Blitzmaschine der Superlative

Am 4. Mai 2017 blickten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Hamburg: Der European XFEL (X-Ray Free-Electron Laser) schickte die ersten Röntgenlaserblitze durch ein unterirdisches Röhrensystem. „Licht am Ende des Tunnels“, frohlockte die Fachwelt damals auf Twitter. Dabei war es noch viel mehr: Mit dem erfolgreichen Test begann nach Ansicht von Fachleuten eine neue Ära der Forschung.

Dieses Bild zeigt ein Foto von Teilen des European XFEL.

Die Bauarbeiten für den European XFEL dauerten von 2009 bis 2016. Nach einer Phase der Inbetriebnahme wurde die Anlage im September 2017 offiziell eingeweiht.

European XFEL

Der European XFEL ist eine Forschungseinrichtung der Superlative. Die Anlage erstreckt sich über 3,4 Kilometer und liegt bis zu 38 Meter tief unter der Erde. Der Laserstrahl, den die Anlage erzeugt, ist zehn Trilliarden Mal heller als die Sonne. Pro Sekunde treffen 27.000 Lichtpulse auf die zu untersuchenden Proben. Der European XFEL ist damit die leistungsstärkste Kamera der Welt. Sie ermöglicht dreidimensionale Fotos von Molekülen, Zellen und Viren. Sogar chemische Reaktionen lassen sich filmen.

Dass in Europa eine solche Anlage entstehen konnte, ist der Zusammenarbeit von Fachleuten aus vielen Ländern zu verdanken. Neben den Hauptinvestoren Deutschland und Russland sind zehn weitere Staaten an dem Projekt beteiligt: Dänemark, Frankreich, Italien, Polen, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Ungarn und das Vereinigte Königreich. Sie haben den Bau der Anlage nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch mit Personal und Sachleistungen. Die Partnerländer sind im obersten Leitungsgremium vertreten und treffen wichtige Entscheidungen gemeinsam. Die verschiedenen Blickrichtungen und Expertisen verleihen der Forschungseinrichtung ein einzigartiges Profil.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt bewerben sich darum, am European XFEL forschen zu können. Die Entscheidung trifft ein internationales Gremium aus Expertinnen und Experten, das aus den eingereichten Bewerbungen die besten auswählt. Bis Juli 2018 waren es 340 Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher, die jeweils eine Woche lang in Teams Experimente durchführen durften. Die Zahl wird rasch steigen, da zu den bisherigen beiden Experimentierstationen in Kürze vier weitere hinzukommen werden.

Auf dem Forschungscampus des European XFEL kommen Forschende mit unterschiedlicher nationaler und fachlicher Herkunft zusammen. Der Austausch bringt vielfältige Ideen hervor, die neue Produkte und Produktverbesserungen erwarten lassen. Die Anlage ermöglicht neue Erkenntnisse in nahezu allen technisch- wissenschaftlichen Bereichen, die für die Alltagswelt und die Gesellschaft bedeutsam sind – darunter Medizin, Pharmazie, Chemie, Materialwissenschaft, Nanotechnologie, Energietechnik und Elektronik. Die Blitzmaschine aus der Metropolregion Hamburg leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland.

Dieses Bild zeigt Personen bei der Arbeit am European XFEL.

European XFEL/Jan Hosan