Die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung

Die im Jahr 2017 veröffentlichte Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung ist der Rahmen für die internationale Zusammenarbeit Deutschlands in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation. Sie ist eine Weiterentwicklung der 2008 veröffentlichten Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung. Mit dem Aktionsplan Internationale Kooperation zog das BMBF 2014 eine Bilanz der bisherigen Internationalisierungserfolge und leitete wichtige Anpassungen für die weitere Umsetzung und die Fortentwicklung der Strategie ab. Die Internationalisierungsstrategie von 2017 definiert fünf Ziele:

  1. Exzellenz durch weltweite Kooperation stärken
  2. Deutschlands Innovationskraft international entfalten
  3. Bildung und Qualifizierung internationaler ausbauen
  4. Die globale Wissensgesellschaft gemeinsam mit Schwellen- und Entwicklungsländern gestalten
  5. Gemeinsam globale Herausforderungen bewältigen

Die Bundesregierung hat 2017 das strategische Ziel „Bildung und Qualifizierung internationaler ausbauen“ neu aufgenommen. In der internationalen Zusammenarbeit gewinnt die berufliche Bildung für den Standort Deutschland zunehmend an Bedeutung – eine zentrale Feststellung der Bilanz im BMBF-Aktionsplan von 2014.

Die Bundesregierung setzt in der Internationalisierungsstrategie zudem einen Schwerpunkt auf Querschnittsmaßnahmen wie die Außenwissenschaftspolitik. Durch die Ausbildung künftiger Eliten in Partnerländern werden tragfähige Beziehungen aufgebaut, und es wird das Interesse am wissenschaftlichen Wirken in Deutschland gefördert. In den meisten Ländern gibt es heute Alumni, die das Ansehen Deutschlands in der Welt mitbestimmen. Zusätzlich prägt die dauerhafte Präsenz deutscher Hochschulen und Universitäten mit transnationalen Bildungsangeboten die Wahrnehmung und bietet zusätzliche Plattformen für den fachlichen wie außerfachlichen Dialog. Über den wissenschaftlichen Austausch gelingt es, im vorpolitischen Raum zu wirken und Gesprächskanäle in angespannten politischen Situationen offenzuhalten. Ebenso ermöglicht Außenwissenschaftspolitik, in Krisenzeiten und Konfliktregionen wissenschaftliche und akademische Perspektiven zu schaffen.

Die strategische Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit Deutschlands findet auch auf der Ebene einzelner Akteure statt. So haben Forschungs- und Mittlerorganisationen – wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck-Gesellschaft, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Alexander von Humboldt-Stiftung – sowie zahlreiche deutsche Hochschulen unter Bezug auf die strategischen Ziele der Bundesregierung in den vergangenen Jahren eigene Strategien entwickelt.

Die fünf Ziele der Internationalisierungsstrategie werden nachfolgend dargestellt.

Ressortübergreifende Synergieprojekte

Beispiel 1: Plattform Industrie 4.0

Industrie 4.0 verzahnt Produktionsprozesse mit digitaler Informations- und Kommunikationstechnik. Mit der Plattform Industrie 4.0 verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die internationale Spitzenposition Deutschlands in der produzierenden Industrie zu sichern und auszubauen. Sie will den digitalen Strukturwandel vorantreiben und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen und Standards schaffen. Dazu beteiligt sich die Plattform Industrie 4.0 u. a. an dem Prozess „Digitizing European Industry“, in dem die europäischen Plattformen zum Thema Industrie 4.0 vernetzt sind. Im Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit mit China wurden bilaterale Industrie-4.0-Forschungsvorhaben ausgeschrieben und gefördert. Das BMBF hat für Forschungsarbeiten zu Industrie 4.0 bis zum Jahr 2017 über 320 Mio. Euro bewilligt.

Beispiel 2: Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation

Die Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation (German Office for International Cooperation in Vocational Education and Training – GOVET) besteht seit 2013 und ist im Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn angesiedelt. GOVET wird vom BMBF gefördert und vom Auswärtigen Amt und vom BMZ mit Personalstellen unterstützt. Die Zentralstelle unterstützt die Abstimmung zwischen den verschiedenen Bundesministerien und anderen deutschen Akteuren, die in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit aktiv sind. Weiterhin beantwortet GOVET als zentrale Anlaufstelle Anfragen zum deutschen Berufsbildungssystem aus der ganzen Welt und leistet auf Anfrage Systemberatung.

