll der Mehrwert von COST für Deutschland und Europa zukünftig noch besser genutzt werden. Außerdem sollen Informationen und Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung von COST und seines Förderinstrumentariums im neuen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation auf deutscher Ebene erarbeitet werden.

Projektbeispiel: COST-Aktion TINNET

Der Tinnitus ist mit 70 Millionen Betroffenen in Europa ein weitverbreitetes Krankheitsbild, das zwar nicht gefährlich ist, aber den Alltag der Betroffenen erschwert und hohen Leidensdruck bewirkt. Es gibt vielfältige Ursachen, die einen Tinnitus auslösen, und unterschiedliche Formen der Erkrankung. Deswegen ist eine bessere Erforschung dieser Tinnitus-Heterogenität von großer Bedeutung, um neue Therapieformen zu entwickeln. COST fördert in diesem Zusammenhang die Vernetzung von exzellenten Forscherinnen und Forschern. In der COST-Aktion BM1306 „Better Understanding the Heterogeneity of Tinnitus to Improve and Develop New Treatments“ (TINNET) haben sich 30 Länder aus ganz Europa zusammengeschlossen, um das Leben der Tinnitus-Patientinnen und -Patienten zu verbessern.

Das Netzwerk wird unter deutscher Leitung von Dr. Winfried Schlee (Tinnituszentrum der Universität Regensburg) koordiniert und läuft von 2014 bis 2018. Es besteht aus über 200 Beteiligten aus Forschung und Industrie; neben den universitären Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehören dazu auch Patientenorganisationen, beispielsweise die British Tinnitus Association, die Deutsche Tinnitus-Stiftung der Charité und das internationale Online-Forum Tinnitus Talk.

In verschiedenen Arbeitsgruppen kommen Expertinnen und Experten und Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um verschiedene Aspekte der Tinnitus-Forschung zu bearbeiten. TINNET hat dazu beigetragen, ein Erste-Hilfe-Set für Tinnitus-Betroffene zusammenzustellen. Darüber hinaus hilft die COST-Aktion, durch Youtube-Videos Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild Tinnitus zu schaffen.

Erasmus+ – Das EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport

Erasmus+, das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, fördert mit einem Gesamtvolumen von rund 14,8 Mrd. Euro nicht nur Mobilität zu Lernzwecken und transnationale Zusammenarbeit. Im Rahmen der Leitaktion 1 „Mobilität für Einzelpersonen“ können Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende und junge Menschen sowie Bildungspersonal Auslandserfahrung sammeln. Die Leitaktion 2 „Strategische Partnerschaften“ fördert die Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Jugendorganisationen in ganz Europa. Mit den Jean-Monnet-Aktivitäten stärkt Erasmus+ auch weltweit die Exzellenz in der akademischen Lehre und Forschung zur Europäischen Union. Thematische Schwerpunkte sind die Gesamtsituation Europas im Hinblick auf den Prozess der europäischen Integration, die Rolle der EU in einer globalisierten Welt, eine aktive europäische Bürgerschaft und ein europäischer Dialog zwischen Völkern und Kulturen. Die Aktivitäten umfassen Lehre und Forschung im Bereich der europäischen Studien (z. B. kurze Lehrprogramme, Jean-Monnet-Lehrstühle), politische Debatten mit der akademischen Welt (z. B. internationale Netzwerke von Hochschulakteuren zur europäischen Integration) und Förderung von Vereinen, die zur Erforschung der europäischen Integration beitragen.

Am Jean-Monnet-Programm (1989-2016) waren 1.000 Universitäten in 86 Ländern beteiligt; rund 4.730 Jean-Monnet-Aktivitäten wurden auf dem Gebiet der Studien zur europäischen Integration initiiert. Zwischen 2007 und 2017 wurden 100 Jean-Monnet-Aktivitäten aus Deutschland ausgewählt.