Deutschlands Beitrag zum Europäischen Forschungsraum

Mit dem Europäischen Forschungsraum soll ein echter Binnenraum für Forschung und Innovation entstehen. Deutschland ist Motor und Impulsgeber für die Entwicklung eines exzellenzbasierten und international ausstrahlenden europäischen Forschungs- und Innovationsraums.

Damit Europa langfristig wettbewerbsfähig bleibt, wirtschaftlich wächst und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigt, arbeiten die EU-Mitgliedstaaten bei Forschung und Innovation eng zusammen. Zur Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums werden Initiativen und Programme in sechs Themenfeldern erarbeitet und umgesetzt (EFR-Prioritäten):

  1. effektivere nationale Forschungssysteme,
  2. optimale länderübergreifende Zusammenarbeit und entsprechender Wettbewerb,
  3. offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher,
  4. Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Forschung,
  5. optimaler Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen,
  6. internationale Dimension des Europäischen Forschungs- und Innovationsraums.

Die Fortschritte bei der Umsetzung dieser Prioritäten werden in zweijährigen Fortschrittsberichten der Europäischen Kommission abgebildet. Dem EFR-Fortschrittsbericht 2016 zufolge wurden in der EU große Fortschritte bei der Vertiefung des EFR erzielt. Im EU-Durchschnitt stehen alle Leitindikatoren auf Wachstum, allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten.

Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum

Am 16. Juli 2014 verabschiedete das Kabinett die Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum (EFR; engl. European Research AreaERA). Die Strategie umfasst politische Leitlinien und einen Maßnahmenkatalog mit mehr als 40 Schwerpunkten des deutschen Engagements zur weiteren Umsetzung des EFR. Im Rahmen einer Konferenz zum EFR zog die Bundesregierung im Oktober 2016 eine Bilanz der Strategie. Die wichtigsten, aktualisierten Ergebnisse in den sechs EFR-Prioritäten werden nachfolgend aufgeführt.

1.     Effektivere nationale Forschungssysteme

Im Juni 2016 wurden die Exzellenzstrategie zur Förderung von Spitzenforschung an Universitäten, ein Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie eine neue gemeinsame Förderinitiative Innovative Hochschule beschlossen (siehe auch V Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).

Die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten sowie deren Einbindung in den EFR wird durch neue Programme unterstützt, ein Beispiel ist das Stipendienprogramm ERA Fellowships des BMBF.

2.     Optimale länderübergreifende Zusammenarbeit und entsprechender Wettbewerb

Deutschland ist einer der aktivsten Akteure im Bereich der Gemeinsamen Programmplanung und ähnlicher Initiativen und Plattformen der grenzüberschreitenden Kooperation. So ist Deutschland aktuell an neun der zehn Initiativen der Gemeinsamen Programmplanung, an vier von fünf Maßnahmen nach Artikel 185 AEUV (langfristig angelegte Förderprogramme) und an 20 von 25 ERA-Nets Cofund (gemeinsame Förderbekanntmachungen) beteiligt.

Der Aufbau und die gemeinsame Nutzung von Forschungsinfrastrukturen haben für Deutschland große Bedeutung. Deutschland hat daher die Weiterentwicklung und Aktualisierung der ESFRI-Roadmap (Roadmap des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen) aktiv vorangebracht; deutsche Ministerien oder Forschungsinstitutionen haben sich bisher an der Rechtsform von 23 ESFRI-Forschungsinfrastrukturen beteiligt. Nach einer erfolgreichen Pilotphase wurde der nationale Roadmap-Prozess für Forschungsinfrastrukturen im Jahr 2015 etabliert (siehe auch II 2.2 Finanzierung von Forschung und Entwicklung durch Bund und Länder).

3.     Offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher

Als Teil von Horizont 2020 fördert die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme Innovative Training Networks die strukturierte und innovative Doktorandenausbildung. In den ersten vier Jahren von Horizont 2020 konnten bereits mehr als 1.000 Doktorandinnen und Doktoranden von deutschen Einrichtungen für ein Promotionsprojekt rekrutiert werden.

Im Rahmen des neuen Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wurde 2017 das Tenure-Track-Programm gestartet, wodurch erfolgreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler langfristige Perspektiven im deutschen Wissenschaftssystem erhalten. Der Bund plant, dafür im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel bis zu 1 Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen.

4.     Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Forschung.

Das Professorinnenprogramm von Bund und Ländern stärkt die Gleichstellungsstrukturen an den Hochschulen und hat bisher die Berufung von mehr als 500 Professorinnen gefördert. Es ist so erfolgreich, dass Bund und Länder es über 2017 hinaus fortsetzen.

Bei der Fortschreibung des Pakts für Forschung und Innovation für die Jahre 2016 bis 2020 wurde die Gewährleistung chancengerechter und familienfreundlicher Strukturen und Prozesse als eines von sechs Zielen aufgenommen (siehe auch V Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).

Durch mehrere Gesetzesnovellen, z. B. das 2016 erneuerte Wissenschaftszeitvertragsgesetz, wurde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestärkt. Das Mutterschutzgesetz gilt seit 2018 auch für Studentinnen. Studierende mit Kindern werden seit August 2016 durch höhere BAföG-Kinderbetreuungszuschläge unterstützt.

Die Kontaktstelle „Frauen in die EU-Forschung“ wird vom BMBF finanziert, sie informiert und berät Wissenschaftlerinnen rund um die EU-Forschungsrahmenprogramme. Die Kontaktstelle versteht sich als zentrale Beratungsstelle in Deutschland für Gender und Chancengleichheit in Horizont 2020.

5.     Optimaler Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen

Die Bundesregierung fördert „offene Innovation“ und den Wissens- und Technologietransfer bereits seit vielen Jahren im Rahmen der Hightech-Strategie. Dazu gehören Maßnahmen zur Stärkung der strategischen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie zur schnelleren und effizienten wirtschaftlichen Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse (siehe auch III 2.2 Schließen von Verwertungslücken).

Die BMBF-Förderlinie Forschung an Fachhochschulen mit Unternehmen (FHprofUnt) vom November 2014 unterstützt die Forschungskooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft (siehe auch III 2.1 Unterstützung von Kooperationen zwischen öffentlich geförderter Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft).

Mit bis zu 550 Mio. Euro für insgesamt zehn Jahre stärkt die im Sommer 2016 ins Leben gerufene Bund-Länder-Initiative Innovative Hochschule den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen, Wirtschaft und Gesellschaft.

6.     Internationale Dimension des Europäischen Forschungsraums

In Horizont 2020 arbeiten deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Unternehmen mit Partnern aus 139 Ländern zusammen, am intensivsten mit den USA, China und Kanada.

Das Strategieforum für internationale Zusammenarbeit in Forschung und Technologie (SFIC) ist die zentrale Plattform der Europäischen Union zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Drittländern. Deutschland hat sich aktiv an den Arbeiten des Forums beteiligt, u. a. als Vorsitzland der Länderinitiativen zu Russland und den USA.

Die Initiativen der Gemeinsamen Programmplanung werden immer stärker internationalisiert und integrieren beispielsweise Kanada, Japan, Argentinien und Neuseeland.