Beispiel 3: Unterstützung der Panafrikanischen Universität

Deutschland unterstützt den Aufbau der Panafrikanischen Universität (PAU) durch die Afrikanische Union. Es gibt fünf Themenschwerpunkte und Standorte („Hubs“), die darauf zielen, die Exzellenz von Wissenschaft und Hochschulbildung in Afrika zu steigern. An der Universität Tlemcen in Algerien finanzieren und begleiten das BMZ und das BMBF seit 2015 gemeinsam den Aufbau des Instituts für Wasser- und Energiewissenschaften (einschließlich Klimawandel), die Aufgabenteilung ist komplementär. Der Aufbau von Verwaltungs- und Hochschulmanagementstrukturen, akademische Qualitätssicherung sowie praxis- und beschäftigungsorientierte Curricula sind Komponenten des BMZ. Das BMBF unterstützt den PAU-Hub bei der Ausgestaltung der Forschungsdimension.

Beispiel 4: Globale Ernährungssicherung (GlobE)

Die Sicherung der weltweiten Ernährung ist ein zentrales Handlungsfeld der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 und der Nationalen Politikstrategie Bioökonomie. Um den weltweiten Aufbau einer nachhaltigen und leistungsstarken Landwirtschaft zu unterstützen, hat das BMBF 2013 in Kooperation mit dem BMZ die Förderinitiative Globale Ernährungssicherung (GlobE) gestartet. Bis zu 45 Mio. Euro werden in sechs Forschungsverbünde investiert, die eine Laufzeit von fünf Jahren haben.

Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und internationale Zusammenarbeit

Die Überführung von Forschungsergebnissen in die Praxis hängt heute insbesondere von der Schaffung geeigneter internationaler Rahmenbedingungen ab. Hier spielen die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes mit ihren internationalen Kontakten und ihren spezifischen Aufgaben an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik eine entscheidende Rolle. Durch ihr wissenschaftliches Engagement bei der Entwicklung und internationalen Harmonisierung von Methoden, Standards, Normen und Regelungen schaffen sie die Voraussetzungen für den Erfolg von Innovationen und für die internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung von globalen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ein Beispiel dafür ist das Engagement der Ressortforschungseinrichtungen bei der Bewältigung globaler Infektionskrankheiten wie Ebola und der globalen Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen. Aufbauend auf den während der Epidemie gewonnenen Erkenntnissen arbeiten Einrichtungen der Ressortforschung insbesondere aus dem Geschäftsbereich des BMG (BfArM, PEI, RKI) mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, der Weltgesundheitsorganisation, der Europäischen Arzneimittelagentur, der US-amerikanischen Food and Drug Administration und anderen internationalen Behörden zusammen, um schnell geeignete Notfallmaßnahmen und Behandlungen zu entwickeln, wissenschaftlich begründete Kriterien für deren Einsatz zu generieren, die internationalen Gesundheitsvorschriften zur Bewältigung solcher Epidemien umzusetzen und beim Aufbau entsprechender Strukturen in Entwicklungsländern zu helfen. Dies betrifft auch die Befähigung zur Durchführung arzneimittelregulatorischer Maßnahmen in Ländern, in denen Fälschungen und Arzneimittel, die nicht den üblichen Qualitätsstandards entsprechen, zu erheblichen Gefährdungen der öffentlichen Gesundheit führen. Weitere Beispiele sind das weltweite Engagement der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in der technischen Zusammenarbeit zur Verbesserung von Dienstleistungen der Qualitätsinfrastruktur in zahlreichen Regionen der Erde. Durch diese auf eigener und extramuraler Forschung basierende Schlüsselstellung sowie das frühzeitige regulatorische, auch international ausgerichtete Beratungsangebot tragen die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes wesentlich zum Erhalt und zur Weiterentwicklung einer leistungsfähigen Innovationsinfrastruktur in Deutschland, Europa und der Welt bei.

Im Rahmen seiner internationalen Verpflichtungen setzt sich Deutschland zudem verstärkt in Partnerländern bei Infektionen und beim Aufbau belastbarer Gesundheitssysteme ein. Dafür werden die auf das internationale Infektionsgeschehen ausgerichteten Aktivitäten gestärkt. Zur Verbesserung der internationalen Gesundheitssicherheit hat das BMG das Global Health Protection Programme (GHPP) gestartet (siehe auch IV 3.3 Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern).

Exzellenz durch weltweite Kooperation stärken

Wissenschaftliche Exzellenz lebt vom Austausch und vom Wettbewerb der weltweit Besten. Dabei steht die Kooperation mit anderen Industriestaaten im Mittelpunkt, zunehmend rücken aber die BRICS-Staaten und andere Schwellenländer ins Blickfeld (siehe auch IV 3.2 Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten und IV 3.3 Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern). Einen Schwerpunkt ihrer Aktivitäten legt die Bundesregierung auf das deutsche Engagement in Europa – auf EU-Ebene und auf bilateraler Ebene. Die Bundesregierung will als Motor und Impulsgeber die Vertiefung des Europäischen Forschungsraums aktiv vorantreiben (siehe auch IV 2 Deutschlands Rolle in Europa).

Exzellenz wird auf mehreren Ebenen gefördert. Über die Förderung von Mobilität sollen exzellente Studentinnen und Studenten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen für den Standort Deutschland gewonnen werden. Neue Wissensquellen können für deutsche Akteure erschlossen werden. Gleichzeitig unterstützt die Bundesregierung die internationale Mobilität deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und damit die internationale Vernetzung einzelner Forschungssysteme. Der DAAD und die Alexander von Humboldt-Stiftung haben hierbei als größte deutsche Mittlerorganisationen eine herausragende Bedeutung.

Leistungsstarke Forschungsinfrastrukturen sind ein Kernelement der europäischen und internationalen Forschungspolitik. Hier findet wissenschaftliche Spitzenforschung statt, und es werden Fragen rund um Innovationen von morgen bearbeitet. Forschungsinfrastrukturen sind Zentren der Aus- und Weiterbildung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Sie eröffnen vielfältige Möglichkeiten für Kooperationen mit Partnerländern, zumal sie aufgrund des hohen Ressourcenbedarfs häufig nur gemeinsam von mehreren Partnerstaaten aufgebaut und betrieben werden können. Die Bundesregierung stärkt die Rolle Deutschlands beim Aufbau und der Nutzung von Forschungsinfrastrukturen durch gezielte Maßnahmen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene (siehe auch IV 2.2 Deutschlands Beitrag zum Europäischen Forschungsraum sowie III 1.7 Grundlagenforschung zu Universum und Materie).

Deutschlands Innovationskraft international entfalten

Im Wettbewerb um marktrelevantes Wissen, innovative Produkte und Dienstleistungen kommt dem Grad und der Qualität der internationalen Vernetzung zunehmende Bedeutung zu. Das Ziel, spezifisches Wissen zu erschließen und qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, gehört neben der Markterschließung zu den stärksten Treibern bei der Internationalisierung von FuE-Aktivitäten. Die Entwicklung der internationalen Innovationspotenziale, der Aufbau neuer Hightech-Standorte und die Etablierung von Partnerschaften mit den stärksten und kreativsten Innovationsstandorten der Welt sind dabei in besonderem Maße vom Spannungsverhältnis zwischen Wettbewerb und Kooperation der Länder, aber auch von außen- und sicherheitspolitischen Fragen der Export- und Rüstungskontrolle geprägt. Die internationale Vernetzung wird durch den Trend zu globalen Wertschöpfungsketten zusätzlich befördert. Diese bringen die verschiedenen Akteure je nach Markt und Produkt in unterschiedlichen Rollen und Funktionen zusammen.

Die Maßnahmen des BMBF zielen darauf ab, diese Entwicklung mit positiven Akzenten zu begleiten und die deutschen Akteure auf den globalen Märkten mittelbar und unmittelbar zu unterstützen. Die Instrumente der Hightech-Strategie werden zunehmend internationalisiert. Dabei geht es zum einen um die Entwicklung von internationalen Komponenten der Instrumente selbst, zum anderen um eine Verknüpfung dieser Instrumente mit bestehenden europäischen Initiativen, z. B. mit den Initiativen der Gemeinsamen Programmplanung oder den Knowledge and Innovation Communities (KIC). Dadurch soll die Verzahnung von Innovationsprozessen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene verstärkt werden. Die Internationalisierung deutscher Spitzencluster und vergleichbarer Netzwerke wird über eine eigene Maßnahme des BMBF gefördert (siehe auch III 2 Vernetzung und Transfer). Inzwischen sind 32 Projekte in drei Wettbewerbsrunden zur internationalen Vernetzung innovationsstarker Regionen aus Deutschland gestartet. Diese Netzwerke arbeiten in ausgewählten Themenbereichen der Hightech-Strategie; dazu gehören nachhaltiges Wirtschaften und Energie, digitale Wirtschaft und Gesellschaft, gesundes Leben und intelligente Mobilität. Auf die Stärkung der internationalen Dimension der Hightech-Strategie zielen auch Handlungsempfehlungen zu sechs Themenfeldern, die das Fachforum „Internationalisierung“ innerhalb des Hightech-Forums im März 2017 vorgelegt hat. Besonderes Gewicht legt die Bundesregierung darauf, kleine und mittlere Betriebe bei internationalen Kooperationen zu unterstützen. Das BMBF bündelt daher sein Förderangebot in der Initiative KMU-International und baut den „2+2“-Ansatz auf bilateraler Ebene weiter aus. Das BMWi fördert im Rahmen seiner mittelstandsorientierten Programme (Industrielle Gemeinschaftsforschung und Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) in zunehmendem Maße internationale Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in verschiedenen Ländern weltweit. Hierzu wurden zahlreiche bilaterale Abkommen, so z. B. mit Israel, Südkorea, Japan, Kanada, Finnland und Schweden, abgeschlossen.

Bildung und Qualifizierung internationaler ausbauen

Die nachfrageorientierte und praxisbasierte Fachkräfteausbildung hat in den vergangenen Jahren als Motor für Innovations-, Beschäftigungs- und Wettbewerbsfähigkeit weltweit an Bedeutung gewonnen. In den europäischen Institutionen ist die Berufsbildung (Vocational Education & TrainingVET) ein Schwerpunkt der Förderung in Bildung, Kultur und Jugend bis zum Jahr 2020. Die Bundesregierung hat die Internationalisierung von Bildung und Qualifizierung in ihrer Strategie Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung von 2017 als eigenständiges Ziel verankert. Denn eine gute Berufsausbildung für junge Menschen ist ein wichtiger Baustein für wirtschaftliche Stabilität und sozialen Frieden.

Das deutsche duale System der Berufsbildung, das nicht nur die Vermittlung theoretischer berufsfachlicher Kenntnisse und Kompetenzen, sondern auch die praktische Einübung unter realen, innerbetrieblichen Arbeitsbedingungen leistet, gilt für viele Länder weltweit als handlungsleitendes Beispiel für eigene Reformen. Aufgrund des international hohen Ansehens des deutschen Berufsbildungssystems haben die Anfragen nach einer Zusammenarbeit mit Deutschland in der Berufsbildung in den vergangenen Jahren stark zugenommen (siehe auch IV 3.5 Internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung). Die Berufsbildung betrifft verschiedene Ressorts; die Leitung des ressortübergreifenden Runden Tisches für internationale Berufsbildungszusammenarbeit liegt beim BMBF. Im Juli 2013 hat die Bundesregierung die Strategie zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand verabschiedet. Sie bildet die Grundlage für ein abgestimmtes Vorgehen aller beteiligten Ressorts in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit. Die Abstimmung erfolgt über einen Runden Tisch, bei dem in regelmäßigen Abständen die an der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit beteiligten Bundesressorts und relevante Durchführungsorganisationen zusammenkommen.

Die globale Wissensgesellschaft gemeinsam mit Schwellen- und Entwicklungsländern gestalten

Deutschland ist mit seinem starken Bildungs-, Wissenschafts- und Innovationssystem ein international begehrter Partner – auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Besonders gefragt ist die Kompetenz deutscher Forschungseinrichtungen hinsichtlich globaler Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Klimawandel und der Ausbreitung von Epidemien. Zudem steigt die Nachfrage nach Unterstützung und Beratung bei der Reform von Bildungs- und Wissenschaftssystemen – beispielsweise in der Berufsbildung und bei Hochschulkooperationen. Im Gegenzug hat Deutschland großes Interesse daran, seine Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern auszubauen. Der Kapazitätsaufbau in diesen Ländern soll dazu dienen, vor Ort Perspektiven zu schaffen. Zudem sind die internationale Kooperation mit exzellenten Forscherinnen und Forschern, der Zugang zu Forschungsinfrastrukturen und forschungsrelevanten geografischen Gebieten weltweit sowie die Erschließung neuer Märkte wichtige Faktoren deutscher Forschungs- und Innovationspolitik. Über das BMBF strebt die Bundesregierung insbesondere Kooperationen mit aufstrebenden Wissenschaftsnationen an – also Staaten, die verstärkt in Bildung und Forschung investieren und dadurch zu neuen Akteuren in der globalen Wissensgesellschaft werden.

Die Kooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern ist thematisch breit gefächert (siehe auch IV 3.3 Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern). So setzt die Afrika-Strategie 2014–2018 des BMBF sieben Schwerpunktthemen: Umwelt, Gesundheit, Bioökonomie, gesellschaftliche Entwicklung, Ressourcenmanagement/Rohstoffe, Innovation sowie Transformation. Die im Jahr 2015 veröffentlichte Bildungsstrategie Gerechte Chancen auf hochwertige Bildung schaffen des BMZ formuliert für Hochschulbildung und Wissenschaft das Ziel einer „qualitätsvollen und arbeitsmarktrelevanten Hochschulbildung“.

Daran knüpft die Exportinitiative Umwelttechnologien des BMU an. Sie fokussiert auf den Wissens- und Technologietransfer, Capacity Building und Governance-Strukturen im Zielland, um dort die Voraussetzungen für Umweltschutz und eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen und gleichzeitig die Erschließung von Auslandsmärkten für deutsche Umwelttechnologien und Umweltinnovationen zu ermöglichen.

Strukturell erfolgt die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit Entwicklungs- und Schwellenländern über eine Vielzahl von bi- und multilateralen Programmen und Einzelmaßnahmen. Dazu gehören gemeinsame Förderprogramme, der Aufbau gemeinsamer wissenschaftlicher Einrichtungen und transnationaler Bildungsangebote, Beratung und Kapazitätsaufbau, Stipendien, nachfrageorientierte Finanzierungsinstrumente, regionale Studienkreditprogramme und die Entwicklung anwendungsbezogener Curricula in den Partnerländern.

Gemeinsam globale Herausforderungen bewältigen

Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Epidemien und Ernährungssicherheit machen nicht an Ländergrenzen halt. Sie können nur im Rahmen gemeinsamer, länderübergreifender Anstrengungen auf europäischer und internationaler Ebene bewältigt werden. Bildung und Forschung schaffen das notwendige Wissen und ermöglichen Lösungen. Darüber hinaus stellt die Wissenschaft die Informationen bereit, um eine „informierte“ Politik zu ermöglichen. Die internationale Kooperation bei globalen Herausforderungen hat viele Vorteile, angefangen vom Teilen von Forschungsrisiken über die Bündelung von Ressourcen (Budget und Personal) bis hin zur Ausbildung eines weltweiten Verständnisses für spezifische globale Herausforderungen.

Die Bundesregierung unternimmt große Anstrengungen, um eine wirksame und effiziente Forschung zu globalen Herausforderungen zu unterstützen (siehe auch IV 3.2 Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten und IV 3.3 Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern). Mit der Hightech-Strategie, dem aktuellen Rahmenprogramm des BMBF Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3), der nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 und der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen von G7u. a. zu den Themen Gesundheit, Energie und Zukunft der Meere und Ozeane – hat sie einen Schwerpunkt auf Forschung zu globalen Herausforderungen gelegt. Die 2017 gestartete Fördermaßnahme CLIENT II – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen unterstützt Kooperationen im Klima-, Umwelt- und Energiebereich (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima und Energie). Ein herausragendes Beispiel, ebenfalls gestartet im Jahr 2017, ist die Initiative Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).